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Die Sprachen Berlins (2018)

21. November '18, 13:27 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Hugenotten, Russen, Polen, Türken, Vietnamesen – schon seit Jahrhunderten kommen Menschen verschiedenster Sprachen in unsere Stadt, deren Geschichte vor Urzeiten einst als slawische Siedlung begann. Heute wird Berlin immer internationaler: Fast jeder dritte Einwohner hat mittlerweile seine Wurzeln im Ausland. Damit liegt die Hauptstadt weit über dem Bundesdurchschnitt. Und die Zahl der deutschen Berliner mit Migrationsgeschichte wächst, wenn auch weniger stark als die der Berliner mit nicht-deutschem Pass. Derzeit gibt es etwa 203.561 Berliner Deutsch-Türken, Deutsch-Araber, Deutsch-Vietnamesen und Kinder aus binationalen Partnerschaften sowie ca. 637.700 Berliner Ausländer (2017).

Migrantenfamilien prägen inzwischen ganze Kieze der deutschen Hauptstadt: In Mitte hat jeder Zweite (52,5 Prozent) der 379.610 Einwohner (2018, „mit Migrationshintergrund“) einen ausländischen Hintergrund. In Neukölln sind es 45,6 Prozent, in Friedrichshain-Kreuzberg 43,0 Prozent. Auch die Einwohnerschaft von Charlottenburg-Wilmersdorf besteht zu mehr als einem Drittel (41,2 Prozent) aus Migranten. Bei den östlichen Bezirken liegt 2018 Lichtenberg mit 24,9 Prozent vorne – die wenigsten Menschen mit ausländischen Wurzeln leben in Treptow-Köpenick mit 14,9 Prozent. In Stadtteilen wie Neukölln, Kreuzberg und Wedding findet man typische Berliner Kieze, in denen deutlich mehr als jeder zweite Bewohner ein Migrant ist.

Berlin hatte 2016 zum ersten Mal seit 1944 wieder mehr als 3,5 Millionen Einwohner. Mitte 2018 waren 3,723 Millionen Menschen in der Stadt gemeldet, und 2018 noch einmal fast 12.000 (0,32 %) mehr Zuzügler als im Vorjahr. 178.304 Menschen zogen 2017 nach Berlin, 145.306 zogen weg. Hinzu kam ein Geburtenüberschuss: 40.238 Kinder wurden geboren, 34.344 Menschen starben. Neben Hamburg und Baden-Württemberg ist Berlin damit das einzige Bundesland, in dem mehr Menschen geboren werden als sterben.

Und Berlin wird internationaler: Unter den im vergangenen Jahr Zugezogenen finden sich vor allem Ausländer. Polen machen mit gut 6.007 Neuberlinern die größte Gruppe aus, es folgen Amerikaner (5.300), Rumänen (5.081), Bulgaren (4.844), Italiener (4.224). China liegt als stärkstes asiatisches Land mit einem Zuzug von 2.330 an sechster Stelle. (Zahlen von 2017). Die Zukunft Berlins ist – ebenso wie seine Entstehung, Geschichte und Gegenwart – ohne Migranten schlicht nicht vorstellbar. Von den Berliner Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren haben heute bereits 44,7 Prozent ausländische Wurzeln.

Die nachfolgende Aufzählung gibt Auskunft über die 25 häufigsten Staatsangehörigkeiten in Berlin. Sie geben gleichzeitig ein Abbild der insgesamt mehr als einhundertzwanzig Sprachen, die in unserer Stadt gesprochen werden: Türkei (98.046), Polen (57.109), Italien (29.912), Bulgarien (29.414), Russische Föderation (24.178),  Rumänien (22.395), USA (20.222),  Frankreich (19.664),  Serbien (einschließlich ehemaliges Serbien und Montenegro sowie einschließlich Kosovo = 19.601), Vietnam (17.281), Vereinigtes Königreich (15.898), Spanien (14.683), Griechenland (14.401), Kroatien (13.605), Ukraine (12.206), Bosnien und Herzegowina (11.742), Österreich (11.730), China (11.466), Libanon (8.138),  Iran (7.869), Niederlande (6.738), Mazedonien (6.161),  Ungarn (6.032), Schweiz (5.945), Thailand (4.960).

Berlin hatte bereits im Sommer 2018 schon eine weiter wachsende “ausländische Bevölkerung“ von 725.458 bei insgesamt 3.723.914 Einwohnern, das sind etwa 19 % Ausländeranteil.  Erweitert man die Perspektive auf Menschen „mit Migrationshintergrund“, ergibt sich für Berlin die Zahl von 1.244.297 (33,4%), das heißt: Fast jeder dritte Berliner hat bereits 2018 seine Wurzeln im Ausland – bei den unter 18-Jährigen laut Berliner Zeitung sogar jeder zweite. Im Jahr 2017 gab es im Land Berlin zudem 6479 offizielle Einbürgerungen.

Aber wie der kongolesische Berliner aus Paris, der Schriftsteller Wilfried N’Sondé einst sehr treffend auf die Frage nach seinen “eigentlichen Wurzeln” sagte: “Ich habe keine Wurzeln – ich habe zwei Beine.” Berlin ist und bleibt ein internationaler Anziehungspunkt für Menschen aller Kulturen und Sprachen – das wird sich in der näheren Zukunft eher noch verstärken, die Zahlen belegen das. Auch für die Gegenwartsliteraturen ist Berlin in wachsendem Maße ein Treffpunkt und Schmelztigel der Sprachen, Kulturen und “Hintergründe”: Der literarische Stoff für das Projekt stadtsprachen wird uns also nicht ausgehen.

 

(Alle Zahlenangaben laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.)
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