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PARATAXE ft Pisa Book Festival with Rasha Abbas and Eugene Ostashevsky

On November 11th, PARATAXE travelled to Italy along with Rasha Abbas and Eugene Ostashevsky to participate in the Pisa Book Festival. The festival celebrated its 15th edition this year and it has grown to become a focal point of the exchange between Italian independent publishing houses; national and international writers; as well as translators and illustrators.

To mark this occasion, the Berliner Literarische Aktion organized a reading and discussion with the Russian poet Eugene Ostashevsky and the Syrian writer Rasha Abbas, hosted by Martin Jankowski and Anna Giannessi. Characterized by multilingualism, the PARATAXE project and stadtsprachen magazin were presented to the wider public of the festival in English, Italian and Arabic. The two Berlin authors discussed their texts and their future works and read in their original language, while Italian translations were provided for the first time for this occasion.

The event has once again indicated people’s interest into the multitude of multilingual literature, migration, the wonders of translation, and other topics that have been dear to us since the STADTSPRACHEN festival in 2016. We want to thank the Pisa Book Festival, the participants and the Italian public!

 

The reading has been filmed and can be seen here:

 

 


PARATAXE on the road

PARATAXE ON THE ROAD again…

From Nov 9 to 11 we were invited to visit the PISA BOOK FESTIVAL 2018. On SATURDAY, Nov 10 at 5 pm we presented our program Parataxe EXTRA LARGE together with Maurizio Amendola from CELA Europe in the BOOK CLUB at the Palazzo dei Congressi. Project director, writer and poet Martin Jankowski introduced two Berlin based authors and their texts at the Pisa Book Festival: The quadrilingual Ukrainian-born author Irina Bondas and the Brasilian-born poet Rafael Mantovani. Both read from their texts in original languages and Italian translations – created for this occassion by Anna Giannessi and Serena Tarascio – could be read simultaenously on the stage screen. And in addition: Brasilian Berliner Rafael (without beard!) read his Italian versions perfectly by himself! Grazie mille, Pisa and your wonderful audience …









PARATAXE extra large: Bondas & Mantovani

For the second time Parataxe presents two Berlin based authors and their texts at the Pisa Book Festival: The quadrilingual Ukrainian-born author Irina Bondas and the Brasilian-born poet Rafael Mantovani. Both will read from their texts in original languages and Italian translations can be read in parallel on the stage screen. The conversation, hosted by Maurizio Amendola and Martin Jankowski, will take place in English.

Pisa Book Festival
Book Club

Palazzo dei Congressi
Via Matteotti 1
Pisa

www.pisabookfestival.com


Vielleicht Pnin

Sorry, this entry is only available in German and English.

Die Landschaft draußen vor dem Fenster des Zuges, der im Schneckentempo voranrollte, war grau, nass und wirkte seltsam verkommen. Im Zug hingegen herrschte eine vollkommen nichtssagende Stimmung. Blasse Anonymität. Es mangelte an Luft. Isa war nervös und versuchte, sich mit Lesen zu beruhigen. Ungefähr im zweiten Drittel des ersten Bandes von Nabokovs gesammelten Werken befand auch Professor Timofey Pnin sich gerade auf einer Zugreise, mit ähnlichem Ziel wie Isa – er versuchte, eine von Raum und Zeit vergessene Universität mitten im amerikanischen Niemandsland zu erreichen. Isas Ausgabe stammte aus der Bibliothek; ihr dunkelgrünes Cover war an einer Ecke angekaut von irgendeinem Tier – wahrscheinlich einem Hund – und präsentierte sich dadurch ziemlich abstoßend. Das Vorleben von Bibliotheksbüchern hatte Isa schon immer interessiert; sie fand gerne fremde Zettel oder alte Fahrkarten zwischen den Seiten. Unterstreichungen und zittrige Bleistiftnotizen aber nervten sie eher, und eine fehlende Ecke – das war wirklich zu viel des Guten, dégueulasse, wie der polyglotte Pnin es wahrscheinlich kommentiert hätte. Mit russischem Akzent, natürlich.

Eine monotone, künstlich generierte Frauenstimme, die grundsätzlich alles falsch betonte, kündigte soeben die nächste Station an. Der Zug fuhr nicht nur sehr langsam, er hielt auch an jeder Milchkanne, in Orten mit seltsamen Namen, von denen bisher keiner limerick-kompatibel gewesen wäre. Isa war seit dem frühen Morgen unterwegs und saß bereits im dritten Zug, der der hügeligen Gegend und seines eigenen schweren Schicksals müde zu sein schien. Wie ein verkaterter Schriftsteller schlich er durch eine Gegend mit dem undankbaren Namen Bitterland.

An Bitterlands südlicher Spitze befand sich eine Universität; dort sollte in zweieinhalb Stunden ein Vorstellungsgespräch stattfinden – mit Isa in der Hauptrolle. Angestrengt versuchte sie sich zu entsinnen, warum sie sich auf diese Stelle beworben hatte, doch wollte ihr beim besten Willen kein Grund mehr einfallen. Zudem stellte Professor Pnin soeben nach zwei Stunden Fahrt fest, dass er im falschen Zug saß und in eine völlig falsche Richtung fuhr. Isa beschlich ein unbehagliches Gefühl, sie legte das Buch beiseite und wollte nervös die Karte in ihrem Handy konsultieren. Das Gerät verweigerte ihr jedoch hartnäckig den Gehorsam und behauptete, in Bitterland gäbe es keinen Empfang. So holte Isa denn eine zerknitterte, kaffeefleckige analoge Karte vom analogen Bitterland aus ihrer Tasche und stellte mit einer Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung fest, dass sie, anders als Pnin, im richtigen Zug saß und in die – wenn auch aus unerfindlichen Gründen – selbstgewählte Richtung fuhr. Isa beschloss, den etwas verrückten Professor seinem angekauten Schicksal zu überlassen, etwas neidisch wegen der Abenteuer, die ihn erwarteten. Wie er wohnte auch sie schon seit Jahren in einem Land, das nicht das ihre war. Sie deklinierte, konjugierte und scherzte in einer Fremdsprache, die mittlerweile fast immer wie eine schicke zweite Haut anlag und nur manchmal an seltsamen Stellen unnatürliche Falten warf. Pnin in seinem ganzen katastrophalen Dasein rührte sie. Nur zu gut verstand sie die Art der auf ihn lauernden Absurditäten.

 

Isa war unausgeschlafen und spürte, wie die Müdigkeit auf ihr Gehirn drückte und langsam in den Schläfen zu pochen begann. Sie zwang sich, in Gedanken noch einmal zur letzten Nacht zurückzukehren. Die Eskapaden einer erwachsenen Frau konnten ernste Konsequenzen haben, an dieser Erkenntnis war nichts Revolutionäres. Ernstzunehmende Frauen aber dachten wiederum darüber nach, was ihnen im Leben passierte, selbst wenn das bedeutete, dass sie sich selbst hin und wieder eingestehen mussten, eine unüberlegte Eskapade begangen zu haben. Isa war in letzter Zeit einiges an Eskapaden passiert, und sie überlegte, die Sache mit der Ernsthaftigkeit sein zu lassen und sie gegen ein wenig innere Ruhe einzutauschen.

Gestern Nacht jedenfalls war gegen zwei Uhr, nur wenige Stunden vor der geplanten Reise, irgendwo zwischen Isas Magen und Herz ein innerer Alarm losgeschrillt. Die sensible und zart besaitete, sanfte und dennoch selbstbewusste Isa war unvermutet in einer fremden Wohnung gelandet, noch dazu, und das war das wahrhaft Erstaunliche, in Begleitung eines schönen, sehr jungen Studenten – welchen Fachs, wusste sie leider nicht mehr. Das Ganze offensichtlich nur, damit ihr mitten in der Nacht klar werden konnte, dass sie die Hauptfigur in einer ganz anderen Geschichte war und schnellstmöglich nach Hause musste. Diese Erkenntnis wiederum hatte zur Folge, dass sie hastig ihre Kleider vom Fußboden aufsammeln, sie geschickt im Dunkeln überstreifen und die fremde Studentenwohnung auf Zehenspitzen verlassen musste. Erstaunlich, hatte sie noch gedacht, wie ein so schöner Mensch an so einem hässlichen Ort leben kann.

Aus dem Gebäude rannte sie in die dunkle Nacht mit einem schalen Gefühl und lief lange zu Fuß vom Norden in den Süden der großen, schlafenden Stadt. Eine überflüssige Geschichte ohne Pointe, die sich weder für eine sinnvolle Erzählung noch für ein Haiku oder für irgendein anderes unorthodoxes literarisches Geschöpf eignete. Jetzt fühlte Isa sich nur noch angewidert und unausgeschlafen, ein Seelenzustand wie Kraut und Rüben, wie ein Sauerkrauteintopf – eine osteuropäische Unpässlichkeit, exotisch in der bitterländischen Realität.

In einer grauen, blassen Ortschaft stieg Isa aus dem Zug. Die Luft empfing sie mit kalter, aggressiver Umarmung und brachte ihre sorgfältig geföhnten Haare durcheinander. Isa stand an einer Haltestelle und wartete auf den Bus, der sie zum Campus bringen sollte. Langsam wurde die Zeit knapp. Der Bus kam nicht. Sie versuchte, sich in diesen Ort einzufühlen, ihn einzuatmen, ein Gespür dafür zu bekommen, ob sie zurückkehren, ob sie sogar hier hinziehen würde. Doch sie fühlte nichts.

 

***

Seit Sara die wissenschaftliche Stelle an der Universität auf dem Hügel angenommen und sich, nach einigen Monaten des Pendelns, nun doch entschlossen hatte, von der großen Stadt in die Nähe des Universitätshügels zu ziehen, lag ihr Privatleben auf Eis. In dieser kleinen, schäbigen Ortschaft ereignete sich rein gar nichts. Sara flüchtete sich in die Arbeit, verbrachte viel Zeit in ihrem Büro, mit der Vorbereitung ihrer Seminare und ihrer Habilitation. Sie mochte ihre Studenten, wenn ihre ungenierte Jugend und Naivität sie auch an ihr eigenes Alter erinnerten. Sara näherte sich ihrem vierzigsten Geburtstag, und in ihren hellen Haaren konnte man einzelne graue Strähnen erkennen, die sich aber noch ganz gut zwischen ihren blonden Nachbarn versteckten.

Saras Stellung an der Universität bot Sicherheit, Stabilität, Ruhe und Langeweile. Man schätzte ihre internationale Erfahrung, die sie bei Forschungsaufenthalten an renommierten amerikanischen Hochschulen gesammelt hatte. Ab und zu, wenn Erschöpfung und Zweifel sie überkamen, dachte sie an eine Entscheidung zurück, die sie damals, in ihrer amerikanischen Zeit, vielleicht zu unüberlegt getroffen hatte. Obwohl sie es niemandem gegenüber zugeben würde, fragte sie sich manchmal, was passiert wäre, wenn sie sich damals, in ihrer geliebten, verrückten Ostküsten-Metropole voller Möglichkeiten, auf eine Affäre mit dem engagierten, bekannten und sehr viel älteren Professor eingelassen und sich damit eine Stelle an einer guten privaten amerikanischen Universität gesichert hätte.

