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Gedichte

Denise Pereira (2019)

Sorry, this entry is only available in German and English.

Hypnose

Eines Tages wünschte ich mich geometrisch.
Stellte mir meine Dichte vor wie die eines Parallelpipeds.
Von bestimmtem und messbarem Volumen.
Die Regeln flohen mir, konfus.
Die Tage schritten sorgenvoll voran.

„Schlucken Sie eine am Tag und Sie werden produktiv.“ Sagte eines Tages die Stimme, von der ich Trost erbat.

Auf der Suche nach einer Arm oder einer Anstalt gab ich mich den Meistern des Dogmas hin.
„Reinigt mich von mir selbst!“, flehte ich.
„Vernichtet die Zweifel, die Ängste!“ „Macht meine Gesten zu Orgamifaltungen, tunkt mich in jene palliative Masse, die man Normen nennt,
die Masse mit dem Namen Fristen, Pflichten, Terminplan und Rhythmus.“

„Fristen, Pflichten, Terminplan und Rhythmus; Fristen, Pflichten, Terminplan und Rhythmus;
Fristen, Pflichten, Terminplan und Rhythmus;
Fristen, Pflichten, Terminplan und Rhythmus.“

Ich machte eine Pirouette und ging weiter.
Verlor mich in der Trance dieses Mantras.

„Und unser Rhythmus? Und unsere Riten?“ Fragte eine klitzekleine Stimme in mir.
„Wir sind nicht. Wir gehören!“
Antworteten im Chor die Stimmen, von denen ich einst Trost erbat.

 

Tundra

Ein hochmütiger Mast schickt mich hinab in ungewisse Räume.
Schneidender Wind, der kristallin uns Blinde beflüstert.
Küsstest du mich denn, wenn ich hysterisch herumschrie?
Dir die Milz ritzte mit sauren Gesten, saurem Weinen?
Gäbst du mir die Hand in die Hand im Geheimnis, dir zu folgen?
Stückweise dämmre ich abendlich, scheinbar nur bin ich fügsamer.
Imaginiert und fruchtbar wie in den Märchen der durchschauderten Kindheit.

Will schutzlos gehen bis zum Abgrund, der mich ruhig durchflutet.
Reime so, die Unschuld verloren, auf deinen bejubelten Meineid.
Zeige dabei die Farbe der Masten, die mich wahrhaftig überfluten.
Mit fröstelnder Haut, die mich nach Ton und Geschlecht tauft.
Niemals das Böckchen sein, in dessen Blut wir die Andersartigkeit tränken.
Mir den Kompromiss in die Hände legen, anstatt das Begehren.
Erwachen.
Mich in süßen Pollen, zartem Magma sicherer Ströme verbreiten.
Starkes Gleichgewicht finden in der Gewissheit einer perfekten Übersetzung.

 

Aus dem Portugiesischen von Christiane Quandt

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