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Zwei T’s gegen ein O

(†) Giwi Margwelaschwili (2014)

Sorry, this entry is only available in German.

O wird andauernd von zwei T’s beschattet. Die wollens in ihre Mitte nehmen und abführen. Solange O lebt, schleichen sie von beiden Seiten auf das arme, runde Dinge los. Um O nicht vorzeitig zu erschrecken, bleiben die T’s auch oft in der Ferne stehen. Da beruhigt sich O und denkt, es seien nur Kreuze über fremden Buchstabengräbern. Das ist aber eine Täuschung, sooft sich O umsieht, hat es die zwei auf seinen Fersen.

Manchmal möchte O wütend kehrt machen gegen seine Verfolger und sich wie ein Lasso über die zwei elenden Stecknadelhälse werfen dann im Würgegriff sich darum zu ziehen. Aber sowas geht leider nicht. O kann nur vorwärts kugeln, solange es da ist.

Die zwei T’s (die das natürlich wissen) rücken O mit der Zeit immer näher auf den runden Leib und werden immer frecher. Bald flankieren sie O und halten, vorerst immer noch in einem kleinen, respektvollen Abstand, mit ihm Schritt.

„Wir drei“, sagen sie dabei schmeichelnd zu O, „ergeben doch zusammen einen Sinn. Bist du nicht müde, immer nur ganz allein für dich völlig bedeutungslos zu kullern?“

„Nein!“ schreit O und möchte davonlaufen. Aber es rollt kaum noch.

„Na, komm mal!“ sagen die T’s dann in einem Moment, als O schon wankt und umsinken möchte.

„Wie halten dich fest. Siehst du? So!“

„O!“

 

 

Aus: Giwi Margwelaschwili: Das Leseleben.
Verbrecher Verlag, Berlin 2014.

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