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TextTransit: Ein multilingualer Schreibkurs

4. September '20, 14:34 Uhr - Blog - Joey Bahlsen

TextTransit: Ein sprachoffener Schreibkurs in Berlin. Zwei Erfahrungsberichte

In der Schreibgruppe TextTransit des Studierendenwerks Berlin arbeiten verschieden sprachige oder interkulturell interessierte Studierende unter der Leitung von unterschiedlichen Autor*innen an ihren Texten. Im Sommersemester 2020 wurde der Kurs von der Berliner Schriftstellerin Franziska Hauser geleitet.

Die Gruppe ist offen für Autor*innen, die andere Sprachen als Deutsch sprechen und schreiben oder die als Nichtmuttersprachler*innen auf Deutsch ihre literarischen Texte verfassen wollen. Mehr Informationen: https://www.stw.berlin/kultur/projekte/literatur.html

 

Mehrsprachig schreiben

Letztens wurde ich gefragt, wie es ist, mehrsprachig zu schreiben. Es fiel mir zuerst keine gute Antwort auf die Frage ein, weil ich mich eher fragen würde: Wie wäre es, nur in einer Sprache zu schreiben? 

Schon im Haus, in dem ich aufgewachsen bin (und ich gehöre der wurzellosen Spezies an, die das nicht unbedingt Zuhause nennt), beendete „Good night!“ einen Tag, an dem ansonsten ausschließlich Französisch zu hören war. Am Telefon mit meiner schottischen Großmutter hörte ich meines Vaters „accent à couper au couteau“ und die Akzente meiner Schwestern, hybrid und unzuschreibbar, sowie meinen. Doch war damals Französisch meine Muttersprache oder, um genauer zu sein, meine Vatersprache. Ich las oder schrieb kaum auf Englisch und wollte mit meiner Mutter nicht in ihrer Heimatsprache sprechen, was ich bis heute nicht wirklich erklären kann. 

Erst später nahm Englisch eine wesentliche Rolle in meinem Leben ein, als ich Schülerin in einem internationalen Gymnasium war und schließlich in England mein Studium abschloss. Dann kam Deutsch, eine Sprache, die ich als Teenager zu lernen angefangen hatte, aber mit schwacher Begeisterung und ohne jemals daran zu denken, dass sie einen Großteil meines Alltags ausmachen würde. Die drei Sprachen sind mit bestimmten Teilen meines Lebens verbunden, aber ich kann sie nicht so einfach nach Identitäten, Gefühlen oder Persönlichkeit trennen. Bei mir sind sie eher gleichwertig, und sie zu mischen ist für mich das Spontanste. Warum mal Englisch, mal Französisch, mal Deutsch, ist schwierig zu rechtfertigen. Manchmal passt ein Wort einfach besser, ist schöner, hat eine genauere Bedeutung, oder funktioniert besser mit dem Rhythmus des Satzes. Manchmal sind bestimmte Wörter mit einem Ort oder einer Erfahrung verbunden, die ich nur in einer der Sprachen akkurat ausdrücken kann. Manchmal hat es auch eher mit Faulheit zu tun: Die Wörter kommen in einer Sprache schneller und so schreibe ich sie. 

Die Frage wird zu einer ganz anderen, wenn es darum geht, mehrsprachig nicht nur für mich selbst zu schreiben, sondern auch für andere, die meine drei Sprachen oft nicht verstehen. 

Statt das als Problem zu betrachten, sehe ich in der „Undeutlichkeit“ mehrsprachigen Schreibens vielfältige Möglichkeiten. Durch sie werden Ambivalenz, Fragmentation und die Schwierigkeit deutlich, etwas genau auszudrücken. Diese Elemente sind so oder so oft das Spannendste am literarischen Schreiben, was oft mit dem zu tun hat, was unerklärbar, unverstehbar bleibt, und nicht unbedingt effiziente Kommunikation sein muss. 

Mehrsprachige Texte können auch besonders gut Differenz betonen. Wer verschiedene Stimmen, Perspektiven, Spannungen oder Harmonien, die dazwischen entstehen, erkunden will, findet in dem mehrsprachigen Schreiben ein hilfreiches Werkzeug. Verschiedene Sprachen zu verwenden dient auch dazu, Änderungen im Text sichtbar zu machen – ob das ein Handlungssprung ist oder eine Veränderung im Tempo oder in der Melodie. 

Nicht-Muttersprachler*innen entwickeln andere Zugänge zu Sprachen, die nicht die „eigene“ sind. Diese können zum Beispiel zu einer erhöhten Sensibilität für den Klang von Worten oder die Eigenheiten der Grammatik führen. Eine Autorin, die damit spielerisch umgeht, ist die Japanisch-Muttersprachlerin Yoko Tawada, deren Werke die Absurditäten der deutschen Sprache liebevoll reflektieren. Eine Nicht-Muttersprache kann auch ein emanzipatorischer Raum sein, um sich von literarischen sowie gesellschaftlichen Normen zu befreien. So war es Französisch für die Englisch-muttersprachige Dichterin Renée Vivien. In ihren Übersetzungen von Sapphos Fragmenten und ihrer eigenen Werke nutzte sie Französisch, um die lesbische Liebe auszudrücken – das Begehren und die sexuellen Erfahrungen, wofür es im literarischen Kanon kaum eine Sprache gab. 

Mehrsprachigkeit und die einzigartige Vielfalt, eine Sprache zu gestalten, eröffnet zweifellos neue Möglichkeiten, die Welt anders darzustellen oder zu sehen und schafft Raum für Alternativen und Explorationen. Yet in some places I’ve lived, being multilingual is perceived as an act of snobbery. It was never my choice, but I do not know what language I dream in. That which, as a child, I perceived as a curse, which marked me apart, I now see as a blessing. Les couleurs n’en sont pas moins vives, les sons pas moins clairs, un effleurement pas moins ressenti. Et rien de tout cela ne pourra jamais être absolument partagé. 

Giselle Bernard 

 

Ein multilingualer Schreibkurs

Mein Leben spricht schon lange nicht mehr nur Deutsch: Morgens in der Uni (beziehungsweise zurzeit im Online-Seminar) erklärt mir mein Professor seine Theorie auf Englisch; nachmittags erzählt mir mein Freund er habe einen „rastrello“ gekauft, das deutsche Wort „Harke“ kennt er noch nicht; abends lacht vielleicht meine Tandem-Partnerin über meine arabische Aussprache oder ich schreibe eine Mail auf Esperanto.

So multilingual mein Alltag, so wenig habe ich alle diese Sprachen für das literarische Schreiben genutzt. Von einigen kleinen Versuchen abgesehen, bin ich, was Kurzgeschichten und Gedichte angeht, an meiner Muttersprache kleben geblieben. Am Konzept der multilingualen Schreibgruppe des Studierendenwerks Berlin hat mich daher gereizt, Mut und Motivation zu finden, Texte auf Englisch, Spanisch oder Esperanto zu schreiben. Nicht erwartet habe ich, dass ich durch diese Erfahrung stattdessen meiner Muttersprache näherkommen würde.

