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Editorial

7. April, 10:36 Uhr - Blog - Joey Bahlsen

Berlin ist die Stadt der vielen Sprachen und Geschichten. Eine literarische Spannung, die schon von Isherwood und Nabokov aufgegriffen wurde und vergleichbar ist mit Kafkas Prag, Joyces Dublin und Pessoas Lissabon, geistert durch die Straßen Berlins. Diese Stadt ist seit Jahrhunderten Heimat für Menschen, die andere Sprachen als Deutsch sprechen. Die multilinguale Gegenwartsliteratur Berlins, dieses einzigartige Stimmengeflecht, wird nun mit dem Literaturmagazin stadtsprachen öffentlich gewürdigt. Ein Magazin, das das besondere Gefühl Berlins aufgreift und zelebriert.

Die verschiedensprachigen Literaturszenen der Stadt werden miteinander ins Gespräch gebracht und präsentiert. Es ist auch ein Versuch, dem sich konstant wandelnden Stadtbild Berlins gerecht zu werden: einer Stadt, in der von jeher mehr als nur Deutsch oder Englisch gesprochen und geschrieben wird, die ambivalent ist und vielfältig. Eine andere Sprache ist ein Einstieg in eine andere Kultur, in eine andere Welt.

Um die Kunst der Sprache (und Sprachen) wird es beim stadtsprachen magazin gehen, darum, die multilingualen Individuen der Berliner Literaturwelt, die schon lange Berlin durch ihre Prosa, Gedichte, Übersetzungen und ihr Verlagswerk literarisch bereichern, endlich ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Eine Zeitschrift, welche die verschiedenen multilingualen Fasern des Berliner Gewimmels miteinander verknüpft. Literarische Verbindungen werden erschaffen und bleiben erhalten. Berlin lernt sich kennen. Es zelebriert seine literarische Vielfalt. Im stadtsprachen magazin.

Joey Bahlsen & Birger Hoyer
Redaktion stadtsprachen magazin

 


alba – ein internationales Literaturmagazin aus Berlin

4. April, 13:33 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Das Berliner Literaturmagazin Magazin ALBA feiert derzeit seine zehnte Ausgabe. Grund genug, unsere geschätzten Partner – Experten für die Gegenwartsliteratur vor allem Lateinamerikas – einmal genauer zu ihrer Arbeit zu befragen.

 Spanische Version des Interviews

Wie kam es zur Gründung des alba Magazins? Was ist die Grundidee hinter der Zeitschrift?

 

alba.lateinamerika lesen wurde 2011 mithilfe des Pariser Schwestermagazins in Berlin ins Leben gerufen. Das Konzept, das neben dem französischen und dem deutschen Magazin auch alba London und alba Peking verfolgen, besteht darin, Literatur aus Lateinamerika zu sondieren und in den jeweiligen Sprachräumen sichtbar zu machen. Wir Redaktionsmitglieder der Berliner alba, mittlerweile eingetragener Verein, durchforsten die Buchmärkte Lateinamerikas – insbesondere jene abseits des Mainstreams – nach aktuellen und literarisch hochkarätigen Texten und nach AutorInnen, die vielleicht bald groß werden. Neben Lyrik und Prosa aus Lateinamerika gibt es im Heft auch Rubriken für themenspezifische Essays. Beispielsweise über wichtige Vermittlerfiguren zwischen den Hemisphären, Avantgardebewegungen oder zu Unrecht vergessene AutorInnen oder literarische Gruppen. Das ganz Besondere an der Zeitschrift ist, dass wir alle Texte sowohl in der Ausgangssprache als auch in deutschen Übersetzungen publizieren. Hinzu kommen Illustrationen lateinamerikanischer KünstlerInnen, die von den Texten inspiriert sind. Neben der Publikation machen wir aber auch eine Menge Kulturarbeit. Wir organisieren Performances, Lesungen und Übersetzungsworkshops mit AutorInnen aus Lateinamerika, wir stellen Kontakte her, damit solche AutorInnen nach Berlin kommen können (manche bleiben auch hier) und haben auch schon eine Ausstellung mit Illustrationen aus alba organisiert. Wir präsentieren das Magazin auf der Frankfurter sowie der Leipziger Buchmesse, wir pflegen rege Kontakte zu AutorInnen, Kulturinstitutionen und unabhängigen Verlagen sowohl in Berlin als auch in Lateinamerika und haben immer ein Ohr am Puls der aktuellen Literatur-Entwicklungen.

