{"id":13597,"date":"2018-01-09T10:40:22","date_gmt":"2018-01-09T09:40:22","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.stadtsprachen.de\/text\/zu-graham-hains\/"},"modified":"2024-09-03T17:25:10","modified_gmt":"2024-09-03T15:25:10","slug":"zu-graham-hains","status":"publish","type":"stsp_text","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/de\/text\/zu-graham-hains\/","title":{"rendered":"Zu Graham Hains"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_7143\" style=\"width: 310px\"  class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7143\" src=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-2-300x268.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-2-300x268.jpg 300w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-2-768x687.jpg 768w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-2-1024x916.jpg 1024w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-2-338x302.jpg 338w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p class=\"wp-caption-text\"><em><span class=\"st\">\u00a9<\/span> berliner literarische aktion<\/em><\/p><\/div>\n<p>Seit einigen Jahren portr\u00e4tiert der in Australien geborene Berliner Fotograf <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/graham-hains\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Graham Hains<\/a> die Autor*innen und Aktivist*innen der internationalen Literaturszene Berlins. Unsere Zusammenarbeit im Umfeld verschiedener Projekte der <em>Berliner Literarischen Aktion<\/em> hatte 2010 in Jakarta begonnen, wo Hains beeindruckende Portr\u00e4tbilder von Einwohnern der indonesischen Millionenmetropole f\u00fcr eine Ausstellung unseres <em>Jakarta Berlin Arts Festivals<\/em> schuf, die 2011 im Roten Rathaus Berlin unter dem Titel \u201eInhabitants \u2013 Gesichter Jakartas\u201c zu sehen war. F\u00fcr die <em>Stadtsprachen<\/em> wurde diese Zusammenarbeit erfolgreich fortgesetzt: Begleitend zum Entstehungsprozess dieses Literaturfestivals, das 2016 gemeinsam mit vielen Partnern der freien Berliner Literaturszene zu Ehren der internationalen, \u201enicht auf Deutsch schreibenden\u201c Autor*innen Berlins realisiert wurde, begann Hains Dichterinnen, Schriftsteller und Aktivist*innen abseits des Festivalgeschehens auf individuellen Sessions in aller Ruhe und mit gro\u00dfem Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen zu portr\u00e4tieren.<\/p>\n<p>Schon damals ver\u00f6ffentlichte er peu a peu ausgew\u00e4hlte Bilder dieser <em>Stadtsprachen-Serie<\/em> auf seiner fotodokumentarischen Webseite <a href=\"https:\/\/peerlessportraitcompany.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em><strong>The<\/strong> <strong>Peerless Portrait Company<\/strong><\/em><\/a>. Etliche dieser Portr\u00e4ts fanden zudem ihren Weg in Magazine und Buchumschl\u00e4ge der Autor*innen; andere findet man seit Langem in verschiedenen Varianten und beachtlicher Zahl auf den Seiten und Bildergalerien des digitalen <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/galleries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>stadtsprachen magazins<\/em><\/a>, f\u00fcr das Hains nach Ende des Festivals seine vielversprechende Arbeit fortsetzte und (neben den Bilddokumentationen der themenverwandten Veranstaltungsserie <em>PARATAXE<\/em>) auch seine selbstst\u00e4ndige Arbeit an den k\u00fcnstlerisch anspruchsvollen Autor*innenportr\u00e4ts weiterf\u00fchrte. Hains ist seinem Selbstverst\u00e4ndnis nach ein expliziter Portr\u00e4tist mit hohem k\u00fcnstlerischem Anspruch. F\u00fcr seine Personenbildnisse nimmt er sich sehr viel Zeit, schon bei der Anbahnung und Vorbereitung, und verwendet bei der Umsetzung ein umfangreiches, professionelles Equipment. Die Orte der Aufnahmen, ganz egal ob <em>indoor<\/em> oder <em>open air<\/em> \u00a0sind in erster Linie bedeutsam f\u00fcr die Portr\u00e4tierten und werden von ihnen selbst ausgew\u00e4hlt. Auf den Bildern dieser Serie ist zumeist die ganze Person in einer f\u00fcr sie wichtigen Umgebung zu sehen. Beide Elemente im Dialog erst ergeben das Bild. Farben werden sparsam verwendet, mitunter wird die Person auch in klarem Schwarzwei\u00df dargestellt. F\u00fcr den <em>on-location<\/em>-Fotografen