Drei deutsche Muttersprachlerinnen sowie drei Teilnehmende aus Frankreich, Russland und der Türkei hatte Autorin und Leiterin Franziska Hauser für die Schreibgruppe TextTransit ausgewählt. Jede von uns spricht mehrere Sprachen. Trotzdem wurden die meisten Texte auf Deutsch und Englisch verfasst. Vermutlich lag das vor allem daran, dass sich die jeweiligen Sprachkenntnisse nicht immer überschnitten. Ein Text auf Türkisch beispielsweise klingt in meinen Ohren schön, aber dessen literarische Qualität kann ich nicht beurteilen. Vor allem für die ausländischen Studierenden wurde Englisch daher zu einer sprachlichen Brücke, zu einem Mittelweg zwischen der Muttersprache und dem vielleicht noch unsicheren Deutsch.

Kann eine Schreibgruppe, welche sich zumeist auf zwei Sprachen beschränkt noch als multilingual bezeichnet werden? Meiner Meinung nach, ja. Denn durch diese Gruppe habe ich gelernt, dass sich Multilingualität nicht unbedingt durch die Verwendung verschiedener Sprachen auszeichnet, sondern auch durch verschiedene Arten, dieselbe Sprache zu nutzen. Natürlich ist die Dominanz des Englischen zu hinterfragen, vor allem wenn dadurch andere Sprachen verdrängt werden. Doch was mir die multilinguale Schreibgruppe gezeigt hat, ist, wie vielfältig eine einzige Sprache sein kann und wie unsere Beziehung zu dieser Sprache den Schreibprozess beeinflusst.

So erklärt meine Mitschreibende Ira aus Russland: „Da Englisch nicht meine Muttersprache ist, bin ich ständig im Prozess des Lernens. Manchmal höre ich einfach nur einen Satz, der mir auffällt, und ich fange an zu überlegen, wer das wann, wie, wo so sagen könnte. So kann ich aus einem einfachen Satz einen Charakter erfinden. Ich glaube, solche Aufmerksamkeit hat niemand für seine Muttersprache.“ Giselle dagegen schreibt am liebsten auf „Franglisch“. Sie spickt etwa einen englischen Text mit Absätzen auf Französisch. Obwohl ich kaum ein Wort Französisch spreche, verstehe ich die Geschichte. Ich muss nicht die genaue Übersetzung der Wörter kennen. Die Wirkung ihres Textes entsteht auch durch den Kontrast der Melodien beider Sprachen. Diese Spannungen oder Harmonien, welche sich aus der Mischung von Englisch und Französisch ergeben, sind für Giselle besonders interessant.

Auch für die deutschen Muttersprachler*innen war Englisch ein wichtiges Werkzeug innerhalb der Schreibgruppe. So haben wir zum Beispiel zehn verschiedene deutsche Übersetzungen für des letzten Satzes aus “The Great Gatsby” mit dem englischen Original verglichen. Welches Wort trifft nicht nur die Bedeutung, sondern auch die Stimmung des Originals? Wie genau kann der Rhythmus des Satzes ins Deutsche übertragen werden? Erst durch eine solche Übung wurden mir Unterschiede zwischen den beiden Sprachen deutlich, welche ich vorher nie näher untersucht hatte. Dabei kann es auch interessant sein, sich für die deutsche Sprache vom englischen Satzbau etwas abzuschauen oder umgekehrt, wie uns Franziska Hauser erklärte.

Selbstverständlich haben wir die englische Sprache auch verwendet, wenn doch einmal ein deutsches Wort unklar war. Doch oftmals kommt man damit an seine Grenzen. Was ist zum Beispiel „Kehricht“? Wie definiert man „verwahrlost“? Nie habe ich mich mit dem Deutschen so intensiv auseinandergesetzt wie im Austausch mit Nichtmuttersprachler*innen. Das bedeutete auch zuzuhören, wenn ein deutscher Text erstmal falsch oder unangenehm klingt. Denn oft ist es sehr inspirierend, wie Menschen, die nicht mit Deutsch aufgewachsen sind, neue Wörter verwenden.

Einen fremdsprachigen Text habe ich immer noch nicht geschrieben. Stattdessen habe ich erkannt, dass Einsprachigkeit auch Mehrsprachigkeit bedeuten kann, wenn wir eine Sprache zu unserer ganz eigenen machen. Und dass Nichtmuttersprachler*innen einem so viel über die eigene Sprache beibringen können. Mit dieser Erkenntnis im Kopf traue ich mich vielleicht dann auch mal an eine fremdsprachige Kurzgeschichte.

Christina Focken

Franziska Hauser mit der Schreibgruppe TextTransit


Isolation, Literatur und Einsamkeit. Ein Interview mit Elsye Suquilanda

28. Mai '20, 17:18 Uhr - Blog - Luisa Mendoza

In diesen Zeiten der sozialen Isolation gibt es jene, für die sich das Leben nicht viel verändert hat. Es gibt Menschen, die aus eigenem Entschluss, entweder aufgrund ihres Berufs oder ihrer Leidenschaft, in einer Art freiwilliger Isolation lebten, noch bevor die Lockdown-Maßnahmen ergriffen wurden. Ist dies bei Schriftstellern typischerweise der Fall? In diesem Interview mit Elsye Suquilanda, einer in Berlin lebenden ecuadorianischen Künstlerin und Schriftstellerin, sprechen wir über Isolation, Literatur und Einsamkeit.

„Dichter und Bettler, Musiker und Propheten, Krieger und Schurken, all die Geschöpfe dieser ungezügelten Realität mussten nur sehr wenig von der Vorstellungskraft verlangen, denn die größte Herausforderung für uns war die Unzulänglichkeit der konventionellen Mittel, um unser Leben glaubwürdig zu machen. Dies, meine Freunde, ist der Knoten unserer Einsamkeit.“

Fragment der Rede „Die Einsamkeit Lateinamerikas“, gelesen von Gabriel García Márquez während der Verleihung des Literaturnobelpreises 1982.

Man sagt, dass man im Schriftstellerberuf viel Einsamkeit erlebt. Wie sind deine Erfahrungen in dieser Hinsicht?

Ich wühle zwischen meinen Kissen, gehe in den zweiten Stock oder bleibe im ersten, springe wie ein Floh von einem Sofa zum anderen, setze mich auf die Stufen oder auf den Rand der Badewanne, kämme meine Haare jeden Tag mit der Luft vom Balkon, aber es gibt keinen Moment, in dem ich mich allein fühle. Ich habe das Lachen meiner Hunde und die Wärme ihrer Herzen, meine aus den Straßen Berlins übernommenen Pflanzen umarmen mich mit ihren zarten Blättern, und ein finnischer Kobold respektiert meine Freiheit, er strickt mir Baumwolle, damit ich nicht falle, er lässt mich nie im Stich. Ich habe meine Universen voller Planeten, die sich mit meinen Erfahrungen verbinden, die ich dann in Geschichten, Poesie und den täglichen Spaziergang verwandle.

Ich bin in meiner inneren Welt des Schreibens – der Schöpfung – immer sehr introvertiert gewesen.

Wie hat sich deine Schreibroutine aufgrund der präventiven Isolation verändert?

Eigentlich hat sich an meinem Tagesablauf nicht viel geändert, ich schreibe wie jeden Tag in großen oder kleinen Portionen. Was ich habe, sind viel mehr Gelegenheiten, meine Schriften in verschiedenen Medien zu teilen, etwa Blogs, Zeitschriften, Interviews oder Online- Präsentationen.