Wer macht alba und wie finanziert sich die Zeitschrift?

alba lebt von dem ehrenamtlichen Engagement der Redaktion, die sich aus LiteraturwissenschaftlerInnen, Juristinnen, Übersetzerinnen, Grafikerinnen und Lateinamerikabegeisterten  zusammensetzt, und unserer AutorInnen, ÜbersetzerInnen, IllustratorInnen und anderen externen HelferInnen. Als eingetragener gemeinnütziger Verein, alba.lateinamerika lesen e.V., finanzieren wir uns zu einem kleinen Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Abonnements, der Großteil wird aber von Förderern wie lateinamerikanischen Botschaften, Universitäten oder anderen Institutionen geleistet. Im Augenblick sind wir dabei, nach einer etwas langfristigeren Finanzierungsmöglichkeit zu suchen.

Welchen Stellenwert haben die Übersetzungen in alba.lateinamerika lesen?

Es gibt in alba einerseits eine Rubrik, die dem Übersetzen als kultureller Praxis gewidmet ist und die entweder wichtige ÜbersetzerInnen würdigt oder Essays über das Übersetzen einen Raum bietet. Auf der anderen Seite steht unsere permanente übersetzerische Tätigkeit. Unsere Lesungen finden mehrheitlich zweisprachig statt, unsere Homepage ist sogar teilweise dreisprachig und das Magazin selbst manchmal auch viersprachig, nämlich wenn wir indigene AutorInnen publizieren. Ohne die ganz praktische Tätigkeit des Übersetzens würde die Zeitschrift kaum Sinn ergeben. alba richtet sich primär an ein deutschsprachiges Publikum, aber es gibt auch unzählige LateinamerikanerInnen in Berlin und ganz Deutschland, für die diese Zeitschrift einen guten Überblick über die aktuelle Literaturlandschaft gibt.

Welche Entdeckungen hat alba für den deutschen Sprachraum gemacht?

alba konnte zahlreiche Erstveröffentlichungen großartiger LyrikerInnen und Prosa-AutorInnen publizieren, etwa bis dahin unveröffentlichte Gedichte des Kolumbianers Tomás González oder eine bis dahin unveröffentlichte Erzählung der Grande Dame der feministischen Prosa Cristina Peri Rossi. Viele der aufstrebenden jungen AutorInnen, die allmählich auch in Berlin und in Deutschland literarisch anerkannt sind und ausgezeichnet werden, hatten wir schon früh im Heft, etwa Luis Cháves, Nona Fernández, Andrea Jeftanovic, Valeria Luiselli oder Samanta Schweblin.

Wie ist die Situation der lateinamerikanischen Literatur in Berlin?

Insgesamt ist die nichtdeutschsprachige Berliner Literaturszene überaus bunt und lebendig. Es leben viele LateinamerikanerInnen hier in der Stadt und darunter sind zahlreiche Schreibende. Berlin ist für DoktorandInnen und DAAD-StipendiatInnen aus aller Welt ein sehr beliebtes Ziel, viele kommen hierher, um ihre Abschlussarbeiten fertigzustellen und bleiben dann. Andere ziehen sozusagen vorüber, bleiben für ein halbes Jahr, ein Jahr oder ein paar Monate, treten bei einigen Lesungen auf und sind ansonsten praktisch unsichtbar. Wieder andere gründen eine Zeitschrift wie alba, oder führen ihr poetisches Projekt erst hier richtig aus wie der Argentinier Cristian Forte. Hierbei sind das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) mit seiner außerordentlich gut sortierten Bibliothek zum iberischen Sprachraum ebenso wie das Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin zentrale „offizielle“ Anlaufstellen für ForscherInnen aus Lateinamerika. Auf der anderen Seite stehen die unzähligen mehr oder weniger ‚undergroundigen‘ Institutionen, die die lateinamerikanische Kulturszene in Berlin ausmachen und ihr einen Raum bieten. Darunter das mobile lateinamerikanische Poesiefestival Latinale, das Figuren wie Ricardo Domeneck, Alan Mills oder der genannte Cristian Forte eine erste Bühne geboten hat, die vielen Kulturkneipen, die wunderbare Lettrétage und nicht zuletzt unser Literaturmagazin.

