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… & was dann geschah

26. Oktober, 14:17 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Vor ziemlich genau einem Jahr, am 28. Oktober 2016, startete nach mehrjähriger Vorbereitung unser stadtweites STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen Berlins im Pfefferberg mit  einer bemerkenswerten Rede der Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo sowie Beiträgen des serbischsprachigen Schriftstellers Bora Ćosić und der ungarischen Dichterin Kinga Tóth (u.a.m.). Erstmals rückten wir mit diesem Projekt explizit die in Berlin lebenden Literaten in den Fokus der kulturellen Öffentlichkeit, die ihre Texte nicht auf Deutsch verfassen, und machten mit Aktionen, Performances, Workshops und Präsentationen in mehr als 30 verschiedenen Sprachen zehn Tage lang die multilinguale Gegenwartsliteratur der Stadt sichtbar und hörbar. In einer bislang einmaligen Zusammenarbeit verschiedenster Akteure der Berliner Literaturszene mit uns aktiv waren u.a. die Literaturaktivist*innen von alba. Lateinamerika lesen e.V., ausland, kook e.V., La mer gelée, Latinale, Lettrétage, mikrotext, SAND und The Reader Berlin. Mit mehr als 100 Berliner Autor*innen, Übersetzer*innen und Kulturschaffenden und 42 verschiedenen Sprachen feierten wir zehn Tage lang gemeinsam und auf vielfältigste Weise die Multilingualität der Berliner Gegenwartsliteratur.

Heute, ein Jahr später, können wir uns über den großen Erfolg dieses Festivals und seine anhaltende Wirkung nur freuen: Alle großen Literaturhäuser und zahlreiche Festivals der Stadt (und nicht selten auch darüber hinaus) wurden auf die STADTSPRACHEN-Autor*innen aufmerksam und präsentieren sie inzwischen vielfach in ihren Programmen. Übersetzungen, Buchprojekte und neue Einladungen zu Projekten und Lesungen wurden für viele Teilnehmende zur nachhaltigen Folge unseres Projektes. Ein vielsprachiges Netzwerk wurde geknüpft und wächst beständig weiter, das die internationale Literaturszene Berlins auf ganz neuartige Weise durch gegenseitige Beachtung, Solidarität und Kooperation verbindet. Und mehr als wir erhofft hatten rückte die multilinguale Gegenwartsliteratur Berlins in den Fokus der Aufmerksamkeit. Aus dem einmaligen Festival erwuchs die vom Berliner Senat geförderte zweijährige, stadtweite Veranstaltungsreihe PARATAXE – die internationalen Literaturszenen Berlins, mit der wir monatlich an wechselnden Orten und mit erweitertem Partnerkreis weiterhin neue nichtdeutsche Literaten Berlins präsentieren. Im Frühjahr wurde unser Projekt zur Matrix für ein thematisch vergleichbares auf der London Bookfair, und im LCB geriet unser Symposium zu den lateinamerikanischen Literaturen Berlins zu einem begeisternden “Klassentreffen” der Autor*innen und Expert*innen. Im Juni gastierte unsere Afroberlin-“Abteilung” als Ideenexport in Basel; mit unseren Partnern von den Berliner Osteuropatagen reisen wir an diesem Wochenende nach Stettin und Anfang November gibt es eine komplette PARATAXE-Lesung auf der Pisa Bookfair, bevor Ende November im LCB das Symposium zu den osteuropäischen Literaturen Berlins steigt. In der Lettrétage, dem English Theatre Berlin, dem Panda Theater, dem Maschinenhaus, im ausland und der Brotfabrik fanden neu übersetzte nichtdeutsche Autor*innen ein interessiertes Publikum, zahlreiche Fortsetzungen sind in Arbeit. Und der Berliner Senat schrieb, nicht unbeeindruckt von der Entwicklung, in diesem Herbst tatsächlich erstmals Schriftstellerstipendien explizit auch für nicht auf Deutsch schreibende Berliner*innen aus.

Dafür, dass all unsere Entdeckungen, Kontakte und literarischen Schätze nicht verloren gehen, sondern dauerhaft öffentlich zugänglich gemacht werden, sorgt seit Januar 2017 das von uns weitgehend leider noch ohne Budget realisierte stadtsprachen magazin. Unsere Redakteure Joey Bahlsen und Birger Hoyer kümmern sich engagiert um mehrsprachige Biografien für alle beteiligten Autor*innen, Übersetzer*innen, Moderator*innen und Expert*innen – deren Kreis erfreulicherweise wöchentlich wächst, Berlins internationale Literaturszenen sind ein unerschöpflicher Brunnen an Kreativität! – sie kümmern sich um professionelle Übersetzungen und die Veröffentlichung literarischer Beiträge in allen nur denkbaren Sprachen. Dieses neuartige Online-Magazin der Berliner Gegenwartsliteraturen enthält derzeit Informationen und Links zu 121 Berliner Autor*innen, 40 Übersetzer*innen – sowie momentan 127 literarische Essays, Erzählungen oder Gedichtzyklen in 15 Sprachen (Stand Ausgabe #3). Etwa 5000 Leser hat das stadtsprachen magazin derzeit monatlich im Durchschnitt.

All dies ist Grund zu großer Freude, deswegen danke ich an dieser Stelle den vielen, leidenschaftlich beitragenden Mitwirkenden und Partnern von ganzem Herzen – und wünschen uns allen, dass diese positive Entwicklung anhalten und uns gemeinsam zu neuen Ufern und Möglichkeiten bringen möge.

Martin Jankowski

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