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Jenseits von Eden

Esther Andradi (2015)

Argentinien ist der Ort des Paradieses. Nicht nur von einem, sondern von vielen Paradiesen. Ich meine damit den so genannten Paradies-Baum, der überall in Argentinien wächst.

Während meiner Kindheit sah ich sie in den Straßen meines Dorfes aufblühen und den Frühlingsanfang ankündigen. Jahre später, als ich in der Straße „Carbajal“ in Buenos Aires lebte, stand gegenüber vom Haus ein heruntergekommener moribunder Paradies-Baum. Elend, aber grün.

Zwischen der Zuneigung der herumstreunenden Katzen und dem wenigen oder keinem Wasser in Zeiten der Trockenheit neigte er sich seinem Ende zu. Wenn der Frühling kam, blühte er mit neuen Knospen auf, wie eine würdevolle alte Dame.

Eines Sommernachmittags ging ich hinaus auf die Straße und der Baum stand in Flammen. Ich zögerte keinen Moment und begann Wassereimer zu tragen, die ich einen nach dem anderen über den glühenden Paradies-Baum warf.

Die Leuten aus der verwahrlosten Villa, denen der Baum gehörte, gingen auf den Balkon, um mir zuzuschauen. Und ich schleppte weitere Eimer, bis ich nicht mehr konnte.

Der Baum wurde versengt. Jemand riss ihn nachts aus und am nächsten Tag war an seiner Stelle nur noch ein Loch. Wie ein entfernter Backenzahn, an dieser Ecke ohne Wurzeln, starb der Paradies-Baum.

Mein Wille reichte nicht aus, um ihn zu retten.

 

aus dem argentinischen Spanisch von Raquel Sutter

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