Kürzlich erschien die 10. Ausgabe von alba. Was sind die Schwerpunkte dieser Ausgabe?

alba10 ist im Dualen Jahr Mexiko-Deutschland angesiedelt und wir konnten die Ausgabe mithilfe der Botschaft von Mexiko in Berlin realisieren. Die Ausgabe hat einen starken, aber nicht exklusiven Mexiko-Fokus, ähnlich wie bei alba04 (Zentralamerika und Karibik), alba05 (Brasilien) und alba08 (Chile). Wir konnten wichtige aktuelle AutorInnen wie die Anna Seghers-PreisträgerInnen Yuri Herrera (2016) und Guadalupe Nettel (2009), die Lyrikerinnen Rocío Cerón, Maricela Guerrero, Paula Abramo und Xitlalitl Rodríguez Mendoza für die Zeitschrift gewinnen. Außerdem ist das 2016 tragisch verstorbene Mitglied der mexikanischen Crack-Gruppe Ignacio Padilla vertreten, ebenso die renommierte Autorin Ana García Bergua. Die Texte sind wie immer handverlesen, sie versetzen die LeserInnen in andere Welten und verwischen zum Teil Wahrnehmungs- und Realitätsebenen. Manche Texte verstören oder brechen Oberflächen auf, referieren auf Tierisches, halten den LeserInnen einen Spiegel vor oder sprechen die Beziehung von Literatur und Körper, Literatur und Wirklichkeit an. Alle Texte sind etwas Besonderes, auf das sich unsere LeserInnen freuen können!

Herzlichen Dank an die alba-Redaktion – und alles Gute für die nächsten zehn Ausgaben!

***

Weitere Informationen unter www.albamagazin.de

alba kaufen: http://www.albamagazin.de/archivo.php oder vertrieb@albamagazin.de


stadtsprachen EXPORT = AFROBERLIN zu Gast in Basel

30. März, 16:35 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Am 23. und 24. Juni 2017 wird das Stadtsprachen-Programm „Afroberlin“ für zwei Abende zu Gast beim IMAGE AFRIQUE Festival in Basel sein. Gemeinsam mit dem Literaturhaus Basel und dem Theater Basel gestalten wir zwei Literaturabende, für die wir eigens neue Texte übersetzt und weitere afrikanische Autoren aus der deutschsprachigen Schweiz dazu geladen haben. Mit dabei sein werden: Jùmọké Bọlanle Adéyanju (Nigeria/Berlin), Mohomodou Houssouba (Mali/Basel), Steve Mekoudja (Kamerun/Berlin), Fistan Mwanza Mujila (Kongo/Graz), Goitseone Montosho (Südafrika/Berlin), Wilfried N’Sondé (Kongo/Berlin/Paris/Bern) und Henri-Michel Yéré (Elfenbeinküste/Basel). Die Autoren werden vorgestellt und lesen – bzw. performen – Auszüge aus ihren Originaltexten, bekannte Baseler Schauspieler werden die deutschen Übersetzungen lesen. Moderiert werden die Abende von der Literaturwissenschaftlerin Acele Nadale (Kamerun/Berlin) und Martin Jankowski (Autor, Berliner Literarische Aktion).
Wir freuen uns auf diesen interessanten Export unserer Stadtsprachen-Idee und bedanken uns bei den Festivalmachern Livia Rutishauser und Benjamin Füglister von IMAGE AFRIQUE im Namen der Autoren sehr herzlich für die Einladung.


Zíngano liest

23. März, 15:57 Uhr - Blog - Joey Bahlsen

Érica Zíngano liest ihr Gedicht: „histórico / para solicitar uma placa / ontem / terça-feira, 31 de maio de 2016 “ mit Rafael Mantovani und Luísa Nóbrega. Demnächst ist Zíngano bei unserem Parataxe Symposium (I) Puerto Berlín im LCB zu sehen.