Hains steht die Wirkung der Person im Vordergrund; um ihren Ausdruck zu erfassen verwendet er das gesamte Instrumentarium heutiger Bildkunst, von klassisch mechanischen Verfahren \u00fcber digitale Bearbeitung bis zu speziellen Bildentwicklungsverfahren und besonderen oder auch ungew\u00f6hnlichen Papieren und Formaten. So individuell wie die Dargestellten sind deshalb auch die Ergebnisse dieser fotografischen Begegnungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ausstellung <em>INK &#8211; The Stadtsprachen Portraits<\/em> hat Hains f\u00fcnfundf\u00fcnfzig Bilder aus dem umfangreichen Fundus der fortlaufenden Serie ausgew\u00e4hlt. Er produzierte sie in den unterschiedlichsten Formaten und Materialien und lie\u00df sie bewusst in der von ihm favorisierten \u201ePetersburger H\u00e4ngung\u201c im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) platzieren. Die <em>Stadtsprachen<\/em> Projekte, in deren Umfeld die Bilder entstanden, erkunden die erstaunliche Vielfalt der internationalen Literaturszenen Berlins literarisch &#8211; Graham Hains geht mit seinen Portr\u00e4ts dar\u00fcber hinaus und erkundet auf visuell-k\u00fcnstlerische Weise die Stadt und die Menschen, die ihre literarische Gegenwart pr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Der australische Berliner bereiste schon als Kind die Welt, da sein Vater in verschiedenen L\u00e4ndern (u.a. in Malaysia), arbeitete. Folgende autobiografische Kurzbeschreibung seines Lebens f\u00fcgte er dem Ausstellungswegweiser (im Original in Englisch) bei:\u00a0 &gt;&gt; <em>Graham Hains wurde 1951 in Australien geboren. 1983, gelangweilt vom Leben, kaufte er sich eine sehr gebrauchte Pentax K1000 und ein paar Objektive f\u00fcr das, was er damals f\u00fcr einen tollen Preis hielt, bis die Zeit ihn von dieser Eitelkeit heilte. Sp\u00e4ter, nachdem er einen kurzen New-Wave-Film namens <\/em>Genesis <em>gesehen hatte, dachte er daran, sich in der Kunstfotografie zu versuchen. Die Erfahrung lehrte ihn bald, dass es schwerer war als er gedacht hatte. Mittlerweile vom Medium besessen, ging er in die Abendschule, um zu lernen, wie man Schwarzwei\u00dffilme entwickelt und um die Grundlagen des Fotodrucks zu verstehen. Seine Frau, die anfangs froh war, dass er ein Hobby hatte, wurde zunehmend unzufriedener, als das Hobby anfing, sowohl sein Arbeitsleben als auch das Familieneinkommen negativ zu beeinflussen. Ein Wochenendausflug zur Problembew\u00e4ltigung erwies sich als erfolglos; denn sie stellte Ultimaten f\u00fcr das Wochenende und er kaufte eine Kamera. Sie trennten sich und wurden zwei Jahre sp\u00e4ter geschieden.<br \/>\n.. <\/em><em>1990 verlie\u00df Graham die gesch\u00e4ftige Welt f\u00fcr ein kleines und kaltes Holzf\u00e4llerhaus in den Farmgebieten im S\u00fcden Westaustraliens, wo er eine Dunkelkammer einrichtete und flei\u00dfig begann mehr \u00fcber sein Handwerk zu lernen. Als Schulabbrecher nahm er den Rat eines Freundes an und absolvierte die Reifepr\u00fcfung f\u00fcr die Universit\u00e4t mit einem Ergebnis, das ihn in die Lage versetzte, 1993 an der <\/em>Edith Cowan University<em> in den ersten Foto-Media-Kurs einzusteigen. Im ersten Semester begab er sich mit einem Freund in ein verfallenes innerst\u00e4dtisches Haus, von dem sie dachten, dass es verlassen sei, um es f\u00fcr eine Kursaufgabe zu fotografieren &#8211; nur um \u00fcberrascht feststellen zu m\u00fcssen, dass das Haus von Stra\u00dfenkindern und Alkoholikern bewohnt war. Mit ihrer Zustimmung fotografierte er sie f\u00fcr eine Serie \u00fcber soziale Probleme der Stadt. Fotografien aus dieser Serie brachten ihm den Studentenpreis der <\/em>City of Perth International Photo Awards<em> ein. Im dritten Jahr an der Universit\u00e4t nahm er erneut am Wettbewerb teil und gewann den <\/em>City of Perth International Photo Award<em>. W\u00e4hrend dieses Jahres verbrachte er auch sechs Monate an der <\/em>Illinois State University<em> im Rahmen des internationalen Austauschprogramms. Er schloss sein Studium mit Auszeichnung ab und absolvierte ein Ehrenjahr am <\/em>Edith Cowans Fine Art Department<em>.<br \/>\n.. <\/em><em>1998 besuchte er New York, um einen Freund zu treffen und traf eine Deutsche, die in Berlin lebte und sp\u00e4ter seine Frau werden sollte. 