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Noch ist Kreuzberg nicht verloren

Dorota Stroińska (2017)

Prolog

„Noch ist Polen nicht verloren“ – wer kennt nicht diese erste Zeile aus der polnischen Nationalhymne? Sie verweist auf den jahrhundertelangen polnischen Freiheitskampf und wird im Laufe der Zeit zum geflügelten Wort. Der Spruch „Noch ist Kreuzberg nicht verloren“ muss sich dagegen seinen Platz im allgemeinen Sprachgebrauch noch erkämpfen… Der Stadtteil Kreuzberg steht hier als gesellschaftliches und künstlerisches Experimentierfeld für die ganze Stadt Berlin. Aufgenommen in den Rhythmus der polnischen Nationalhymne verweist er auf die jahrhundertlange Präsenz der polnischen Menschen in der Spreestadt. Der polnische Freiheitsmythos und der multikulturelle Mythos Berlin werden in der Liedzeile rhythmisch und semantisch miteinander verbunden und in wechselseitige Beziehung gesetzt: Die lange Tradition der Kulturstadt Berlin wird von polnischen Sehnsüchten, Sichtweisen und Stilformen entscheidend mitgeprägt, und die hier lebenden Polen verstehen sich schon längst als „Wir, Berliner“[1].
Noch ist Kreuzberg nicht verloren, solange die Polen hier leben…

Doch warum sind die Polen überhaupt nach Berlin ausgewandert?
Die Geschichte beginnt im 18. Jahrhundert, als Polen, durch Preußen, Österreich und Russland geteilt, seine staatliche Souveränität verliert und von der Landkarte für 123 Jahre ausradiert wird, und geht über das traumatische Jahrhundert der beiden totalitären Systeme bis in die heutige Zeit, in der das Verlassen der Heimat vielleicht nicht mehr so dramatisch wie früher erfolgt, wenn auch nicht bar aller Not. Das Spektrum reicht von rettendem Exil über versklavende Verbannung bis zu hoffnungsvoller Auswanderung, es umfasst Jahrhunderte der erzwungenen, freiwilligen oder scheinbar freiwilligen Emigration, denn immer geht es um persönliche und politische Freiheit; auch der Wunsch „sein Brot zu verdienen“ ist letztlich der Wunsch nach einem würdigen Leben, frei von Existenznöten.   Nach den aktuellen statistischen Daten leben ca. 20 Millionen Polen und Menschen mit polnischen Wurzeln außerhalb Polens, in Deutschland sind es ca. 2 Millionen, in Berlin ca. 100.000.

Es ist ein besonderes Merkmal der polnischen Kultur und Literatur, dass sie zum großen Teil im Exil entstanden ist. Die wichtigsten Werke der polnischen Literatur haben im 19. Jahrhundert die Emigranten geschrieben: Mickiewicz, Słowacki, Norwid. Die Literatur wurde zu einem geistigen Territorium, zu einem imaginären Mittelpunkt, von dem aus die Polen ihre Identität und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl herleiten. Welchen Platz nimmt Berlin in dieser Konstellation ein? Ist sie eine Metropole des Exils, vergleichbar mit Paris, London und New York?

Heute leben an der Spree polnische Migranten, die zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Gründen nach Berlin gekommen sind. Während die ältere Generation sich weiterhin dem Ethos einer Exilgemeinschaft („Polonia“) verpflichtet fühlt, die polnischen „Strebermigranten“ (Emilia Smechowski)[2] in der deutschen Gesellschaft unsichtbar bleiben[3], ist es für die jüngeren Eingewanderten heute selbstverständlich, als Polin oder Pole den deutschen Alltag zu leben. Aber so zahlreich, vielschichtig und mannigfaltig die polnische Community in Berlin auch ist, sie bildet kein „Little Poland“. Polnische Kultur wird nicht in abgetrennten Bezirken gepflegt, sondern durchdringt und bereichert das kulturelle Leben Berlins. Wie faszinierend und inspirierend diese osmotische Beziehung ist, lässt sich an unzähligen Orten Berlins spüren.

Doch vorher möchte ich ein paar Vorgeschichten dieser Osmose erzählen, einen Blick also werfen ins Berliner Zimmer im Haus der polnischen Literatur.