Vor ein paar Wochen hatte Sara in der einzigen halbwegs annehmbaren Kneipe weit und breit einen großen, hageren Mann mit einem freundlichen Lächeln und einer sympathischen Stimme kennengelernt. Er war Informatiker und spielte Mini-Ukulele in einem Orchester von Mini-Instrumenten. Ein wenig grotesk sah er aus mit dem kleinen Instrument in seinen riesigen Händen, doch etwas an dieser Unstimmigkeit rührte Sara. Außerdem war es das erste Mal, seit sie hier wohnte, dass sie jemanden kennenlernte, der sich für sie interessierte. Also hatte sie beschlossen, sich nicht gleich entmutigen zu lassen. Und nun lag sie neben ihm, auf dem Rücken, auf der harten Matratze in seiner unmöblierten Wohnung. Es war fünf Uhr morgens, der Tag drängte durch gardinenlose Fenster ins Zimmer, und mit ihm eine dunkelgraue Fliege. Sie flog in Kreisen über ihnen und setzte sich ab und zu an sorgsam ausgesuchte Stellen. Ihr Bekannter war es anscheinend nicht gewohnt, neben einem anderen Menschen zu schlafen. Er wälzte sich ruckartig von links nach rechts, warf unkontrolliert seine langen Arme um sich. Im Halbschlaf registrierte Sara, dass er mit der linken Hand die Fliege zu verjagen versuchte. Kurz herrschte absolute Stille im Zimmer – bis Sara durch einen Schlag auf die Nase brutal aus ihrem Dämmerzustand gerissen wurde. Der Schlag war so heftig, dass sich zwischen Schlaf und Wachen eine Zwischendimension eröffnete, ähnlich einem Schwindelgefühl. Sara öffnete die Augen und sah den inzwischen erwachten Lulatsch, der sich über sie beugte und triumphierend verkündete, er habe soeben die Fliege erledigt.

Bei aller Geduld und allem Wohlwollen, das sie sonst der Welt entgegenbrachte – manchmal, ganz selten, hatte selbst Sara die Nase voll. Der durchdringende Schmerz, das unsanfte Ende ihres Schlummers, eine Hitzewelle, die sich wie ein Brand über ihr empfindliches Gesicht ausbreitete, der Anblick des kärglichen Zimmers. Sie stand auf und verließ, ohne ein Wort zu sagen, die Wohnung. Vielleicht, so hoffte sie, konnte sie im eigenen Bett noch einmal einschlafen, bevor sie zur Arbeit gehen und den ganzen Tag in einer Auswahlkommission sitzen musste, professionell lächeln und den Kandidaten sinnvolle Fragen stellen.

In ihrem aktuellen Zustand konnte sie sich nicht vorstellen, dass es überhaupt Kandidaten gab, die freiwillig Teil dieses jämmerlichen Haufens sein wollten. Als sie ihre Wohnung betrat, war ihre Nase so geschwollen, dass sie kaum atmen konnte und sich Sorgen um ihr Gesicht zu machen begann, das, wie sie fand, der gelungenste Teil ihres Körpers war.

 

***

Als Marta sich nach dreißig Jahren Ehe entschlossen hatte, Adam zu verlassen, brach für ihn die Welt zusammen. Adam, ein leicht gebeugter Professor der Kulturwissenschaften und Autor zweier sang- und klanglos untergegangener Gedichtbände, ließ sich schnell, leicht und natürlich in die liebevollen Arme einer Depression fallen. Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in einer Klinik, in der er sich wie der Protagonist des „Zauberbergs“ fühlte und bedauerte, nicht wie Hans Castorp sieben Jahre bleiben zu können, kehrte er zurück nach Bitterland, um zu unterrichten.

In der Zwischenzeit hatte Marta den Transport seiner Sachen aus dem gemeinsamen Haus in eine Wohnung organisiert, die sie für ihn in der Nähe der Universität gefunden hatte. Diese neue Einteilung der Gegenstände überraschte ihn, war er doch bis dahin fest überzeugt gewesen, dass alles, was sie besaßen, ihnen gemeinsam gehörte. In seiner Wohnung hielt er sich ungern auf;  obwohl seit Martas Entscheidung mittlerweile fünf Jahre vergangen waren, hatte er es noch immer nicht geschafft, alles auszupacken. Die Wohnung war für ihn ein Ort des Übergangs, wie ein Bahnhof oder eine Bushaltestelle, ein Niemandsland ohne eigenen Ausdruck. In der Küche, die Marta ihm eingerichtet hatte, konnte er sich noch immer nicht zurechtfinden und suchte jedes Mal aufs Neue das Besteck oder andere Utensilien, die er gerade brauchte. Einmal wachte er nach der Rückkehr von einer Konferenz, die er mit einem der seltenen Besuche bei seiner Tochter verbunden hatte, morgens in seiner Wohnung auf und war so desorientiert, dass er einen Moment überlegen musste, wo noch gleich das Badezimmer lag.

Adam konnte nicht kochen und war der Meinung, nun sei es zu spät, es noch zu lernen. Jahrelang hatte er die Reste von den Tellern seiner drei Kinder aufgegessen, und noch immer bestellte er sich in Restaurants nur wenig, eine Vorspeise oder eine Suppe, um dann sehnsüchtig auf die Teller der anderen Gäste zu schielen und anschließend enttäuscht und hungrig nach Hause zurückzukehren. Seine Kinder waren längst keine Kinder mehr, und seine Arbeitskollegen, die einzige Gesellschaft, die er nun beim Essen hatte, schafften problemlos die Portionen, die sie sich bestellten. Adam musste sich jedes Mal zusammenreißen, nicht mit seiner Gabel über den halben Tisch nach einem Steak zu langen. Einem Steak, das auch ohne seine Hilfe verzehrt werden würde. Und was noch schlimmer war: Häufig konnte Adam nicht einmal sagen, worauf er Appetit hatte. Marta hatte immer gewusst, wann die richtige Zeit für einen Kaffee und wann es für Kaffee bereits zu spät war. Auch hatte sie gewusst, welchen Kuchen aus der Konditorei um die Ecke Adam mochte und welchen nicht. Nun war die Konditorei längst nicht mehr um die Ecke, und Marta rief ihn nur an, wenn es etwas über die Kinder zu besprechen gab. Aber die waren inzwischen alle erwachsen, deshalb gab es immer weniger zu besprechen.

Der Donnerstag begann wie jeder andere Tag. Das Sommersemester ging zu Ende, und wäre da nicht das verdammte Auswahlverfahren, hätten alle endlich ihre Ruhe gehabt. Die Universität auf dem Hügel hatte kürzlich Fördergelder erhalten –  Adam konnte sich nicht erinnern, aus welchem Topf diesmal –, doch statt ihnen allen die Gehälter zu erhöhen, hatte man beschlossen, eine neue Stelle zu schaffen. Seitdem Anna Hitzkopf-Durchdiewand (Adam konnte sich ihren Namen partout nicht merken, er wusste nur, dass es ein langer Doppelname war) als Dekanin der Fakultät gewählt worden war, kam es ständig zu solchen Entscheidungen: Nachwuchswissenschaftlern eine Chance zu geben, Ausländer aufzunehmen, am laufenden Band zu Konferenzen zu reisen und weiß der Kuckuck, was noch. Der Gedanke an die jungen Wissenschaftler erfüllte Adam mit Widerwillen, so wie ihn überhaupt zurzeit alles und jeder mit Widerwillen erfüllte. Heute waren fünf Kandidaten auf den Hügel geladen, und Adam beschränkte sich darauf, ihre Bewerbungsfotos durchzuschauen. Die letzte Bewerberin erinnerte ihn an Marta, als sie jung war, was eine Mischung aus schlechtem Gewissen und Bitterkeit bei ihm hervorrief. Irgendetwas daran war absolut inakzeptabel. Doch es wurde spät, er musste sich beeilen.

Seit Jahren trug Adam die gleichen Sachen und machte sich vor, er würde in ihnen immer aussehen wie damals mit dreißig – in seinen besten Jahren, wie er es heute empfand. Er besaß zwanzig Paar schwarze Socken, fünfzehn weiße Unterhemden mit V-Ausschnitt und drei Paar dunkelbraune Schnürschuhe. In seinem Schrank hingen neun hellblaue Hemden mit Haifischkragen sowie drei weiße; zwei graue Anzüge, drei identische dunkelblaue Hosen und zwei beige Sakkos. Er war schon immer ein gut gekleideter Mann gewesen, und dabei sollte es bleiben. Wenn ein Teil seiner Garderobe ersetzt werden musste, holte er sich ein neues Exemplar genau von der gleichen Sorte. Außerdem besaß er zwei identische Lesebrillen, einen leicht abgenutzten Hut sowie zwei schwarze Polohemden. Rasch zog Adam sich eines der beiden hellen Sakkos an, dann verließ er, ohne zu frühstücken, die Wohnung.

 

***

Als Isa nach langer Fahrt in einem kleinen, überfüllten Bus endlich auf dem Hügel ankam, blickte ihr eine Landschaft wie aus einem schlechten Märchen entgegen. Architektur aus den siebziger Jahren, angeblich typisch für die Region: Betonklötze, die Fassaden übertüncht mit Pastellfarben – das Ergebnis eines Auffrischungsversuchs aus den Neunzigern. Die pastellene Hülle pellte ab wie sonnenverbrannte Haut. Es sah aus, als litte der ganze Campus Höllenqualen und riefe um Hilfe.

Überragt wurde der Campus von einem blassrosa Turm, der unvermittelt aus einem der Klötze herauswuchs, in dem sich, wie Isa später erfahren sollte, die Bibliothek befand. In der letzten Etage des Turms –  die als der prestigeträchtigste Ort galt – befand sich die kulturwissenschaftliche Fakultät, der sich Isa nun über schier endlose Stufen näherte. Es kostete sie viel Energie und Selbstdisziplin, ihren Fluchtreflex niederzukämpfen, den der Anblick des Turms sofort ausgelöst hatte. Zusätzlich drängten sich Isa Assoziationen von unartigen Prinzessinnen auf, die, eingesperrt in Schlosstürmen, jahrelang auf die Rettung durch einen Prinzen warten mussten. Keiner, auch nicht der wagemutigste Prinz, würde den Weg in dieses Kaff finden, das war Isa ganz klar. Oben angekommen, ging sie ins Bad, aus dessen Fenster man einen Ausblick über ganz Bitterland hatte. Kleine Hügel, soweit das Auge reichte, ein trauriger Fabrikschornstein und ein Kirchturm, alles umrahmt von verstreuten grauen Einfamilienhäusern. Isa schaute in den Spiegel. Sie trug eine beige Bluse und eine schwarze Hose. Eine schlichte Uhr, kleine Ohrringe und ein Seidentuch – ein Geschenk von einem Mann, für den sie einmal völlig unnötig den Kopf verloren hatte. Das Tuch sollte Glück bringen und war das einzige, was von der unglückseligen Geschichte geblieben war. Sie kämmte sich die Haare, puderte sich die Nase, stellte ihr Handy stumm. Der vornächtliche Student hatte ihr geschrieben. Nicht jetzt. Sie lächelte ihrem Spiegelbild zu und versuchte, sich ein bisschen zu beruhigen. Mit Mühe unterdrückte sie ein hysterisches Lachen, ein Zeichen der Nervosität oder aufsteigenden Panik, das sie an sich schon gut kannte.