Gedicht in Hommage an Dora Barcelos

Übersetzt von Timo Berger und Odile Kennel

Lesung mit:
Rafael Mantovani
Luísa Nóbrega
Érica Zíngano

“stadtPOESIE / ciudadPOESÍA / cidadePOESIA“
10 JAHRE LATINALE

Projekt organisiert von Timo Berger

STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen

Instituto Cervantes Berlin, 29. Oktober 2016

Das Video wurde vom Kollektiv Dunckerstraße aufgenommen.


Stadtsprachen of London …?

10. März, 13:35 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Martin Jankowski schreibt anlässlich der London Bookfair (14-16 März 2017) und auf Einladung des britischen International Literature Showcase (ILS) von British Council und Writers‘ Centre Norwich über die Stadtsprachen Berlins und anderer Großstädte: THE LANGUAGES OF BERLIN.


Stadtsprachen wird Magazin – und präsentiert PARATAXE

17. Februar, 10:18 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Ab Frühjahr 2017 wird aus der STADTSPRACHEN Webseite ein multilinguales Literaturmagazin der Berliner Gegenwartsliteratur. Über 100 bedeutende Berliner Autoren werden mit ihren Texten (auch in deutscher Übertragung und ggf. anderen Sprachen) vorgestellt. Und laufend kommen neue hinzu. Das Stadtsprachen Magazin wird vorerst als vierteljährliches Online-Magazin erscheinen, der erste Release ist für April 2017 avisiert. (Die Redaktion besteht derzeit aus Birger Hoyer und Joey Bahlsen und ist jederzeit erreichbar unter: info@stadtsprachen.de)

DENN 2017 und 2018 führen das STADTSPRACHEN magazin und die Berliner Literarische Aktion das Konzept als Veranstaltungsreihe PARATAXE mit stadtweiten Aktionen, Veranstaltungen und Symposien  weiter, um die Geschichte und Gegenwart der vielsprachigen Literatur der deutschen Hauptstadt angemessen zu erkunden und zu präsentieren.

stadtsprachen präsentiert:
PARATAXE  – die Termine 2017

Mo, 13.2. 2017, 20 Uhr, Lettrétage: Stadtsprachen wird PARATAXE.

Di, 11. April, 20 Uhr, English Theater Berlin: PARATAXE 2.

Fr, 19. Mai, 10-22 Uhr, LCB: Symposium PUERTO BERLIN

Do, 8. Juni, 20 Uhr, PANDA Theater: PARATAXE 3.

Sa, 16. September, 20 Uhr, ausland: PARATAXE 4.

Mi, 25. Oktober, 20 Uhr, Brotfabrik: PARATAXE 5.

Do, 23. November, 10-22 Uhr, LCB: Symposium (Osteuropa)

Fr, 8. Dezember, 20 Uhr, Theater o.N.: PARATAXE 6.

PARATAXE (2017/18) wird gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und unterstützt durch das Literarische Colloquium Berlin.

Blog

2017 = Berlins internationale Literaturszenen

16. Januar, 15:11 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Wie geht es weiter mit den Berliner STADTSPRACHEN? Wir laden ein zum offenen Forum der polylingualen Autoren Berlins mit neuesten Infos und Gesprächen zur Fortführung des Berliner Programms der literarischen Vielsprachigkeit! Zu Gast u.a. Jürgen J. Becker und Claudia Schütze vom Projekt „Based in Berlin“. Mit literarischen Beiträgen in fremden Sprachen. Gastgeber Martin Jankowski (Projektleiter Parataxe). Eintritt frei! Am MONTAG, den 13. Februar um 20 Uhr in der Lettrétage (Mehringdamm 61, HH/EG). Wir freuen uns auf Euch!