„Für eure und unsere Freiheit“
Im Jahr 1828, als noch kein Berlin-Warszawa-Express die deutsche und die polnische Metropole miteinander verband, reiste der junge Frédéric Chopin mit einer Postkutsche aus Warschau in die preußische Hauptstadt. Er flanierte durch die Straßen, besuchte Opernaufführungen und gab eigene Konzerte. Über seine Eindrücke schreibt er in einem Brief an die Familie: “Meine Meinung über Berlin: Es ist zu groß für die Deutschen. Es könnte ohne weiteres noch mal so viele Einwohner fassen.”[4]
Nur wenige Jahre nach Chopins Besuch in Berlin wird der Novemberaufstand 1830/1831 in Kongresspolen gegen den russischen Zaren und für die Befreiung Polens, „für eure und unsere Freiheit“,  niedergeschlagen; zehntausende polnische Freiheitskämpfer fliehen während dieser Grande Emigration und durchqueren Deutschland, wo sie mit solidarischen Hilfsaktionen und begeisterten „Polenliedern“ empfangen werden, in Richtung Belgien, Schweiz, Großbritannien, Italien und vor allem Frankreich, wo sich übrigens außer dem polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz auch Frédéric Chopin niederlässt. Auch in Berlin werden Polenlieder gesungen, eine besondere Bedeutung gewinnen dabei Liedzeilen etwa von Karl von Holtei, in denen das Bild vom Kampf Davids gegen Goliath heraufbeschworen wird.
Die bürgerliche deutsche Öffentlichkeit sah im Freiheitskampf der Polen gegen die russischen Unterdrücker auch ihren eigenen Kampf um einen freiheitlichen deutschen Nationalstaat, sie deutete es als ein Signal für eine Demokratisierung ganz Europas. Die „Polenbegeisterung“ ließ in den deutschen Ländern in der Zeit nach den Ereignissen in der Frankfurter Nationalversammlung (1848) schnell nach, im Namen der Einheit des eigenen Volkes  wurde die Assimilation der polnischsprachigen Bevölkerung schließlich zur Staatsraison des Kaiserreichs. Die Hauptstadt der preußischen Militärmonarchie wurde aus der polnischen Perspektive zum Zentrum einer feindlichen Macht, von der aus die Zwangsgermanisierung und der Kulturkampf gegen die polnische Bevölkerung geführt wurden. Kein Wunder, dass Berlin nur sporadisch, auf Durchreise von polnischen Schriftstellern besucht wird.

„… eine verborgene Tapetentür…“
Mit der beginnenden Industrialisierung und einer massenhaften Zuwanderung von polnischen Arbeitern Ende des 19. Jahrhunderts wird Berlin „die größte polnische Stadt in Preußen“.  Für die schnell wachsende Bevölkerung werden tiefgestaffelte Mietskasernen mit ihren endlosen Innenhoffluchten errichtet. Gerade in der Zeit entsteht der dunkelste Raum der Mietkasernenwohnung – das Berliner Zimmer.
In diese „Herberge der Finsternis, der stickigen Luft und des sich darin behaglich fühlenden Berliner Philistertums“ (Friedrich Engels) schlug Stanisław Przybyszewski[5] wie ein „Meteor“ hinein, „der für einen Augenblick aufleuchtet“. „Der geniale Pole“ kommt 1889 nach Berlin und prägt nicht nur das Leben der Berliner Bohème maßgeblich, sondern beeinflusst auch die deutsche Literatur der Jahrhundertwende wie kaum ein anderer. Im Lokal „Weinhandel und Probierstube“, das unter dem Namen „Zum schwarzen Ferkel“ in die Berliner Chroniken eingeht, treffen europäische „Rauschkünstler“ zunächst um August Strindberg zusammen, doch bald wählen sie Stanisław Przybyszewski zu ihrem Meister und Anführer. „Stachu machte uns eine Tür auf (…) eine verborgene Tapetentür, von der man nicht wusste, ob sie ins Chaos oder in eine bewohnbare Landschaft oder nur in einen mit Mixturen gefüllten Wandschrank führte“, schreibt Julius Meier-Graefe. Obwohl Przybyszewski selbst in seinen eigenen literarischen Widersprüchen gefangen bleibt, zeigt er für andere neue Wege auf: Anscheinend unbewusst entwickelt er Stilelemente, die für spätere Generationen prägend werden (expressive Metaphorik etwa oder eine Erzähltechnik, die den inneren Monolog vorwegnimmt). Um „Stachu“ gruppieren sich Künstler und Literaten wie u.a. Paul Scheerbart, Ola Hansson, Gustav Vigeland, Julius Bierbaum, Franz Servaes und Peter Hille. Besondere Freundschaften persönlicher und künstlerischer Art verbinden ihn mit Strindberg (gruselig nachzulesen in seinem Pariser Roman „Inferno“, 1897), Richard Dehmel, der Przybyszewskis erstes, öffentlich vieldiskutiertes lyrisches Prosastück „Totenmesse“ (1893) lektoriert; mit Edvard Munch, in dem Przybyszewski einen herausragenden Künstler erkennt und ihm einen enthusiastischen kunstkritischen Essay „Psychischer Naturalismus“ (1894) widmet, der zur Initialzündung für Munchs beginnende Karriere wird. Munch fertigt wiederum nicht nur mehrere Porträts des Dichters an, sondern erhält auch Impulse von Przybyszewskis Kunstauffassung. Theodor Fontane beschreibt ihn als einen sprachgewaltigen Erneuerer der deutschen Sprache, wie es ihn nach Nietzsche nicht gegeben habe. In Berlin begründet er zusammen mit Otto Julius Bierbaum und Julius Meier-Graefe die Kunst- und Literaturzeitschrift „PAN“, veröffentlicht in Karl Kraus‘ “Die Fackel” und in der “Freien Bühne”. Przybyszewski, die „wohl faszinierendste Figur des deutschen Fin de siècle“ (Jens Malte Fischer), wird auch prägend für die polnische Literatur und Kunst der Jahrhundertwende. 1898 zieht er nach Krakau, wo er die Redaktion der Zeitschrift “Życie” (Leben) übernimmt, die bald als das bedeutendste polnische Journal für Kunst und Literatur gilt. Sein 1899 dort veröffentlichter Essay Confiteor wird zum Manifest der polnischen Moderne („Junges Polen“). Nach 1918, als Polen die Unabhängigkeit wiedererlangt, hilft er, den jungen polnischen Staat aufzubauen.