Sie verließ das Bad und ging sicheren Schrittes in den Raum Nummer 606. Sie war die Letzte, vor ihr waren bereits vier Leute in die Mangel genommen worden, teilte ihr die Fakultätssekretärin, nicht besonders höflich und ohne den Blick vom Computerbildschirm zu heben, mit. Einen Augenblick später kam ein junger Mann mit Brille aus dem Raum und bat sie herein. Er stellte sich vor, gab ihr die Hand und sagte, er sei der Assistent von Professor Adam Krus, auf den er mit einem Kopfnicken zeigte.

Der Professor erhob sich unwillig von seinem Stuhl und drückte ihr, ohne zu lächeln, ebenfalls die Hand. Er trug ein ausgedientes Leinensakko und einen strohgelben Hut. Wie eine extravagante Version von Pnin sah er aus und war Isa gleich sympathisch. Sie schenkte ihm ein breites Badezimmer-Lächeln.

Die Kommission bestand aus zwei weiteren Mitgliedern: der Dekanin, deren komplizierten Doppelnamen Isa gleich wieder vergessen hatte, die aber dafür Isas Hand so kräftig drückte, dass sie es noch Stunden später spürte, und einer Frau mit einem seltsamen Verband über der Nase, die nur mit Mühe atmen und kaum sprechen konnte. Sie sah sehr unglücklich aus. Isa hatte den Eindruck, dass alle Anwesenden unter einem chronischen Mangel an zwischenmenschlicher Nähe litten und dass sehr viel Zeit vergangen sein musste, seit sie das letzte Mal von irgendjemandem richtig umarmt worden waren.

Sie setzte sich hin, bedankte sich für die Einladung und sagte, sie freue sich sehr, da zu sein.

 

***

Als Isa eine Woche später abends nach Hause kam, fand sie im Schlitz ihrer Wohnungstür einen Brief mit dem Pastelllogo der Universität auf dem Hügel. Ihr wurde heiß. Sie zog ihn der Tür aus ihrem metallenen Rachen, der mit einem vielsagenden Schnalzen reagierte. Mit dem Brief in der Hand ging sie in die Küche, wo sie überlegte, mit welchem Messer sie ihn aufmachen sollte. Schließlich entschied sie sich für ein Messer mit Wacholdergriff und öffnete den weißen Umschlag. Sie setzte sich auf den Boden und überflog den Text. Sehr geehrte Frau, schwierige Entscheidung, naturgemäß, ein Kompromiss, ein anderer Kandidat, leider, viel Glück für die Zukunft, mit freundlichen Grüßen, Ihr Timofey Pnin.

Isa verspürte eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung, die sich gleichmäßig in ihrem Körper ausbreitete. Sie befestigte den Brief mit einem Magnetwort am Kühlschrank, es stammte aus einer Packung von Kühlschrankwörtern zum Thema Liebe, mit denen man Sätze zusammenstellen konnte. Sie ging ins Bad, tuschte ihre Wimpern, öffnete die Haare und kehrte zurück in die Küche. In der Sprache, die sich für sie wie eine zweite Haut anfühlte und gerade jetzt eine fiese Falte unter ihrem linken Auge warf, stand auf dem Magnetstreifen das Wort: Eskapaden. Isa fing an, den Brief noch einmal zu lesen.

 

Aus dem Polnischen von Lisa Palmes

 


Smaragdkäfer

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Ich wollte sein wie du. Und du wolltest ich sein, das verstand ich erst viel später. Wir trugen die gleichen Sachen. Wir aßen das Gleiche. Im Sommer in den Masuren sammelten wir Pfifferlinge, pflückten Blaubeeren und zeigten uns gegenseitig unsere violetten Zungen. Wir umarmten mächtige Kiefern oder lagen nebeneinander im Moos und schauten in den ruhigen Himmel. Vom Fahrradweg im Wald retteten wir verträumte smaragdene Käfer. Wir hatten lange helle Haare und große graue Augen. Morgens im Bad putzten wir gemeinsam unsere Zähne. Einmal waren wir sogar in denselben Jungen verliebt, aber nachdem er bei einer Schulfeier in der Turnhalle alle langsamen Lieder mit Zuzia aus der 5b tanzte, sprachen wir nie wieder über ihn.

Du konntest das polnische R nicht aussprechen, weil deine Mutter deinen Vater und dich aus dem sonnigen und palmigen Kalifornien mitgebracht hatte und dort ist dir das harte, gerollte Rhabarber-R nie begegnet. Wir übten es zusammen: marmury, rolady, peruki. Es half aber nicht wirklich.

Tagsüber nahmen wir oft ein gelbes Kajak und überquerten den See. Auf der anderen Seite breiteten wir eine Decke aus und schmiedeten Pläne für die Zukunft. Du wolltest Schauspielerin werden und am Broadway spielen. Ich hielt das für einen sehr guten Plan. Wir könnten zusammen hinfahren. Dort würde sich niemand für das polnische R interessieren.

In den Schulpausen flochten wir uns gegenseitig Zöpfe und arbeiteten am Wörterbuch unserer Geheimsprache, die wir uns für den Fall der Fälle ausgedacht hatten, vor allem aber, falls jemand unsere Gespräche belauschen würde. Nach der Schule spielten wir Gummitwist im Hof. Wir änderten permanent die Regeln. Wahrscheinlich wollte deswegen niemand mit uns spielen. Also hüpften wir immer nur zu zweit.

Die Samstage verbrachten wir bei dir oder bei mir. Abends guckten wir „Anne auf Green Gables“ oder „Pan Kleks“ und schliefen auf einer harten Matratze nebeneinander ein. Nachts fischten wir leise Zuckerwürfel aus dem alten Eichenschrank und lutschten sie heimlich. Bei dir gab es zum Frühstück immer Speck oder Eierkuchen, die uns dein amerikanischer Vater direkt aus der Pfanne auftischte. Manchmal aßen wir auch Brot mit einer dunklen klebrigen Masse, die nach Zukunft schmeckte: spannend, salzig, leicht beängstigend. Sonntags fielen wir in überfüllten Kirchen synchron in Ohnmacht, meistens direkt vor der Kommunion oder ganz am Ende, während der Eheankündigungen.

An deinem dreizehnten Geburtstag lackierten wir unsere Fingernägel orange und liefen in der Altstadt rund um den Markt, dann aßen wir Obwarzanki und schauten von weit oben auf die Weichsel. An meinem dreizehnten Geburtstag waren wir Schlittschuhlaufen auf einer Eisbahn im Süden der Stadt, danach aßen wir Pommes, ungesalzen. Am nächsten Tag kamst du nicht zur Schule. Man sagte uns, deine Eltern hätten sich entschlossen, Polen zu verlassen und dich mitzunehmen, natürlich. Ich blieb zurück mit deiner Federtasche und einer roten Bonbonbüchse in Form einer englischen Telefonzelle.

Eine Zeit lang tat ich so, als wärst du einfach krank. Ich versuchte dich anzurufen, aber in eurer Wohnung wohnte jemand anderes, der das ständige Klingeln vermutlich nervig fand und schließlich seine Nummer änderte. Du verschwandst spurlos, hast mich nie angerufen, mir nie geschrieben. An die Adresse deiner Oma schickte ich dir Briefe, die dich nie erreichten. Ich hörte auf, Zöpfe zu tragen und nach der Schule im Hof zu spielen. Im Sommer kuschelte ich mich an die mächtigen Kiefern.

 

***

Nach siebzehn Jahren treffen wir uns in New York. An einem kleinen runden Tisch in einem marokkanischen Restaurant in Williamsburg. Vier große graue Augen, vier kleine Brüste. Acht elegante Falten unter den Augen bei jedem Lächeln. Vier weiche Kontaktlinsen, eine unterbrochene Schwangerschaft, einige Seitensprünge, eine Affäre mit einem verheirateten Mann. Das launische amerikanische R zwischen polnischen Rhabarberblättern. Lange helle Haare, keine BHs, keine Ehen, keine Scheidungen, keine Kinder. Einige unglückliche Redewendungen. Renommierte Hochschulen. Weite Reisen. Acht Sprachen, sieben Städte, achtundzwanzig Wohnungen, inklusive ein Loft und zwei Souterrains. Vier Staatsbürgerschaften, fünfzehn Bankkonten und ein Doktortitel.

Wir bestellen das Gleiche, essen Humus und Salat mit Avocado, dann laufen wir zum East River und setzen uns auf einen Betonsteg. Unsere Füße pendeln über dem Wasser, über der einsamen Zeit im Internat in Südengland, den dünnen langen Zigaretten deiner Mutter. Unter uns spiegelt sich unser verlorenes masurisches Highlife: die Freizeitanlage eines Wurstunternehmens und wir in einem Reitercamp im heißen Sommer. Ace of Base. Alpen-Gold-Schokolade mit Erdbeerfüllung. Du kneifst die Augen zusammen und erinnerst mich plötzlich an deine Mutter, zierlich und elegant.

Wir summen leise weiter. Eine kleine rote Katze, die wir am See Śniardwy gefunden haben und nicht behalten durften. Ein Studium an der Harvard University. Eine Maus in deiner Wohnung an der Upper East Side, die du Klementyna getauft hast. Rote Lippen, schwarze Stöckelschuhe. Ein blonder Australier, der dein Herz gebrochen hat. Ein Leberfleck auf deiner linken Wange, an den ich mich nicht erinnere.

Am Abend kaufen wir eine Flasche Sauvignon Blanc und fahren zu mir. In der überfüllten U-Bahn lehnen wir uns aneinander und ganz kurz habe ich das Gefühl, als seien wir wieder in der Kirche bei den Dominikanern in Warschau und sehr bald, vielleicht auch gleich hier, können wir ganz ruhig ohnmächtig werden. Du scheinst meine Gedanken zu erraten, denn plötzlich sagst du mit der Stimme unserer Katechetin: Um Gottes Willen, Kind!

Meine Wohnung riecht nach einem fremden, geordneten Leben mit vielen Regeln. In der Badewanne sitzt eine gut genährte Kakerlake, die, warum auch immer, die Bewegungen ihrer langen, dünnen Fühler nicht koordinieren kann. Ich schaue sie mir mit Entsetzen an, springe aus dem Bad und du, du hältst meine Hand fest und flüsterst weich in mein Ohr, das sei doch nur ein großer Käfer, und Käfer mochten wir schon immer gern.

 

Aus dem Polnischen von Karolina Golimowska


The Science Page

On knowledge they have seldom got it wrong,

the Chinese. Confucius: It is a joy

to learn, though not in government employ.

Put in some study daily: Mao Zedong.

 

So every morning now, before I clear

our denuded bowls off into the sink

I speed my brain’s development, and think

with Red Guard zeal, or how disciples hear:

 

Peruvian glaciers now in jeopardy.

British sex worst, new research indicates.

Nosepicking genetic. News from the States:

Nutritionists Advise Drink Less Black Tea.

 

Each morning’s story is a harvest, curse

or Gilgamesh, notched on a slab of clay

or inked on tomb walls. How’s this? World Created

in a Week. Or else: Sun Revolves round Earth.

 

Then it’s back to my daily paradigm

of dish and dash, forgetting global danger,

living without the breaking news from Nature:

no God or physics has the time for time.

 

From: Alistair Noon: Out of the Cave. Calder Wood Press, 2011.

