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jetzt kann ich angeben

Rafael Mantovani (2016)

1.

jetzt kann ich auch vor dir an dem tisch im möbel olfe angeben
und zwar mit der zahl vier, denn diese woche habe ich
mit vier verschiedenen typen gefickt

„einen davon habe ich bei einem geburtstags-
picknick aufgegabelt, wir bekamen eine erektion
vor allen anderen, sogar den kindern“

„der nächste log seinen freund an, er sei bei mcfit
und ich studierte seine segel-
ohren, während er mich sehr/ganz/richtig schnell

fickte“ (hier senke ich unterkühlt meinen kopf
um zu sagen, dass ich passiv, aber empowered bin, versöhnt
mit der semantik des in-den-arsch-gefickt-werdens)

„der nächste war ein dj aus der schweiz, im herbst will er mich
besuchen, aber ich fand die mise-en-scène im bett eher mittelmäßig
auch wenn sein bauch so hart war, dass es

gar kein waschbrett mehr war, das war eine industriewaschmaschine“ (obwohl
das gelogen ist, doch in dem moment kam mir dieser satz, den
ich gleich darauf grässlich fand).

2.

(fürs selbstvertrauen
rechne ich aus, dass ich unterm strich
52 mal geleckt wurde, 15 komplimente und 6 feedbacks auf whatsapp bekam

dass ihre schwänze zusammengezählt 73 cm lang sind
und einen durchmesser von 30 cm haben, etwa den einer gasflasche)
und folglich ist es unbestreitbar, dass ich die tage

(in denen du mit deiner tante und deinem patenkind in paris
warst und nur zehn minuten zeit hattest, um auf der starbuckstoilette grindr zu öffnen
als sich der ausflugsbus verspätete) voll ausgenutzt habe

„der letzte war ein russischer psychologe, er bestand darauf
dass ich ihn ohne gummi auf der yogamatte ficke
dabei hat mein zimmer (hach) nicht mal einen vorhang, am ende

war ein bisschen scheiße auf meinem schwanz, ich nahm’s entspannt
putzte sie ohne stress ab, wir sind ja erwachsen, auch der baron de charlus
hatte kein fließendes wasser, wie du selbst gesagt hast”

„es war also eine intensive woche“, sage ich (mit einem verdienten lächeln
und gesten von understatement), und als ich noch rechtzeitig bemerke
dass die selbstaufwertungsanstrengung gleich anbrennt, drehe ich den hahn

meiner bärenschüchternheit auf, setze meine kleine engels-
mütze auf, meine konfus-ernste zärtlichkeit bei der hand, wie ein ausgestreckter schal
der darauf wartet, aufgerollt zu werden.

3.

und du lachst, und zweieinhalb stunden später, wenn du aus der gosse steigst
und immer noch kleiner bist als ich, rechtmäßiger könig deiner
schuhe (nach deren größe ich gefragt habe),

um dich mit einer umarmung zu verabschieden, weiß ich, dass du
das ganze paket meiner vier genüsse in der selben woche
mitnehmen wirst, um sie zuhause zu korrigieren, unter der herrschaft der erkenntnis

und die schwänze zu lutschen, bei denen ich mich zurückgehalten habe, um nicht zu ausgehungert zu wirken,
erneut unter den stößen stöhnen, unter denen ich mit tiefer stimme stöhnte (für den fall
dass uns ein außerirdischer aus der ferne filmen und eines tages ins netz stellen sollte)

und wenn ich dich auf der adalbertstraße davonziehen sehe, wird mir klar,
dass du es bist, der heute später zu bett gehen wird
und wenn mein handy mit jenem blauen led-licht

der nicht so wichtigen nachrichten blinkt, werde ich mir ausmalen
dass es ist, weil du entdeckt hast, dass in dieser ganzen rechnung ein offensichtlicher
fehler steckt, eine szene, die im drehbuch

fehlt, der spielstein, der in der schachtel liegen blieb, oder das um 21 stunden
verschobene horoskop (aufgrund einer langen entbindung), dass du manchmal daran denkst,
zurückzukommen, um zu erfahren, wie es weitergeht nach dem witz.

 

Übersetzt von Timo Berger

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