Im Salon der Avantgarde
Das polnische Berliner Zimmer, befreit vom schweren Gründerzeitmobiliar, bleibt weiterhin ein Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde und eine Schmiede von künstlerischen Ideen und Programmen. Der Gastgeber heißt Stanisław Kubicki – Lyriker, Kunsttheoretiker und Maler, der zahlreiche gemeinsame Ausstellungen und Aktionen deutscher und polnischer Expressionisten initiierte. Zu seinen Gästen gehören u.a. Jerzy Hulewicz, Schriftsteller und Grafiker, mit dem er die polnische expressionistische Künstlervereinigung „Bunt“ (Revolte) 1918 in Poznań gründete; Franz Pfemfert, Herausgeber der Berliner Kunstzeitschrift „Die Aktion“; Herwarth Walden, Galerist und Verleger von „Der Sturm“; der „Dadasoph“ Raoul Hausmann und der „Oberdada“ Johannes Baader; der Dichter und Anarchist Erich Mühsam.
Stanisław Kubickis Leben und Wirken steht in Berlin für die Geschichte des Verschwindens. In den 1930er gab es in Berlin eine von den Nationalsozialisten strategisch-propagandistisch motivierte Förderung polnischer Kultur, doch gleichzeitig wurde die Stadt zum Gefängnis und zum Friedhof für Tausende polnischer Menschen, Künstler, Zwangsarbeiter. 1933 zerstörten SA-Männer bei mehreren Hausdurchsuchungen Werke von Kubicki und seinen Künstlerfreunden. 1934 flüchtete er nach Polen, wo er sich während der deutschen Besatzung der Widerstandsbewegung anschloss. Im Juni 1941 wird Stanislaw Kubicki in Warschau durch die Gestapo verhaftet und wenig später (1942) ermordet.
Seit 2011 erinnerte ein Stolperstein in der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz an Stanisław Kubicki. Erinnerte – denn erst vor wenigen Wochen wurde der Gedenkstein von Unbekannten gestohlen…

Von Wohnhülsen und Giftschränken
In der Zeit unmittelbar nach 1945 ist das polnische Berliner Zimmer ein zurückgebliebener und leerer Raum, eine unbewohnte Kältezone.

Die geografische Lage, 80 km von der polnischen Grenze entfernt, und die politische Sonderstellung West-Berlins machen die Stadt in der Nachkriegszeit (1950-1980) zu einem „Ost-West-Bahnhof“, zur Zwischenstation für die polnischen Intellektuellen und Künstler auf ihrem Weg nach Frankreich, England und Nordamerika, den eigentlichen polnischen Exilzentren. Im Berliner Zimmer wohnen sie nicht, allenfalls werden sie in diesem Durchgangszimmer vorübergehend untergebracht.

Doch im März 1959 ist Der Spiegel alarmiert: „Wo immer der zu plötzlichem Weltruhm gelangte Autor sich aufhält, in Polen oder in Westeuropa, schafft er Bewegung.“[6] Die Rede ist von Marek Hłasko, der in dem Transitraum West-Berlin politisches Asyl erhalten hatte. 1958 wird seine Erzählung „Der achte Tag der Woche“ („Ósmy dzień tygodnia“, 1954)[7] in einer deutsch-polnischen Produktion verfilmt.[8] Der als „James Dean der Warschauer Hinterhöfe“ und als das „Literaturidol der polnischen Nachkriegszeit“ gefeierte Autor erregte mit seinen Erzählungen großes Aufsehen. Die jungen Polen erkannten sich in der auch sprachlich hart und rau vermittelten Erfahrung wieder und verständigten sich, wie mit einem Kassiber, mit Zitaten aus seinen Büchern, die im Pariser Exilverlag Instytut Literacki erchienen und in Polen bis in die 1980er Jahre auf dem Index standen. 1958 von der Staatsmacht ins Exil gezwungen, irrt Hłasko als enfant terrible durch die westliche Welt, führt ein exzessives, “atemloses Leben” in Berlin, München, Paris, Israel, Sizilien oder in Hollywood. 1969 stirbt er an einer Überdosis Alkohol und Schlaftabletten in Wiesbaden. In seinen autobiografischen Aufzeichnungen „Die schönen Zwanzigjährigen“[9] („Piękni dwudziestoletni“, 1966), wo Hłasko eine zornige Bilanz über seine Irrfahrt durch die westliche Welt zieht, findet sich auch folgende Passage:

„Ich hatte es in Deutschland nicht leicht, als ich einmal um Asyl gebeten und alle Untersuchungen hinter mir hatte. (…) während des Krieges hatte ich keine Angst vor den Deutschen gehabt (…); wirklich zu fürchten begann ich mich, als ich eine Weile dort lebte, und als ich sah wie sie lebten: friedlich, gemütlich und still.“[10]

Das Unheimliche an dem so harmonisch und arkadisch wirkenden Berlin der Nachkriegszeit nimmt Witold Gombrowicz (1904-1967) beinahe seismographisch wahr. 1963 verlässt der Autor nach 23 Jahren sein argentinisches Exil und kommt als einer der ersten Stipendiaten der Ford Foundation für ein Jahr in “dieses Glitzerding West-Berlin, letzte Koketterie des luxuriösen Europa”.

