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Visite ma tante

Aurélie Maurin (2020)

Sorry, this entry is only available in German.

Eine Sprache macht noch keine Mutter.

Die Übersetzung einer Mutter ist unmöglich.

Meine Muttersprache hat mich nie gestillt.

Ich habe Deutsch spät genug gelernt – als Mutter-Rache.

Ich spreche es als Falschsprache. 

Als Herzsprache, vielleicht.

Ein Akzent ist das Stigma der späten Liebe.

Eine Liebeserklärung an die spät gewählte Sprache.

Eine Schutzfolie zwischen Herz und Mutter.

Meine Kinderohren hörten Tantes Cochonnes! statt Dankeschön! 

Deutschland verwandelte sich in eine Familie aus Tantes Cochonnes – Schweinetanten. 

Heute wohne ich im Land der Tantes Cochonnes.

Wie Kirke verzaubern sie Wörter in kleine Schweinchen.

Sie bringen Wörter zum Schimmern.

Der Bürgermeister übernimmt dafür die Schimmerschaft.

Meine deutsche Stimme kommt aus einem Quälkopf.

Es gibt Entzündungsideen.

Süßländische Nachbarakzente sind auf Privatpartys immer willkommen – bei öffentlich-rechtlichen Sendern nie.

Wie viele Massenkarambolagen würde ich verursachen, würde ich die RBB-Verkehrsnachrichten ansagen? 

Deutsch ist eine bauerhafte Daustelle.

Deutsch ist sehr erschöpferisch.

Weil ich keine Sprache zum Schlafen habe.

Auf Französisch bin ich sehr lustig.

Auf Deutsch arbeite ich ehrenbeamtlich.

Immer im Muttitasking.

Entweder Rabe oder Glucke

Die Mutter ist immer am falschen Wort.

Wer, bitte, kam auf die Idee, die Plazenta Mutterkuchen zu nennen?

Das Klinikum Havelhöhe klingt bei mir wie Affenhöhe – habe ich in einem Zoo entbunden?

Auf Französisch bin ich nicht mehr ganz original.

Vielleicht ist eine Fremdsprache eine von der Mutter nicht gesprochene Sprache.

Eine nicht gebrochene Sprache.

Eine Mutter macht noch keine Sprache.

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