{"id":13316,"date":"2020-02-17T17:58:56","date_gmt":"2020-02-17T16:58:56","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.stadtsprachen.de\/text\/52-hertzen-2\/"},"modified":"2020-11-16T14:20:43","modified_gmt":"2020-11-16T13:20:43","slug":"52-hertzen-2","status":"publish","type":"stsp_text","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/de\/text\/52-hertzen-2\/","title":{"rendered":"52 hertzen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\"><strong>Barcelona, 1. Juli 2019<\/strong><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Montag<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Fr\u00fch morgens in Barcelona in der alten Schmiede. Der Milchkaffee auf dem Schreibtisch, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">meine Tr\u00e4ne, wie sie damals in Argentinien meine Art Kaffee zu trinken nannten, \u201euna\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">lagrima\u201c, weil in einen Becher hei\u00dfe Milch eine Tr\u00e4ne Kaffee gegossen wird. Wie erstaunt ich\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">war, als ich dort lebte, dass es ein Land gab, dass f\u00fcr meinen Kaffee ein Wort gefunden hatte,\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">w\u00e4hrend ich \u00fcberall sonst immer endlos erkl\u00e4ren muss und dennoch das Falsche serviert\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">bekomme. Argentinien hatte immer f\u00fcr alles diese treffsicheren Namen, \u00fcberraschende, oft\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">lang gesuchte, exakte Bilder, transportiert auf diesem Beet ihrer Schschlaute. Argentinien,\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Sehnsuchtsort. Der retrospektive Blick durch das meterhohe Schmiedetor jetzt hier in <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Barcelona. Auf der sommerhei\u00dfen Carrer Nou de la Rambla g\u00e4hnen schon am Morgen\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Kaugummis an Schuhsohlen und katalanischen Kindern rieselt der Sand vom Wochenende aus\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">den Hosentaschen. Auf meiner Schulter Tapatoc, nat\u00fcrlich ist auch er Argentinier, wie sonst, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Findelkind, verkr\u00fcppelter Papagei, w\u00fcrde er Holzbein und Augenklappe tragen, es w\u00fcrde nicht\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">wundern. Stundenlang sitzt er dort, w\u00e4hrend ich schreibe, als w\u00e4re ich die Palme, auf der er\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">nistet, als h\u00e4tte er mich, statt ich ihn gefunden, erobert, wer&#8217;s findet, dem geh\u00f6rt&#8217;s, so <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">wandert er von einem Ohr zum anderen, putzt sein Gefieder und kreischt beleidigt, wenn ich\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">wage ihn hinunter zu setzen. Das Geschrei ist ein Problem, immer wieder ertappe ich mich,\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">wie ich ihn meinerseits \u00fcber den Schreibtisch hinweg in seinem K\u00e4fig anbr\u00fclle, endlich den\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Schnabel zu halten. Dabei ist das nur seine Art zu kommunizieren, er kann es nicht anders, und\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">meine verzweifelten Schreie nach Ruhe wiederum versteht er nicht. Mein H\u00f6rsturz kurz nach\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">seinem Einzug \u2013 ich die stelle die waghalsige Vermutung, dass er seinen Teil dazu beigetragen\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">hat. Weswegen es Momente gab, in denen ich dachte, ich m\u00fcsste ihn weggeben, wegen der\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Ohren, wegen der Lautst\u00e4rke, irgendwann muss auch mal Schluss sein, verflixtes Federvieh,\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">ich konnte V\u00f6gel sowieso nie leiden! Und dann dr\u00fcckt er sich katzengleich in meine Handh\u00f6hle\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">und l\u00e4sst sich den Kopf von mir kraulen, nur von mir und niemand sonst. Legt seinen Schnabel\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">an meine Wange und verharrt einen zarten Augenblick. Krabbelt im Winter meine Strickjacke\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">hinauf und friemelt sich von unten unter meinen Schal, bleibt dort wie in einer H\u00e4ngematte\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">liegen, w\u00e4hrend ich schreibe. Und ich wei\u00df, niemals k\u00f6nnte ich ihm die Freundschaft k\u00fcndigen\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">und noch viel weniger meine Loyalit\u00e4t. Tapatoc ist ein argentinischer M\u00f6nchssittich, dem\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Krallen, Schnabel und Flugfl\u00fcgel nicht nur gestutzt, sondern amputiert wurden. Ich fand ihn\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">im Montju\u00efc in Barcelona, denn nicht nur wurde er verst\u00fcmmelt, sondern auch ausgesetzt\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">(vermutlich, weil