Languages
Content Who? About us Events Submissions Submenu
« back

33

Yevheniia Bahmutska (2018)

Sorry, this entry is only available in German and English.

33

das schicksal hat weder wege noch flügel,
jene, die dich irgendwann geliebt haben,
sind farblos und trocken geworden,
abgeworfenes laub.
du aber atmest noch immer und verbrennst bildschirme,
um nicht zu früh aufzuwachen,
um wunden zuwachsen zu lassen,
so dass worte still werden.
du fühlst, wie diese peitsche schwächer wird,
die hände greifen besser, böser,
der glaube wird stärker, gütiger,
in die eigene Schrifttafel,
als ob du nun ein zelt in der wüste wärst:
die füße brennen, aber innen kühlt von heute an
alles, was brannte, leise ab,
schmilzt zu festem stahl.
wenn man damals gewusst hätte, dass das überleben gelingt,
wärst du dann so erbost und abgebrannt?
würdest du so wütend
den harten himmel hassen?
durch die bars und toreinfahrten schlendern
dreiundreißig jahre, wie eine drohne,
um zu verstehen: du und gott und der zimmermann,
alles kannst du selbst,
du kannst selbst alles.

* * *

du denkst: das wort muss stark sein,
und du bewahrst es auf.
andere erkennen es, dann nehmen sie es weg,
finden verwandtschaft in den augen,
während du nicht hinschaust, traust du dich nicht
mit einem laut das feste eis zu zerschneiden.
du denkst: das wort muss hallen,
und wühlst in dir gänge durch.
und die tage rennen davon, aber die wichtigeren worte
haben es nicht eilig sich einzufinden,
alles wurde schon griffiger,
glücklicher gesagt, und nicht so,
wie nur du es kannst – kneten und verklumpen,
im eigenen boden das loch stopfen.
du denkst: das wort muss hallen
und kriechst wieder in deinen bau.
und nun geben alle säuglingen namen,
trompeten über ihre taten ins horn,
während du hinter dem eisernen türchen hockst
und an dir selber nagst.
du denkst: das wort muss stolz sein,
nicht wie eine maus in der brust kriechen,
und du fühlst, wie du wasser füllst,
und wieder schweigst,
schweigst.

* * *

sei du mein mensch des jahres, meine marke, mein steckenpferd,
in meinen texten die abgelöschte soda, rosinen in ihnen, cognak,
sei mein kreditlimit, das niemals versiegt,
mein johnny seist du,
brad pitt,
mein großer mensch, du.
ich bin reich begabt, bis zum äußersten zu lieben,
also sei mein kommandant, alles, was sie sagen, kapitän,
hier sind meine hände und füße, hier die rippen – brich, zerstöre,
nur sei meine synagoge, sei das gefühlsventil für die seele.
gleichgültig sind deine erträge, du lachst für eine million,
in meinen liedern aus drei akkorden – deiner trifft immer den ton,
es gibt für mich keine andere heimat, als auf deiner brust einzuschlafen.
sei mein mensch des lebens,
wenn es geht, der neun.
alle gehen in eile, und hören nicht, wie ich mein mantra singe,
ich hasse sie ein wenig, dass sie in ihrem paradies sind
und nicht erkennen, wie wunderbar du bist, wie cool, wenn du das haus betrittst.
ich pfeife darauf, was glück ist,mit dir habe ich es nicht nötig.

* * *

wenn du denkst, dass es mir egal ist, hast du verdammt recht,
weder der schmerz noch dessen medikamente ändern etwas dran,
der horizont aus sand, aus steinen, aus wasser, aus gräsern
bleibt immer nur eine linie, kein raum.
jeder schritt ist bloß schritt, bloß fläche, doch kein kosmos, wie
ich mich mit dir fülle, doch man sieht keinen rand,
und wenn du dreifach grausam bist: ich gebe auf, weisse flagge,
nichts ändert sich.
ich ändere mich nicht.
ich werde nicht härter – ich ärgere mich nur, werde auch nicht weicher, wie denn noch?
alles geht hindurch, ohne das schicksal zu berühren, ohne es zu verletzen,
und in mir schmilzt alles wie eh und je und fließt,
du bist schwach vor dieser brennenden, kochenden lava.
hunderte von jahren werden vorbeifliegen, hunderte von worten sich auflösen, staub
wird auf den rücken meere, städte und felsen zeichnen.
mir ist immer alles egal – ob du gehasst hast oder geliebt,
mir reicht es zu wissen, dass es mich nicht gebrochen hat.

Bis ein hundert

grüße dich, gott, ich bin simpel, habe ein halbes leben lang vom
blatt abgelesen, und meine handfläche ist sauber, ich gab säuglingen wasser.
über dem feuer hielt ich die hände nie, bat nie um liebesfolter, jeder,
der mir begegnet, ist mir bruder und freund, sogar wenn er nachts aus dem hinterland kommt.
so sag mir, für welche meiner sünden platzt diese brust vor lachen,
wenn in ihr kein platz mehr ist, wo tauben noch kratzen könnten, bis
zu welchen goldenen lagunen soll ich clown und lügner sein, als ob ich jedem übel
entlaufe, um nichts auf der welt werde ich wagen zu weinen.
nein, ich klage nicht, bitte nicht, putze meine rüstung und
führe andere zum feuer, wenn du nur freundlich lächelst. klar
ist mir der simple plan: wenn du verstummen willst, singe. mit welchem
fuß soll ich denn tanzen, damit du mich aus dem koffer holst?
auf den lippen honig statt wein, der ist selig, wer nicht wissend –
schlägt, wer nicht idiot ist, einfach den schmerz anderer nicht spürt und
in meinem billigen inneren gibt es zu viele solcher schnitzer, als dass ich sie
alle verzeihen und an dich ohne grund denken könnte.
wofür denn, mein herrlicher gott, hast du meine einfachheit bewahrt,
wofür hast du mir die flanke mit der rostigen, heißen nadel durchbohrt,
während die hände, die ich halte, mein loch nicht stopfen.
wenn ich, gott, sterbe,
versprich mir, dass du meiner vielleicht gedenkst.

 

Aus dem Russischen von Tatjana Hofmann

≡ Menu ≡
Homepage Content
Events Submissions
Authors Translators Moderators
About us Partners Gallery
Contact Blog Facebook
Festival 2016 Events Press