1999, auf dem Weg sich als Fotograf in London zu versuchen, nutzte er eine Zwischenstopp-Option auf seinem Ticket und kam nach Berlin, um seine zuk\u00fcnftige Frau zu besuchen. Sie heirateten im Jahr 2000. Im Jahr 2007 zogen sie nach Jakarta, wo sie sechs Jahre blieben. Im Sommer 2011 stellte er 32 gro\u00dfformatige Portr\u00e4ts von Einwohnern Jakartas\u00a0 im Rahmen des <\/em><a href=\"http:\/\/www.jakarta-berlin.de\/de\/?p=projekt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Jakarta Berlin Arts Festivals<\/a><em> aus. Diese Portr\u00e4ts wurden \u00fcber einen Zeitraum von 12 Monaten entweder in der Wohnung oder am Arbeitsplatz der Protagonisten fotografiert.<br \/>\n.. <\/em><em>Im Jahr 2016 fragte ihn Martin Jankowski, ob er daran interessiert sei, Autoren f\u00fcr die Webseite und die Autorenprofile des <\/em>Stadtsprachen<em> Festivals zu fotografieren. Die Portr\u00e4ts dieser Ausstellung entstanden im Umfeld des <\/em>Stadtsprachen <em>Festivals, der <\/em>Parataxe<em> und des <\/em>stadtsprachen magazins<em>. <\/em>&lt;&lt;<\/p>\n<p>Graham Hains Fotografieren wurden in den letzten Jahren in vielen L\u00e4ndern ausgestellt und u.a. von Berliner Galerien wie der <em>Galerie Bassenge<\/em>, dem<em> Altenburg Photographie Auktionshaus<\/em>, der <em>Another Country Bookshop Galerie<\/em>, der <em>Wally Woods Galerie f\u00fcr Gegenwartskunst<\/em> und der <em>Bago Galerie<\/em> gezeigt. Hains ist Mitglied der K\u00fcnstlergruppe <em>Br\u00fccken Kunst<\/em>. Seine Bilder befinden sich in bedeutenden privaten und \u00f6ffentlichen Sammlungen. Dank des Vorschlags der <em>Berliner Literarischen Aktion<\/em> und der Vorbereitungen zur aktuellen INK-Ausstellung wurde auch die Leitung des LCB am Wannsee auf die besondere k\u00fcnstlerische Handschrift und die Qualit\u00e4t seiner Arbeiten aufmerksam gemacht, sodass er inzwischen Auftr\u00e4ge von Berlins \u00e4ltestem Literaturhaus erh\u00e4lt und sich seine Arbeit auch \u00fcber diese Ausstellung hinaus mit dem Haus verbindet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-7140\" src=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-hains-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"348\" height=\"261\" srcset=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-hains-300x225.jpg 300w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-hains-768x576.jpg 768w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-hains-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-hains-403x302.jpg 403w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/graham-hains.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><\/p>\n<p>Pers\u00f6nlich kennengelernt hatte ich Graham Hains im Sommer 2005 in einem Berliner Stra\u00dfencaf\u00e9, als es darum ging, ihn und seine Frau bei der Entscheidung zu beraten, ob sie f\u00fcr einige Jahre in die indonesischen Mega-City Jakarta (derzeit ca. 20 Millionen Einwohner) ziehen sollten, wo ich damals diverse Literaturprojekte realisierte und zeitweise lebte. Sp\u00e4ter besuchte ich Graham und seine Frau mehrfach in Jakarta und bekam erst dort Gelegenheit, seine k\u00fcnstlerische Arbeit als Fotograf kennenzulernen. Sein un\u00fcbersehbares Talent und seine pers\u00f6nliche k\u00fcnstlerische Handschrift begeisterten mich au\u00dferordentlich, deshalb schlug ich ihm spontan vor, f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Berliner Ausstellungsprojekt zusammenzuarbeiten. Damals bereitete ich im Auftrag von Berlins Regierendem B\u00fcrgermeister Klaus Wowereit ein umfangreiches <em>Jakarta Berlins Arts Festival<\/em> zu Ehren der St\u00e4dtepartnerschaft der deutschen und der indonesischen Hauptstadt vor und ich bat Graham Hains, eine Serie gro\u00dfformatiger Einwohner-Portr\u00e4ts zu schaffen, die dem Berliner Publikum einen konkreten Eindruck von dem sehr anderen Alltagsleben ihrer weitgehend unbekannten Zeitgenossen in der indonesischen Mega-Metropole vermitteln k\u00f6nnten.