{"id":8944,"date":"2018-11-21T13:27:45","date_gmt":"2018-11-21T12:27:45","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtsprachen.de\/?p=8944"},"modified":"2019-01-22T14:21:56","modified_gmt":"2019-01-22T13:21:56","slug":"die-sprachen-berlins-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/de\/die-sprachen-berlins-2018\/","title":{"rendered":"Die Sprachen Berlins (2018)"},"content":{"rendered":"<p>Hugenotten, Russen, Polen, T\u00fcrken, Vietnamesen \u2013 schon seit Jahrhunderten kommen Menschen verschiedenster Sprachen in unsere Stadt, deren Geschichte vor Urzeiten einst als slawische Siedlung begann. Heute wird Berlin immer internationaler: Fast jeder dritte Einwohner hat mittlerweile seine Wurzeln im Ausland. Damit liegt die Hauptstadt weit \u00fcber dem Bundesdurchschnitt. Und die Zahl der deutschen Berliner mit Migrationsgeschichte w\u00e4chst, wenn auch weniger stark als die der Berliner mit nicht-deutschem Pass. Derzeit gibt es\u00a0etwa 203.561 Berliner Deutsch-T\u00fcrken, Deutsch-Araber, Deutsch-Vietnamesen und Kinder aus binationalen Partnerschaften sowie ca. 637.700 Berliner Ausl\u00e4nder (2017).<\/p>\n<p>Migrantenfamilien pr\u00e4gen inzwischen ganze Kieze der deutschen Hauptstadt: In Mitte hat jeder Zweite (52,5 Prozent) der 379.610 Einwohner (2018, \u201emit Migrationshintergrund\u201c) einen ausl\u00e4ndischen Hintergrund. In Neuk\u00f6lln sind es 45,6 Prozent, in Friedrichshain-Kreuzberg 43,0 Prozent. Auch die Einwohnerschaft von Charlottenburg-Wilmersdorf besteht zu mehr als einem Drittel (41,2 Prozent) aus Migranten. Bei den \u00f6stlichen Bezirken liegt 2018 Lichtenberg mit 24,9 Prozent vorne &#8211; die wenigsten Menschen mit ausl\u00e4ndischen Wurzeln leben in Treptow-K\u00f6penick mit 14,9 Prozent. In Stadtteilen wie Neuk\u00f6lln, Kreuzberg und Wedding findet man typische Berliner Kieze, in denen deutlich mehr als jeder zweite Bewohner ein Migrant ist.<\/p>\n<p>Berlin hatte 2016 zum ersten Mal seit 1944 wieder mehr als 3,5 Millionen Einwohner. Mitte 2018 waren 3,723 Millionen Menschen in der Stadt gemeldet, und 2018 noch einmal fast 12.000 (0,32 %) mehr Zuz\u00fcgler als im Vorjahr. 178.304 Menschen zogen 2017 nach Berlin, 145.306 zogen weg. Hinzu kam ein Geburten\u00fcberschuss: 40.238 Kinder wurden geboren, 34.344 Menschen starben. Neben Hamburg und Baden-W\u00fcrttemberg ist Berlin damit das einzige Bundesland, in dem mehr Menschen geboren werden als sterben.<\/p>\n<p>Und Berlin wird internationaler: Unter den im vergangenen Jahr Zugezogenen finden sich vor allem Ausl\u00e4nder. Polen machen mit gut 6.007 Neuberlinern die gr\u00f6\u00dfte Gruppe aus, es folgen Amerikaner (5.300), Rum\u00e4nen (5.081), Bulgaren (4.844), Italiener (4.224). China liegt als st\u00e4rkstes asiatisches Land mit einem Zuzug von 2.330 an sechster Stelle. (Zahlen von 2017). Die Zukunft Berlins ist &#8211; ebenso wie seine Entstehung, Geschichte und Gegenwart &#8211; ohne Migranten schlicht nicht vorstellbar. Von den Berliner Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren haben heute bereits 44,7 Prozent ausl\u00e4ndische Wurzeln.<\/p>\n<p>Die nachfolgende Aufz\u00e4hlung gibt Auskunft \u00fcber die 25 h\u00e4ufigsten Staatsangeh\u00f6rigkeiten in Berlin. Sie geben gleichzeitig ein Abbild der insgesamt mehr als einhundertzwanzig Sprachen, die in unserer Stadt gesprochen werden: T\u00fcrkei (98.046), Polen (57.109), Italien (29.912), Bulgarien (29.414), Russische F\u00f6deration (24.178),\u00a0 Rum\u00e4nien (22.395), USA (20.222), \u00a0Frankreich (19.664), \u00a0Serbien (einschlie\u00dflich ehemaliges Serbien und Montenegro sowie einschlie\u00dflich Kosovo = 19.601), Vietnam (17.281), Vereinigtes K\u00f6nigreich (15.898), Spanien (14.683), Griechenland (14.401), Kroatien (13.605), Ukraine (12.206), Bosnien und Herzegowina (11.742), \u00d6sterreich (11.730), China (11.466), Libanon (8.138),\u00a0 Iran (7.869), Niederlande (6.738), Mazedonien (6.161),\u00a0 Ungarn (6.032), Schweiz (5.945), Thailand (4.960).<\/p>\n<p>Berlin hatte bereits im Sommer 2018 schon eine weiter wachsende &#8222;ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung\u201c von 725.458 bei insgesamt 3.723.914 Einwohnern, das sind etwa 19 % Ausl\u00e4nderanteil.\u00a0 Erweitert man die Perspektive auf Menschen \u201emit Migrationshintergrund\u201c, ergibt sich f\u00fcr Berlin die Zahl von 1.244.297 (33,4%), das hei\u00dft: Fast jeder dritte Berliner hat bereits 2018 seine Wurzeln im Ausland &#8211; bei den unter 18-J\u00e4hrigen laut Berliner Zeitung sogar jeder zweite. Im Jahr 2017 gab es im Land Berlin zudem 6479 offizielle Einb\u00fcrgerungen.<\/p>\n<p>Aber wie der kongolesische Berliner aus Paris, der Schriftsteller Wilfried N&#8217;Sond\u00e9 einst sehr treffend auf die Frage nach seinen &#8222;eigentlichen Wurzeln&#8220; sagte: &#8222;Ich habe keine Wurzeln &#8211; ich habe zwei Beine.&#8220; Berlin ist und bleibt ein internationaler Anziehungspunkt f\u00fcr Menschen aller Kulturen und Sprachen &#8211; das wird sich in der n\u00e4heren Zukunft eher noch verst\u00e4rken, die Zahlen belegen das. Auch f\u00fcr die Gegenwartsliteraturen ist Berlin in wachsendem Ma\u00dfe ein Treffpunkt und Schmelztiegel der Sprachen, Kulturen und &#8222;Hintergr\u00fcnde&#8220;: Der literarische Stoff f\u00fcr das Projekt <em>stadtsprachen<\/em> wird uns also nicht ausgehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #ffcc99;\"><em>(Alle Zahlenangaben laut Amt f\u00fcr Statistik Berlin-Brandenburg.)<\/em><\/span><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hugenotten, Russen, Polen, T\u00fcrken, Vietnamesen \u2013 schon seit Jahrhunderten kommen Menschen verschiedenster Sprachen in unsere Stadt, deren Geschichte vor Urzeiten einst als slawische Siedlung begann. Heute wird Berlin immer internationaler: Fast jeder dritte Einwohner hat mittlerweile seine Wurzeln im Ausland. Damit liegt die Hauptstadt weit \u00fcber dem Bundesdurchschnitt. 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