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Girls-Spys

Alexander Kazak (2019)

Sorry, this entry is only available in German and English.

„Girls-Spys oder die Große Chinesische Mauer“

KAPITEL NEUN

Trainer und Züchter

Berlin und ganz Europa, vor 15 Jahren

Anton und Bara

… Seit 1945 besitzen ganze Familien von Spionen Restaurants und Läden, betreiben Reisebüros und Schuhgeschäfte, Friseursalons, Striptease Bars, Sex Shops, Bordelle und Massagesalons. Je lächerlicher ein Geschäft, das von ausländischen Geheimdiensten finanziert wird, in den Augen eines Laien aussieht, desto intensiver ist die dadurch realisierte Spionagearbeit. Das ist Berlin.

Gleich am Anfang meiner Karriere als Nachrichtenoffizier arbeitete ich für zwei Jahre in Berlin unter dem Vorwand, ein Zuhälter von Luxus-Prostituierten zu sein. Es war ineffektiv, Arbeiterinnen aus Russland herzuschaffen oder sie im satt gefressenen Berlin zu finden. Deshalb habe ich mir meine Mädchen oft in ganz Europa zusammengesucht.

Im Auftrag der russischen Geheimdienste rekrutierte ich Mädchen überall – in Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei und in Serbien. Ein kurzer Besuch in einer Klein- und manchmal in einer Großstadt endete mit Dutzenden von Treffen mit Mädchen, mit dem Ausfüllen von Fragebögen und Interviews mit den interessantesten von den Interessentinnen. Unglückliche, schlecht gekleidete, halb verhungerte Mädchen, die auf meine Anzeigen in lokalen Zeitungen hin zu mir kamen, waren von vorne rein, für alles bereit. Der Anzeigentext lautete ja in etwa: „Arbeit für junge Frauen ab 18 Jahren! Begleitservice der höchsten Klasse in ganz Europa, für die höchsten Gehälter und mit enormen Wachstumsaussichten eures Einkommens. Kenntnisse in Englisch, Deutsch, Französisch und anderen Sprachen erhöhen eure Chancen.”

Erfahrene Prostituierte waren für mich uninteressant. Ich interessierte mich für Mädchen, die bereit waren, sich selbst auf Abruf zu verkaufen. Sie waren auch damit einverstanden, dass Daheim keiner über ihre Einnahmequellen je erfahren würde, sie aber auch gleichzeitig ihr Studium nicht abbrechen und sich nicht von ihren Müttern und jüngeren Geschwistern losreißen müssten. Mir war bewusst, dass die blanke Not sie in meine Hände treibt. Zur gleichen Zeit sahen viele von ihnen dermaßen unschuldig aus, dass ich manchmal ernsthaft an ihren sexuellen Erfahrungen zweifelte. Das ist aber genau das, was für meine Datenbank entscheidend war – sie waren das Gegenteil von Prostituierten. Sie wurden zu meinen Agentinnen.

Zum Beispiel ist da die Bara aus Tschechien. Unglaublich schön, blonde Haare, eine Harmonie von Körper und Seele und, wie es sich herausstellte, ein sehr freizügiges Mädchen. Auf dem Weg nach Berlin hörte ich mir mehrmals das aufgezeichnete Gespräch mit ihr an:

– Wie heißen Sie?

– Bara.

– Wie alt bist du? Wie alt sind Sie?

– Bald zwanzig.

– Verstehen Sie, dass wir Ihnen eigentlich anbieten, sich zu prostituieren?

– Ja, ich verstehe das.

– Und das stört Sie nicht.

– Mich stört es, dass ich mein Fremdsprachenstudium an unserer provinziellen Uni nicht abschließen kann, weil meine Mutter nicht genug verdient, um mich und meinen Bruder zu ernähren.

– Wie alt ist Ihr Bruder?

– Elf.

– Lieben Sie ihn?

– Ja! Deshalb bin ich hier!

– Und er liebt Sie auch?

– Er hat keine andere Wahl. Er liebt mich. Wen hat er denn noch zu lieben?!

– Ihre Mutter… weiß sie, wo Sie gerade sind und was Sie beabsichtigen?

– Ich hoffe nicht.

