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Diario di alcune ore della notte / Nachtblatt einiger Stunden

Federico Federici (2017)

 

(21:00) Arrivare fino al fondo, fino al peso morto, al salto del respiro che ci riconsegna il vuoto.

An den äußersten Rand heranreichen, an die Todeslast, an den Atemsprung, der uns die Leere zurückgibt.

 

(21:04) La notte respira del mio respiro, pronuncia parole di pace.

Die Nacht atmet durch mich hindurch, sie sagt friedliche Worte.

 

(21:06) Diradare lentamente l’ombra intorno, muro di figure o suoni, dietro cui stanno la voce e il volto.

Den umliegenden Schatten langsam lichten, eine Wand aus Gestalten oder Klängen, hinter der sich die Stimmen und Gesichter aufhalten.

 

(21:10) Fu vera Luce a resistere al buio del mondo?

Fu ancora Luce, che si radicò in questi muri?

Sette le stelle e sette le rose che lo sguardo non spegne.

War es wahres Licht, das das Dunkel der Welt aushielt?

Und war es wieder Licht, das sich in diesen Wänden festsetzte?

Es sind sieben Sterne, es sind sieben Rosen, die der Blick nicht auslöscht.

 

(21:13) Più del dolore da solo, abbiamo scosso anime nel sonno.

Dove è diretto il respiro dell’Amen? Dove si spegne sotto le palpebre?

Prima di te e di me, brulicava d’anime il fondo degli occhi, brulicavano intorno foglie nei boschi, un canto di spine.

Tutto un piccolo morire, che rompe i sigilli del mondo.

Mehr als nur Leid, rüttelten wir Seelen im Schlaf.

Wohin schwärmtder Atem vom Amen? Wo erlischt er unter den Lidern?

Vor dir, vor mir wimmelten Seelen tief in den Augen, umher wirbelten Blätter in Wäldern, ein stachliges Singen.

Alles wie ein kleines Sterben, das die Siegel der Welt durchbricht.

 

(21:15) Il fiato puro del bosco ci conta le ore di cielo, le ore di terra: soffiando sopra la scuote, sino a che il suono si spegne. Non è un prodigio?

Non tutte le porte sono porte del mondo.

Der klare Hauch des Waldes zählt uns die Stunden des Himmels ab, die Stunden der Erde:  Er streicht hindrüber und sie bebt, bis alle Klänge verebben. Ist das nicht ein Wunder?

Nicht alle Türen sind irdische Türen.

 

(21:19) Dal nostro angolo di vento, rendiamo grazie a Sorella Tenebra, soffiamo sulla sua fronte.

La sua stella si muove dove tutte le porte si chiudono.

Un filo d’aria: un’altra anima sfugge al bosco.

Aus unsrem windigen Winkel danken wir der Dunklen Schwester, hauchen wir an ihre Stirn.

Ihr Stern regt sich, wo alle Türen sich schließen.

Ein Lüftchen: eine weitere Seele, die dem Wald entrinnt.

 

(21:24) Le porte e le bocche rimarginano il vuoto, la cicatrice del mondo.

Parole, che noi non indoviniamo, custodiscono la piaga del tempo, in attesa del Giudizio.

Die Türen und Münder heilen die Leere, die Narbe der Welt.

Wörter, die wir nicht erahnen, wahren die Wunde der Zeit in Erwartung des Jüngsten Gerichts.

 

(21:28) La parete non respinge il bosco.

Echi di detriti scossi, voraci assalti di radici, tra la soglia e il bosco.

Si ammassano le anime alla soglia e vacillano le pietre.

Le ossa, addentate negli anni dagli alberi, si pietrificano.

Una stella cerca la sua orbita.

Piena di vento respira la croce.

 

Die Wand wehrt den Wald nicht ab.

Nachhall klirrender Bruchstücke, gefräßiges Gewimmel von Wurzeln an der Schwelle zum Wald.

Die Seelen stauen sich an der Schwelle und die Steine erzittern.

Die Knochen, in die vor Jahren die Bäume bissen, versteinern.

Ein Stern sucht seine Bahn.

Durchströmt vom Wind atmet das Kreuz.