er zu laut war, verst\u00e4ndlicherweise!). Er lebt nun seit zwei Jahren bei mir und\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">ich glaube, ich bin ziemlich nett zu ihm. Er h\u00fcpft die meiste Zeit frei in der Schmiede herum\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">und nervt pickenderweise alle, vor allem die H\u00fcndin. Und es ist ganz erstaunlich, wie dieses <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">hundert Gramm schwere Dings jede meiner Stimmungen sofort ersp\u00fcrt. Bin ich schlecht\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">gelaunt, geht er in Habachtstellung und l\u00e4sst sich nicht mehr ber\u00fchren. Bin ich gereizt oder\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">schenke ihm weniger Aufmerksamkeit, bei\u00dft er mich unterschiedslos zu einem Fremden fest i<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">n die Hand. So sehr er mir vertraut, so sehr hat er gelernt, mir zu misstrauen &#8211; seinem <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Versorger, Gl\u00fccks- und Leidbringer, der mein Vorg\u00e4nger gewesen schien. Ich finde dieses\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">kleine Wesen ganz \u00fcberaus enorm. Tapatoc mein kleines feines Totem. Ich \u00fcberfliege mit ihm\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">wie jeden Morgen die Zeitung, was er als Ungeheuerlichkeit ablehnt, er versucht meine\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, er klettert auf den Schreibtisch und latscht mit seinen\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">verkr\u00fcppelten F\u00fc\u00dfchen, kleinen F\u00e4ustchen ohne Krallen, \u00fcber die Seiten. Ich wische ihn vom\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">jeweiligen Artikel, was mit einem Biss kommentiert wird. Und pl\u00f6tzlich stolpere ich \u00fcber eine\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Notiz. Ich bleibe daran h\u00e4ngen und mein Tag beginnt sich an dieser Notiz, anders als geplant,\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">zu entfalten. Sie dringt in mich, wie eine Melodie, die einem bekannt vorkommt, wie ein\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Geruch, der einen an etwas erinnert, ein Wort, dass man schon lange gesucht hast. Der Artikel\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">erz\u00e4hlt vom 52-Hertzwal, dem einzigen Wal der in dieser Frequenz singt, alle anderen Wale\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">singen tiefer. Er wird auch der einsamste Wal der Welt genannt, weil er trotz seiner Rufe nicht\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">seines Gleichen findet. Seit zwei Jahrzehnten durchkreuzt er den Pazifik, seine Ges\u00e4nge\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">werden von Forschern geh\u00f6rt, aber nicht von Artgenossen. Es gibt nur diesen einen 52\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Hertzwal. Kein anderer antwortet ihm. Ich beginne mehr \u00fcber ihn zu lesen, ich recherchiere\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">und dann r\u00e4ume ich den Schreibtisch und anstatt mich an meinen Roman zu setzen, beginne\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">ich ein Gedicht. Ich wei\u00df es beim Lesen der Notiz gleich. Ich verstehe es sofort. Der Wal und\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">ich, wir schwimmen beide im selben Meer. Wir senden Signale auf unterschiedlichen Kan\u00e4len, <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">die kaum jemand h\u00f6ren kann. Aber anstatt irgendwann frustriert das Funken einzustellen,\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">funkeln wir trotzdem immer weiter. Weil: on the other end there is always someone listining.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Ich antworte dem Wal. Mit meinem Gesang. In meiner Frequenz. Lieber einsamste Wal der\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Welt: jetzt sind wir schon zu zweit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">(52 hertzen) <\/span><em><span style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr dich und meinen bruder philipp\u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ich atme aus 52 hertzen\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">auf meinem spektrum tanze nur ich\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">zehenspitzen farbweise in den regenbogen getaucht\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">das atmen der anderen atmet sich unter mir aus\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">die tonleiter steigen wir niemals gemeinsam hinauf\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">wir singen auf anderen signaturen\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">und ich jaule dabei das gespenstige lied einer tiefgr\u00fcndigen tuba\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">den mond vielleicht an\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">die sterne mit sicherheit\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">mit der regelm\u00e4\u00dfigkeit eines