<br \/>\n.. Von Hains\u2018 gr\u00fcndlicher und technisch geradezu perfektionistischer Arbeitsweise war ich ebenso beeindruckt und \u00fcberrascht wie von den starken Ergebnissen. Seine Ausstellung <em>Inhabitants<\/em> vom Sommer 2011 im Roten Rathaus wurde zu einem ersten Erfolg unserer Kooperation, der seinen Namen in der Berliner Literaturszene bekannt machte. Insofern war es keineswegs mehr zuf\u00e4llig oder \u00fcberraschend, als beim Konzipieren eines Projektes f\u00fcr die internationale Autorenszene Berlins wenige Jahre sp\u00e4ter bei der Frage nach einem geeigneten fotografischen Begleiter sein Name fiel. Dass Graham Hains sofort Interesse hatte, die Literaturszene Berlins mit der Kamera auf seine Weise zu erkunden, spricht sowohl f\u00fcr seinen k\u00fcnstlerischen Abenteuergeist als auch f\u00fcr seine Verbundenheit mit dieser Stadt und ihren au\u00dfergew\u00f6hnlichen K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten. Er bat sich jedoch aus, neben den \u00fcblichen Dokumentationsaufnahmen f\u00fcr das Festival auch Portr\u00e4ts nach seinen eigenen Vorstellungen realisieren zu k\u00f6nnen &#8211; ein Vorschlag, den wir gerne annahmen und dessen Ergebnisse inzwischen nicht nur die Berliner Literaturszene begeistern.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der INK-Ausstellung von mir angesprochen auf den ebenso erfreulichen wie erstaunlichen Entwicklungsweg unserer freundschaftlichen Zusammenarbeit, schrieb Graham Hains mir im Januar 2018 dies: &gt;&gt; <em>Zun\u00e4chst mag es wie \u00dcbertreibung klingen, aber bedenke: Umfangreiche Nachforschungen haben mich davon \u00fcberzeugt, dass das, was wir mit dieser Portr\u00e4tserie tun, noch nie zuvor gemacht wurde, niemals&#8230; Ich konnte kein Literaturfestival, keine Versammlung, kein Ereignis, keine Gruppierung, kein gro\u00dfes Meeting, kein kleines Meeting \u00a0oder was auch immer finden, das allen Autoren oder Festivalteilnehmern die M\u00f6glichkeit gegeben hat, eine kostenlose Portr\u00e4t-Session, insbesondere eine Session au\u00dferhalb eines Studios, an einem Ort <\/em>ihrer Wahl <em>zu veranstalten. Ich habe weithin nichts anderes gefunden als die \u00fcblichen Kopf-und-Schulter- oder Studioaufnahmen der Festival-Stars. Die Ausstellung dieser Portr\u00e4ts im St. Petersburger Stil, die die W\u00e4nde bedecken und den Raum vollst\u00e4ndig ausf\u00fcllen, wird eine weitere Premiere. Dieser Stil steht in v\u00f6lligem Gegensatz zum vorherrschenden Ausstellungsmodus ordentlicher Kopfsch\u00fcsse in einer Reihe. Von wesentlich gr\u00f6\u00dferer Relevanz ist die nicht unwichtige Unterscheidung, dass sowohl die wichtigen als auch die kommenden Autoren gemeinsam an diesem historisch aufgeladenen Ort gezeigt werden, der auch die Heimat der ersten literarischen Institution des Landes in der Landeshauptstadt ist.<br \/>\n<\/em><em>.. Alles in allem sind wir mit dem Stadtsprachen-Projekt aus dem Reich der Fiktion in Reich der Phantasie \u00fcbergegangen: Nein, es wurde noch nie zuvor gemacht. Je mehr man sich mit literarischen Portr\u00e4ts besch\u00e4ftigt, desto mehr erkennt man, dass es sogar noch weiter geht: Diese Portr\u00e4ts sind so weit entfernt von Dominique Nabokovs Kanon literarischer Portr\u00e4ts, dass sie eine andere Sprache sind; gemeinsam haben wir mit dieser Serie das literarische Portr\u00e4t ins 21. Jh. geholt.<br \/>\n.. <\/em><em>Aber was noch interessanter ist, ist, dass f\u00fcr diese Ausstellung eine Verbindung von Menschen (Du, der Du diese Dinge erm\u00f6glichst; Anna, die die Autorenkontakte organisiert und mir auf den Kopf klopft, wenn ich sie brauchte, und ich als agierender K\u00fcnstler) mit solchen spezialisierten Talenten, Zielen und Ambitionen herangingen, dass es schwierig und horrend teuer w\u00e4re, dergleichen andernorts zu realisieren &#8211; was erkl\u00e4rt, warum es noch nie zuvor gemacht wurde und warum es m\u00f6glicherweise nie wieder geschehen wird. Deshalb ist meine Idee, die Ausstellung auch <\/em>Die Stadtsprachen Portr\u00e4ts <em>zu nennen &#8211; dies ist eine Aussage \u00fcber etwas Einzigartiges, n\u00e4mlich Fotoportr\u00e4ts internationaler Autor*innen aus Berlin als Dokument von Prozessen, die andernfalls meiner Meinung nach ignoriert w\u00fcrden.