3. Pressemitteilung, 07.11.2016

7. November, 10:25 Uhr - Pressemitteilung - Anna Giannessi

Pressemitteilung 

Berlin, 07.11.2016
STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen feierte die Vielfalt der Berliner Gegenwartsliteratur

Mehr als 100 Berliner Autor*innen, Übersetzer*innen und Kulturschaffende aus 36 Ländern mit 42 verschiedene Sprachen, 30 literarischen Veranstaltungen in unterschiedlichsten Formaten und fast 2000 Besucher: Das Literaturfestival STADTSPRACHEN feierte zehn Tage lang die Multilingualität und Vielfalt der Berliner Gegenwartsliteratur. Vom 28. Oktober bis 6. November lud das Festival mit Performances, Workshops, Lesungen und Diskussionen zur Entdeckungsreise durch die internationale Literaturszene der Stadt und zum interkulturellen Austausch mit Dichter*innen aus aller Welt. Im Fokus von STADTSPRACHEN standen in Berlin lebende Schriftsteller*innen, die ihre Texte nicht auf Deutsch verfassen, sowie die Veranstaltungsorte und ungewöhnlichen literarischen Formate der freien Literaturszene Berlins.
Die gestrige Abschlussveranstaltung lockte zahlreiche Autoren und Literaturfreunde ins ehemalige Stummfilmkino Gustav-Adolf-Straße 2 und bot unter dem Motto »STADTSPRACHEN EXPRESSIONAL« spoken word poetry von Lady Gaby (Australien), Videos & Poesie von Federico Federici (Italien) sowie eine Techno Noise Poetry Performance von Elsye Suquilanda (Ecuador) und Aitokaiku (Finnland) an ungewöhnlichem Ort. Zu den weiteren Höhepunkten des Festivals gehörten u.a. der literarische Auftakt mit der diesjährigen Bachmann-Preisträgerin Sharon Dodua Otoo, deren bemerkenswerte und bejubelte Rede das Festival inzwischen auf der Webseite www.stadtsprachen.de veröffentlicht hat, sowie die tägliche Diskursreihe des Festivals und das abschließende Autorenforum POLYLINGUALE.

 

»Trotz des großen Erfolgs und des überaus positiven Echos gerade auch unter den Autoren dieser Stadt haben wir nicht vor, die STADTSPRACHEN nun als jährliches Festival in dieser Form zu wiederholen. Wir werden uns künftig jedoch mit verschiedensten Konzeptveranstaltungen und Projekten dafür einsetzen, das Bewusstsein der Berliner für die vielsprachige Gegenwartsliteratur ihrer Stadt weiter zu schärfen«, so Martin Jankowski, der das Festival gemeinsam mit anderen Aktivisten des Netzwerks Freie Literaturszene Berlin e.V. ins Leben gerufen hat. Für die kommenden Jahre plant das Netzwerk weitere Aktionen, die die Vielfalt der Sprachen und die experimentellen Formate der Berliner Literaturlandschaft fördern, um der vielsprachigen Berliner Gegenwartsliteratur im kulturellen Alltag Berlins einen angemessenen Platz zu sichern.
STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen Berlins wurde initiiert von alba. Lateinamerika lesen e.V., ausland, Berliner Literarische Aktion, KOOK e.V., La mer gelée, Latinale, Lettrétage, mikrotext, SAND und The Reader Berlin.

 

Pressekontakt:
Anna Giannessi (Pressereferentin)
presse@stadtsprachen.de
STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen Berlins
c/o Berliner Literarische Aktion, Kastanienallee 2, 10435 Berlin
Tel.: 030 – 53 15 59 63

Martin Jankowski (Projektleiter)
programm@stadtsprachen.de
STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen Berlins
c/o Berliner Literarische Aktion, Kastanienallee 2, 10435 Berlin
Tel.: 030 – 53 15 59 63

 

Download Pressemitteilung 07-11-2016


Eröffnungsrede von Sharon Dodua Otoo

6. November, 16:48 Uhr - Blog - Anna Giannessi

Stadtsprachen – Festival der internationalen Literaturen Berlins

Eröffnungsrede von Sharon Dodua Otoo (Veröffentlichung auch in Auszügen nur mit Genehmigung.)

Berlin, Freitag, den 28. Oktober 2016

STADTSPRACHEN – ein Literaturfestival, eine Eröffnung mit Geschichten, mit Gedichten und mit mir dazwischen…

Once upon a time there lived a circle in a community of squares. The circle spoke like the squares and behaved like them too. In many ways, the circle was very capable of looking like a square when the situation called for it – as it very often did. Gradually, the squares began to see past the formal difference of shape and treated the circle as an equal. The circle’s roundness was hardly ever mentioned. It did not have to be. The squares considered the circle to be ‘one of them’.