– Wie viel Geld brauchen Sie und wofür wollen Sie es ausgeben?

– Zuerst möchte ich meinem Bruder gute Schuhe, ein Basecap und eine warme Jacke kaufen. Meiner Mutter einen warmen Mantel und ein Paar Stiefel. Ich brauche eine Menge Höschen, BHs, Pullover und Jeans.

– Warum Pullover und Jeans?

– Viele sagen, dass ich in solchen Klamotten wie ein Star aussehe!

– Auch ohne diese Kleidung sehen Sie wie ein Star aus.

– Wirklich?!

– Wirklich. Sie sehen wie Brigitte Bardot aus, als sie in Ihrem Alter war. Warum, wenn Sie so gut aussehen, sind Sie nicht nach Prag oder woanders gegangen?

– Ich habe kein Geld dafür… aber zusammen überleben wir irgendwie. Wir helfen einander.

– Zum Beispiel, wie?

– Ich verkaufe Eis auf dem Platz im Zentrum der Stadt. Die Arbeit wird schlecht bezahlt, aber wenn ich viel arbeite, dann hat meine Familie genug, um nicht völlig zu verhungern. Das Gehalt meiner Mom geben wir fast vollständig für die Miete aus. Sie arbeitet als Kellnerin in einem Restaurant. Mein Bruder ist gut in der Schule, aber oft kommt er aus der Schule traurig. Er fragt schon seit langem nicht mehr nach, wenn er was braucht! Seit fünf          Jahren schon! Seitdem ihm klar wurde, dass wir ihn selbst fragen werden, wenn wir das Geld für etwas haben.

– Was ist mit Ihrem Vater?

– Weiß nicht. An einem Tag, vor etwa zehn Jahren, ging er für eine Dienstreise nach Polen und kam einfach nicht zurück. Es gab dort eine große Baustelle. Da wurde eine neue Straße für EU-Geld gebaut. Er war dort ein einfacher Arbeiter.

– Warum „war“? Sind Sie sich sicher, dass er tot ist?

– Ich bin mir bei gar nichts sicher! Außerdem muss ich meinen Bruder mindestens bis zum Schulabschluss bringen, ihm wenigstens irgendeinen Beruf geben. Ohne meine Hilfe wird unsere Mutter sicherlich sterben. Sie wird überfordert und erschöpft sein. Ihre Beine schmerzen jetzt schon und sie arbeitet weiterhin jeden Tag 12 Stunden ohne Wochenenden. Kurz gesagt, viel Arbeit und wenig Spaß!

– Und Sie wollen Spaß?!

– Kann doch sein, dass ich Glück haben werde?!

– Worin?!

– Zum Beispiel werde ich einen Auftrag mit einem angenehmen unverheirateten Millionär haben. Wie in diesem Film mit Richard Gere und Julia Roberts.

– Glauben Sie an diese Märchen aus Hollywood?

– Was bleibt mir übrig? Woran sollte ich sonst glauben? Sie können mir ja Ihre Geschichten erzählen und vielleicht glaube ich an sie. Nur zu, erzählen Sie!

 

 

„Girls-Spys 2“

PROLOG

Im Büro des Direktors des US Secret Service, unsere Zeit

Direktor des Secret Service und sein Stellvertreter Herr Michalski

– Wer von den Presseleuten wird es erschnüffeln können, Herr Michalski?! Die einzigen Dateien bezüglich der „roten“ Spionin Bara sind in meinem Safe. Wir haben aber mit Ihnen abgemacht, soweit ich mich erinnere, es hinter verschlossenen Türen zu halten und unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit kommen zu lassen. Selbst wenn das Ende der Welt kommt!!!

– Ich bin sicher, Sir, dass diese „rote“ Spionin im Weißen Haus selbst das Ende der Welt sein wird! Insbesondere weil sie eine Spionin ist, die wir an den Körper des Präsidenten rangelassen und damit unwissend ins Weiße Haus eingeschleust haben! Wenn wir jetzt die Regierungspartei nicht über die Einzelheiten der Biographie der schönen Bara aufklären, begehen wir ein offensichtliches Fehlverhalten, was schon an Landesverrat grenzt. Wir unterstützen damit die ausländischen Geheimdienste gegen die Vereinigten Staaten, Sir!!! Ich habe Angst, Sir!!! Ich habe mehr Angst vor dem Zorn unseres Arbeitgebers als vor dem Gefängnis!