 

(21:35) In certi vuoti intervalli, cade una foglia sotto la ruota dei mondi, scivola un altro tempo e altra oscurità.

Nessun ramo teso tra gli alberi.

Di buio si copre anche l’albero, che regna e sorveglia sul buio.

In einigen leeren Abständen fällt ein Blatt unter dem Rad der Welten, gleitet eine andere Zeit hinab und weitere Dunkelheit.

Kein Zweig, zwischen die Bäume gespannt.

In Dunkelheit hüllt sich der Baum selbst, der über diese wacht und herrscht.

 

(21:40)

Non il buio di nomi carichi di spine.

Non il buio di fiori mortali.

Nicht die Dunkelheit der stachligen Namen.

Nicht die Dunkelheit der sterblichen Blumen.

 

(21:48) Viene l’ora che nessun tempo prolunga.

Viene un tempo che non divide le ore.

Una foglia respira. Ancora una volta accade qualcosa, che alla fine dischiude il mondo.

Es kommt die Stunde, die keine Zeit ausdehnt.

Es kommt die Zeit, welche die Stunden nicht teilt.

Ein Blatt atmet. Noch einmal geschieht etwas, das die Welt endlich entfaltet.

 

(21:53) Ogni cosa si compone della stessa polvere elementare, ogni singola parola delle stesse lettere.

I resti sono inestinguibili.

Alles besteht aus demselben elementaren Staub, jedes einzelne Wort aus denselben Buchstaben.

Die Trümmer sind unauslöschlich.

 

(22:00) Qui più notturne che altrove sono le ore e le pietre e le stelle compongono i muri.

L’Universo galleggia come un’anima nera, natura morta residua nel cielo.

Ascoltalo: stride.

Il tempo agisce in fretta.

Di queste parole, una soltanto deponi sul mondo, affinché la tenebra alle origini abbia una scintilla.

Hier sind die Stunden nächtlicher als anderswo und die Wände aus Steinen und Sternen.

Das Weltall gleitet wie eine schwarze Seele, restliches Stillleben am Himmel.

Lausche: Es knirscht.

Die Zeit wirkt schnell.

Leg auf die Welt nur eines dieser Wörter, damit die Finsternis am Anfang einen Funken hat.

 

(22:13) Ogni cosa è segnata nell’esilio del significato.

Im Exil des Geistes wird jedes Wort aufgezeichnet.

 

(22:15) Si ripete sempre ogni parola, si trascrive sino a cancellarla, sino a che ne resti solo il segno.

Immer noch wird jedes Wort wiederholt, wird es abgeschrieben, bis es verweht, bis ein Zeichen nur bleibt.

 

(22:20) La ferita scopre il vivo nella carne.

Nella mia ferita son feriti tutti.

Die Wunde offenbart was im Fleisch lebt.

Durch meine Wunde sind alle verwundet.

 

(22:23) Dopo il primordiale scoppio, il silenzio rimargina le parti.

Seit dem Urknall heilt die Ruhe alle Teile.

 

(22:32) La Natura sopporta sillabe e cifre che, senza risposta, ricadono sul suo scudo ruvido di pietra.

Essa tace. Il respiro intorbida il pensiero. La misura disturba la qualità. Tutto è perso senza prova.

Ogni verso è uno stato tra i significati, un ritmo di continua metamorfosi, un canto di fallite incarnazioni.

Die Natur duldet Silben und Zahlen, die, ohne Antwort, auf ihr raues Steinschild fallen.

Sie schweigt. Der Atem trübt den Gedanken. Das Messen stört die Eigenschaft. Alles ist verloren ohne Beweis.

Jeder Vers ist ein Zustand zwischen den Sinnen, ein Rhythmus wiederholter Verwandlung, ein Gesang aus misslungener Verkörperung.

 

(22:40) Rallentare anche il respiro: la vita è confine a due morti, è il fiorire da uno stesso stelo.

Auch das Atmen verlangsamen: Leben ist Grenze zwischen zwei Toten, es ist das Blühen aus einem einzigen Stängel.

