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alba – ein internationales Literaturmagazin aus Berlin

4. April, 13:33 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Das Berliner Literaturmagazin Magazin ALBA feiert derzeit seine zehnte Ausgabe. Grund genug, unsere geschätzten Partner – Experten für die Gegenwartsliteratur vor allem Lateinamerikas – einmal genauer zu ihrer Arbeit zu befragen.

 Spanische Version des Interviews

Wie kam es zur Gründung des alba Magazins? Was ist die Grundidee hinter der Zeitschrift?

 

alba.lateinamerika lesen wurde 2011 mithilfe des Pariser Schwestermagazins in Berlin ins Leben gerufen. Das Konzept, das neben dem französischen und dem deutschen Magazin auch alba London und alba Peking verfolgen, besteht darin, Literatur aus Lateinamerika zu sondieren und in den jeweiligen Sprachräumen sichtbar zu machen. Wir Redaktionsmitglieder der Berliner alba, mittlerweile eingetragener Verein, durchforsten die Buchmärkte Lateinamerikas – insbesondere jene abseits des Mainstreams – nach aktuellen und literarisch hochkarätigen Texten und nach AutorInnen, die vielleicht bald groß werden. Neben Lyrik und Prosa aus Lateinamerika gibt es im Heft auch Rubriken für themenspezifische Essays. Beispielsweise über wichtige Vermittlerfiguren zwischen den Hemisphären, Avantgardebewegungen oder zu Unrecht vergessene AutorInnen oder literarische Gruppen. Das ganz Besondere an der Zeitschrift ist, dass wir alle Texte sowohl in der Ausgangssprache als auch in deutschen Übersetzungen publizieren. Hinzu kommen Illustrationen lateinamerikanischer KünstlerInnen, die von den Texten inspiriert sind. Neben der Publikation machen wir aber auch eine Menge Kulturarbeit. Wir organisieren Performances, Lesungen und Übersetzungsworkshops mit AutorInnen aus Lateinamerika, wir stellen Kontakte her, damit solche AutorInnen nach Berlin kommen können (manche bleiben auch hier) und haben auch schon eine Ausstellung mit Illustrationen aus alba organisiert. Wir präsentieren das Magazin auf der Frankfurter sowie der Leipziger Buchmesse, wir pflegen rege Kontakte zu AutorInnen, Kulturinstitutionen und unabhängigen Verlagen sowohl in Berlin als auch in Lateinamerika und haben immer ein Ohr am Puls der aktuellen Literatur-Entwicklungen.

Wer macht alba und wie finanziert sich die Zeitschrift?

alba lebt von dem ehrenamtlichen Engagement der Redaktion, die sich aus LiteraturwissenschaftlerInnen, Juristinnen, Übersetzerinnen, Grafikerinnen und Lateinamerikabegeisterten  zusammensetzt, und unserer AutorInnen, ÜbersetzerInnen, IllustratorInnen und anderen externen HelferInnen. Als eingetragener gemeinnütziger Verein, alba.lateinamerika lesen e.V., finanzieren wir uns zu einem kleinen Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Abonnements, der Großteil wird aber von Förderern wie lateinamerikanischen Botschaften, Universitäten oder anderen Institutionen geleistet. Im Augenblick sind wir dabei, nach einer etwas langfristigeren Finanzierungsmöglichkeit zu suchen.

Welchen Stellenwert haben die Übersetzungen in alba.lateinamerika lesen?

Es gibt in alba einerseits eine Rubrik, die dem Übersetzen als kultureller Praxis gewidmet ist und die entweder wichtige ÜbersetzerInnen würdigt oder Essays über das Übersetzen einen Raum bietet. Auf der anderen Seite steht unsere permanente übersetzerische Tätigkeit. Unsere Lesungen finden mehrheitlich zweisprachig statt, unsere Homepage ist sogar teilweise dreisprachig und das Magazin selbst manchmal auch viersprachig, nämlich wenn wir indigene AutorInnen publizieren. Ohne die ganz praktische Tätigkeit des Übersetzens würde die Zeitschrift kaum Sinn ergeben. alba richtet sich primär an ein deutschsprachiges Publikum, aber es gibt auch unzählige LateinamerikanerInnen in Berlin und ganz Deutschland, für die diese Zeitschrift einen guten Überblick über die aktuelle Literaturlandschaft gibt.