– Stopp! Kriegen Sie sich ein, Herr Michalski. Sie haben Angst vor etwas, was nie passieren wird! Nur, wenn wir es selbst wollen.

– Sie denken also, Sir, dass mein Sohn nie Präsident der Vereinigten Staaten wird?

– Das weiß ich noch nicht! US-Präsident wird sowieso nur derjenige, den die Regierungspartei dafür bestimmt. Aber selbst wenn ihr Sohn Bob zum Kandidaten und dann zum Präsidenten wird, so ist es unsere Aufgabe, vorzutäuschen, dass in seiner unmittelbaren Umgebung alles in Ordnung sei. Das heißt, es gibt keine Spione in der Nähe des Präsidenten!

– Warum verheimlichen wir es weiterhin? Das ist unprofessionell, unpatriotisch und vor allem illegal, Sir!!!

– Aber, Herr Michalski, es ist praktisch und sicher! Dieses Schweigen garantiert uns beiden ein ruhiges und friedliches Leben bis zum Alter und dann eine angemessene Rente…

– Und was ist mit den Interessen unseres Landes, Sir?!!

– Ich frage Sie im Gegenzug etwas Einfaches. Erinnern Sie sich, Herr Michalski, wie viele verschiedene Spione schwärmten all diese Jahre wie Bienen um unsere Präsidenten? Und es passierte nie etwas Schlechtes mit den Vereinigten Staaten! Schlecht ist nicht die Tatsache, dass es um uns herum Spione gibt, schlecht ist, wenn wir ihre Aktivitäten nicht kontrollieren. Nicht wahr? Übrigens, wie geht es der schönen Bara?

– Sehr gut, Sir! Meiner schönen Schwiegertochter geht es gut und sie ahnt nicht einmal, dass wir über ihre dunkle Vergangenheit und wahrscheinlich auch dunkle Gegenwart alles wissen. Oder sind Sie, Sir, an Details interessiert?

– Ja, Herr Michalski, mich interessieren Einzelheiten und Details: Wie sich ihre Karriere in der Lehre und Forschung nach der Übersiedlung in die Vereinigten Staaten entwickelt? Wie gut es ihr gelingt, den Pflichten als Mutter Ihrer reizenden Enkelkinder und als Frau Ihres Sohnes nachzugehen? Ob das Liebesleben der beiden in Ordnung ist? Werden es hier… äh … keine Überraschungen geben?! Verzeihen Sie die Indiskretion, aber ich ziehe es vor, an der Seite Ihres Sohnes Bob eine von uns enttarnte „rote“ Spionin zu haben, als eines Tages jemanden absolut unberechenbaren in nächster Nähe des zukünftigen Präsidenten vorzufinden.

– Das ist es eben, Sir! Mein Sohn denkt nicht einmal über Seitensprünge nach. So sehr ist er von Baras Schönheit und Intellekt fasziniert!

– Ich übrigens auch, Herr Michalski. Ich halte Ihre Schwiegertochter für einen wahrhaftigen Engel! Und, wohl wissend, was für schöne Huren seinerzeit Ihren Sohn, den aktuellen Präsidentschaftskandidaten Bob Michalski, in den Wissenschaften der Liebesspiele unterrichteten, kann ich nur annehmen, dass diese charmante Tschechin, der Sie selbst vor kurzem einen amerikanischen Pass organisiert haben, wohl in der Lage ist, mit männlichen Genitalien und anderen Körperteilen alles Nötige anzustellen. Was braucht sonst noch ein Mann, um glücklich zu sein? Ein erfolgreicher wohlhabender Mann…  Wovon kann er noch träumen?

(Der Direktor lächelt)

– Und es stört Sie nicht, dass die Spionin Bara meinem Sohn von diesem russischen Briten, von diesem schleierhaften Anton, untergejubelt wurde?!

– Dieser Anton, Herr Michalski, ist nicht wirklich ein Russe und war nie ein Brite. Obwohl es für uns leider bequemer ist, ihn so zu nennen. Anton ist der Sohn eines geflüchteten britischen Spions, der in Russland geboren und ein russischer Spion wurde und dann sich von seinen russischen Kollegen in Hong Kong geschickt abgeseilt hatte.