Manchmal – aber wirklich nur manchmal – fühle ich mich wie ein Kreis, der zwischen lauter Vierecken lebt. Und mit Vierecken kenne ich mich bestens aus. Ich gewinne sogar Preise für die Geschichten, die ich über sie schreibe …

The circle was well-versed in the history of the square. For example, the circle knew that the sum of all the square’s angles equalled 360 degrees. It was only when one day another circle showed up in the community of squares that the first circle realised that there was something different about it. It took a long time for the circles to pluck up the courage to talk to each other – but eventually they did meet up.

Was passiert aber, wenn in einer Gemeinschaft, die fast ausschließlich aus Vierecken besteht, ein Kreis plötzlich und ganz unverhofft einen anderen Kreis kennenlernt?

„Ein Hoch auf WoMANtís RANDom!“ Ein Gedicht von Jayrôme C. Robinet

(in: das licht ist weder gerecht noch ungerecht. w_orten und meer, Berlin 2015)

Wer ein spontanes Picknick mit dir auf dem Tempelhofer Feld je gemacht hat, kann das sicher nicht vergessen
Es war ein Nachmittag auf unserer Blickhöhe
ein Picknick auf der Höhe unseres Blickes
ein Picknick, das unserem Blick gewachsen war
ein Picknick, aus deiner Idee herausgewachsen

Um uns herum murmelten Gespräche
und plötzlich zauberten wir
Forellen, Tomaten und Bier aus Aldi
und ich, überrascht draußen zu sitzen
mit dem echten Gesang der Vögel
und dem echten Geruch vom Grill

Ich weiß nicht mehr, welchen Tag oder welche Stadt wir hatten
es war eine Art und Weise, die Dinge anders zu entscheiden
die Wünsche anders kreisen zu lassen
und die Details zu begrüßen
Die Pappverpackung, die sich in einen Thron für unsere Forellen verwandelte
Tomaten, mit fein gehacktem Knoblauch vor dem tiefblauen Himmel
eine Sonne, wie durch die Wiese ausgebaucht
die Flamme des Feuerzeugs, die mit der Hitze der Luft konkurrierte
und ein kühles Bier
Der plötzliche Wunsch, meine Gedanken durchzustrecken
zur Horizontlinie
in der Ferne funkelten die vorbeifahrenden Aufbauten
Und der Park wurde zu woanders
zu einem Feld am Meer
Dafür reichte, an einen Ort zurückzukehren, wo alles möglich scheint
Danke Dir
Fürs wegweisend sein
Es passiert nicht jeden Tag, so eine majestätische Begegnung auf seinem Weg zu haben.

The conversation was full of wonderful new vocabulary like ‘round’ and ‘smooth’ and the word ‘angle’ was never mentioned once. The circles laughed long and hard into the night. The next day a group of squares asked the circles why they had been making so much noise that night. The first circle tried to explain about ‘round’ and ‘smooth’ and found the squares staring blankly at it. The second circle twirled around and tried to demonstrate what it meant. Again the squares did not understand.

Wie haben ja immer gelernt, es ist wichtig Deutsch zu sprechen, um in Deutschland klarzukommen. Aber was ist, wenn Sprache zur Verständigung doch nicht ausreicht?

„Die zweite Person Ich“ – Ein Gedicht von Yoko Tawada

(in: Abenteuer der deutschen Grammatik. Konkursbuchverlag, Tübingen 2010)

Als ich dich noch siezte,
sagte ich ich und meinte damit
mich.
Seit gestern duze ich dich,
weiß aber noch nicht,
wie ich mich umbenennen soll. 

Eventually they reached a compromise that the circles were in fact ‘funny triangles’. One of the squares had travelled once and had discovered an entirely different shaped community. They had called themselves triangles. The circles were also different, so they were called ‘funny triangles’. The circles were happy with this new distinction because at last it had been recognised that they were ‘also’ shapes.

Also: Genauigkeit in der Sprache ist nicht so wichtig. Hauptsache integriert. Oder?