Kafka sagte, um in die Welt einzutreten, müsse man sein Haus nicht verlassen:

„Bleib bei deinem Tisch und horche. Horche nicht einmal, warte nur. Warte nicht einmal, sei völlig still und allein. Anbieten wird sich dir die Welt zur Entlarvung, sie kann nicht anders, verzückt wird sie sich vor dir winden.”

Ist die Literatur eine Flucht aus der Welt oder führt sie uns zu ihr zurück?

Die Literatur hat mir geholfen, die Welt und ihre Bewohner ein wenig besser zu verstehen, sie zu beschreiben, wiederzuentdecken, die im Gebüsch verborgenen Partikel kleiner Satelliten zum Vorschein zu bringen, meine eigenen Universen zu schaffen. Für mich ist es manchmal eine Flucht und manchmal eine Rückkehr mit Super-Lernkräften.

Welche Lektüre kannst du empfehlen, um diese Tage zu überstehen und der Welt zu entfliehen oder in die Welt zurückzukehren?

Die Lektüren, die ich empfehle, sind: Die puertoricanische Poesie, immer so frisch, so erstaunlich aktuell, eine direkte und manchmal auch Zwischenstopp-Reise, wie Kurzfilme und Filme, die für immer einen besonderen Geschmack hinterlassen und die ich persönlich liebe. Lesen Sie auch über Tierphilosophie, um die Botschaften der Tiere zu verstehen, und in diesen besonderen Zeiten vielleicht auch, warum wir sie mit Intensität respektieren sollten.  Um sich wieder von dem Ort verzaubern zu lassen, der uns beherbergt, empfehle ich auch denen, die nicht dort leben, Autoren verschiedener Nationalitäten zu lesen, die in Berlin leben oder gelebt haben und über die Stadt und deren innere und äußere Bewohner schreiben. Und natürlich empfehle ich, neue Autoren zu lesen.

Wie wirkt sich diese Zwangspause auf den Literaturbetrieb in Berlin aus?

Ich denke, die Menschen sind aktiver, schreiben mehr, sind kreativer, finden andere Wege der digitalen Kommunikation und Qualität bei der Übertragung. Man sieht die Geburt neuer Bücher, das hat nicht aufgehört, die Menschen konsumieren weiterhin Literatur auf Papier. Die obligatorische Pause ist neuen Ideen, neuen Schriften, neuen interessanten Erfahrungen gewichen. Ich persönlich sehe viel Bewegung in der Berliner Literaturbranche. Man sieht es an den Live-Auftritten und dem direkten Kontakt zum Publikum, der immer wunderbar war, oder an den Buchverkäufen bei Veranstaltungen, den Kartenverkäufen für Aufführungen. Das ist es, was meiner Meinung nach Auswirkungen haben könnte.

Welche neuen Wege eröffnen sich für die Kulturszene?

Integration, neue Wege der Zusammenarbeit, jetzt ist und wird nichts mehr unmöglich sein, jeder Ort wird zu einem Podium, einem Theater, das Publikum ist jetzt breiter und nicht nur auf der Ebene einer Stadt oder eines Landes, jetzt sind die Adern zur Welt hin ausgestreckt.

Welche Überlegungen hat die jetzige Lage auf persönlicher und kollektiver Ebene bei dir hinterlassen?

Dass wir in Gemeinschaft arbeiten müssen, jeder von uns kann das von seinem Arbeitstisch aus erreichen. Wir müssen großzügig sein, nicht urteilen, voneinander lernen. Keine Angst haben, in jeder Stellung den Kopf hoch halten, alle Lebewesen lieben und respektieren. Nicht im Wettbewerb leben, mit Demut leben, mit dem, was notwendig ist, und täglich das Beste aus uns heraus holen. Tolerant sein, unterstützend, dass Empathie immer vorhanden ist. Mit dem Glück leben.

Wie schaffst du es inmitten dieser Situation, Ecuador trotz der physischen Distanz moralisch und spirituell nahe zu bleiben?

Mein Herz war immer gespalten zwischen Berlin und Ecuador, ich bin täglich in Kontakt mit meiner Familie und meinen Freunden. Ich frage sie direkt, wie sie mit dieser Situation umgehen. Ich mag es, dass sie diejenigen sind, die mir sagen, was sie in ihren Städten, in ihren Vierteln, in ihrem Leben erleben, so kann ich beruhigt sein.

Ich lerne aus ihren Erfahrungen, ihren Gefühlen, ihren Schöpfungen, ich fühle, dass bei vielen von ihnen eine große Veränderung eingetreten ist. Die meisten meiner Freunde sind Künstler, Schriftsteller, Dichter, Musiker, Tierforscher. Ich versuche, alles aufzunehmen, was sie der Welt zeigen, deshalb bleibe ich meinem Volk, meinem Land, sehr nahe. Und ich spreche nicht nur für die Menschen, die ich kenne, denn ich bin auch sehr besorgt um die Integrität und die körperliche und geistige Gesundheit eines jeden Menschen, eines jeden Lebens in meinem Land Ecuador.

Ich will nicht leugnen, dass es sehr harte Momente der Angst und Verzweiflung gegeben hat, in denen nur die Zeit, die große Liebe meiner Familie und ein starkes inneres Licht der Weiblichkeit mir die Kraft gegeben haben, mich angesichts dieses Ereignisses auszugleichen.

Ich nähere mich ihr mit meiner Kunst, mit meiner Poesie, mit der Gelegenheit, die ich hatte, durch meine jüngsten Präsentationen Freude zu bereiten. Ich versuche, mich damit zu beschäftigen, positiv zu sein, gesehen zu werden und Freude zu empfinden.


La Grieta: spanischsprachiges kreatives Schreiben und Poesie aus Berlin

1. April '20, 14:41 Uhr - Blog - Luisa Mendoza

Es ist Mittwoch im Café Madame. Wie seit zwei Jahren üblich, trifft sich hier La Grieta, eine Gruppe für kreatives Schreiben und Poesie. Umarmungen, Gelächter und Küsse feiern den Beginn des Treffens. Getränke werden bestellt, meistens Rotwein. Bleistifte und Notizbücher werden vorbereitet. Nach einer kurzen und intensiven Unterweisung durch Maria, Lehrerin und Schöpferin des Kurses, beginnen die Worte durch den Raum zu schweben. Alle schreiben pausenlos, während sie leise das Geschriebene aussprechen, das Echo einiger schwingt im Schreiben anderer mit. Alle schaffen, teilen und erzeugen gemeinsam.

La Grieta ist eine Gruppe, die aus einem Kurs für kreatives Schreiben von Maria Sanchez Alonso hervorgegangen ist. Der Name bedeutet auf Spanisch Riss, und dies bezieht sich auf den Ort, an dem sie schreiben wollen. Während des kreativen Prozesses wollen sie durch einen Riss bis in die Tiefe gehen, dorthin, wo es dunkel ist, um die poetische Dimension der Wörter zu suchen. Zu den Mitgliedern gehören Irene Marquez Lopez, Sara Martin Mateo, Ana Ruiz Laguna, Andrea Mendez, Nuria Vila Clavell, Gergana Karaboycheva und Luisa Mendoza. Spanischsprachige Frauen, die in Berlin leben, alle mit unterschiedlichen Hintergründen und Berufen, alle verführt von der Kraft des Unausgesprochenen, des poetischen Wortes.