 

 

 


… & WHAT HAPPENED THEN

Almost exactly one year ago, on October 28th 2016, after many years of preparation, our city-wide STADTSPRACHEN – Festival der internationalen Literaturen Berlins began in Pfefferberg with a remarkable speech held by Ingeborg Bachmann Prize winner Sharon Dodua Otoo as well as contributions from (among others) the Serbian-speaking author Bora Ćosić and the Hungarian poet Kinga Tóth. For the first time we explicitly drew Berlin’s writers, who don’t compose their texts in German, into the focus of the cultural public and with actions, performances, workshops and presentations in more than 30 different languages over ten days render the multilingual, contemporary literature of the city visible and audible. In a hitherto unparalleled cooperation, the most diverse actors of Berlins literary scene were active with us among others: alba. Lateinamerika lesen e.V.auslandkook e.V.La mer geléeLatinaleLettrétagemikrotextSAND und The Reader Berlin. With more than 100 Berliner authors, translators und cultural creators spanning 42 different languages, we celebrated ten days together, in the most diverse of ways, the multilingualism of Berlins contemporary literature.

Today, a year later, we can only be pleased with the grand success of this festival and its persistent effects: All of the big literary houses and several festivals of the city (and occasionally beyond) were made aware of the STADTSPRACHEN-authors and meanwhile present them frequently in their programs. Translations, book projects and invitations to projects and readings were the lasting consequences of our project for many participants. A diverse network formed and steadily grows, which links Berlins literary scene in a new way through mutual regard, solidarity and cooperation. The attention brought to the contemporary, multilingual literature of Berlin has exceeded all expectations. With support of the Berliner Senat, the city-wide reading series PARATAXE – die internationalen Literaturszenen Berlins has arisen from the one-time festival, with which we still present the new non-German writers of Berlin at alternating locations and with an ever-expanding circle of partners. With our project as paragon, a thematically similar project was held at the London Book fair and at LCB our symposium for the Latin-American literatures of Berlin turned into an enthusiastic “alumni reunion” of authors and experts. In June Basel hosted our Afroberlin “division” as idea export; with our partners from the Osteuropatagen we travelled last weekend to Stettin und at the beginning of November there will be a complete PARATAXE-reading at the Pisa Book fair before we head into the end of November with the symposium for east European literature in Berlin at LCB. Newly translated non-German authors found an eager audience at LettrétageEnglish Theatre BerlinPanda TheaterMaschinenhausausland and Brotfabrik, and numerous installments are in the works. In fall the Berliner Senat, not unimpressed by the developments, announced for the first time writers grants exclusively for non-German Authors of Berlin.

Since January 2017 our stadtsprachen magazine, realized unfortunately without a budget so far, ensures that all our discoveries, contacts and literary treasures aren’t lost, rather made permanently accessible to the public. Our editors Joey Bahlsen and Birger Hoyer dedicatetly take care of the multilingual biographies for all participating Authors, translators, moderators, and experts whose circles happily grow weekly – Berlin’s literary scenes are an inexhaustible fountain of creativity – they take care of professional translations and the publication of literary contributions in all thinkable languages. This innovative Online magazine of Berlins contemporary literature contains information and links to 121 Authors, 40 translators as well as 127 literary essays, stories and poem cycles in 15 different languages (as of issue #3). The stadtsprachen magazine has at present an average 5000 monthly readers.

All of this is cause for great joy, therefore, at this point, I’d like to thank the many passionately contributing participants and partners from the depths of my heart – and wish for us all that these positive developments persist and may bring us to new lands and possibilities.

Martin Jankowski

Blog

China

Sorry, this entry is only available in German and English.

Keine Ahnung, was in mich gefahren ist. Ich hatte aber auch so n Hunger. Das wirds gewesen sein. Sonst nicht, hätte ich so was nie gemacht. Nie. Hat mir schon leidgetan. Aber mit so nem Hunger. Seit sieben Tagen, glaub ich, ohne Essen. Vielleicht sogar mehr, keine Ahnung. Oder weniger. Ich erinner mich nicht mehr so genau. Ist traurig, ich weiß. Aber weißt du, in manchen Ländern auf der Welt ist das normal. In China zum Beispiel. Den Leuten ist es scheißegal. Das ist von denen die Kultur. Ich weiß das, weil ichs in der Zeitung gelesen hab. Ja, ich lese oft Zeitung. Es kommt drauf an, wie mans sieht, oder? Ob die andern Leute das normal finden und das auch machen. Was vorher ne Sünde war, ist dann was Gutes. In China, hab ich gelesen. Und in Vietnam. In ein paar Ländern in Afrika. Im Krieg war das normal. Wenn man darüber nachdenkt, hängts bloß von der Situation ab, oder? Wie, wenn man jemand angreift. Oder tötet. Wenns Selbstverteidigung ist, darf man das.

 

Dieser gequälte Blick. Hat mir schon leidgetan. Aber dieses Loch in meinem Magen, seit über zwei Wochen, oder anderthalb. Keine Ahnung, weiß nicht mehr so genau. Wie ich auf die Idee gekommen bin? Weiß ich auch nicht. Hat mich immer so angeguckt. Wie so ein Opfer. Das hat mich so genervt. Hat die ganze Zeit auf meine gezuckerte Dosennmilch geglotzt. Ich glaub, da bin ich auf die Idee gekommen. Für manche Leute ist das ne richtige Delikatesse. Nicht die Dosenmilch, mein ich.

 

Ich misch die Dosenmilch mit Zucker. Richtig viel Zucker. Das gibt ne Nahrhaftigkeit. Und n Schnaps dazu, klar.

 

Ne echte Delikatesse. Ich habs aus der Zeitung ausgeschnitten. Kann ich dir zeigen. Da stand, dass es in China ein Fest gibt, mit so nem komischen Namen, so n Festival. Was ich gemacht hab, machen die Leute da einfach in der Öffentlichkeit. Und da kommt keiner in n Knast, so wie ich. Und da machen die das nicht wegen dem Hunger, sondern wegen dem Fest.

 

Der wollte meine Dosenmilch. Hatte bestimmt auch Hunger. Obwohl, da auf der Straße gabs auch immer was. Wollte den Rest von der Dosenmilch, obwohl ich selber fast nichts mehr hatte. Da hab ich so ne Wut im Bauch bekommen. Die Wut, die ich brauchte, um zu tun, was ich getan hab. Über ein Jahr waren wir schon zusammen.

 

Eine Delikatesse, das ich wusste nicht mal, was das ist. Dann hat mir jemand gesagt, das ist was ganz Besonderes und Tolles zum Essen. Irgendwie so was Feines. Was weiß ich.

 

Die machen ein richtiges Festessen mit Kürbis, gedämpft, Schmorgurken und Reis, da in China. Und in der Mitte vom Tisch, dazwischen, das Hauptgericht. Das hängt da so rum, dass es jeder sehen kann. Und keinen störts.

Toll oder besonders hört sich das nicht grad an. Von wegen Delikatesse!

 

Hatten Sie schon mal Hunger? Ich mein, so richtig Hunger, mehrere Tag ohne zu essen?

 

Wir waren im Wohnzimmer. Nein! Wir waren hinterm Haus, im Garten. Ich bin in die Küche und hab die Schüssel mit der geschlagenen Dosenmilch geholt. Er hat erst zu mir geguckt und dann zur Schüssel, mit so einer hässlichen Grimasse, mit gefletschten Zähnen. Aber vielleicht waren wir doch im Wohnzimmer, vor dem Fernseher.

Dann hat er die Schüssel genommen. Nein, doch nicht. Hat den Zucker umgekippt. Den Zucker, und das war der letzte, den ich noch hatte.

 

Die Haut trocknet aus. So, wie wenn man zu viel Sonne abbekommt.  Fängt an aufzureißen, so wie die Erde da wo ich herkomm.

 

Hat immer Sachen umgekippt. Gleich am ersten Tag hier, da hat er auch den Zucker umgekippt. Lange her. Da gabs Schläge. Ja, ich hab zugeschlagen. Hat mir die ganze Zeit in die Augen geguckt dabei. Ich war besoffen. War so wütend. Ich glaub, er fands gut mit den Schlägen, weil danach hat er immer mehr Sachen runtergeschmissen.

Manchmal gabs jahrelang keinen Regen. Ich hatte immer Hunger. Meine Haut war so trocken wie die Erde.

 

Und wenn man mich so anglotzt, mit so nem Opfergesicht, da werde ich wütend. Einmal hab ich ihn so zugerichtet, dass er n paar Tage nicht laufen konnte. Ist aber  nicht abgehauen. Komisch, oder? Hat bestimmt gerne Schläge gekriegt. Das gibts. Wenn ich trinke, verlier ich meinen Kopf. Sonst nicht. Nüchtern war immer alles schön zwischen uns. Ich hab mich gefreut, als er bei mir aufgetaucht ist. Ich bin doch eine einsame Frau.

 

Damals in der Schule hab ich kaum was gelernt, wegen dem Hunger. Also fast nichts, nur ein bisschen lesen, und den Namen schreiben. Mit Hunger lernt man nichts. Mit Hunger denkt man nicht.

 

Meine Mutter ihre Haut war wie die Erde, aufgerissen. Und hat nach Nagellackentferner gestunken. Ach ja, der Mund. Wenn man zu lange nichts gegessen hat, stinken die Haut und der Mund nach Nagellackentferner.

 

Er ist gestern Abend hier aufgetaucht. Ich hatte ihn vorher noch nie gesehen. Nein, er hat nicht hier gelebt, ich hab das verwechselt. Das war gestern. Oder vorgestern, weiß nicht mehr. Ich hatte Hunger, und den ganzen Tag gesoffen, ich hab nicht lange nachgedacht.

 

Die Bullen hat der Nachbar gerufen. Das Arschloch! Der hat das Gejaule gehört, als ich zugeschlagen hab. Als der Polizist reinkam, war ich schon am Zerlegen. Am Zerstückeln.

 

Meine Mutter war ne hübsche Frau. Hat aber überall Risse bekommen und angefangen, nach Nagellackentferner zu stinken. Und eines schönen Tages ist sie zerbröckelt. Der Körper frisst sich von innen auf. Wenn ein Mensch nichts mehr isst, dauerts nicht mal vier Wochen und er stirbt.

 

Die machen da lauter Braten und ein Bankett mit Gewürzen, Ingwer, Knoblauch, getrockneten Orangenschalen, Lorbeerblättern und Fenchel. Stand in der Zeitung, ich habs gelesen. Auf der ganzen Welt berühmt, dieses Fest.

 

Meine Mutter hat das früher auch mal so wie ich gemacht. Aber da, wo ich aufgewachsen bin, ist das normal. Das stört da keinen. Meine Mutter schon, die hat dabei geweint. Ich weiß noch, wie sies zerlegt hat. Und wie es gejault hat, das war genauso.

In China fängts jetzt langsam an, die Leute zu stören, die protestieren dagegen. Mit vollem Bauch ist das auch einfach.

Der Nachbar hier auch. Der meinte so, mit seinem vollen Bauch, dass er traurig war und geschockt. Dass er Mitleid hatte! Und mit mir? Da hat keiner Mitleid.