metronoms\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">schl\u00e4gt mein rufen in wellenbewegungen aus\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">und auf dem grund meine wanderung fern eurer pr\u00e4senz\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ich kann eurem klang nicht folgen aber tanze nur einen atemschlag von euch entfernt\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ich nutze dabei die wege der einen zu den zeiten der anderen\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ich habe geh\u00f6rt wie eure rufe sich finden\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">mein lied aber kenne nur ich\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ich singe in s i n g u l a r s p r a c h e rufe ich\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">hier drau\u00dfen hier\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">drau\u00dfen bin doch auch ich\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">es antwortet die weite blau schimmernd tief eine see\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ich stimme mich tiefer jahre um jahr gleich eurem ruf\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">um euren ton zu treffen \u00fcb ich dekaden\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">es bleibt aber ewig nur die ber\u00fchrung des wassers auf meiner glatten haut\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ein spiegel gehalten in die sternklare welt sucht seinesgleichen\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">w\u00e4hrend sich in ihm nur die unendlichkeit fortschreibt\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">bin ich taub weil ich nicht eure sprache spreche?\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">oder bin ich ein zwischen euch sein\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">vielleicht bin ich die letzte meiner art der ihr nicht begegnen wollt\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">veortet auf der frequenz vergangener tage\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">oder zukunftsmusik\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">vielleicht war ich schon immer da\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">und werde es immer sein\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">euer echo vielleicht im weltall\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">das ihr nicht h\u00f6ren k\u00f6nnt\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">und dennoch\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">ist jeder\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">f\u00fcr sich allein in diesem \u00fcberf\u00fcllten ozean\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">verwandelt sich die einsamkeit aber zu etwas sichtbarem\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">und wenn mir die luft ausgeht suche ich dessen oberfl\u00e4che und atme aus\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">denn trotzdem ich jahrzehnte unbeantwortete hymnen in das kalte meer des pazifiks br\u00fclle\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">singe ich immer weiter\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">das leben ist das k\u00fchle wasser\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-weight: 400;\">das \u00fcber jeder r\u00fcckenflosse bricht\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bibliography\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Der vorliegende Text ist Teil des literarischen Projekts \u201eSeitenwechsel\u201c, der Herausgeberin Johanna Hansen. Geschrieben werden Tagebuchnotizen, die zeitgleich in verschiedenen St\u00e4dten, in verschiedenen L\u00e4ndern und in verschiedenen Sprachen entstehen. An einem bestimmten (vorgegebenen) Tag, machen sich 5 Autorinnen und Autoren Notizen \u00fcber ihren Tag. Auf diese Art entsteht simultan ein Tagebuch, das einen vielschichtigen\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Blick auf eine jeweils individuell erfahrene Welt wirft. Dabei geht es um die Frage, ob es, seitdem die ganze Welt vor der Haust\u00fcr zu liegen scheint, also: ob und wie es angesichts der uns abhanden gekommenen Ferne und angesichts der Globalisierung m\u00f6glich ist, zeitgleich an sehr verschiedenen Orten und aus sehr unterschiedlichen Perspektiven etwas entstehen zu lassen, das heimisch macht, jenseits l\u00e4nderbezogener Trennungslinien. Es geht um die Suche nach einer Form, mit der sich die verlorene Distanz wiederentdecken l\u00e4sst. Und es geht darum, ob und wie N\u00e4he sich dadurch neu definieren l\u00e4sst. Das Tagebuch wird mindestens zwei Jahre lang \u2013 an einem jeweils f\u00fcr alle festgelegten Datum weitergeschrieben. Anschlie\u00dfend wird es als Anthologie publiziert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Barcelona, 1. Juli 2019 Montag Fr\u00fch morgens in Barcelona in der alten Schmiede. Der Milchkaffee auf dem Schreibtisch, meine Tr\u00e4ne, wie sie damals in Argentinien meine Art Kaffee zu trinken nannten, \u201euna\u00a0lagrima\u201c, weil in einen Becher hei\u00dfe Milch eine Tr\u00e4ne Kaffee gegossen wird. 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