„Sprachfelder“ – Ein Gedicht von Franco Biondi

(in: Eine nicht nur deutsche Literatur. Zur Standortbestimmung der „Ausländerliteratur“. Herausgegeben von Irmgard Ackermann und Harald Weinrich. Piper, München 1986)

In meinem Kopf
haben sich
die Grenzen zweier Sprachen
verwischt

doch
zwischen mir
und mir
verläuft noch
der Trennzaun
der Wunden zurückläßt

jedesmal
wenn ich ihn öffne

Many years later, in a community of all different shapes (but still predominantly squares), the ‘funny triangles’ began to see that the term ‘funny triangle’ was in fact an error. They were not ‘funny triangles’, but they were circles. And they were not ‘angle-less’ or ‘bendy-straight’ but they were round and smooth.

„grenzenlos und unverschämt – ein gedicht gegen die deutsche sch-einheit [1990]“ von May Ayim

(in: Grenzenlos und unverschämt. Orlanda Verlag, Berlin 1997)

ich werde trotzdem
afrikanisch
sein
auch wenn ihr
mich gerne
deutsch
haben wollt
und werde trotzdem
deutsch sein
auch wenn euch
meine schwärze
nicht paßt
ich werde
noch einen schritt weitergehen
bis an den äußersten rand
wo meine schwestern sind
wo meine brüder stehen
wo
unsere
FREIHEIT
beginnt
ich werde
noch einen schritt weitergehen und
noch einen schritt
weiter
und wiederkehren
wann
ich will
wenn
ich will
grenzenlos und unverschämt
bleiben

The debate over the re-naming raged for many years. Many squares laughed at the ‘funny triangles’ because, they said, it was just semantics. They argued that it didn’t matter what was said, as long as it was agreed that everyone meant the same thing. Some ‘funny triangles’ were too old, or too aligned to the views of the squares to care about these new-fangled circles. It was only a few squares who sat down with the circles and really listened.

Also: Zuhören ist wichtig. Wirklich zuhören, um dazu zu gehören?

„Nicht fertig werden“ ein Gedicht von Rose Ausländer

(in: Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2001)

Die Herzschläge nicht zählen
Delphine tanzen lassen
Länder aufstöbern
Aus Worten Welten rufen
horchen was Bach
zu sagen hat
Tolstoi bewundern
sich freuen
trauern
höher leben
tiefer leben
noch und noch

Nicht fertig werden

Many years later, circles and squares and triangles lived in a community and all knew what ‘straight’, ‘curved’, ‘smooth’ and ‘corner’ meant. Each shape was self-defined and able to speak without causing another shape offence.

The End.

Vielen Dank für die Einladung, für die wunderbare Organisation, fürs zahlreiche Kommen, vor allem aber fürs hartnäckig bleiben. Festhalten an Sprachen. Festhalten an der Kommunikation. Das brauchen wir in diesen Zeiten – mehr als je zuvor.

Ich habe in meinem Bachmann-Text Sprachen mit Gefängnissen verglichen. Wir brauchen Sprachen, davon bin ich fest überzeugt. Ich sehe sie allerdings nicht als Ziel an sich, sondern als Mittel zum Zweck. Was können – was wollen wir mit Sprache bewirken?

Was ich mit Sprache und Kommunikation erreichen will, kann ich am besten mit Kunst erreichen: eine Annäherung aneinander, Menschlichkeit feiern, Empathie wachsen lassen. Deswegen schreibe ich. Um Sachen auszudrücken, die eigentlich nicht mit Sprache auszudrücken sind. Um Wahrheiten zu erzählen, die meist überhört, verleugnet oder ignoriert werden, weil sie schmerzhaft sind, weil sie unbequem sind.