 

Ich hab gehört, wie meine Mutter geweint hat, und dazu das Klirren von dem Buschmesser und dem Gejaule. An dem Tag, das vergess ich nie, hab ich In-den-Himmel-gucken-und-Wolken-vorstellen gespielt. Und dann hab ichs gehört, das vergess ich nie. Wolken gibts dort nur vorgestellt. Es regnet ja nie. Sie ist früh aufgestanden und losgelaufen, Bin gleich wieder zurück, geh nicht weg, hat sie gesagt. Und ist gelaufen und gelaufen, über die Wiese, die gar keine mehr war, da war nur noch rissiger Boden und Erde. Wir sind immer ganz vorsichtig darüber gelaufen, damit wir nicht in die Ritzen treten und hinfallen. Sie ist weit gelaufen, und er hinterher, beide ganz langsam. Als ich noch mal geguckt hab, warens nur noch zwei Pünktchen und dann waren sie ganz weg. Dann war alles still. Und ich beim Wolkenvorstellen. Da hab ichs gehört. Die Leute hier sagen, dass ich emotionale Probleme hab. Glaub ich nicht, ich hab keine Probleme, und auch keine Emotionen. Ich hab Hunger.

 

Wir wollten grad ins Bett, jeder in seine Ecke. Ich hab den Fernseher ausgemacht. Da hat er mich so schief angeguckt und gejault. Einfach so aus dem Nichts. Und hat gar nicht mehr aufgehört. Keine Ahnung, was in mich gefahren ist. Ich war so wütend, und dann das Loch im Magen. So was hab ich noch nie gemacht vorher. Leidgetan hats mir schon, irgendwie.

 

Aus dem Portugiesischen von Carla Bessa in Zusammenarbeit mit Aron Zynga

 


Änderungsschneiderei Los Milagros

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Kapitel I

Bevor Tante Milagros ein Wort des Abschieds herausbringen kann, hängt sich Mariana den Träger der Stofftasche über die linke Schulter und verläßt die Änderungsschneiderei, indem sie die letzten beiden Treppenstufen auf einmal nimmt.

Auf der Straße ist sie wie ausgewechselt. Von einem dunkelbestimmbaren Gefühl der Zuversicht beflügelt, tippt sie auf tausendeinhundertfünfzig. Auf der Gascón Ecke Potosí setzt sie ein, zwei, drei, vier, fünf, an dem Kiosk vorbei, sechs, sieben, sie gibt acht auf das Zählen ihrer Schritte und auf die Zeit, die sie dabei verfliegen läßt. Mariana-Zeitverwalterin macht größere Schritte als gestern und vorgestern, ihre Beine werden länger und länger, während sie die Minuten verkürzt, die sie braucht, um bei Schritt tausendeinhundertfünfzig das Haus in der Castro Barros zwischen Avenida Rivadavia und Don Bosco zu erreichen.

Vor dem Kloster Santa Teresa de Jesús knöpft sie das selbstgenähte himmelblaue Jäckchen zu, sie richtet den Blick auf das Kopfsteinpflaster, auf die vielen asymmetrischen, braunen Steine, und muß der Versuchung widerstehen, sie durchzuzählen. In Sorge, daß sich das Zählen der Schritte in das Zählen von Steinen verwandelt, schaut sie auf ihre weißen Sandalen. Auf die Sekunde genau ertönt die Glocke auf dem Turm mit der Hausnummer 449, ein schneller Knicks, dann setzt Mariana zum Kreuzzeichen an. Ihr gelingt ein perfekt getimtes Wechselspiel zwischen der rechten Hand und den voranschreitenden Füßen, im Namen des Vaters, dreißig, und des Sohnes, einunddreißig, und des Heiligen Geistes, zweiunddreißig, bei Amen und dreiunddreißig führt sie den Daumen zum Mund, der sich zu einem Kuß formt. Noch vor dem nächsten Schritt gedenkt sie des schmerzhaften Todes Jesu am Kreuz, der Nägel an den durchbohrten Hand- und Fußgelenken, der unzähligen Splitter um seinen Märtyrerkopf, in ihrem Kopf ziehen Gebetsverse wie Schriftzüge einer Lichtreklame vorüber: Gekreuzigt, gestorben und begraben / Hinabgestiegen in das Reich des Todes / Unterwegs in einer Großstadt wie Buenos Aires, da sollte man wachsam sein, wegen der vielen Taschendiebe, wegen des Hundekots, dem man ständig auszuweichen hat, wegen der blöden Kaugummis, man könnte ja kleben bleiben, Vorsicht ist angesagt, es gibt Widerlinge, die einem an die Wäsche wollen, oder man selber könnte versehentlich einer älteren Dame auf den Fuß oder den Mantel treten, man könnte an einen Passanten stoßen, der ebenfalls verträumt dahinschlendert, man könnte ausrutschen oder stolpern, über eine Baumwurzel, über einen der eisernen Gullydeckel, auch die sind gefährlich.

Als Mariana noch klein war, lief sie an der Hand der Mutter. Carmen holte jeden Tag nach Arbeitsschluß ihre Tochter vom Kindergarten ab. An der Bushaltestelle des 160er angekommen, suchte sie in ihrer klimpernden Handtasche nach dem kleinen braunen Lederportemonnaie und dann in dem kleinen braunen Lederportemonnaie nach dem passenden Kleingeld für zwei Fahrkarten zu je siebzig Cent. Währenddessen war Mariana mit dem Töten von Nacktschnecken beschäftigt. Eine Unzahl schwarzer ekelerregender Nacktschnecken, auf einem halben Meter Durchmesser eine schwer zu bewältigende Plage, so sah das zumindest aus, und deswegen gab Marianas rechter Kinderfuß keine Ruhe, bewegte sich pausenlos, mechanisch, aber zielstrebig auf und ab, bis sie eine erste, sanfte Mahnung aus dem Mund der Mutter erreichte: »Da kommt er, Mariana, zum Glück! Gleich steigen wir ein!« Mariana ärgerte die Ankündigung, sie wurde nervös, und die Systematik ihrer Arbeit, die noch nicht ganz erledigt war, während dieser 160er bereits auf sie zuraste, geriet durcheinander. Es waren keine richtigen Nacktschnecken damals, die Mariana, besorgt um ihren und der Welt Seelenfrieden, mit Fleiß beseitigte. Der Gehweg war an etlichen Kreuzungen nach einem undurchdringlichen Plan durchlöchert worden, darunter tat sich eine schrecklich stinkende Unterwelt auf, deren Eingänge – wenngleich augenfällig – restlos überdeckt waren. Auf jedem einzelnen der tonnenschweren, in das Pflaster eingelassenen Gullydeckel wölbten sich als eine Art selbstgefällige Zierde kleine schwarze Hügel in der exakten Form und Länge von Nacktschnecken. In den Augen jener Vierjährigen waren es wirklich Nacktschnecken, Nacktschnecken genauso wie die, die sie sonntags auf der Plaza Almagro auf ihrer roten Lieblingsrutsche kriechen sah, eine klebrige Spur ihrer Irrwege hinter sich herziehend, die Mariana, sich aufopfernd und leicht angeekelt, auf ihrem Flitzweg nach unten auf einmal wegwischte. Nun aber ging es wieder steil nach oben. Die Mutter, nachdem sie in den Bus eingestiegen war, die Fahrkarten gekauft und erfolglos nach ihr gerufen hatte, stieg die Stufen hinunter, packte die Kinderhand und zog derart fest, daß Mariana beinahe das Gleichgewicht verlor. Eine Kraft wie beim Papierdrachensteigen, bis Mariana-Nacktschneckenjägerin auf dem ersten freien Sitzplatz des 160er landete, sich immer wieder ihre Niederlage vor Augen führend, das Nichtloslassenkönnen trotz der Mutterrufe, die messerscharf aus dem Bus zu ihr runtergezischt wurden, Marianas endloses Ankämpfen gegen die bösen, wabbligen Schnecken, vor allem gegen ihr unverschämtes Zurschaustellen klebriger Nacktheit. Das Kind hätte am liebsten auf seinem Fleck verharrt, auf dem Bürgersteig den Krieg zu Ende gekämpft, denn jedes Mal blieben verhängnisvollerweise welche übrig. Es waren elf oder zwölf Nacktschnecken, die ihr fehlten. Sie konnte sie damals nicht zählen. Elf oder zwölf, die ungezählt am Leben blieben.

Heutzutage weicht Mariana schwarz und grau bei ihrer Garderobe konsequent aus, denn schwarz oder grau, das ist gleich nacktschneckenschwarzgrau. Am Nachmittag hat sie den schönen apfelgrünen Rock einer Kundin auf die passende Länge gebracht, wofür sich die etwas längeren Buntkopfstecknadeln vom Großhandel El Progreso als sehr nützlich erwiesen haben. Wäre es ausschließlich nach ihrer Vorstellung gegangen, hätte Mariana für sich nur die mit weißen Köpfen aus dem kunterbunten Haufen gepickt. Weiß auf apfelgrün, das harmoniert. Elvira hat an dem roten Blouson weiterarbeiten wollen und ihn zunächst mit einer gelben festgesteckt, dann mit blau, dann mit orange. Um nach dieser letzten, orangefarbenen Stecknadel zu greifen, hat sie sich über den hölzernen Arbeitstisch beugen müssen, so daß eine Welle ihres süßlichen Parfums im Nu die Luft verpestet hat. Mariana ist nicht umhingekommen, die Nase zu rümpfen. Um sich wieder zu sammeln, hat sie ihren Blick und ihre Gedanken in die Frische des Apfelgrüns getaucht und weiß, weiß, weiß, weiß, weiß gedacht.

Elvira hat sie mißtrauisch angestarrt. Erschreckend, wie ihr Gesicht von Tag zu Tag mehr einer getrockneten Weintraube ähnelt! Nach gelb, blau und orange und als hätte sie auf Anhieb Marianas geheime Gedanken gelesen, hat sie sich mit großer schnippischer Geste eine weiße Stecknadel ausgesucht. Ja, das hat sie getan, ihre Parfummauer höher errichtet und sich so gleichzeitig geschützt. Danach hat sie schon wieder nach einer weißen gegriffen, zwei Minuten später, schon wieder weiß, und dann nur noch im Sekundentempo, weiß, weiß, weiß, weiß, weiß, weiß …

»Liebe Elvira, wie du sicherlich gemerkt hast, brauchen wir alle von den neuen Stecknadeln. Würdest du bitte schön die Güte haben, uns einige übrigzulassen?« ist Mariana herausgeplatzt.

Milagros hat die gereizte Stimmung erkannt und ostentativ die Stirn in Falten gelegt. Unvermittelt ist sie vom Stuhl aufgesprungen und hat ein Mal kräftig über dem Kopf in die Hände geklatscht. Ihre Handteller begutachtend – auf der einen Seite eine entstellte Leiche, auf der anderen hellgraue staubfeine Spuren derselben –, hat die Besitzerin der Änderungsschneiderei ausgerufen: »Ich habe getötet! … Könnte eine von euch ein Spray gegen Kleidermotten besorgen? Diese Viecher sind eine echte Plage und vertilgen mir sonst die kostbaren Stoffe!«

Elvira, die Unschuld in Person, hat ein Gesicht gemacht, als verstünde sie nichts, um schon wieder weiß zu nehmen. Nach diesem Eklat hat Mariana kein einziges Wort mehr mit ihr gewechselt, zweieinhalb Stunden lang bis zum Feierabend, doch jetzt, neunhundertachtundneunzig, neunhundertneunundneunzig, tausend, tausendeins, beim Zählen, ist es wie weggeblasen, in Luft aufgelöst dieses nichtige Elvira-Nachmittagsärgernis von jenem anderen dunkelbestimmbaren Gefühl der Zuversicht, das Marianas Gang so beflügelt.