Gombrowicz wohnt zunächst im Gästestudio der Akademie der Künste im neu erbauten Hansaviertel, wo er auch eine andere Stipendiatin, Ingeborg Bachmann, kennenlernt. Beide beziehen sich später in ihren Texten auf ihre Zeit in Berlin, Bachmann in einem fragmentarischen Essay („Witold Gombrowicz“, 1964) und Gombrowicz in seinem „Tagebuch“[11], wo er sein Leben im Exil und seine eigenen Fremdheitserfahrungen, auch die Monate in Berlin verarbeitet. Dabei lockt er den Leser nicht mit intimen Bekenntnissen, sondern zieht ihn in den Boxring seiner intellektuellen Rauflust. „Ich bin das Aspirin, das Krämpfe löst“ – verspricht er. Später bezieht er eine Wohnung in der Bartningallee im Hansaviertel, die Wohnung liegt im 15. Stock; aus dieser Vogelperspektive kann er nach Westen und nach Osten gleichermaßen schauen. Ein Spaziergang im Tiergarten wird für ihn zur existenziellen Erfahrung: Intensiv nimmt er Gerüche wahr, die ihn ins Polen seiner Kindheit und Jugend zurückversetzen und den nahenden Tod ahnen lassen. „Der Kreis hat sich geschlossen… im Tiergarten (…) erfuhr ich den Tod direkt – und seither weicht er mir nicht von der Seite.“[12] In Berlin wird er krank, liegt zwei Monate im Krankenhaus, drei Jahre später stirbt Gombrowicz in Vence (Frankreich).

Die geteilte Stadt, zwei Jahre nach dem Mauerbau, wirkt auf ihn „gutmütig“, erotisch inspirierend (wie man seinem intimen „Kronos“[13] inzwischen entnehmen kann) und zugleich „dämonisch“, „als wüsche sich Berlin, wie Lady Macbeth, unermüdlich die Hände…“[14]
Als Pole fühlt Gombrowicz, wie er den Deutschen „auf dem Gewissen lastet“, schaut unter die „glitzernde“ Oberfläche der Stadt hinab in verschüttete Leichenkeller, „spürt die herumgeisternde Vergangenheit auf“ (Rudolf Hartung, SZ, 29./30.1.1966), von der die Arbeitseifer und Geschäftigkeit ablenken sollten, und spricht das kollektive Verdrängen und Vergessen der NS-Vergangenheit an. Damit nimmt er ein bis dahin tabuisiertes Thema vorweg, das aber schon bald die öffentliche Diskussion in der Bundesrepublik bestimmen soll. Fast zeitgleich mit dem Aufenthalt Gombrowiczs in Berlin beginnen die Auschwitzprozesse. 1967 erscheint Alexander und Margarete Mitscherlichs sozialpsychologische Studie „Die Unfähigkeit zu trauern”[15], ein Schlüsseltext zur kollektiven Verdrängung der NS-Vergangenheit („autistische Haltung”) und der damit zusammenhängenden psychischen Verfassung („auffallende Gefühlsstarre”) der westdeutschen Gesellschaft.

Auf seine Zeitgenossen in Berlin wirkt Gombrowicz exzentrisch, bizarr, theatralisch. Das Café Zuntz am Kurfürstendamm, in dem Gombrowicz ein Künstlercafé mit einer „geistigen Gemeinschaft“ von Literaten einrichten wollte, wird zum Schauplatz von nicht nur sprachlich bedingten Missverständnissen. Günter Grass und Uwe Johnson besuchen das Café; während Gombrowicz vor allem philosophische Fragen diskutieren will, auf Französisch, interessieren sich seine deutschen Kollegen mehr für handwerkliche Themen. Für Peter Weiss ist Gombrowicz zwar „eindringlichste Erfahrung“[16], doch sein „Konzept eines Literatencafés, das Bedürfnis nach Vereinsleben, Diskussion statt Ausübung des Berufs“ habe nicht mehr gestimmt, urteilt Uwe Johnson.[17] Walter Höllerer spricht von „argentinischer Rhetorik“ und auch davon, dass Gombrowicz‘ Sprachverhalten „die Berliner Sitten“ störte. Der polnische „Exot“ sieht die Ursache der gescheiterten Kommunikation dagegen in einer „Skepsis gegenüber jedem unmittelbaren Kontakt“ bei den Deutschen, darin, „dass sie im Allgemeinen nicht sehr gesellig sind, sie haben kein Bedürfnis nach Meinungsaustausch, überhaupt den Austausch von irgendetwas (…). Wohl traf sich ihr Blick, immer aber auf etwas, niemals versank daher der Blick im anderen.“ [18]

Gombrowiczs „Aspirin“ im Giftschrank des Berliner Zimmers ist ohne Verfallsdatum, es wirkt zuverlässig krampflösend, wenn er uns allen empfiehlt:

„Wenn ihr über euch selbst lachen, euch an euch selbst amüsieren und freuen könnt, auch wenn ihr in der schlimmsten Klemme steckt, dann werdet ihr erlöst sein.“[19]