 

(22:50) Se ci sia davvero un Essere irriducibile al Creato, non fenomeno o fantasma che trasmigra da una forma all’altra, non è scritto nel poema del mondo, o non in questa lingua, perché frantumata dalla Creazione, mentre Chi crea è innominato, innominabile.

Ob es ein nicht auf die Schöpfung zurückzuführendes Wesen gibt, weder Geist noch Phänomen, das zwischen Erscheinungsformen pendelt, ist in der Dichtung der Welt nicht geschrieben, oder nicht in dieser Sprache, weil sie seit der Schöpfung zersplittert ist, während Wer schafft ungenannt, unnennbar ist.

 

(23:05) Un lato dell’ombra è tenebra, un altro del silenzio è Dio.

Eine Seite des Schattens ist Dunkelheit, eine andere der Ruhe ist Geist.

 

(23:07) Ci separa da questa coscienza il vuoto spazio di significato tra una parola e l’altra, dove attingere al silenzio della Creazione.

Von diesem Bewusstsein trennt uns der sinnleere Raum zwischen Wort und Wort, wo aus der Ruhe der Erschaffung zu schöpfen ist.

 

(23:44) Non un soffio tra i visibili mondi.

Nessun volo attraversa la distanza. Il significato è isolato.

È uno spazio vuoto a cui non dà sponda la parola, perché nata per tacerlo.

Kein Hauch zwischen den sichtbaren Welten.

Kein Flug durchquert die Entfernungen. Die Bedeutung bleibt entlegen.

Es ist ein leerer Raum, in welchem ein Wort keinen Rand bildet, da es geboren wurde, um über ihn zu schweigen.

 

(00:02) Si dibatte tra parola e corpo l’anima, creatura ancora incerta.

Giunge al cervello, filtra attraverso tutte le ossa e ci trascende.

Ci rimanda al senso che lega identiche strutture.

Chi può fermare lo spazio e chi scuotere il tempo?

Mente scinde ciò che Spirito coglie.

Zwischen Wort und Körper windet sich die Seele, immer noch unscharfe Kreatur.

Sie reicht bis ins Hirn, sie kriecht durch alle Knochen und übersteigt uns.

Sie erinnert uns an den Sinn, welcher sich gleichende Strukturen verbindet.

Wer kann den Raum anhalten und wer die Zeit bewegen?

Verstand teilt was Geist erfasst.

 

(00:50) Muro, pagina compatta.

Parole e pietre non esistono per sé, sono dettagli di visione, dettagli di un perimetro all’interno, o esterno al mondo.

L’occhio si fa della luce un’immagine propria.

Solo la tenebra resta nitida.

Mauer, feste Seite.

Wörter und Steine existieren nicht für sich allein. Sie sind Einzelheiten des Anscheins, Einzelheiten eines Umfangs im Inneren oder außerhalb der Welt.

Das Auge macht sich vom Licht sein wahres Bild.

Nur die Finsternis bleibt fest umrissen.

 

(00:51) Tra le crepe è Realtà.

Zwischen den Rissen ist Wirklichkeit.

 

(01:03) Morire allora è un atto puro: dimenticare il senso della lingua in cui si è scritti, riconsegnarsi all’alfabeto primordiale e destinarsi a un’altra alterità.

Dann ist das Sterben eine klare Handlung: Den Sinn der Sprache vergessen, durch welchen wir geschrieben, sich dem ursprünglichen Alphabet zurückgeben und sich bekennen zu einem anderen Anderssein.

 

(02:00) Se quel senso invece è anima, particella d’io profondo, indivisibile, scarto minimo, concreto, tra il e l’altro, nella morte non si rompe che uno specchio.

Wenn dieser Sinn hingegen Seele ist, Teilchen des tiefen Ich, untrennbarer, kleinster, konkreter Unterschied zwischen dem Ich und dem Anderen, wird im Tod nur ein Spiegel zerbrechen.

 

(02:25) Nello schianto del silenzio una stella esplode.

Im Krach der Ruhe explodiert ein Stern.

 

(03:00) […]

 

(03:01) Il sussurro di un’allodola nell’orecchio vuoto della notte.

Das Raunen einer Lerche im leeren Ohr der Nacht.

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