<br \/>\n.. <\/em><em>Bitte sei dir bewusst, dass ich wei\u00df, dass sich all dies nach \u00dcbertreibung anh\u00f6ren k\u00f6nnte und dass ich mit zunehmendem Alter auch ein wenig wahnhaft geworden bin, aber das ist es nicht und ich bin es auch nicht. Ich kenne die Fotogeschichte besser als die meisten anderen: Diese Portr\u00e4tserie ist ein einzigartiges Projekt. <\/em>&lt;&lt;<\/p>\n<p>Wer verstehen will, was diese Bilder so besonders macht, wer sich f\u00fcr die theoretischen Hintergr\u00fcnde von Grahams Hains Arbeit interessiert und seine k\u00fcnstlerische Entwicklung nachvollziehen m\u00f6chte, dem sei hiermit der ebenso unterhaltsame wie gehaltvolle Blog des K\u00fcnstlers ans Herz gelegt: Unter dem Titel\u00a0 <a href=\"https:\/\/grahamhainsphotography.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong><em>The Day Diaries of a Photography Addict<\/em><\/strong><\/a> gibt Hains fortlaufend Auskunft, erkl\u00e4rt und bespricht ihm wichtige Bilder seines allt\u00e4glichen Schaffensprozesses in unnachahmlicher Weise \u2013 hier wird Graham Hains selbst zu einem originellen und im zweifachen Sinne horizonterweiternden Autor seiner eigenen Schule des Sehens.<\/p>\n<p>Die aktuelle INK-Ausstellung zeigt \u00fcbrigens nur einen kleinen Bruchteil dessen, was Graham Hains in den letzten zwei Jahren an einzigartigen Autorenportr\u00e4ts an den unterschiedlichsten Orten unter diversesten Umst\u00e4nden geschaffen hat. Ein erster Ausschnitt dieser Arbeiten erschien bereits Ende 2016 als Privatdruck eines Bildbandes in wenigen Exemplaren \u2013 und es ist sehr zu vermuten, dass weitere Teile dieser noch immer fortlaufenden Serie in den n\u00e4chsten Jahren in die \u00d6ffentlichkeit gelangen werden. Derzeit im LCB ausgestellt sind \u201enur\u201c einige ausgew\u00e4hlte Portr\u00e4ts folgender Berliner Autor*innen (zu beachten ist, dass Hains in der Regel pro Session von jeder Person etliche sehr verschiedene Motive realisiert): <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/ewa-maria-slaska\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Ewa-Maria Slaska<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/mc-jabber\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Scott Martingell alias MC Jabber<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/cristian-forte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Cristian Forte<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/dario-deserri\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Dario Deserri<\/em>,<\/a> <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/haukur-mar-helgason\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Haukur Ma\u0301r Helgason<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/john-k-peck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>John Peck<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/lars-jongeblod\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Lars Jongeblod<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/kenny-fries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Kenny Fries<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/milenko-goranovic\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Milenko Goranovic<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/rafael-mantovani\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Rafael Mantovani<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/rajvinder-singh\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Rajvinder Singh<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/jayrome-c-robinet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Jerome Robinet<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/wilfried-nsonde\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Wilfried N&#8217;Sonde\u0301<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/martin-jankowski\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Martin Jankowski<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/andrea-scrima\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Andrea Scrima<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/ekaterina-vassilieva\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Ekaterina Vassilieva<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/elsye-suquilanda\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Elsye