 


Auf Deutsch und Polnisch / Po polsku i po niemiecku

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Obudziłam się dziś z walącym sercem
We śnie płakałam tak jak już w życiu dawno nie płakałam
Serce mi waliło, gdy próbowałam
Gdy próbowałam
Gdy próbowałam
Serce mi waliło
Było ciemno i myślałam, że jest trzecia w nocy
Myślałam że jest trzecia w nocy
Godzina duchów
Które całe lato mnie budziły o trzeciej w nocy
I bałam się spać
Ale lato się skończyło i przestałam się budzić
Przerażona i z walącym sercem o trzeciej w nocy
Wyrzuciłam za okno diabełka z czarnego pluszu

Ale była szósta rano. Wczoraj byłaby nawet siódma. Es war sechs Uhr heute früh. Gestern wäre es gar 7 Uhr. Halloween. Ich wachte auf, weil ich in Traum schrecklich geweint habe.

Diabełek z czarnego pluszu. Jestem archeolożką i zbieraczką rzeczy. Znajduję je i zabieram do domu. Znalazłam go na ulicy na początku lata, była to zwykła zabawka. Było to lato małych krwawych zdarzeń, wpadałam na okna i rozbijałam sobie głowę, wchodziłam na zwykłą codzienną podłogę i wbijałam sobie szkło w stopę, ścierałam ręką okruchy ze stołu i z palców lała się krew, pierwszego dnia krótkich letnich wakacji krew lała się już ze mnie. Ciągle chodziłam do lekarzy i próbowałam zatamować tę krew, ale gdy zaleczyłam głowę, stopę i pace, to krwawiłam cała.

A w nocy budziły mnie koszmary, moje własne horrorclowny. Trzęsłam się ze strachu. Zapalałam światło. I nadal trzęsłam się ze strachu, mimo że wiedziałam dokładnie, co jest tu a co tam. Strachy to był sen, a teraz już nie śpię. Wiedziałam, że nic mi nie grozi, że horrorclowny ze snów nie wyjdą do pokoju, który jest jasny, ciepły i bezpieczny. I nie czają się za oknami. Wtedy zresztą nie wiedziałam jeszcze, że naprawdę chodzą po ulicach.

Wtedy jeszcze nie wiedziałam, wtedy myślałam naprawdę, a przecież, uwierzcie mi, jestem racjonalistycznie myślącą konkretną kobietą, żyjącą w drugiej dekadzie XXI wieku w Berlinie czyli stolicy świata, a przecież naprawdę myślałam, że ktoś rzucił na mnie urok.

Którejś nocy, była to już siódma a może nawet ósma noc, kiedy koszmary budziły mnie o trzeciej w nocy, weszłam do łazienki, a tam na wannie siedział znaleziony na ulicy diabełek, małe czarne, pocieszne stworzonko z czerwonymi rogami, wyprodukowane w Chinach dla uciechy gawiedzi, wcale nie ku większej chwale Szatana, lecz zwykłej mamony.

Tak, jest tak jak nasz Gospodarz, Martin Jankowski, to sobie wymyślił na tytuł dzisiejszego spotkania. Berlin liegt im Osten, Berlin liegt im Osten im Mittelalter oder vielleicht reicht es zu vermuten, es seien die Fünfziger des vergangenen Jahrhundert in einem Ostpolnischen Dorf und ich… Nein, ich habe bis vor Kurzem immer gedacht, wenn ja, dann wäre ich eine Hexe, eine, egal welche, die über Macht verfügt, eine Schamanin vielleicht, erst jetzt, heute früh als ich es schreibe und mein Herz pocht wie ein verrückter Vogel, erst jetzt weiß ich, dass nein, ich bin keine Hexe, ich bin ein wehrloses Opfer der schwarzen Clowns, weil ich eine Frau bin… So hatte es mir heute geträumt, so deutlich. Und es war Polen, eindeutlich.

Jetzt am Rande kann ich es mir eine weit ausholende Anmerkung erlauben. Dies, was ich heute früh, sehr schnell und unordentlich in meinem Computer geschrieben habe, so schnell und unordentlich, dass ich sogar wagen kann zu meinen, es seien Kritzeleien, kein Aufschreiben, obwohl die Buchstaben und Zeilen ordentlich aussehen, also dass das das Buchprojekt gewesen wäre. Ein gutes Buchprojekt, oder gar zwei. Vielleicht zusammen gepackt. Ein über Polen und ein über mich. Ein über Situation der Frauen in Polen, ein über eine ältere, nein über eine alte Frau, deren Blutabenteuer in diesem Sommer ein Symbol der Frausein waren. Nicht so jedoch wie bei Thomas Mann, wo die Frau, unwillend vielleicht aber eindeutlich, den jüngeren Mann betrügt und ihm durch Wiederkehr ihrer Tage verspricht, ihm eine gebärende Lebensbegleiterin zu sein. Nein, mir ist klar, dass ich alt bin und nichts zu erwarten habe. Meine Blutgeschichten hatten lediglich einen symbolischen Rang. Genauso wie es im Laufe der wahren Geschichte die Männer taten, die die Frauen um ihr Blutvergießen beneidet haben. Bis aufs Tod und Schlag und Zeptrio. Blutige Opfer und Kult des Todes auf der Schlachtfeld. Jesus Christus auf dem Kreuz.

Daraus hätte jede gute Schriftstellerin mit ein Bisschen Ausdauer in der alltäglichen Schweißarbeit ein Roman von drei Hundert, sechs Hundert, Tausend Seiten gemacht. Real, historisch oder Fantasy. Über Symbolik des Blutes, über rote Teppiche und Schuhe mit roten Absätzen, über rote Frauenmacht gegen schwarze Männermacht, die man in Polen jetzt umdrehte und die protestierenden Frauen sich schwarz ankleiden und konservative Männer mit ihrer Schleppe – weiß.

Nur ich nicht. Ich nicht. Meine Bücher sind winzigklein, meine Geschichtchen sind winzigklein, und wenn sie denken, dass sie ein Roman seien könnten, mache ich – ja ICH – ihnen einen Strich durch die Rechnung, hindere sie im Anwachsen und Aufblühen, lasse sie im Computer verkümmern.

Ein einziges Gutes dabei sei, es ist ein interessanter Computer, voller ungeahnt wichtiger und schöner Geschichten, die in seinen unmöglichen Ecken und Windungen stecken und sich verstecken. Ein Computer der nicht enden wollenden Romane… Alles Gute, meine Nachlassverwalter, wenn sie nicht die Courage haben, es alles bei BSR wegzuwerfen, werden sie sich damit Jahrzähnte quälen…

… a więc, weszłam do łazienki, zobaczyłam tego strasznego diabła siedzącego na brzegu wanny, sama go tam postawiłam, złapałam go, uchyliłam okno i wyrzuciłam w ciemną noc na podwórko cztery piętra niżej.

Tak jest, przyznaję się do winy, tego krwawego lata, kiedy krwawiło mi całe ciało, takimi śmiesznymi małymi krwawieniami, a duchy budziły mnie noc w noc o trzeciej rano, położyłam temu kres jak ciemna zabobonna baba z zapadłej ruskiej wsi w XIX wieku – wyrzuciłam za okno symbol Zła i poszłam spać. W tydzień potem krew lała się już całą noc, lekarze straszyli rakiem, a prasa zaczęła donosić o Horrorklownach.

A ja wciąż nie wiedziałam, że to wszystko moja wina, moja wina taka większa wina niż w zwykłej greckiej tragedii antycznej, gdzie jesteś po prostu winny, bo się urodziłeś, i obejmujesz tą winą i siebie i swoich najbliższych, ojca, matkę, przybranych rodziców, jesteś Edypem i przez fakt, że jesteś, powodujesz śmierć jakiegoś starucha, który okazuje się twoim ojcem. Zwykłe kozie historie.

Ale to za proste. W tej WIELKIEJ powieści, którą bym napisała, gdybym nie musiała dzisiaj na zebranie, a jutro smażyć konfitur, w tej powieści JA byłabym odpowiedzialna za całą rozpacz XXI wieku, który jeszcze kilkanaście lat temu myślał, że Historii nie ma, nie ma wojen, mordów, terroru, niewolnictwa, łamania prawa, reżimów, totalitaryzmów, że to wszystko odeszło na zawsze w ciągu ostatnich dwustu lat, a teraz nagle wróciło ohydną twarzą Kaczyńskiego, Putina, Erdogana i Trumpa, a jak wraca jako kobieta to jest Marią Le Pain i Hillary Clinton, a zło jak rtęć skropliło się we francuskich i rosyjskich retortach, wypuszczając na ulicę bezwładną siłę.

I tak, moi drodzy, rozsądni, oświeceni, mądrzy Czytelnicy. Jest ósma rano. Piszę już dla Was od dwóch godzin. Zaraz się ubiorę, zejdę na dół, kupię sobie świeże bułki na śniadanie, a wracając pójdę na podwórko, gdzie ten wyrzucony przeze mnie diabeł siedzi za kratami okien na parterze. To okna przedszkola, bo to niczemu nie winne przedszkolanki podniosły małego śmiesznego diabełka i posadziły go na oknie. Zabiorę tego diabełka i żeby dopełnić miary tego, że Berlin leży na Wschodzie, może będę musiała go spalić w jakiejś beczce, bo przecież dziś Halloween, dzień zmarłych, którzy wychodzą z ziemi, wyjeżdżają z morza na ogromnych motorach i wkładają straszne maski, żeby bić nas na śmierć.

Wenn ich aber den weggeworfenen vermeintlichen Teufel von dem Kindergartenfenster unten im Hof auflese, sehe ich, dass er auf den Backen rote Herzchen hat, auf dem Brust die Buchstaben DRUCK MICH und noch dazu Marienkäferfliegen. Es ist kein Zły, kein Teufel, eh ein Kindergeist. Deshalb sitzt er jetzt auf dem Kindergartenfenster und wartet auf mich, dass ich mich wieder seines annehme. Jetzt bin ich mir gar nicht sicher, was ich eigentlich mit ihm tun muss und entscheide auf ein Zeichen warten zu wollen. Na ja, Berlin liegt im Osten, wir, aus dem osten, sind Zauberervölker, wir glauben an wahre Magie, nicht nur auf Zaubertricks, bei uns haben sogar unsere kleine Tricks eine Hauch Geheimnis oder gar Mystik. Wir schauen in eine brennende Kerze und sehen etwas. Zapalam czerwoną świeczkę, gdy to piszę… Also auf ein Zeichen warten, das auch ganz schnell kommt. Es hat fast eilig, um zu kommen und den Teufel, der schon kein Teufel mehr ist, zu retten.