Feedback als Grundlage für Selbstschöpfung

Es muss in Berlin Hunderte kreativer Schreibgruppen in Hunderten von Sprachen geben. Was unterscheidet diese Gruppe von den anderen? In La Grieta ist die Rückmeldung, das positive Feedback, die Grundlage für die Selbstschöpfung. Die einzelnen Texte, die während des Kurses geschrieben werden, entstehen aus verschiedenen Übungen, die subtil und bereichernd die Worte, Bilder und Gefühle des anderen einbeziehen. Während dieser fast zwei Jahre hat sich La Grieta mit den Werken großer Dichter befasst, darunter die Spanier Antonio Gamoneda und José Angel Valente sowie die Argentinierin Alejandra Pizarnik befasst.

Bis heute hat die Gruppe zwei Lesungen veranstaltet, in denen die Gedichte aus dem Kursvorgestellt wurden. Wie María beschreibt, sind es „neugeborene“ Gedichte, die ihr Licht teilweise dank der gemeinsamen Arbeit und der gegenseitigen Beeinflussung in der Gruppe gefunden haben.

Doch La Grieta repräsentiert nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch eine Berliner Gemeinschaft, die kulturelle Ausdrucksformen in anderen Sprachen als Deutsch unterstützt: Die Buchhandlung Andenbuch war die erste, die ihre Türen geöffnet und La Grieta unterstützt hat, indem sie am 17. Mai 2019 ihre Räume für die erste Lesung bereitgestellt hat. Das Café Madame war nicht nur Gastgeber der zweiten Veranstaltung am 13. Dezember 2019, sondern begrüßt auch jeden Mittwoch diese Gruppe, die aus Empathie, Gegenseitigkeit und – warum nicht? – aus Schwesternschaft heraus Poesie schreibt.

Wenn du mehr über La Grieta, ihre Texte und andere Kurse für kreatives Schreiben wissen willst, besuche ihre Webseite.


Lisboa vazia

23. März '20, 15:05 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Leider ist der Eintrag nur auf Amerikanisches Englisch verfügbar. Der Inhalt wird unten in einer verfügbaren Sprache angezeigt. Klicken Sie auf den Link, um die aktuelle Sprache zu ändern.

By Joey Bahlsen

*

Last Thursday I was walking down Avenida Liberdade and then through Chiado, usually flowing with tourists but almost vacant then. Only the ebb and flow of a couple handful of people as they walk by and take pictures. Down by the Praça do Comércio, a solitary man, shirtless, in full Native-American headdress, is a surreal throwback to busier days. Questions of cultural appropriations are a reminder of simpler times. Only a month ago Cais do Sodré was brimming with people celebrating the carnival, now half a dozen sit by the water. Queues have formed in front of supermarkets and pharmacies (plastered with signs that say “no masks, no disinfectant” in English and Portuguese).

At midnight that day the state of emergency in Portugal comes into effect. No one really knows what that means yet, but some sort of quarantine is almost certain. It’s also the last night before my flatmate leaves for home. We’re well-stocked with wine (the trick to buying wine in Portugal, or anywhere really, is not to go for the cheapest one but look for one of the few 6-euro wines bumped down to 2.50 or 3€. Really can’t go wrong there) and play cards while she frets whether her flight will be cancelled.

In the morning she sends me a picture of the massive crowd forming outside the airport. Not everyone can enter the airport though. Some have no permission to fly and, under protest, are cordoned off.

On Saturday, in the queue outside the Pingo Doce supermarket at Campo dos Mártires da Pátria, social distancing is taken rather lightly. There is man loudly playing Bollywood songs from his phone, which along with the heavy rain adds to a general sense of impatience. We’ve been waiting for about half an hour when a row breaks out. A couple teenagers want to skip in front of the queue. To no one’s surprise, it doesn’t go down well with the rest of the queue.

There are worse places though, to be stuck in during the corona crisis than Lisbon. I’ve a balcony, the sun usually shines, and I’ve just figured out the ideal self-isolation song (for anyone wondering it’s Ain’t got no, I got life by Nina Simone).

*

(March 23, 2020)


BERLIN STEHT STILL …

21. März '20, 6:00 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Berlin steht still: Aufgrund der momentanen Corona-Lage verschieben wir unsere PARATAXE-Veranstaltungen vorerst auf später – dies gilt zumindestens für März (Fr, 27. März, 20:00, PANDA Theater: PARATAXE presentation mit Delphine de Stoutz und Ani Menua), vermutlich auch noch für den April 2020 usw. Wir hoffen, dass die Viruswelle für uns alle glimpflich abläuft; unser Büro ist bis auf Weiteres geschlossen und wir verlegen unsere Aktivitäten derzeit komplett ins Internet – wo wir für alle und jederzeit erreichbar sind. Die nächste Ausgabe des Stadtsprachenmagazins erscheint voraussichtlich bereits am 27. März!


NahostBerlin – Save the Date!

14. Februar '20, 20:40 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Utopien für den Nahen Osten (Middle East) gibt es seit Jahrzehnten mehr als genug: Wie wunderbar wäre es (nicht nur für diese Region selbst), wenn die arabischen Staaten und Israel und ihre unmittelbaren Nachbarn politisch wie kulturell nicht ständig miteinander stritten, sondern stattdessen zusammenarbeiten würden… aber das liegt momentan eher in weiter Ferne. Eine Union der nahöstlichen Sprachen und Literaturen jedoch ist jetzt und hier – mitten in Berlin – denkbar und möglich! Einen schönen Maientag lang präsentieren wir die arabisch- und hebräischsprachigen Autor*innen Berlins im Paradiesgarten des LCBs: Mit unserem PARATAXE Symposium VII >> NahostBerlin << am 15. Mai… SAVE THE DATE!


R.i.P.

16. Januar '20, 8:12 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Wir trauern um unseren wunderbaren Kollegen,
den Schauspieler und Sprecher Denis Abrahams (1973 – 2020).

 


Literatzky Berlin 2020

11. Dezember '19, 15:29 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Wir freuen uns auf das deutsch-polnische Literaturfestival LITERATZKY BERLIN unseres Vereins (Berliner Literarische Aktion e.V.), dessen Förderung für 2020 der Hauptstadtkulturfonds soeben bekannt gegeben hat – herzliche Glückwünsche an alle ausgewählten Projekte & vielen Dank an die Jury. Unser Festival wird die polnischen Literat*innen, ihre Szene und ihre Freunde in den Mittelpunkt rücken, denn das polnische Berlin ist die derzeit am schnellsten wachsende Sprachgruppe. Und Polen ja eigentlich auch nur einen Katzensprung von Berlin entfernt… sagen wir es so: Alle diskutieren noch über den guten alten Handke – aber wir werden 2020 über Olga Tokarczuk sprechen! STAY TUNED for more.


Open Call #12

27. November '19, 0:21 Uhr - Blog - Martin Jankowski

ENDSPURT: Noch bis Samstag kann man Texte einreichen! The stadtsprachen magazin is open for submissions for our 12th release! ONLY Berlin-based “non-German” authors send us your fiction, poetry or non-fiction. All languages and language-versions of texts welcome. Deadline is November 30! Please check: https://stadtsprachen.de/en/submissions


Ü-Berlin!