Seit den 1960er Jahren lebt West-Berlin vom „Auftrag der Frontstadt und von der Ehre, das Schaufenster der Freiheit und freien Marktwirtschaft zu sein“ (Klaus Hartung), es gewinnt aber zunehmend auch den Ruf einer historisch vielschichtigen und modernen Stadt mit großen Freiräumen. Diese Insel der Freiheit im sozialistischen Meer und mit einem besonderen Klima übte auf polnische Intellektuelle Anziehungskräfte aus. Der Magnetismus wirkt nicht zuletzt vom Ort dieser Veranstaltung, dem Literarischen Colloquium Berlin, wo sich die Crème der polnischen Literatur in den sechziger Jahren trifft.
Walter Höllerer lädt gleich 1963 Witold Gombrowicz als Gast in seine erste Schreibwerkstatt „Prosaschreiben“ ein. Wie Gombrowiczs „Aspirin“ wirkt, ist im literarischen Porträt „Die zweite Schuld“[20] eines prominenten Werkstattteilnehmers, Hubert Fichte, unterhaltsam zu nachzulesen.

Freundschaftliche Beziehungen zu Walter Höllerer pflegt Witold Wirpsza (1918-1985). Der polnische Dichter und Übersetzer ist 1967/1968 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Nach dem Erscheinen seines Essays „Pole, wer bist du?“ erhält er in Polen für diese „polenfresserische Schmähschrift“, wie es in der offiziellen Presse heißt, Publikationsverbot und emigriert 1972 nach West-Berlin, wo er zu einem bedeutenden Vermittler zwischen der polnischen und der deutschen Kultur wird. Er ist jemand, für den nicht das „Elend des Exils“ im Vordergrund steht, sondern der „Glanz des Exils“, das heißt die Freiheit, die dichterische Freiheit, die Lust an Sprachexperiment und „Mehrdeutigkeiten aus Neigung zu Missverständnissen“.[21] Er genießt auch den Ruf einer grauen Eminenz des polnischen Exils einer Schlüsselfigur in der oppositionellen Literaturszene Polens. Zusammen mit seiner Frau Maria Kurecka (1920-1989) führt er über viele Jahre einen Salon in seiner Moabiter Wohnung (Alt-Moabit 21), im Duett übersetzen sie zahlreiche Werke deutschsprachiger Literatur, u.a. Hermann Broch, Thomas Mann, Hermann Hesse.

Früh würdigt man im LCB Tadeusz Różewicz (1921-2014) und Zbigniew Herbert (1924-1998) als die großen Dichter der europäischen Moderne. In der Veranstaltung „Ein Gedicht und sein Autor“ (1966/67) lesen sie zusammen mit ihrem Übersetzer Karl Dedecius, der 1959 mit einer Anthologie polnischer Gedichte „Lektion der Stille“[22] die „Polnische Welle“ auf dem westdeutschen Buchmarkt auslöste. „Polen war das einzige Land hinter dem Eisernen Vorhang, das uns beständig und zuverlässig mit neuen Dichtern und originellen Ansichten über die Notwendigkeit der Poesie überraschte“.[23] „Unser Lehrer Różewicz“ (Michael Krüger) und Herberts empathische und gedankenklare Poesie wirkten auf die deutsche Lyrik der Nachkriegszeit revolutionierend. „Diese Lyrik ist von europäischem Rang“, sie lehrt uns zu „begreifen, dass es noch immer eine gemeinsame europäische Stimme gibt: die Stimme des Menschen“ – lauten einige Kritikerstimmen.[24]

Der „eigentümlichste und auffälligste“ (Michael Krüger) unter den vielen interessanten Polen, die in den 1960er Jahren „zu unserer Verwunderung nach Deutschland kamen“ war Zbigniew Herbert.
In keine andere Sprache wurde Herbert so umfangreich übersetzt wie ins Deutsche. West-Berlin wird seine Lieblingsstadt. In dieser widersprüchlichen Großstadt, dieser Mischung aus Metropole und Kurort, und umgeben von einer Mauer, die von innen viel harmloser aussah als von außen, fühlt er sich geschützt vor den „Barbaren“, die erscheinen „um die Aorta zu kappen“ („Babylon“). Sein Lieblingsort sind die Museen in Dahlem, wo er zahllose Stunden mit einem Skizzenblock in der Hand verbringt. Ein einzelnes Bild, ein Gegenstand, eine konkrete Linie oder Farbe sind für ihn Ausgangspunkt für eine zärtliche und empathische Betrachtung menschlicher Grunderfahrungen. Wenn man Zbigniew Herbert nicht in einer Gemäldegalerie begegnet, so findet man ihn sicherlich an seinem anderen Lieblingsplatz: am geöffneten Fenster im Berliner Zimmer, einen Kiesel „als Geschöpf vollkommen “ und „genau erfüllt / vom steinernen Sinn“ betrachtend.
Wie viele Dichter seiner Generation, trug auch er schwer an der „Narbe“[25] der traumatischen Kriegserfahrung. In einem späten Gedicht „An Michael Krüger“ (1991) finden sich folgende vom verzeihenden Sinn erfüllte Zeilen:

„Schließlich habe ich euch liebgewonnen meine Todfeinde / erblich wie Krankheit Armut schlechte Wirbelsäule / der Weg von Gräbern ins Bierhaus war lang / ich habe dich liebgewonnen Michael (…) / vielleicht ist alles was geschehen ist / zwischen uns / eine Meteorologie des Herzens / aber es brauchte Mut / denkst Du nicht Michael / um sich zu einer Geste aufzuraffen / einer halben Körperdrehung / sich in die Augen zu sehen.“[26]

Die polnische Welle der 1960er Jahre war sicher keine Massenbewegung, doch zum ersten Mal wurde die polnische Literatur intensiv vom westdeutschen Publikum wahrgenommen und hochgeschätzt.

