Sprachen
Inhalt Wer? Über uns Termine Submissions Untermenü
« zurück

Das Lied von der Galaktischen Union

Ilia Kitup (2008)

Aus dem Buch „Das Lied von der Galaktischen Union“

 

13. Wir Marsianer standen mit der Venus…

Aus der Epoche der Großen Freundschaft 19842-19939

 

Wir Marsianer standen mit der Venus

Stets in besonderem Verhältnis.

Seit eh und je verbindet unsre Völker

Die ineinander übergehende Beziehung von Hass und Liebe,

Einem jeden Lover sehr gut vertraut.

Bald Friedenspakt, bald mörderischer Krieg –

Solcher Ereignisse Gemengelage

Kennzeichnet unser Miteinander.

Bis heute können viele sich entsinnen

Des gesegneten Jahrhunderts, als wir mit Venus

In großer Freundschaft verbunden waren.

Ein schöner Geldschein (15.000 Liren)

Liefert darüber Zeugnis. Auf dem Bild:

Zwei Könige vor deren Raumschiffen.

„In Freundschaft mit Venus“– so der Spruch.

Seitdem verstrichen mehrere Epochen;

Die Venus ist nun wieder unser Feind.

Der Geldschein soll jedoch bis heute

Im Umlauf sein in unsren Kolonien.

Die Obrigkeit ist boshaft, fies, arglistig

Und das Papier – geduldig, wie bekannt.

 

15. Trog, Mulde, Badeschüssel und ein Kübel

… Trog, Mulde, Badeschüssel und ein Kübel.

All die Gefäße führt ein Krieger-Marsianer

Nicht weniger geschickt als den Blaster,

Den Strahlenwerfer und den Speer.

Gib ihm ´nen Panzer, das massive Fahrzeug,

Lenkt er allein mit seiner linken Schere

Und jedes Schlagloch so umfährt er,

Erklimmt so auch den steilsten Kraterhang.

Ist es ein Mörser, werden zweifelsohne

All seine Fühler teuflisch schnell

Die Kugel laden und den Docht anzünden.

Die nächste Kugel ist gleich griffbereit,

Aufs Neue ist die Fackel an der Lunte –

Schon rasen durch die dünnen Lüfte

Die Projektile auf präziser Flugbahn

Eins nach dem anderen gerade auf das Ziel.

Eine Muskete? Die Extremitäten des Marsianers –

Flott meistern sie das sperrige Gerät.

Das Pulver – rein, die Kugel – in den Lauf,

Die Gabel halten und den Abzug drücken,

Und über Wälder, Schluchten und Gehölz

Erschallt und hallt das lustige Geknalle.

Fahrkarte schießen? Nein, nur in das Schwarze!

Vorbei, daneben – gibt es nicht und keine Kugel

Wird je verschenkt. Das Arsenal

Bedient ein Masianer ohne Fehl.

Doch wisse, Fremdling: Tausend mal flinker

Beherrschen seine kriegerischen Hände

Trog, Mulde, Badeschüssel und den Kübel:

Er schmeißt den Trog und in Sekundenschnelle

Erledigt ist das ahnungslose Opfer.

Die Kunst ist seit Jahrhunderten verfeinert,

Natürliches Geschick – naturgegeben.

Richtest du ein noch die Gerätschaft,

Schon wirst du glatt erschlagen von ‘nem Kübel.

Gleich dreimal. So sieht’s aus, mein Lieber.

 

18. Wiederum geht hinterm Pflug ein Marsianer

Wiederum geht hinterm Pflug ein Marsianer,

Sein Laufkäfer zieht die schwere Pflugschar,

Über dem Kopf – wie immer, die vier Sonnen,

Es ist, als ob die Zeit steht still.

Die Zeit steht still.

Die Scholle gleitet von der stumpfen Klinge,

Der Säureregen rieselt auf den Boden,

Ein Sumpfwurm beißt sich durch die Wurzel,

Der Gutsbesitzer steht daneben mit der Peitsche.

Der Gutsbesitzer – mit der Peitsche.

Der Bauer, stolpernd, schleppt sich mühevoll weiter,

Geplagt von seinen freudlosen Gedanken.

Mit dem zentralen Auge merkt er plötzlich:

Ein Mäuschen ist vom Pflug entzweigeschnitten.

Ein Mäuschen – entzweigeschnitten.

Der Bauer ist traurig und die Tränen fließen,

Aus seinem linken Auge und dem rechten,

Aus dem zentralen Auge strömen Tränen.

Agrarier sind bei uns sentimental.

Agrarier – sentimental.

Ein paar Minütchen – trocknen schon die Tränen,

Der Pflüger beackert weiter seinen Boden,

Jedoch, es werden neue Tränen kommen:

Der Gutsbesitzer steht daneben mit der Peitsche.

Der Gutsbesitzer – mit der Peitsche.

 

23. Viehhandel treibst du mit Erfolg

Viehhandel treibst du mit Erfolg.

Fleischdrachen, Säue, Ein- und Doppelhörner

Verkaufst du an die benachbarten Planeten.

Kein Zweifel, die Galaxis-Quoten

Sind hinderlich und sperren viele Wege.

Was hilft, die Stolpersteine zu umgehen?

Ein Säckchen voller Gold.

Du bist im Bau tätig: Schuppen,

Tempel, Gymnasien, Raketenbasen.

Transport von Baumaterial ist teuer,

Die Normen sind ein schieres Dickicht,

Sie einzuhalten – schwer bis fast unmöglich.

Was kann die Sache leichter machen?

Ein Säckchen voller Gold.

Im Stammesrat bist du ´ne große Nummer,

Im eigenen Dorf jedoch – nicht sonderlich beliebt.

Gut wäre ein Platz in der Bezirksversammlung,

Doch leicht ist´s nicht, an Stimmen ranzukommen.

Was kann zu diesen dir verhelfen?

Ein Säckchen voller Gold.

Erobert hast du die Bezirksversammlung

Und residierst dort stolz, das Volk vertretend.

Doch spürst du: Es ist Zeit, zu wechseln

Zur Hauptstadt, in den Großen Rat.

Jedoch, wie schafft man es dahin?

Die Schmiere, gut bewährt, wird hier nicht reichen:

Mit einem Säckchen Gold kommt man nicht aus,

Nicht mal ein Eimer würde hier genügen –

Da müssen andere Kontakte her.

 

Aus dem Russischen von Natalia Maximova

≡ Menü ≡
Startseite Inhalt
Termine Submissions
Autor_innen Übersetzer_innen Moderator_innen
Über uns Partner Galerie
Kontakt Blog Facebook
Festival 2016 Events Presse