19. November '19, 16:21 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Sie sind das Elixier der Weltliteraturstadt Berlin und werden doch übersehen – die vielen internationalen Übersetzerinnen und Übersetzer, die ihren Lebensort an der Spree haben und die deutschsprachige Literatur (oder auch andere Literaturen) in die Sprachen der Welt übertragen.  Ü-BERLIN bietet ein Forum für den Austausch von Geschichten und Erkenntnissen aus der doppelten Perspektive von „verschobener” Heimat und eigener Sprache. In einem Zukunftslabor werden Strategien der Überbrückung von ökonomischen wie künstlerischen Not- und Schieflagen reflektiert und Möglichkeiten von Vernetzung, Sichtbarkeit und Förderung ausgelotet. Ein kulturpolitischer Panel und ein literarischer Abend runden die öffentliche Veranstaltung ab. Am Samstag, den 23. November im LCB = Ü-Berlinerinnen und Ü-Berliner, beteiligt Euch!

PROGRAMM: hier

 


PARATAXE MEETS HAFEN LESUNG

18. Oktober '19, 17:20 Uhr - Blog - Martin Jankowski

The 20th instalment of Hafen Lesung, the international & multilingual reading series in Hamburg, took place in Nachtasyl at the Thalia Theatre on the 10th of October, 2019. Performers included the Iranian poet Pegah Ahmadi, the Russian-Latvian writer Dmitri Dragilew, the Kurdish poet-inexile Yildiz Çakar, the Hamburg authors Lasse Eskold Nehren and Katrin Seddig, and Martin Jankowski of Parataxe / Stadtprachen Berlin. At the end of the event, Tomás Cohen (co-founder and co-organiser of Hafen Lesung) asked the audience for a moment of silence in memory of the victims of the attack in Halle, and gave the following closing remarks:

>>

All of us present here tonight have joined a movement that is slowly but effectively redefining the notion of what “national literature” could mean: literature no longer limited to being written in the dominant language of our country but incorporating literature that IS being written here, regardless of the language. Thus we experience what it means to live in Germany today through Persian, Kurdish, Russian, English – with the enrichment of cultural backgrounds that comes from authors living in Germany and writing in their mother tongues, their stories reminding us of history’s depth.

Though we are a non-institutional, independent reading series, this is the kind of openness we would like to see infiltrate the establishment. It is our duty to help coming generations recognise foreignness as positive; that, in the words of Novalis, “the exterior is an interior raised to the level of mystery / the exterior is a higher, translated interior”, and in doing so, by embracing the subtle transformative potential of literature, contribute our share of compassion, so that the violence visited upon Halle does not happen again.

In beginning these closing remarks, I asked for a moment of silence for the victims of yesterday’s attack. But, beyond that silence, I believe that through the loving attention you have given our readers tonight, to their works read in more than four languages, that by opening up to otherness, you have honoured those victims, too. You have joined our subtle struggle against close-mindedness that exists everywhere, including the literary establishment. Our heartfelt thanks to all of you for being here, for supporting this platform for foreignness in German literature, for strengthening our cause to represent that which does not comply with a limited notion of what means to be German – to help us redefine that meaning with poetry and prose, with open ears as instruments for wider hearts and minds.

<<

The entire team of PARATAXE and stadtsprachen magazin fully concur with this statement. Thank you, Tomás Cohen & team!


Keine Sache der Vergangenheit …

14. Oktober '19, 18:34 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Sehr geehrte Redaktion,

vielen Dank, dass das Stadtsprachen-Magazin an den Esperanto-Übersetzer Manfred Retzlaff erinnert. Ein wenig überrascht war ich, dass im Editorial  das Esperanto als eine Sache der Vergangenheit dargestellt wird. Es heißt: “Die bekannteste Plansprache mit simpler Struktur und Anleihen aus vielen Weltsprachen war das Esperanto.” Ich denke eher, das _ist_ Esperanto. Schließlich erscheinen jährlich etwa 120 (gedruckte) Esperanto-Bücher. Ein paar tausend Lieder sind bisher in Esperanto veröffentlicht worden, viele sind auf youtube zu hören: Suchwort Esperanto muziko. Die Esperanto-Wikipedia enthält jetzt 269 438 Artikel in Esperanto, https://eo.wikipedia.org , etwa so viel wie die Wikipedia-Versionen auf Dänisch oder Slowakisch (253.462 für Dänisch und 231 260 für Slowakisch)

Das Esperanto-PEN-Zentrum ist Mitglied von PEN International, https://www.pen-international.org/centres/esperanto-centre/ , seit 1993. China veröffentlicht seit 2001 täglich Nachrichten in Esperanto, http://esperanto.china.org.cn/. Polen und Kroatien haben Esperanto 2014 bzw. 2019 als immaterielles Kulturerbe oder Kulturgut anerkannt.

Esperanto wird auch zunehmend gelernt. Duolingo gibt in der Summe mehr als 800.000 neue Esperanto-Lerner pro Jahr an, auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch.

Zu den weitgehend unbekannten Phänomenen des Esperanto gehört im übrigen die Gemeinschaft der Esperanto-Muttersprachler. Die Zahl der Muttersprachler wird auf etwa 2000 geschätzt, Tendenz wachsend; vielleicht gehört die muttersprachliche Esperanto-Sprachgemeinschaft sogar zu den am schnellsten wachsenden muttersprachlichen Gemeinschaften, weil nicht nur Esperanto-Muttersprachler sich entscheiden, mit ihren Kindern Esperanto zu sprechen, sondern weit überwiegend Nicht-Muttersprachler (so wie ich vor 26 Jahren mit meiner Tochter).

Ein paar Ereignisse der jüngeren und älteren Esperanto-Geschichte sind hier zusammengestellt: http://esperantoland.org/dosieroj/Esperanto-Geschichte_Chronologie.pdf

Vermutlich ist Esperanto auch ein zweites Mal ein interessantes Thema gerade für Ihre internationale Leserschaft – je mehr Sprachen die Menschen sprechen, desto faszinierender pflegt für sie das Thema Esperanto zu sein. Dass man eine Sprache in einem Viertel der Zeit lernen kann, die man für ethnische Sprachen braucht, dass man ein Niveau erreichen kann, auf dem man praktisch ohne Fehler schreiben kann – das ist immer wieder hoch attraktiv gerade für Mehrsprachige, die sich sehr bewusst sind, wie lange Zeit man in der Regel wirklich für fremde (ethnische) Sprachen braucht und wie fern das eigene Sprechen noch von einer korrekten Sprache ist, sehr lange.

Mit freundlichen Grüßen

Louis v. Wunsch-Rolshoven
EsperantoLand, Vorsitzender
Deutscher Esperanto-Bund, Pressesprecher


Lu Wunsch-Rolshoven
EsperantoLand
Por la kreskigo de Esperantujo!
Für das Wachstum der Esperanto-Sprachgemeinschaft!