Welche Entdeckungen hat alba für den deutschen Sprachraum gemacht?

alba konnte zahlreiche Erstveröffentlichungen großartiger LyrikerInnen und Prosa-AutorInnen publizieren, etwa bis dahin unveröffentlichte Gedichte des Kolumbianers Tomás González oder eine bis dahin unveröffentlichte Erzählung der Grande Dame der feministischen Prosa Cristina Peri Rossi. Viele der aufstrebenden jungen AutorInnen, die allmählich auch in Berlin und in Deutschland literarisch anerkannt sind und ausgezeichnet werden, hatten wir schon früh im Heft, etwa Luis Cháves, Nona Fernández, Andrea Jeftanovic, Valeria Luiselli oder Samanta Schweblin.

Wie ist die Situation der lateinamerikanischen Literatur in Berlin?

Insgesamt ist die nichtdeutschsprachige Berliner Literaturszene überaus bunt und lebendig. Es leben viele LateinamerikanerInnen hier in der Stadt und darunter sind zahlreiche Schreibende. Berlin ist für DoktorandInnen und DAAD-StipendiatInnen aus aller Welt ein sehr beliebtes Ziel, viele kommen hierher, um ihre Abschlussarbeiten fertigzustellen und bleiben dann. Andere ziehen sozusagen vorüber, bleiben für ein halbes Jahr, ein Jahr oder ein paar Monate, treten bei einigen Lesungen auf und sind ansonsten praktisch unsichtbar. Wieder andere gründen eine Zeitschrift wie alba, oder führen ihr poetisches Projekt erst hier richtig aus wie der Argentinier Cristian Forte. Hierbei sind das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) mit seiner außerordentlich gut sortierten Bibliothek zum iberischen Sprachraum ebenso wie das Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin zentrale „offizielle“ Anlaufstellen für ForscherInnen aus Lateinamerika. Auf der anderen Seite stehen die unzähligen mehr oder weniger ‚undergroundigen‘ Institutionen, die die lateinamerikanische Kulturszene in Berlin ausmachen und ihr einen Raum bieten. Darunter das mobile lateinamerikanische Poesiefestival Latinale, das Figuren wie Ricardo Domeneck, Alan Mills oder der genannte Cristian Forte eine erste Bühne geboten hat, die vielen Kulturkneipen, die wunderbare Lettrétage und nicht zuletzt unser Literaturmagazin.

Kürzlich erschien die 10. Ausgabe von alba. Was sind die Schwerpunkte dieser Ausgabe?

alba10 ist im Dualen Jahr Mexiko-Deutschland angesiedelt und wir konnten die Ausgabe mithilfe der Botschaft von Mexiko in Berlin realisieren. Die Ausgabe hat einen starken, aber nicht exklusiven Mexiko-Fokus, ähnlich wie bei alba04 (Zentralamerika und Karibik), alba05 (Brasilien) und alba08 (Chile). Wir konnten wichtige aktuelle AutorInnen wie die Anna Seghers-PreisträgerInnen Yuri Herrera (2016) und Guadalupe Nettel (2009), die Lyrikerinnen Rocío Cerón, Maricela Guerrero, Paula Abramo und Xitlalitl Rodríguez Mendoza für die Zeitschrift gewinnen. Außerdem ist das 2016 tragisch verstorbene Mitglied der mexikanischen Crack-Gruppe Ignacio Padilla vertreten, ebenso die renommierte Autorin Ana García Bergua. Die Texte sind wie immer handverlesen, sie versetzen die LeserInnen in andere Welten und verwischen zum Teil Wahrnehmungs- und Realitätsebenen. Manche Texte verstören oder brechen Oberflächen auf, referieren auf Tierisches, halten den LeserInnen einen Spiegel vor oder sprechen die Beziehung von Literatur und Körper, Literatur und Wirklichkeit an. Alle Texte sind etwas Besonderes, auf das sich unsere LeserInnen freuen können!

Herzlichen Dank an die alba-Redaktion – und alles Gute für die nächsten zehn Ausgaben!

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Weitere Informationen unter www.albamagazin.de

alba kaufen: http://www.albamagazin.de/archivo.php oder vertrieb@albamagazin.de

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