– Soweit ich weiß, geht es denen sehr gut, Sir! Ihr Geschäft – die Produktion smarter Gebärmutterspirale mit Diagnosefunktion – entwickelt sich erfolgreich unter dem Dach der chinesischen Geheimdienste. Diese Technologie bringt Antons Familie und den Chinesen fantastische Gewinne ein!

– Dann verstehe ich Ihren Pessimismus überhaupt nicht, Herr Michalski! Allen geht es gut – der Spionin Bara, Ihrem Sohn Bob und, was am wichtigsten für uns ist, auch dem „roten Spion“ Anton, der Ihre Schwiegertochter zur rechten Zeit zu seiner Agentin machte.

– Zu der Zeit, Sir, war sie noch nicht meine Schwiegertochter! Vor fünfzehn Jahren, als Anton sie zur Spionin machte, war sie eine Studentin an der Prager Universität und begann gerade ihre wissenschaftliche Karriere. Sie kam als Assistentin ihres tschechischen Professors an eine berühmte amerikanische Universität

– Ja, ich erinnere mich an diese brillante Operation – Rekrutierung und Umzug der wunderschönen Bara aus Europa in die USA. Die Operation wurde von dem britischen Russen Anton brillant konzipiert und durchgeführt! Damals haben wir uns mächtig in die Hosen gemacht, Herr Michalski! Aber jetzt haben wir absolut nichts und niemanden mehr zu fürchten! Lieber bis zum Hals in der Scheiße stecken als tot sein! Bedrohlich könnte für uns der Anton nur dann werden, das sagte er mir persönlich, wenn wir ihn oder seine Familie nicht in Ruhe lassen. Deshalb lassen wir sie schon so viele Jahre in Ruhe! Sind sie eigentlich schon in China Milliardäre geworden, mit dieser Verhütungsspirale?

– Sie werden offensichtlich Milliardäre, Sir!

– Sehen Sie? Der Theorie des Marxismus nach, können Milliardäre für ihresgleichen nicht gefährlich sein. So können sie also für unsere Regierung nicht gefährlich sein. Ich glaube eher, Herr Michalski, dass Antons von Tag zu Tag reicher werdende Familie sich bald die Niederlassungserlaubnis in unserem Land, der USA, beantragt. Sie können nicht aufrichtig und für immer den Roten in China oder Russland treu sein. Also warten wir auf ihre bevorstehende Ankunft in den Vereinigten Staaten!

 

 

„Girls-Spys 3“

KAPITEL NUMBER 000

Bei David

USA, Washington, DC, heute

Oligarch David, Bob (US-Präsident und Enkel des Oligarchen David) und der Super-Spion Anton (nun Assistent des US-Präsidenten)

Alle drei – der Präsident, Anton und der Oligarch David Michalski – essen zu Mittag an einem der Tische in Davids Büro. Der hundertjährige David sieht heute zwar etwas müde aus, trotzdem ist er wie immer – jedes seiner Worte ist energisch und überzeugend.

– Ihr Beide, meine Herren, ihr solltet euch an mein letztes Projektkonzept erinnern: Ein Planet in der Hand einer einzigen Person ist wie ein gutes Unternehmen. Er kann nicht sich selbst zerstören. Ein Unternehmen verfügt meiner Überzeugung nach über den Instinkt der Selbsterhaltung… Erinnert ihr euch?

– Natürlich. – sagt Bob.

– Ja, David. – bestätigt Anton.

– Ich fand heraus, dass dieses Projekt – die Welt mit Hilfe von unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten zu einem besseren Ort zu machen – einige Schwachstellen hat.

– Welche, zum Beispiel?! – fragte Bob.

– Zum Beispiel in meinem letzten Projekt habe ich die Realien von totalitären kommunistischen  und post-kommunistischen Staaten nicht berücksichtigt. Als ich angefangen habe, mein Letztes Projekt umzusetzen, nämlich alles aufzukaufen, was einen Krieg auf dieser Erde auslösen könnte, habe ich das Wichtigste übersehen: es gibt zwar keine Festungen, die ich nicht kaufen könnte, es gibt aber welche, die nicht zum Verkauf stehen.