Es ist Halloween, ja, aber auch mexikanisches Totenfest. Man soll Bilder der Familiengestorbenen zum Fest bringen, kleine Geschenke, Süßigkeiten, schöne Dinge. Im Laden kaufe ich Schockogeld, wenn ich wieder raus bin, sehe ich ein Karton auf unserer kleinen Straße mit den Sachen zu Mitnehmen stehen. Ich nehme ein Engel und wenn ich im Begriff bin, schon weiterzugehen, sehe ich ein bisschen Abseits eine kleine schöne Tasche in einer Hecke hängen, wie sie ein Mädchen gern haben wird. Ich packe den Marienkäfer, Geld und Engel in die Tasche, zu Hause gebe ich ihn noch silbernes Herz, eine Muschel, ein Kristall und eine kleine rote Kerze zu. Auf Niemehrsehen kleiner Geist, klein Mädchen, geh zu ein Flüchtlingsmädchen, damit sie dich druckt und lieb hat und sich freut, dass du existierst. Endlich… Ein kleines vor 30 Jahren abgetriebenes Mädchen…

Teraz wszystko co się zdarzyło tego lata nabiera sensu. Przez długi czas nic mi się nie śniło, ale tego lata śniłam bardzo dużo i wyraziście. Oczywiście przede wszystkim były te wciąż mnie dręczące koszmary, kiedy minęły, sny i tak pozostały. Niedawno śniło mi się, że muszę przejść przez straszny czarny tunel-jaskinię w górach, niebezpieczny, ciemny, długi. Szłam nim, wiedząc, że za każdym załomem skały może się czaić coś złego, co mnie zabije. Bałam się, ale uparcie szłam do przodu. Wychodziłam na zewnątrz, było ciemno, nie mogło mnie więc prowadzić żadne światło na końcu tunelu. Rozglądałam się po nieznanej mi okolicy i… schodziłam z powrotem pod ziemię, do strasznej, krętej, ciemnej jaskini…

Bei jedem Satz den ich jetzt schreibe, sehe ich, wie er wachsen kann, sich erweitern, vermehren, zu einem Speidernetz mit den anderen verflechten. Ich seh, wie aus diesen schnell gekritzelten Notizen aus einer Nacht und eines Morgens ein Buch entsteht, ein Buch, das ich schon lange in mir trage, das in diesem unterirdischen Loch wartete.

Za każdym razem, gdy muszę wrócić do jaskini, jest mniej strasznie. Idę, ale idę coraz szybciej, na końcu biorę kogoś, kto się boi, za rękę i obiecuję, że przejdziemy spokojnie i że znam drogę. Nie wiem, kto to. Budzę się. Jest piękny jesienny dzień, idziemy na cmentarz, zapalamy białe i czerwone świeczki, wracam, zasypiam i…

Von diesem Traum, der mir heute träumt, wache ich weinend… Wir, und diesmal weiß mindestens zum Teil, wer wir ist… Wir waren in einem Konzertsaal. Ihn kenne ich auch, das ist der goldener Saal in der Stettiner Philharmonie, die so schön weiß seit zwei Jahren in Stettin protzt, ausgezeichnet mit dem Preis, das schönste Gebäude Europas 2015 zu sein. Diesmal sitzen wir aber auf der Bühne und nicht im Saal, der brechend voll ist. Alle kamen zu meiner Lesung. Jak się obudzę, to oczywiście będę dokładnie umiała powiedzieć, że sala w filharmonii to tak zwane „dzienne resztki”, które się nam śnią po nocach, a wieczór autorski ze snu, to dzisiejsza impreza w Brotfabrik. Ale na razie wciąż jeszcze mi się śni. Na scenie siedzi orkiestra trzech mężczyzn, koło mnie jako moi promotorzy czy towarzysze ulokowali się dwaj mężczyźni. Tylko ja jestem kobietą. Die kleine Band soll gleich anfangen mit der Musik, als ich aufstehe und scherze, ich würde gerne die Klarinettepart übernehmen. Ich habe zwar nie in meinem Leben, eine Klarinette gespielt, bin mir aber sicher, ich kann es spielend. So zu sagen. In dem Moment beginnt das Publikum den Saal zu verlassen. Ich gebe die Klarinette dem Musiker zurück, komme zum Bühnenrand und frage, worum es geht, weshalb sie alle gehen? Du hast deine Solidarität mit Natalie Przybysz verkündet, eine Musikerin, die offiziell sagte, dass sie abgetrieben hat. Solidaritätbekundung bedeutet, dass du es auch gemacht hast. Und vor zehn Tagen nahmest du an dem Schwarzen Protest der Frauen teil. Es ist ja auch ein Zeichen dafür…

Ja, sage ich, vor dreißig Jahren, am Anfang meines Lebens in Deutschland. Weil ich dem Mann, der mich geschwängert hat, nicht traute. Danach hat er es ganz klar bewiesen, dass ich recht hatte. Aber was soll es, jede zweite Frau in Polen hat mal abgetrieben. Jetzt ebenfalls wie in der kommunistischen Zeiten. Und auch wenn ich nicht abgetrieben hätte, hätte ich gesagt, dass ich es tat.

No tak, stąd to krwawe lato, to nie uroki, tylko coraz ostrzejsze nagany ze strony mojego własnego ciała. Ty też, ty też, musisz to powiedzieć.

Oni nie chcą cię słuchać, mówi mi ktoś. Rozumiem, mówię, nikt nie chce słuchać Kozuchy Kłamczuchy. Też nie lubię, jak koleżanka, która miała kilkudziesięciu kochanków, twierdzi, że to tylko ja byłam rozpustna i rozwiązła, ona nigdy. Albo jak sąsiadka po trzech skrobankach, o tylu wiem, nie chce podpisać petycji…

Aber natürlich es ist gar im Traum realistischer. Die Lüge, eine Lüge, mehrere Lügen interessieren niemanden. Ich gebe zu, dass ich abgetrieben habe. Jetzt gehen sie von meiner Lesung weg, in einem Jahr werden sie uns in den Knast bringen, in zehn Jahren steinigen…

Ich weine. Płaczę rozpaczliwie, jakieś męskie ramię, widzę tylko granatowy rękaw aksamitnej marynarki, obejmuje mnie i wyprowadza z pustej sceny, z pustej sali, z pustej filharmonii na pusty plac…

Ich weine in blanker Verzweiflung. Jemand führt mich aus, von der leeren Bühne, aus dem leeren Saal in der leeren Philharmonie auf den leeren Museumplatz. Das Museum heißt Umbrüche, Przełomy. Seine Umgebung, der Platz eben, auf dem ich jetzt in meinem Traum stehe, wurde im letzten Jahr als eine der schönsten öffentlichen Räumen Europas auserkort. Piękna przestrzeń publiczna, sagt man auf Polnisch. Nowa przestrzeń publiczna po przełomie jakim było rok temu bezwzględne zwycięstwo PiSu w wyborach.

Płaczę, ich weine…


Anna Giannessi

Anna Giannessi, born in Italy, studied Foreign Languages and Literatures in Pisa and Editorial Science at the FU/Berlin. She has been living in Berlin since 2012, where she currently works in the field of cultural management and as a freelance translator; she’s a member of the Berliner Literarische Aktion for which she managed the press office and PR for the Stadtsprachen Festival, the two literature series PARATAXE and Wahlverwandtschaften, among others. Since 2017 she has been involved in organising international readings in the event space ‘ausland’. Anna Giannessi also works at the ifa Gallery Berlin (Institut für Auslandsbeziehungen) and manages the project Akademie zur Lyrikkritik in Haus für Poesie.

PARATAXE

What languages does Berlin write in? Berlin authors, who write in languages other than German, will regularly be introduced and published in citywide conversations, readings and translations. Berlins diverse international literary scenes will be permanently interconnected with Berlins German-speaking community. Information about the featured authors, translators and hosts as well as all the texts and translations from all PARATAXE events will be published here on stadtsprachen.de where they are free to enjoy for everyone.

stadtsprachen.de presents:

PARATAXE – the Berlin international literary scenes 

In 2017 and 2018 the stadtsprachen magazin and the Berliner Literarische Aktion will continue the concept of the Stadtsprachen festival through the event series PARATAXE with citywide actions, events and symposiums, to discover and introduce the history and present day multilingual literature of the German capital, together with many enthusiastic partners. (For further details and documentations please open the corresponding links)

>> EVENTS

>>> Photo GALLERY of past events: HERE! <<<

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PARATAXE (2017/18/19) is promoted by the Berlin Senate Administration for Culture and Europe and supported by Literaturport and the Literarische Colloquium Berlin.


Termine

      2019:

01. February, Parataxe Weltliteratursalon with Gary Victor and Peter Trier, Literaturhaus Berlin.
21. March, Präsentation PARATAXE Leipziger Buchmesse.
Tue, 26. March, Parataxe presentation with Ana Ristović and Tomer Gardi, English Theatre Berlin.
Fr, 12. April, PARATAXE print PARTY! stadtsprachen magazin Launch at Prachtwerk!

Sat, 27. April, 20:00: Parataxe presentation with Dora Kaprálová (Czech Republic/Berlin) and Shane Anderson (USA/Berlin), aquarium (Suedblock)!

Fri, 17. May, FernostBerlin PARATAXE SYMPOSIUM V: Berlin’s authors of Asian languages! 10:00-22:00, LCB.

Fri, 14. June, 20:00, Parataxe presentation with Linda Gabriel (Simbabwe/Berlin) and Dmitri Dragilew (Latvia/Berlin), Panda Theater.

Sat, 28. September, 20:00, Parataxe presentation with Boris Schapiro (Russia/Berlin) and NN, ausland.

Fri, 25. October, 20:00, Parataxe presentation with Rasha Abbas (Syria/Berlin) and Jayrôme C. Robinet (France/Berlin), Brotfabrik.

Sat, 9. November, Pisa Book Festival, Parataxe extra large, Palazzo dei Congressi ?

Fri, 22. November, PARATAXE SYMPOSIUM VI, 10-22:00, LCB.

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>> 2018

25. Januar, Maschinenhaus: Parataxe presentation mit Nell Zink
16. Februar, LCB: Graham Hains “INK – The Stadtsprachen Portraits”
9. März, English Theatre: Parataxe presentation mit Kinga Tóth und Elnathan John
28. April, ORi: Parataxe presentation mit Ekaterina Vassilieva und Salah Yousif
24. Mai, LCB: Parataxe Symposium III – AFROBERLIN
7. Juni, Panda Theater: Parataxe presentation mit Alistair Noon und Mathilde Ramadier
29. September, ausland: Parataxe presentation mit Megan Voysey und Milena Nikolova

25. Oktober, Brotfabrik: Parataxe presentation mit Thế Dṻng und Donna Stonecipher
10. November, Pisa Book Festival: Parataxe extra large mit Irina Bondas und Rafael Mantovani
23. November 2018, LCB: Parataxe Symposium IV
Berlin POLYLINGUAL

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>> 2017:

>> 10. Dezember, Maschinenhaus (Kulturbrauerei): PARATAXE presentation
>> 23. November, LCB, Parataxe Symposium II:
OSTPOL BERLIN

>> 10.-12. November, Pisa Book Festival, Palazzo dei Congressi: PARATAXE extra large
>> 25. Oktober, Brotfabrik: PARATAXE presentation
>> 16. September, ausland: PARATAXE presentation
>> 9. Juli, Lettrétage: Übersetzungswerkstatt Parataxe goes Osteuropa
>> 23. & 24. Juni, Literaturhaus Basel, Image Afrique: Stadtsprachen Afroberlin in der Schweiz

>> 14. Juni, Maschinenhaus (Kulturbrauerei): PARATAXE Weltliteratursalon
>> 8. Juni, PANDA Theater: PARATAXE presentation.
>> 19. Mai 2017, LCB: PARATAXE SYMPOSIUM I: PUERTO BERLÍN
>> 14. Mai, Brotfabrik: Tag der offenen Tür mit der Redaktion des stadtsprachen magazins u.v.a.m.
>> 11. April, English Theatre Berlin | International Performing Arts Center: PARATAXE presentation
stadtsprachen.de präsentierte: OSTEUROPATAGE Berlin 2017
Wir danken sehr herzlich allen Mitwirkenden, Sympathisanten und Unterstützern von Parataxe!
*** PARATAXE (2017/18) wird gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und unterstützt durch Literaturport und das Literarische Colloquium Berlin.