Auch die DDR erlebt in den 1970er Jahren ihre „Polenwelle“. Ohne Zweifel ist dies dem Ost-Berliner Lyriker und Aphoristiker Henryk Bereska (1926-2005) zu verdanken, dem neben Karl Dedecius wichtigsten Übersetzer polnischer Literatur ins Deutsche. “Ich wurde Fährmann, übertrug kostbare Fracht” beschreibt er einmal seine Übersetzungsarbeit. Zu dieser Fracht gehören unzählige polnische Autoren darunter Różewicz und Herbert, Wisława Szymborska, Stanisław Wyspiański, Sławomir Mrożek und Adam Zagajewski.

„Für den DDR-Leser war die polnische Literatur mehr als nur ästhetischer Genuss (…) er fand hier eine radikal andere Sicht auf die Wirklichkeit.“[27]

Die geistige Vorbereitung einer Demokratiebewegung in der DDR erhält entscheidende Impulse durch die Aneignung der polnischen Literatur und den Austausch mit der polnischen Opposition.[28]

Im allgemeinen Bewusstsein der Polen existiert Ost-Berlin freilich nur schemenhaft, es ist ein grauer Fleck, eine Art Übergangsgebiet zwischen der Volksrepublik Polen und West-Berlin, „eine Schleuse, deren Mechanismen jeder erfahren hatte, der mit dem Zug hierher kam“, erinnert sich Leszek Szaruga, Lyriker und Übersetzer, der für seine oppositionelle Tätigkeit eine Zeitlang inhaftiert wurde und seine Eltern – Witold Wirpsza und Maria Kurecka – für ein paar Stunden in Ost-Berlin sehen konnte. In das „echte“ Berlin kann er erst Mitte der 1970er Jahre kommen.

Als „ein singuläres Naturphänomen“ (Szaruga) inmitten des totalitär beherrschten Raumes wird die „Insel der Freiheit“ von der Aura einer vielsprachigen, weltoffenen und kulturellen Metropole umgeben, die eine starke Anziehungskraft auf die zahlreichen polnischen Künstler und Intellektuelle ausübt, die in den 1960er und 1970er Jahren zu West-Berliner Insulanern werden.[29]

Berliner Matratzenlager
In den 1980er Jahren, in der Zeit der Solidarność– Bewegung, des Kriegsrechts, der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise kommt es zum großen Wanderungsstrom von polnischen Emigranten, Flüchtlingen, Spätaussiedlern. 900.000 Menschen verlassen Polen in dieser Zeit, 200.000 kommen nach Deutschland, 30.000 davon bleiben in West-Berlin. In kurzer Zeit entwickelt sich die Mauerstadt neben Paris und London zum wichtigsten politischen und kulturellen Zentrum der Exilpolen in Europa. Den beiden Metropolen hat Berlin die Nähe zur Heimat, die einfache Anreise, einen einmonatigen visumfreien Aufenthalt und günstige Lebenshaltungskosten voraus. Hier entstehen gesellschaftspolitische Organisationen im Umfeld von Solidarność, kulturelle Initiativen, Theater (Teatr Kreatur von Andrzej Woron), Verlage („Archipelag“), eine polnische Buchhandlung von Wojtek Drozdek, es erscheinen Exilzeitschriften („Pogląd“)…

In dieser Zeit kommen nach West-Berlin auch: Ewa Maria Slaska, Brygida Helbig, Dorota Danielewicz, Emilia Smechowski.

Ewa Maria Slaska gründete die zweisprachige Zeitschrift WIR (1994), mit dem Fokus auf die deutsch-polnische kulturelle Zugehörigkeit, auf den literarischen Dialog zwischen den beiden Ländern und auch auf Grenzüberschreitungen zwischen der Literatur und anderen Künsten.[30]
Dorota Danielewicz, dank der die polnische Literatur in Berlin in öffentlichen Veranstaltungen wahrgenommen wurde (unvergesslich der Abend mit Czesław Miłosz am 1.6.2000 im LCB!), ist ein “Reiseführer” durch die Seele Berlins zu verdanken: Eine poetische und persönliche Liebeserklärung an Berlin: „An den Bäumen reifen allmählich Äpfel, und das Gras wächst schnell und geräuschlos. In solchen Augenblicken überkommt mich ein wohliges Gefühl von Ruhe und Geborgenheit, dann spüre ich in meinem Herzen, dass die Stadt sich endlich von all dem erholt, was das 20. Jahrhundert ihr angetan hat.“[31]
Brygida Helbig, die literarische Grenzgängerin, mit Bindungen zu verschiedenen Orten, Genres und Literaturen, und vermutlich einer transportfähigen Identität, sie kennt sich im Grenzland aus und sie kennt auch alle „Engel und Schweine. In Berlin!“[32]
Und schließlich Emilia Smechowski, die es in „Wir Strebermigranten“ fasste: „Als Migranten sieht man uns kaum. Jedenfalls diejenigen nicht, die in den 80er und 90er Jahren kamen – und das sind mit Abstand die meisten. Wir sind unsichtbar. Wir sind quasi gar nicht mehr da, so gut gliedern wir uns ein. Wie Chamäleons haben wir gelernt, uns in der deutschen Gesellschaft zu verstecken.“[33] 

