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Weggabelung

Phạm Kỳ Đăng (2019)

Sorry, this entry is only available in German and English.

Die Andere Prozession

Gleich einem Gemüsebündel bleichgrüner Gesichter
ziehen sie über das graue Feld.
Dünn wie Halme, Hacke und Sichel in der Hand,
halten sie schweigsam einander.

Unter dem wolkengeflickten Himmel
treiben sie in zerrissenen Kleidern dahin.
Ihre Bewegungen befangen vom Anstand,
erschüttert von vergangenen Zeiten,

die ihr spärliches Hab und Gut aufreiben.
Weihrauch verglüht in offenen Schalen.
Kalter Wind schaukelt leere Sänften.
Die Felder verdorrt, alles verlassen.

Das Leben von Wellen geflutet, zur Insel geschrumpft.
Es reißt der Verrückte seine Hände empor.
Spucke tropft schäumend aus seinem Mund,
wie Wut über die Schwelle zum buddhistischen Tempel.

Ergeben falten die Armen ihre Hände,
flehen ums Überleben inmitten heiliger Schirme und Reliquien,
unter den Flaggen der Vier Heiligen Tiere und der Acht Trigramme,
zeigt sich das Leben der Bedrängten.

Dies ist der andere Festzug, die Prozession der Hoffnungslosigkeit.
Wohin auch mit dem elenden Dasein?
Es fällt eines Abends auf die Zelte am Markt ein Schatten,
der gezeichnet ist von Leben und Tod.

Ihr Hilferuf, als wären sie in Feuer gefangen,
als ob das Böse ihnen einen Streich spielte.
Das tragische Schicksal verschont keinen,
auch nicht das verkrüppelte Kind, das Lose verkauft.

Das Gesicht in den Händen versteckt, hockt eine Frau
auf der Terrasse, die dem verlorenen Acker nachweint:
Aus der Heimat vertrieben, weint sie mit der Angst
einer ausgestoßenen Frau ohne Mann.

Und die Wut spuckt drohende Wolken,
nicht anders ist es hier unter dem Dach des Tempels,
wo Unrecht die Rechtlosen umgibt,

die in Trauer unter dem Prachttor dahinziehen.
Tot ist die Zeit. Zur Burg des Lebens führt kein Weg.
Auch wenn sie blindlings ihre Schritte zum heiligen Tempel lenken,
Nacht für Nacht klirren, unendlich rau,
die metallenen Fesseln.

 

Weggabelung

Es klingt der Herbst.

Ratternde Deichsel des Fuhrwerks wirbelt
Staub umgebetteter Gräber empor.

An der Weggabelung
blühen Chrysanthemen,
wo der Wind das Gebiet
vergänglicher Momente umhaucht:
In der Dämmerung Tau und Rohrdommeln,
wandernde Dachdecker packen zusammen,
heftiger wird der Rabenschrei,
sie hasten auf den Weg in die Heimat.

Benommen dreht sich die Witwe zur Seite,
vernimmt halbträumend kommende Unwetter.
Vorahnung beschleicht sie,
tiefe Sehnsucht trifft wie ein Schlag sie
mitten ins Herz.

Licht perlt auf finstere Träume herab,
wie der Blätterumhang den Gänsehirten umhüllt,

der im Regen auf dem Feld wacht,
vertreibt sein Gewand
die Träume schlafender Larven
aus den dunklen Gassen seiner Gedanken.

Welken Blättern gleich das blasse Gesicht
des Kinds nach der Operation,

es ließ sich überreden, der Narkose zu trauen,
rief den Namen der Eltern mit schwindender Stimme,
meine tröstenden Worte verzeihe ich mir nicht.

An der Weggabelung
trägt jeder seine Bürde
durch sein Leben auf dem Rettungsseil
über lodernden Flammen
balancierend.

 

manchmal

manchmal wirft der frühlingssonnenschein
perlen von licht gefärbt ins sprossengrün
als ob jemand saatgut verstreute
leuchtet ein strauß von gleichnissen

oft verfinstert die krone des kastanienbaums
sich gegen die schwermütigen blicke des himmels
im dickicht recken die blätter sich
und tränen rinnen dem blinden herab

immer sitzt er dem goldenen turm nachsinnend
hier am flussufer jene kirchglocken verklungen
als sonnenlicht das kreuz erhellte
sang der chor das requiem

 

Aus dem Vietnamesischen vom Autor selbst. Bearbeitung: Martin Jankowski

 

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