Welcome!

More and more people of all languages have made Berlin their permanent residence, cultural home and center of life – turning the German capital into a multilingual metropolis. Not only has the city been repeatedly depicted within numerous prominent, renowned literary works, but with various international authors choosing it as their actual living place, Berlin has now become a major center of world literature. Hence after the STADTSPRACHEN festival of 2016 this online literary magazine was founded to present Berlin’s multilingual contemporary literature and to create a platform for all future activities of STADTSPRACHEN and its partners. The texts are available in several languages!
(more…)


Herkunft light

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Eine Hauptstadt – 189 Sprachen – 78 Länder – 4 Kontinente und… zeige Deine Herkunft po polsku?

Film, Prosa, Poesie, Essays, Blogeinträge, Zeitschriften, Facebook, Insta, Fanpages und Berliner Lifestyle – einerseits will man in der Weltstadt die neuen Trends verfolgen, andererseits legen viele Wert auf die bewusste Bestimmung eigener Wurzelsuche, auch in der Literatur.

Über die Polen wird in den Medien immer mehr gesprochen und sie selbst sprechen lauter als früher auf der Straße, oder? Zu welcher Generation gehören die neuen Polen, die jungen Literaten? Wer reflektiert über ihre Herkunft? Gibt es ein starkes Identitätsgefühl unter den Berliner Polen?

Warum muss man sich die Frage stellen? Die polnische Community lebt in zwei „Lagern“ – politisch, generationenbedingt sowie mentalitäts- und berufsbezogen aufgeteilt. Zu welcher Gruppe gehöre ich? Den sog. neuen Migranten? Wo sind die Grenzen zwischen dem Neuen und Alten – machen sie einen großen Unterschied? Schwer einzuschätzen, wo ich hingehöre… Gibt es diese Aufteilung in der Literatur von  der Berliner Polen. Die Sprache hat tiefe Wurzeln in unserer Kultur und Geschichte. Nur dank der Sprache und seinem Identitätsgefühl hat Polen die 123-jährige Abwesenheit auf der Weltkarte überlebt. Also muss unser Herkunftsbewusstsein sehr ausgeprägt gewesen sein. Trotzdem übersieht man uns in der deutschen Gesellschaft oder wir sind schon assimiliert – die gut integrierte Lieblingsmigrantengruppe von Sarrazin, sagt E.-M. Slaska.

Wir, die neuen Migranten, sind anders – oder bilden wir uns das nur ein? Die neue polnische Küche in Berlin ist anders – eindeutig! Jeder interpretiert den Alltag, das Essen und Berlin anders – die Pushfaktoren fallen in jeder Migrationswelle anders aus, aber die generationenübergreifende literarische Grenze ist nicht scharf. Zu welcher Gruppe der Migrationswelle fühlst du dich gehörig? Ohne/mit Polnisch aufgewachsen, Strebermigrant, polnischer Versager, perfekt integrierter Mitbürger? Ich will mich keiner zuordnen. Wir sind einzigartig!

Früher waren Schriftsteller eine Art Botschafter, die mit ihren Texten grundlegendes Wissen über die Welt und den Alltag vermittelten. Heutzutage ist die Sprache eine Art der Entfaltung, der Selbstreflexion, Reaktion auf die zwischenmenschlichen Verhältnisse und den Wandel (Globalisierung etc.), oft auch eine Retrospektive auf den Migrationsweg, ein vergleichender Rückblick auf das frühere Leben.

Eindeutig erkennt man schon einen Unterschied zwischen den alten und neuen Berliner Polen – auch in der Literatur und den neuen Texten, die durch die Digitalisierung einfacher zugänglich sind. Die neue Generation lebt und kommt ohne einen Buckel voller geschichtlicher und politischer Bürden. Egal ob Nachkommen der alten Migranten oder neuzugewanderte Polen – junge Schriftsteller, Texter, Migranten zeichnet Geschichts- und Herkunftsbewusstsein aus. Aber jeder reflektiert seine Wurzeln anders.

Themen und Formen – hier erkenne ich durchaus unterschiedliche Schwerpunkte. Die älteren Migranten finden an Prosa und Gedichten Gefallen und reflektieren gern die Migration – ein idealer Anhaltspunkt sowohl für das Publikum aus der alten als auch der neuen Migrationswelle. Private Inhalte, Kritik und Anekdoten aus dem Alltag, in denen jeder ein Stück eigenen Lebens findet – also identitätsbezogene Suche nach den Wurzeln. Während die früher gut integrierten Migranten über Selbstwahrnehmung und ihr unsichtbares Leben als Migrant grübelten, thematisieren die neuen Polen gerne die politische und kulturelle Situation in der Heimat – Antworten, Aufrufe, Reflektieren, Bewegen, Gehirnfutterversorgung – das wollen sie vermitteln. Die neuen Literaten bleiben inhaltlich gerne beim bürgerlichen Aktivismus und verhalten sich oft ironisch-kritisch, in Distanz zu den bisherigen polnischen Konventionen, alte Werte verlachend, oft spöttisch und sarkastisch, emotional geladen: Selbstreflexion.

Jeder hat das Recht auf seine Form der Reflexion, dh. neben Prosa und Gedichten haben sich nun auch Blogger, Comic-Graphiker und Phantasten in Berlin etabliert, die keiner Stigmatisierung unterliegen und  keine Belastung als Migrant/Pole im Ausland nachweisen müssen. Diese Formen ermöglichen einen neuen Start: du kannst jemand anderer sein (neue Identität), unabhängig von Traditionen, alte Normen hinter dir lassend. In den Blogs werden gerne Nischeninhalte, politikbezogene Kommentare und/oder alltägliche Berichte aus dem Migrantenleben untergebracht.

Die neue Literatur ist light, dh. Inhalte, die leicht verständlich geschrieben werden. Heutzutage ist alles „light“ und „to go“. Früher war der Arbeitsprozess des Schreibens länger, im digitalen Heute gerät Vieles leichter. Unabhängig von der Form ist Leichtigkeit zu spüren – gerne kürzere und angenehm geschriebene Inhalte – leichte Formen für junge Leser. To go, dh. bloggen, Fanpage auf SocialMedia, E-Books – alles angepasst an die digital fortschreitende Globalisierung und das „Unterwegs-Leben“.

 

Unter den Jüngeren herrscht eine internationale und herkunftsbewusste Einstellung: Ich als Weltbürger, europäisch erzogen und in Polen geboren. Literarische Inhalte werden öfters universal verfasst, damit deine Altersgenossen dich auch verstehen können. – das passiert bewusst und unbewusst. Mit der Tendenz, ein breiteres Publikum zu bekommen, gern auch mit auf Englisch verfassten Texten. Auffällig ist die Vielzahl an polnisch-deutschen Anthologien, die vor allem zweisprachig herausgegeben werden, denn dafür gibt es leichter Finanzierungen. Ansonsten dominieren Online-Texte, E-Bücher, Gedichte, Ausschnitte, Reflexionen, die für jeden zugänglich sind – die Buchform nimmt langsam nur noch den zweiten oder dritten Platz ein, nicht selten auch aus finanziellen und marketingbezogenen Gründen.

Aber auch das gute alte Buch wird in seiner Form bewahrt: Wo sonst kann sich ein Autor während der Autorenabende / Lesungen usw. mit seiner Unterschrift verewigen, wenn er kein Buch vorweist? Was kann er während des Abends verkaufen?

Was das literarische Sprachgefühl der jungen Berliner Polen angeht, gibt es diverse Entwicklungen: von der strengen Reinheit des Polnischen über lockeres Deutsch-Polnisch bis zur bewussten Germanisierung oder auch der Verwendung moderner Anglizismen.

Das Identitätsgefühl unterliegt einem ständigen Wandel – unabhängig von der Generation der Literaten. Das betrifft auch die Kritik aus der Heimat, seitens der Diaspora und dem Vor-Ort-Publikum, dh. der Berliner unterschiedlicher Herkunft – auf Achterbahnfahrt zwischen Begeisterung und negativer Kritik reflektieren alle, unabhängig von der Generation – mit unterschiedlichem Schwerpunkt und Ausdruck. Deswegen werden derzeit gerne Momentaufnahmen präsentiert – egal ob es die Vergangenheit oder den gegenwärtigen Alltag angeht.

Womit sind heute die Inhalte verbunden, woher kommt die Schreiblust? Die jungen polnischsprachigen Literaten und Kulturaktivisten nehmen gerne DIE FREIHEIT von Berlin in Anspruch. Die Berliner Szene bietet den nötigen Freiraum. Keiner schaut dir auf die Hände: Nicht Staat, Oma, Nachbarin, nicht Tante, Priester oder oder oder…  Berlin hat andere Regeln als andere europäische Städte. Kein Geld oder Ruf sind nötig, um hier eine Karriere zu starten oder eigene Texte zu präsentieren – es gibt genügend Bühnen! Es gibt keinen Erwartungsdruck auf den Super-Star, jeder kann in der eigenen Nische bleiben.

Muss man po niemiecku – auf Deutsch – schreiben? Ab wann sind die Sprachkenntnisse ausreichend, um eigene Texte in der Fremdsprache zu produzieren und sich damit dem Publikum zu stellen? Vielleicht ist auch Polnisch gefragt? Ich wünsche mir mehr Übersetzungen und Translation-Workshops für Nischeninhalte – perfekte Gelegenheiten für jungen Dolmetscher und Übersetzer und kleine „Hut ab“-Geste für die Autoren, die dadurch allmählich bekannter werden können.

Die polnische Sprache wird in der BVG ständig mit Russisch verwechselt, öfters ist sie auch mit einem starkem Akzent im Deutschen verbunden, verrät den Migrationshintergrund. Muss man ständig auf die eigene Herkunft reduziert werden? Die Wortwahl macht den Literaten, also: Kugelschreiber in die Hand, Finger auf die Tastatur,   Mund auf, schreibt weiter in der Muttersprache! Letztlich jedoch kann jeder gute Text begeistern und vielleicht sogar die Welt verändern – egal in welcher Sprache.


VERSCHREIBUNGSPFLICHTIG

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Es glänzt um Mitternacht das wache Auge der Apotheke

mit Namen GOETHE

an der Ecke Kant- und Goethestraße!

 

Brauchen Sie Medizin? Gegen unheilbare Schmerzen,

Weltschmerz, Tod, körperlichen Zerfall

oder chronisches Elend?

Fragen Sie bei Goethe nach und Sie werden geheilt!

Jahre des Lernens. Totalität der Welt.

Entsagung.

Es leuchtet die wache Apotheke, schwer

wie das Auge der wohlbehüteten Schlaflosigkeit!

 

Was wäre es wohl erst für eine Apotheke

hieße sie TRAKL!

 

Dagegen ist kein Kraut gewachsen

stünde da geschrieben

in allen Sprachen.

 

 

Aus dem Serbischen von Elvira Veselinović


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