Wohngemeinschaft
Nach 1989 ist es die Baustelle, das Experimentierfeld, die Leerstelle Berlin, die vor allem junge Menschen aus Polen an die Spree zieht.  Viele polnische Künstler und Schriftsteller (Artur Szlosarek, Krzysztof Niewrzęda, Radka Franczak) wählen den Lebensmittelpunkt Berlin, das „zu einer Art natürlichem Ergänzungsraum für die Republik Polen“ (Peter Oliver Löw), zu „Niedźwiadek“ wird. Literarische Imagination und sozialpolitische Träume brauchen leere Räume, und so entsteht im frisch renovierten polnischen Berliner Zimmer eine Wohngemeinschaft von unterschiedlichsten Subkulturen, vielfältigen Lebensformen und mehrdimensionalen Identitäten. Olga Tokarczuk – sie verbrachte das Jahr 2001 als Gast des DAAD in Berlin – hat das in einem Essay[34] sehr schön gefasst. Während Gombrowicz für den abgewandten Blick der Berliner noch unsichtbar bleibt, knüpft Tokarczuk für einen längeren Blick „Miniaturfreundschaften“:

„(…) die Menschen hier ließen ihre Blicke auch länger aufeinander ruhen als irgendwo anders. (…) Sie schauten mit Interesse und oft lächelten sie gleich danach, als hätten sie sich selbst beim kindlichen Begaffen ertappt. (…) Uns interessieren doch die Anderen, und solange sie uns interessieren, solange bilden wir eine Gesellschaft… Berlin ist zivilisiert – wenn man unter diesem Wort das versteht, was es tatsächlich bedeutet: Verbürgerlichung; sie fußt auf ununterbrochener Kommunikation, auf Wechselbeziehungen und gegenseitiger Beeinflussung. Die einfachen Zuordnungen verschmelzen, man setzt sie in Anführungszeichen und gibt sie einer weichen kaffeehausartigen Dekonstruktion preis. (…) heute ist das ein viel bedeutender Ort als London oder Dublin, sogar als Warschau, denn Berlin ist heimisch und mondän zugleich. Gemütlich und weltstädtisch. Definiert und offen.“

Der Text ist 15 Jahre alt – und gilt wohl auch für diesen Moment.

Wir, die polnischen Berliner, leben hier in einer vertrauten Grundstruktur, die wir mit anderen Menschen teilen, in der wir uns heimisch fühlen. Berlin ist für die meisten keine vorübergehende Unterkunft mehr, sondern eine „verschobene Heimat“ (Przemysław Czapliński)[35], eine Sphäre von Begegnungen, gemeinsam geteilten Erfahrungen, Geschichten und Alltag. Keine Entfremdung, sondern ein innerer Ort von Geborgenheit, Verbundenheit, Sinn, Bedürfnis – es fühlt sich wie Zuhause an.

 

[1] So der Titel der Ausstellung über die Geschichte der polnisch-deutschen Nachbarschaft, die 2009 vom Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Städtischen Museum Berlin und dem Nationalmuseum in Poznań vorbereitet wurde (http://www.wirberliner.de/index.php?p=page1&lang=de).

[2] Emilia Smechowski, „Wir Strebermigranten“, Hanser Berlin, Berlin 2017

[3] Peter Oliver Loews Buch weist auch auf diese „Unsichtbarkeit“ hin: „Wir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland“, Verlag C. H. Beck, München 2014

[4] Małgorzata Quinkenstein, Robert Traba (Hg.), „Polnisches Berlin. Stadtführer“, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2016, S. 79

[5] Die neunbändige Werkausgabe im Igel Verlag: http://www.igelverlag.com/

[6] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42624777.html

[7] Auf Deutsch: Marek Hłasko, „Der achte Tag der Woche und andere Erzählungen“, übers. von Vera Cerny, Hans Goerke und Maryla Reifenberg, Kiepenheuer und Witsch, Köln 1958

[8] Der Film, in der Regie von Aleksander Ford und mit Starbesetzung – Zbyszek Cybulski und Sonja Ziemann, wird von Artur „Atze“ Brauner produziert.