– Meinen Sie Russland, David? – fragt vorsichtig Anton.

– Nicht nur Russland. Sehr viele fortschrittliche Technologien in der Physik, Energie und Medizin, und, natürlich, im Bereich der Rüstung werden verheimlicht und versteckt, zum Beispiel von solchen Oligarchen wie mir, oder zugunsten einiger globalen Unternehmen zerstört! Sie wissen, wie reiche Menschen mit Entdeckungen umgehen! Sie nehmen, wie Sie, Anton, zum Beispiel es machen, eine recht humane und harmlose Gebärmutterspirale und setzen diese, seltsamerweise, für den vorgesehenen Zweck ein. Das heißt, sie setzen die in die weiblichen Genitalien ein, verwandeln aber das medizinische Gerät in ein Abhörgerät, das alle Gespräche und sogar Gedanken seiner Trägerin in Echtzeit in die globale Abhörstation, zu Ihnen, Anton, sendet. Sorry, Anton, aber ich denke, dass es an der Zeit ist, dass auch Bob über Ihr globales „gynäkologisches“ Geheimnis erfährt! Du, Bob, sollst endlich wissen, wieso Anton über alle Gespräche mit deiner bildhübschen Ehegattin Bara, ob vor, während oder nach dem Sex, informiert ist. Er bekommt diese Informationen nicht von ihr persönlich! Sondern aus ihrem … äh äh … Körper! Es tut mir leid, Bob, aber das Leben ist eine sehr raue Sache! So rau, dass alle Systemfehler deiner persönlichen Sicherheit, die unser lieber Anton schon vor Jahren eingebaut hat, angefangen mit der Einstellung deiner zukünftigen Frau als seine Agentin, nur unbedeutende Kleinigkeiten sind. In der Tat ist alles noch viel schlimmer!

 

KAPITEL EINUNDZWANZIG

Zwei Überraschungen für den gesamten Planeten

USA, Washington, DC

Das Haus des Oligarchen David Michalski

Im Büro des ins Jenseits gegangenen Milliardärs versammelte sich die ganze Familie Michalski und Anton, der extra von dem Anwalt der Familie in dieses mächtige Haus eingeladen wurde. Alle in Trauerkleidern und aufrichtig über den Tod des heiß geliebten Davids betroffen, hören mit angehaltenem Atem dem Anwalt zu. Er liest Davids Testament vor:

„… Hiermit rufe ich den Friedenspreis von David Michalski und die David-Michalski-Stiftung ins Leben “

“… Ich vermache, dass die Preise der Friedensstiftung, die meinen Namen trägt, an folgende Berufsgruppen und Personen des öffentlichen Lebens verliehen und ausgezahlt werden: an Schriftsteller und Journalisten, die zum Thema Frieden und Ökologie schreiben, sowie Wissenschaftler und Analytiker, die Prognosen erstellen (einschließlich Katastrophen), die mindestens einmal bestätigt wurden, Umweltwissenschaftler, deren Arbeit in Naturkatastrophen Menschenleben gerettet hat, Mediziner, Physiologen, Biologen, Chemiker, deren Forschung eine Epidemie verhinderte und/oder unheilbaren Patienten die Genesung ermöglichte, Rüstungswissenschaftler, denen es gelang, die zuvor unbesiegbare Kriegstechnik zu besiegen. Außerdem, kann der Friedenspreis, der meinen Namen trägt, Menschen verliehen werden, deren Arbeit die wissenschaftliche, kulturelle oder ethische Sichtweise der Menschheit änderte. Dabei ist von folgenden Wissenschaftlern die Rede: Astronomen, Physiker, Mathematiker, Programmierer, Philosophen, Linguisten, Chemiker, Biologen, Biophysiker, Astrophysiker sowie Anführer von Religionen (egal, ob vor oder nach meinem Tod gegründet), die gegen jede Form von Hass und Zerstörung aller Lebewesen (inkl. der Natur selbst) auf dem Planeten Erde kämpfen. Eine besondere Hervorhebung verdienen dabei Pädagogen, Theologen und Psychologen, die zur Entwicklung des Humanismus beitragen.