Internaciaj ferioj
http://www.esperanto.land

Novjara Renkontiĝo (NR)
Novjara Internacia Semajno (NIS)

Libroservo – Buchversand
Amaskomunikilaj kaj publikaj rilatoj
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
por/für GEA kaj/und EsperantoLand

Ni tre ĝojas pri via ebla donaco.
Wir freuen uns sehr über Ihre evtl. Spende.
Konto UEA kaj FEL: eold-g
Konten  http://www.esperantoland.org/nr/kondichoj.shtml#kontoj


Cool Pool

8. Oktober '19, 14:09 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Die Herbstlektüre ist da:
21 Autor*innen
11 Übersetzer*innen
11 Sprachen
stadtsprachen magazin #11

Wie wäre es, wenn wir neben dem babylonischen Sprachengewirr weltweit eine Sprache hätten, in der wir uns mit allen verständigen können? Das war der Traum vom Esperanto, den seit Beginn des 20. Jh. immer mehr Menschen träumen. In der neusten Ausgabe des stadtsprachen magazins heben wir mit dem Vermächtnis des Esperantisten Manfredo Ratislavo einen ganz besonderen Schatz: Er hat sich bis zu seinem Tod im Juni 2018 der Übersetzung deutscher Poesie ins Esperanto verschrieben (siehe Link unten). Zugleich würdigen wir so die leidenschaftliche Arbeit eines Übersetzers, der wie viele seiner Zunft zumeist im Schatten des Literaturbetriebs arbeitete. Die literarischen Übersetzer*innen Berlins werden mit ihrer unermüdlichen, schöpferischen Arbeit auch 2019 noch viel zu wenig beachtet und gewürdigt; dieser Umstand wird uns im kommenden Herbst noch beschäftigen – auf unserem PARATAXE Symposium VI am 23. November im LCB: Ü-Berlin!


Open Call: Ü-BERLIN!

19. September '19, 21:05 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Open Call:

Sie sind das Elixier der Weltliteraturstadt Berlin und werden doch übersehen – die vielen internationalen Übersetzerinnen und Übersetzer, die ihren Lebensort an der Spree haben und die deutschsprachige Literatur (oder auch andere Literaturen) in die Sprachen der Welt übertragen. Parataxe, ein Projekt der Berliner Literarischen Aktion e.V., möchte diesen vielstimmigen Akteuren des Berliner kulturellen Lebens gemeinsam mit dem TOLEDO-Programm, dem Literarischen Colloquium Berlin und Literaturport eine Bühne bereitstellen und sie zu einem Symposium am 23. November 2019 ins LCB einladen. Ü-BERLIN bietet ein Forum für den Austausch von Geschichten und Erkenntnissen aus der doppelten Perspektive von „verschobener” Heimat und eigener Sprache. In einem Zukunftslabor werden Strategien der Überbrückung von ökonomischen wie künstlerischen Not- und Schieflagen reflektiert und Möglichkeiten von Vernetzung, Sichtbarkeit und Förderung ausgelotet. Ein kulturpolitischer Panel und ein literarischer Abend runden die öffentliche Veranstaltung ab.
Ü-Berlinerinnen und Ü-Berliner, beteiligt Euch! Bringt Euch ein mit Euren Erfahrungen, Euren Fragen und Visionen! Wir freuen uns auf Wortmeldungen per E-Mail an die Kuratorin Dorota Stroińska, dorota.stroinska@gmail.com – und auf einen inspirierten Samstag im LCB!

23. November ’19, 13.00 – 22.00 Uhr, LCB
Ü-Berlin – die internationalen Übersetzer*innen Berlins
PARATAXE Symposium VI

Konferenzsprache Deutsch. Eintritt frei, Imbissangebot in den Pausen. Um Anmeldung zum Symposium am Nachmittag wird gebeten unter: mail@lcb.de.

Das komplette Programm HIER!

Deutschsprachiges Programm.

Um Anmeldung wird gebeten: mail@lcb.de !
Keine Teilnahmegebühr, Pausen mit kostenpflichtigem Imbissangebot.
Eintritt zur Abendlesung: 8/5 €.

 

Wir danken allen Interessenten, Partnern, Unterstützern und Sympathisanten für ihre engagierte Mitarbeit bei der Vorbereitung dieses einzigartigen Symposiums!

Der Körper der Sprache: Wenn afrikanische Poesie auf russische Sprachkunst trifft

20. August '19, 16:30 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Die Türen im Theater Panda in der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg blieben an diesem sehr heißen Vorsommerabend freundlich geöffnet bei anhaltend großer Offenheit des anwesenden Publikums. Das stadtsprachen Team rund um Martin Jankowski hatte am 14. Juni 2019 zwei Dichter*innen gleichberechtigt nebeneinander auf der Bühne performen lassen. Ein Ausdruck der Haltung dieser Berliner Literaturplattform zur Vielfalt der Sprachen in dieser Stadt.

Parataxe heißt das gedruckte stadtsprachen magazin, das eine Anthologie fremdsprachiger Literatur von in Berlin sich aufhaltenden Künstlerinnen enthält und komplett übertragen in die deutsche Sprache ist. Jeder Beitrag steht für eine Sprache, alle stehen parataktisch nebeneinander.

Afrika und Weiblichkeit – der Körper der Poetik

Was alle Künstlerinnen im stadtsprachen Konglomerat zusammenhält, ist der Wunsch die eigenen Gedanken und Lebenswelten durch Sprache auszudrücken und das in der Poesiemetropole Berlin. Eine von ihnen ist Linda Gabriel, die die Bühne mit ihrer starken Präsenz ausfüllte. Geboren in Zimbabwe, aufgewachsen in Südafrika, schreibt sie auf Englisch und Shona und ist Teil der poetischen Festivalszenen Afrikas und Europas. Themen ihrer Gedichte sind Weiblichkeit, die täglichen Herausforderungen des Lebens in Afrika, Brutalität und HIV. Die Bühne nutzt sie auch, um Tabus schonungslos aufzudecken. Den Totgeschwiegenen gibt sie in nicht nur einem Gedicht eine Stimme.

© Graham Hains / stadtsprachen.de

Eines der Lieblingsgedichte Lindas, „Mai Tino“, handelt von einer Frau, die, das Morgengrauen mit ihren üppigen Hüften wegschwingend, sich ganz außerhalb ihrer Gewohnheit einen Joint ansteckt. Und nicht nur das, es folgen weitere eigentlich spezifisch männliche Handlungsweisen, wie eine Flasche Bier bestellen, die sie dann auch noch lustvoll zu den Lippen führt. Überhaupt Lust: Es macht Spaß Linda beim Performen ihrer eigenen Texte zuzusehen, wenn sie Stellen wie diese vorliest:

„On her way home she paid a visit to the man who had wanted her
From the very day they had relocated to this neighbour hood
She didn’t care that he didn’t have protection
Or falling pregnant
Lustly they devoured each other
She told him that they could do this all day
She wasn’t in a rush
three more times and a quickie filled her soul”

(Quelle: https://www.lyrikline.org/en/poems/mai-tino-11359)

Kurz: Im Gedicht „Mai Tino“ ist die Frau der Mann und kann ganz nach ihrer Art durch den Tag gleiten und sich gut dabei fühlen. Eine geschickte Art der Emanzipationslyrik! Überhaupt, die Gedichte sind politisch, emanzipativ und lebendig.

Mehr über Linda Gabriel unter https://stadtsprachen.de/author/linda-gabriel/ und

https://www.lyrikline.org/en/poems/mad-slam-not-war-11353.