[9] Auf Deutsch: Marek Hłasko, „Die schönen Zwanzigjährigen“, übers. von Roswitha Matwin-Buschmann, Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2000

[10] Ebenda, S. 206

[11] Witold Gombrowicz,„Dziennik 1953-1956, Instytut Literacki, Paryż 1957; „Dziennik 1957-1961”, Instytut Literacki, Paryż 1962; Dziennik 1961-1966, Instytut Literacki, Paryż 1966

[12] Witold Gombrowicz, „Tagebuch 1953-1969“, übers. von Olaf Kühl, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 842

[13] Witold Gombrowicz, „Kronos“, Wydawnictwo Literackie, Kraków 2013; W.G., „Kronos. Intimes Tagebuch”, übers. Olaf Kühl, Carl Hanser Verlag, München 2015

[14] Witold Gombrowicz, „Tagebuch 1953-1969“, übers. von Olaf Kühl, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 854

[15] Alexander und Margarete Mitscherlich, „Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens“, Piper Verlag, München 1967

[16] Peter Weiss, „Die Notizbücher. Kritische Gesamtausgabe. CD ROM“, hrsg. von Jürgen Schutte in Zusammenarbeit mit Wiebke Amthor und Jenny Willner, Directmedia Publishing, Berlin 2006, Notizbuch 4, 4.10.1963-31.12.63, I. Band, 1982

[17] Uwe Johnson, Porträts und Erinnerungen, hrsg. von Eberhard Fahlke, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, S. 24

[18] Witold Gombrowicz, „Tagebuch 1953-1969“, übers. von Olaf Kühl, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 874

[19] Witold Gombrowicz, „Trans-Atlantik“, in: Gesammelte Werke, hrsg. von Rolf Fieguth und Fritz Arnold, Bd. 2, Carl Hanser Verlag, München 1988, S. 180

[20] Hubert Fichte, „Die zweite Schuld. Glossen. Die Geschichte der Empfindlichkeit“, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006

[21] Witold Wirpsza, „Drei Berliner Gedichte“, LCB-Editionen Nr. 42, Berlin 1976, S. 49

[22] „Lektion der Stille. Neue polnische Lyrik“, ausgewählt und übertragen von Karl Dedecius, Carl Hanser Verlag, München 1959

[23] Zbigniew Herbert, „Gesammelte Gedichte“, hrsg. von Ryszard Krynicki, mit einem Nachwort von Michael Krüger, übers. von H. Bereska, K. Dedecius, R. Schmidgall, K. Staemmler, O. J. Tauschinski, S. 642

[24] Karl Dedecius, „Überall ist Polen. Zur polnischen Literatur der Gegenwart“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1974, S. 86 ff.

[25] In Witold Wirpszas Gedicht „Schwierigkeiten“ (1984) heißt es: „Es barst mir das Herz, aber zerbrochen ist es nicht, nur eine Narbe blieb./ Vielleicht tragen andere schwer an einer Narbe, ich jedoch nicht.“

[26] Zbigniew Herbert, „Gesammelte Gedichte“, hrsg. von Ryszard Krynicki, mit einem Nachwort von Michael Krüger, übers. von H. Bereska, K. Dedecius, R. Schmidgall, K. Staemmler, O. J. Tauschinski, S. 629 ff.

[27] Andreas Lawaty, „Chance zur Verständigung. Die Geschichte der deutsch-polnischen Kulturbeziehungen“, in: Annäherungen – Zbliżenia. Deutsche und Polen 1945–1995, hrsg. von Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Düsseldorf 1996, S. 135

[28] Als Beispiel: Der Bürgerrechtler und Friedensaktivist Ludwik Mehlhorn (1950-2011) pflegte intensiven Kontakt zu polnischen Dissidenten in Polen und war Mitbegründer der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. Als Autodidakt eignete er sich die polnische Sprache an, übersetzte und kommentierte Dokumente der demokratischen Opposition, Texte des Soziologen Jan Strzelecki, Essays und Gedichte von Jan Józef Lipski, Czesław Miłosz und Adam Zagajewski. Als Redakteur und Mitherausgeber von Untergrundzeitschriften (z. B. Almanach „Oder“) spielte er für zahlreiche Oppositionskreise, darunter die Initiative Frieden und Menschenrechte, eine entscheidende Rolle.

[29] Zum Beispiel als Gäste des DAAD-Künstlerprogramms: Stanisław Lem, Witold Wirpsza, Tadeusz Różewicz, Sławomir Mrożek, Zbigniew Herbert, Kazimierz Brandys, Wiktor Woroszylski, Adam Zagajewski, Ryszard Krynicki, Ryszard Kapuściński, Ewa Lipska…

[30] http://porta-polonica.de/de/node/208

[31] Dorota Danielewicz, „Berlin. Przewodnik po duszy miasta“, W.A.B., Warszawa 2013; D.D., „Auf der Such nach der Seele Berlins”, übers. von Arkadiusz Szczepański, Europa-Verlag, Berlin, München, Wien, Zürich 2014

[32] Brygida Helbig, „Anioły i świnie. W Berlinie!”, Wydawnictwo Forma, Szczecin 2005; B. H., „Engel und Schweine“, übers. von Lothar Quinkenstein, freiraum-verlag, Greifswald 2016

[33] Emilia Smechowski, „Wir Strebermigranten“, Hanser Berlin, Berlin 2017, S. 11

[34] Olga Tokarczuk, „Drei Gründe, warum ich Berlin mag“, in: DIALOG. Deutsch-Polnisches Magazin, Nr. 85-86 (2008-2009), S. 21 ff.

[35] Przemysław Czapliński, „Poruszona mapa. Wyobraźnia geograficzno-kulturowa polskiej literatury przełomu XX i XXI wieku”, Wydawnictwo Literackie, Kraków 2016

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