Suquilanda<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/erica-zingano\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Erica Zingano<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/esther-andradi\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Esther Andradi<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/goeksu-kunak\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Go\u0308ksu Kunak<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/irina-bondas\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Irina Bondas<\/em><\/a>, <em><a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/isabel-fargo-cole\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Isabel Fargo Cole<\/a><\/em>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/iunona-guruli\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Junona Guruli<\/em>,<\/a> <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/katy-derbyshire\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Katy Derbyshire<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/marie-pascale-hardy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Marie-Pascale Hardy<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/maroula-blades\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Maroula Blades<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/elina-mikkilae\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Elina Mikkila\u0308<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/samanta-schweblin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Samanta Schweblin<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/tzveta-sofroniewa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Tzveta Sofronieva<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/valentina-ramona-de-jesus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Valentina Uribe<\/em><\/a>, <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/yimeng-wu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Yimeng Wu<\/em><\/a> und <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/author\/luisa-nobrega\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Lu\u00edsa N\u00f3brega<\/em><\/a> (die Namen sind mit den Biografien der Autor*innen im <em>stadtsprachen magazin<\/em> verbunden, nicht selten auch fotografiert von Graham Hains).<\/p>\n<p>Zu jedem Bild, zu jeder Begegnung zwischen Autor\/in und dem Fotografen gibt es eine spezielle Geschichte; nicht selten haben die Foto-Sessions auch zu intensiven Freundschaften gef\u00fchrt und in jedem Fall Graham Hains zu einem angesehenen und beliebten Protagonisten der internationalen Literaturszene Berlins gemacht. Diese Geschichten werden irgendwann erz\u00e4hlt werden m\u00fcssen, die Bekanntschaften und Verflechtungen sind jedoch derzeit noch immer im intensiven Wachsen und Werden und es ist keineswegs absehbar, wohin all dies in Zukunft f\u00fchren wird. Klar ist nur, dass diese Ausstellung ein erster, hochinteressanter Zwischenbericht eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Fotok\u00fcnstlers ist, der dabei ist, die Gegenwartsliteratur Berlins in einer Weise sichtbar zu machen, wie wir sie bisher noch nie gesehen haben.<\/p>\n<p>***<br \/>\n<em>Berlin, 16. Februar 2018<br \/>\nMartin Jankowski<\/em><\/p>\n<p><strong>Die Ausstellung <a href=\"http:\/\/stadtsprachen.de\/2018\/02\/ink-the-stadtsprachen-portraits\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">INK \u2013 The Stadtsprachen Portraits<\/a> von Graham Hains ist vom 16. Februar bis zum 25. Mai 2018 <a href=\"http:\/\/www.lcb.de\/ausstellungen\/2018-02_Hains.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">im Literarischen Colloquium Berlin<\/a>, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin<\/strong> <strong>bei freiem Eintritt zu sehen<\/strong> (vor und nach den Abendveranstaltungen oder nach Terminvereinbarung unter 030-8169960).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren portr\u00e4tiert der in Australien geborene Berliner Fotograf Graham Hains die Autor*innen und Aktivist*innen der internationalen Literaturszene Berlins. 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