Von der Üppigkeit afrikanischer Weiblichkeit zur Finesse russischsprachiger Avantgarde-Poesie

Dmitri Dragilew hatte für den Vortragen seiner Gedichte auf Deutsch die Slawistin, Übersetzerin und Autorin Ruth Wynneken mitgebracht. Sprache ist bei diesen beiden Granden der russischsprachigen Kunstszene Berlins das Alpha und Omega. Die Übertragung der komplexen Gedichte Dimitrijs sind eine wahre Herausforderung und so kam es, dass die eigentlich nur Vortragende seiner Gedichte, Ruth, in Vorbereitung auf die Lesung auch zur Übersetzerin wurde.

Die vielsprachigen Gedichte (neben Russisch finden sich auch lettische, deutsche, englische und jiddische Versatzstücke), beinhalten eine reichhaltige und teilweise exotische Lexik. Sprachbilder kommen oft in Form einer besonderen Metapher: der verschachtelten Metapher der Metarealisten. Deren großartigster Protagonist war der Russe Aleksej Parschikow, zu dessen Freundeskreis der Sprachkünstler Dmitri Dragilew einst gehörte. In den Gedichten des zeitgenössischen Berliner Autors werden längst verschwundene Realitäten der Sowjetzeit mit heutiger Seinserfahrung verknüpft und klanglich zu Wortkunstwerken verarbeitet.

Angesichts dieser sprachlichen Komplexität spürt man das Entsetzen des Übersetzers, dessen Haupt-Aufgaben es ist, Sprachäquivalente zu finden und diese in einen Klangteppich zu wirken. Denn als Musiker hat Dmitri auch den Klangkörper seiner Sprachkunst im Blick, den Texten merkt man  deutlich seine Affinität zur Jazzmusik an.

Seine Gedichte entfachen im Kopf seiner Zuhörer*innen eine Bewegung, die von der ruhigen Haltung während des Gedichtvortrags unterstützt wird. Eine performative Art der Lesung findet hier auf eine ganz subtile Art statt, aber sie findet statt.

Der Autor mit seiner Übersetzerin © Graham Hains / stadtsprachen.de

Was machen die Gedichte Dmitri Dragilews aus?

Das lyrische Ich steht vielleicht gar nicht so sehr im Zentrum der Gedichte, die einen vielbevölkerten, bunten Figurenkosmos beheimaten. Dabei stehen die gewählten Figuren, die teils aus Filmen, teils aus der klassischen russischen Literatur stammen oder sich aus anderen Quellen, die der vielgebildete Autor kennt,  mit ihrer Intertextualität für eine Ebene dahinter: die Namen bilden quasi die Korridore zwischen den Realitäten.

Es bleibt noch zu sagen, dass auch Dmitri Dragilew mit seiner Poesie integriert ist in den Kontext der russischen Welt. Die russische Literatur ist, wie Martin Jankowski darlegt, auch in Berlin lebendig und einflussreich.

 

Stefanie Beckmann

Öffentlichkeits- und Medienarbeit Internationale Gesellschaft für multimediale Kultur und europäische Kommunikation (www.radioakzent.de)


Senatsexperten äußern sich über PARATAXE

18. Juli '19, 10:19 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Die Expertenkommission des Berliner Senats schreibt in ihrem aktuellen Gutachten zur Spartenoffenen Förderung für Festivals und Reihen vom 11. Juli 2019 einiges Erfreuliche über unsere Arbeit…

>> Berlin ist eine Stadt, in der sehr viele Sprachen gesprochen werden, und kann auf eine dementsprechende internationale Literaturlandschaft verweisen. Neben großen Veranstaltungsplattformen wie dem Internationalen Literaturfestival, dem Poesiefestival Berlin oder den Programmen der renommierten Literaturhäuser hat es in den letzten Jahren auch im Bereich der kleineren Formate und Reihe interessante Entwicklungen gegeben. Mit großer Sensibilität und Professionalität wird hier an der Integration nichtdeutschsprachiger Autor*innen, die in der Hauptstadt leben, gearbeitet. Dennoch haben die Veranstalter*innen, gerade in diesem Bereich, mit schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, die durchaus auch finanzieller Natur sind. Umso wichtiger, dass mit dem stadtweit angelegten Projekt PARATAXE ein überaus konsistentes und entwicklungsfähiges Format entstanden ist, das die aktuelle und vielsprachige Weltliteratur aus und in Berlin sichtbar macht. Es fördert den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen fremdsprachigen Autoren*innen, die hier leben und arbeiten, sowohl untereinander als auch mit den deutschsprachigen Kolleg*innen. Gleichzeitig wird die sprachliche Vielfalt der Literatur in dieser Stadt einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hinter dieser Initiative steckt ein aktives Netzwerk der freien Literaturszene Berlins. Es wird von Autor*innen, Übersetzer*innen, Veranstalter*innen, Expert*innen und vor allem von den vielsprachigen Communities selbst getragen. PARATAXE ist in allen Segmenten ein kluges, komplexes und nachhaltig aufgestelltes Modell. Mit einer längerfristigen Förderung wird das Projekt weiter an Stabilität gewinnen und die Literaturstadt Berlin bereichern. <<

Wir freuen uns über diese Würdigung unseres Projektes und bedanken uns sehr herzlich für die Unterstützung durch die Experten!

Der gesamte Beitrag findet sich HIER.


PARATAXE? GEHT WEITER!

5. Juni '19, 12:52 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Der Berliner Senat für Kultur und Europa ließ uns gestern mit einem Brief wissen, dass die PARATAXE erfreuliche Weise auch für die kommenden Jahre unterstützt werden soll. Wir freuen uns sehr, werden also unser Projekt weiterführen können und laden alle Partner und Interessenten sehr herzlich dazu ein es gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln! Feiert diese Neuigkeit sowie die letzte PARATAXE PRESENTATION vor der Sommerpause gemeinsam mit uns am Freitag nächster Woche: 14. Juni ’19, 20:00 Uhr im PANDA-Theater in Englisch, Russisch, Deutsch … mit Linda Gabriel (Simbabwe/Berlin) & Dmitri Dragilew (Lettland/Berlin)! Natürlich wird es am 14. Juni auch Neues vom stadtsprachen magazin geben: #10 kommt!

PS: Unser Parataxe Symposium FERNOSTBERLIN am 23. Mai im LCB war eine horizonterweiterndes Ereignis zu & mit den asiatischen Literaten Berlins. Jetzt haben wir die Keynotes und Fachbeiträge von Frau Dagmar Yu-Dembski, Frau Võ Thị Hảo, Herrn Thế Dṻng, Herrn Dr. Đăng Lãnh Hoàng, Frau Lê Minh Hà und Herrn Martin Jankowski jeweils zweisprachig zum Nachlesen und Studieren online gestellt = erhellend!
Einfach den jeweiligen Link im Programm anklicken.


FernostBerlin – echte Entdeckungen!