Ich habe gerade Gedichte auf Deutsch vorgelesen, von verschiedenen auf-Deutsch-schreibenden-Personen, die nicht, oder nicht ausschließlich, deutsch sind. Ich beende meinen Beitrag heute Abend mit einem Gedicht von mir. Eine Premiere! Ich möchte sagen, ich widme dieses Gedicht allen anwesenden Frauen. Denn dieses Gedicht kommuniziert diverse Wahrheiten von mir übers Frau sein, übers Schwarze Frau sein. Ein Gedicht auf Englisch. Es heißt:

“all cognitive functions”

i am close to the point of no return

which means that when you leave it:
will hurt a lot. full stop.

as opposed to when you leave i:
may be a little distracted… ellipsis.

logical thought, recent qualitative research and repeated experience shows it would be completely cishet of me to trust you.

you are a man. your kind.

you are a man who could kill me with his bare hands

in the act of making love you could ignore my wish to stop and simultaneously not hear my heart breaking and you could put your hands around my throat and squeeze until your fingers ached and call it kinky.

you are a man.

who can tell me he loves me without caring if i hear or feel it and you will always not phone me back until it is almost too late because you can do that. empathy will never be your strongest asset.

open brackets. (actuallyiamsoterrifiedithinkmyboundingheartmightburstthroughmychestandlandatyourfeet) close brackets.

i rub my sweating hands together for i am a little nervous

but you don’t know-tice ‘cause i am able to hide it behind my funny yet intelligent jokes and seductive body

open brackets. (isitaparticularlybadcaseofjunglefever? question mark. Hashtag! #doblackmeninwhitecountriescatchthattoo? question mark.) close brackets.

you don’t do the between the lines, you didn’t realise how much i meant it – you just lusted after the smell of me. greed is more than a word to you.

you are.

a man – whatever kind – who wants me to quotation marks “trust me baby” quotation marks would have to prove it over days, weeks, months and years over and over again and over days, weeks, months and years over and over again

but, my love,

one word answers are not text messages are not emails are not letters are not loving stories read to me by candlelight as i fall asleep

a wank is not a blow job is not a quickie is not a fuck is not making love is not the first time we hold hands when you look in my eyes and tell me you have a very important question to ask me

you are a

man. your kind. i wish i were you how easy it would be for a part of me to rise hard then flop soft again and all the while i would not have to worry about whether or not one moment of – haaa – irresponsible coming would lead to nine months of responsible planning and a life time of responsibility

you

do not really need to think about contraception

you

do not really need to worry about gender issues, sexism or harassment

you

can wear what you like and say what you like even if it is suggestive even if it is a come-on even if it is a tease you would not deserve it if you were assaulted not even sexually it is never your fault

you are the kind of man who can go through the world with his eyes shut tight and still have people slap him on the back to congratulate him i would love to be you i would love to be like you i would love to try it just once… ellipsis.

but

a woman. my kind. i am.

with the courage to overcome

and the desire to lie by your side

and the patience to feel you grow inside me

to pleasure me with your touch, your kiss, your sex, your intimacy –

and while my trust in you kindles (fledging and frail)

my fear of you dies (one jagged piece at a time)

and i presently am left with

– against my better knowledge and experience and judgment and research and with all cognitive functions screaming against it –

unconditional love

Ich wünsche uns ein wunderschönes Festival.

Ich wünsche uns viele schöne Momente.

Und ich wünsche uns eine multilinguale, bewegende Zeit.

***

(Veröffentlichung auch in Auszügen nur mit Genehmigung.)


Der Tagesspiegel 05.11.2016

6. November, 16:42 Uhr - Pressespiegel - Anna Giannessi

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Der Tagesspiegel 03.11.2016

3. November, 13:01 Uhr - Pressespiegel - Anna Giannessi

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Berliner Morgenpost 01.11.2016

1. November, 12:31 Uhr - Pressespiegel - Anna Giannessi

Berliner Morgenpost 1.11.2016





taz, die Tageszeitung 28.10.2016

28. Oktober, 11:04 Uhr - Pressespiegel - Anna Giannessi

„In Berlin leben viele Autoren, die in anderen Sprachen schreiben. Anfänger und Profis, manche sogar Stars in anderen Ländern. Das Festival Stadtsprachen will ihnen Sicht- und Hörbarkeit verleihen“

Hülya Gürler

Lesen Sie den ganzen Artikel


Berliner Zeitung 28.10.2016

28. Oktober, 10:59 Uhr - Pressespiegel - Anna Giannessi

berliner-zeitung-2016-10-28


Berliner Morgenpost 28.10.2016

28. Oktober, 10:59 Uhr - Pressespiegel - Anna Giannessi

berliner-morgenpost-2016-10-28



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