Damit endet mein Testament, welches ich persönlich unterschreibe.

David Michalski ”

 

USA, Washington, DC, im Büro von David

US-Präsident Bob und sein Assistent Anton, unmittelbar nach der Verkündung von Davids Testament

Nach dem Öffnen der Umschläge, die an sie persönlich gerichtet waren, saßen Anton und der US-Präsident Bob in Davids Büro an dem Tisch, an dem sie vor Kurzem zusammen mit dem alten David zu Mittag gegessen und über globale Probleme diskutiert hatten. Beide lesen mit großem Interesse die an sie persönlich gerichteten streng geheimen Abschnitte vom Davids Testament:

“… Du musst wissen, mein lieber Bob, dass die ganze Zeit, die ich mit meinem Letzten Projekt verbracht habe, Dich und den Anton, gelinde gesagt, getäuscht habe. Viel wichtiger ist aber, dass ich auch eine Reihe von Geheimdiensten unseres unglücklichen Planeten an der Nase herumführte… ”

„… mein Letztes Projekt, für welches Du, mein lieber Anton, so viel Nützliches getan hast, ist in der Tat, meine letzte, und, ich hoffe, genialste verdeckte Operation…“

„… Anton, es gibt auf dieser Welt einen unbekannten Physiker, der nur für mich gearbeitet hat. Er schuf ein Anti-Raketennetz, das jede Rakete zu dem Punkt zurückleitet, von dem sie gestartet wurde…“

“… Mein lieber Bob! Vielleicht hast Du beim Lesen dieses handgeschriebenen Briefes den Eindruck, dass ich verrückt geworden bin und am Ende meines langen Lebens antiamerikanische Aktivitäten betreibe… ”

“… Lieber Anton! Ich habe mich mein ganzes Leben dafür geschämt, dass meine Familie die erste Atombombe finanziert hat. Deswegen wollte ich schon lange meine Familie von diesem Alptraum befreien… ”

“…so habe ich beschlossen, Anton, dass Russland dieses Anti-Raketennetz von Dir persönlich überreicht bekommen soll. Es ist eine glückliche Gegebenheit, dass Du ein russischer Spion warst! Ich danke Dir für alles, was Du für den Planeten, und, vor allem, für das gegenseitige Verständnis zwischen Russland und den Vereinigten Staaten getan hast. Bleib, bitte, bei Bob. Ihr braucht einander genau so, wie Russland Amerika braucht!!! Verbrenne diesen Brief sofort nach dem Lesen. Vielen Dank! Mit großem Respekt vor Dir und Deinen beiden Heimatländern, David Michalski ”

“… Nun, Bob, bin ich beruhigt, was unseren Planeten angeht. Ich schlage vor, mein Anti-Raketennetz „Boomerang“ zu nennen. Oder, wenn Ihr wollt, könnt Ihr es auch „David´s Boomerang“ nennen. Ich bin glücklich, mein lieber Bob! Bitte, Bob, vergiss nicht, diesen Brief sofort zu verbrennen, nachdem Du ihn gelesen hast. Dich wahrhaftig liebend, David Michalski ”

Nachdem der US-Präsident Bob und Anton Davids handgeschriebene Briefe zu Ende gelesen hatten, schauten sie einander eine Weile sprachlos an. Sie näherten sich schweigend dem brennenden Kaminfeuer und warfen ihre Briefe hinein. Erst jetzt verstanden sie, warum der alte David darauf bestand, dass das Feuer im Kamin seines Büros angemacht werden soll, bevor sie die Briefe lesen. Beide lehnten sich an den Kamin und schauten den brennenden Briefen des Großen David Michalski zu.

Dem Präsidenten Bob kamen Tränen in die Augen. Er richtete seinen Blick auf das Foto in einem einfachen Holzrahmen, das auf der Wand über dem Kamin hing. Darauf abgebildet: Er – Bob, ein fünfjähriger Junge, der fröhlich seinen glücklichen, nicht mehr jungen, aber dafür energischen und, wie es damals  allen schien, ewigen Großvater David um den Hals umarmt.

 

Aus dem Russischen von Aleksej Tikhonov und Bora Hegyes

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