30. April '19, 18:54 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Dass die Vietnamesen einst Ostberlins wichtigste Migrantengruppe waren, ist bekannt: Heute gibt es überall Vietnambistros und tolle Blumen- und Obstläden – aber wo sind eigentlich die vietnamesischen Literaten? Die gute Nachricht: Es gibt sie! (Aber sie sind leider nicht so einfach zu finden wie etwa die türkischen Literaten Westberlins…) Wir haben nicht nur einige der wichtigsten vietnamesischen Autor*innen für Euch aufgetrieben, sondern auch wichtige chinesischsprachige, japanische, koreanische und Literat*innen & Expert*innen anderer asiatischer Sprachen aus ganz Berlin erstmals für Euch eingeladen. Dieses Symposium wird also eine außergewöhnliche Premiere für die Literaturszene der deutschen Hauptstadt: FernostBerlin – die asiatischen Autor*innen Berlins am 23. Mai von 10 bis 22 Uhr im LCB! Seid dabei, eine der erstaunlichsten und buntesten Seiten unserer Literaturszene zu entdecken, die bislang noch kaum im Bewusstsein des Berliner Publikums ist… das ganze Programm HIER!


PARATAXE PRINTausgabe kommt!

14. März '19, 12:46 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Die neunte Ausgabe des stadtsprachen magazins erschien ausnahmsweise NICHT online – sondern als deutschsprachiges bookzine auf echtem Papier! Wir waren in Leipzig mit dieser publizistischen Premiere, die – mit tollen Bildern! – pünktlich zur Buchmesse und zum Frühlingsanfang erschienen ist: 30 Texte von 30 andersprachigen Berliner Autor*innen und 20 Übersetzer*innen aus 15 Sprachen… frische Weltliteratur aus Berlin!

Do, 21. März, 13:00: Präsentation PARATAXE bookzine! Leipziger Buchmesse, Halle 4, Stand F100.

Fr., 12. April, 20 Uhr: PARATAXE print PARTY! stadtsprachen magazin Launch – im Prachtwerk!

>>> PARATAXE – das berliner stadtsprachen magazin: deutschsprachige PRINTAUSGABE


Die Sprachen Berlins (2018)

21. November '18, 13:27 Uhr - Blog - Martin Jankowski

Hugenotten, Russen, Polen, Türken, Vietnamesen – schon seit Jahrhunderten kommen Menschen verschiedenster Sprachen in unsere Stadt, deren Geschichte vor Urzeiten einst als slawische Siedlung begann. Heute wird Berlin immer internationaler: Fast jeder dritte Einwohner hat mittlerweile seine Wurzeln im Ausland. Damit liegt die Hauptstadt weit über dem Bundesdurchschnitt. Und die Zahl der deutschen Berliner mit Migrationsgeschichte wächst, wenn auch weniger stark als die der Berliner mit nicht-deutschem Pass. Derzeit gibt es etwa 203.561 Berliner Deutsch-Türken, Deutsch-Araber, Deutsch-Vietnamesen und Kinder aus binationalen Partnerschaften sowie ca. 637.700 Berliner Ausländer (2017).

Migrantenfamilien prägen inzwischen ganze Kieze der deutschen Hauptstadt: In Mitte hat jeder Zweite (52,5 Prozent) der 379.610 Einwohner (2018, „mit Migrationshintergrund“) einen ausländischen Hintergrund. In Neukölln sind es 45,6 Prozent, in Friedrichshain-Kreuzberg 43,0 Prozent. Auch die Einwohnerschaft von Charlottenburg-Wilmersdorf besteht zu mehr als einem Drittel (41,2 Prozent) aus Migranten. Bei den östlichen Bezirken liegt 2018 Lichtenberg mit 24,9 Prozent vorne – die wenigsten Menschen mit ausländischen Wurzeln leben in Treptow-Köpenick mit 14,9 Prozent. In Stadtteilen wie Neukölln, Kreuzberg und Wedding findet man typische Berliner Kieze, in denen deutlich mehr als jeder zweite Bewohner ein Migrant ist.

Berlin hatte 2016 zum ersten Mal seit 1944 wieder mehr als 3,5 Millionen Einwohner. Mitte 2018 waren 3,723 Millionen Menschen in der Stadt gemeldet, und 2018 noch einmal fast 12.000 (0,32 %) mehr Zuzügler als im Vorjahr. 178.304 Menschen zogen 2017 nach Berlin, 145.306 zogen weg. Hinzu kam ein Geburtenüberschuss: 40.238 Kinder wurden geboren, 34.344 Menschen starben. Neben Hamburg und Baden-Württemberg ist Berlin damit das einzige Bundesland, in dem mehr Menschen geboren werden als sterben.

Und Berlin wird internationaler: Unter den im vergangenen Jahr Zugezogenen finden sich vor allem Ausländer. Polen machen mit gut 6.007 Neuberlinern die größte Gruppe aus, es folgen Amerikaner (5.300), Rumänen (5.081), Bulgaren (4.844), Italiener (4.224). China liegt als stärkstes asiatisches Land mit einem Zuzug von 2.330 an sechster Stelle. (Zahlen von 2017). Die Zukunft Berlins ist – ebenso wie seine Entstehung, Geschichte und Gegenwart – ohne Migranten schlicht nicht vorstellbar. Von den Berliner Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren haben heute bereits 44,7 Prozent ausländische Wurzeln.

Die nachfolgende Aufzählung gibt Auskunft über die 25 häufigsten Staatsangehörigkeiten in Berlin. Sie geben gleichzeitig ein Abbild der insgesamt mehr als einhundertzwanzig Sprachen, die in unserer Stadt gesprochen werden: Türkei (98.046), Polen (57.109), Italien (29.912), Bulgarien (29.414), Russische Föderation (24.178),  Rumänien (22.395), USA (20.222),  Frankreich (19.664),  Serbien (einschließlich ehemaliges Serbien und Montenegro sowie einschließlich Kosovo = 19.601), Vietnam (17.281), Vereinigtes Königreich (15.898), Spanien (14.683), Griechenland (14.401), Kroatien (13.605), Ukraine (12.206), Bosnien und Herzegowina (11.742), Österreich (11.730), China (11.466), Libanon (8.138),  Iran (7.869), Niederlande (6.738), Mazedonien (6.161),  Ungarn (6.032), Schweiz (5.945), Thailand (4.960).

Berlin hatte bereits im Sommer 2018 schon eine weiter wachsende “ausländische Bevölkerung“ von 725.458 bei insgesamt 3.723.914 Einwohnern, das sind etwa 19 % Ausländeranteil.  Erweitert man die Perspektive auf Menschen „mit Migrationshintergrund“, ergibt sich für Berlin die Zahl von 1.244.297 (33,4%), das heißt: Fast jeder dritte Berliner hat bereits 2018 seine Wurzeln im Ausland – bei den unter 18-Jährigen laut Berliner Zeitung sogar jeder zweite. Im Jahr 2017 gab es im Land Berlin zudem 6479 offizielle Einbürgerungen.

Aber wie der kongolesische Berliner aus Paris, der Schriftsteller Wilfried N’Sondé einst sehr treffend auf die Frage nach seinen “eigentlichen Wurzeln” sagte: “Ich habe keine Wurzeln – ich habe zwei Beine.” Berlin ist und bleibt ein internationaler Anziehungspunkt für Menschen aller Kulturen und Sprachen – das wird sich in der näheren Zukunft eher noch verstärken, die Zahlen belegen das. Auch für die Gegenwartsliteraturen ist Berlin in wachsendem Maße ein Treffpunkt und Schmelztiegel der Sprachen, Kulturen und “Hintergründe”: Der literarische Stoff für das Projekt stadtsprachen wird uns also nicht ausgehen.

 

(Alle Zahlenangaben laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.)

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