{"id":14767,"date":"2020-12-01T12:00:22","date_gmt":"2020-12-01T11:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.stadtsprachen.de\/de\/?p=14767"},"modified":"2021-11-10T20:08:57","modified_gmt":"2021-11-10T19:08:57","slug":"unrast-berlin-die-hintergruende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/en\/unrast-berlin-die-hintergruende\/","title":{"rendered":"UNRAST Berlin \u2013 die Hintergr\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<p><strong>UNRAST Berlin \u2013 die Hintergr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p>Ein Gespr\u00e4ch mit dem Projektleiter <a href=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/author\/martin-jankowski\/\">Martin Jankowski<\/a>, Autor und Leiter der <em>Berliner Literarischen Aktion e.V. <\/em>und Herausgeber des <em>stadtsprachen magazins<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu der Idee eines deutsch-polnischen Literaturfestivals?<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund meiner Familiengeschichte war ich seit meiner Kindheit pers\u00f6nlich mit dem deutsch-polnischen Verh\u00e4ltnis und auch der Literatur dazu besch\u00e4ftigt \u2013 einer der f\u00fchrenden deutschen Polonisten f\u00fcr Gegenwartsliteratur (Prof. H. Olschowsky) ging in unserem Haus aus und ein und schon in den Achtzigerjahren schrieb ich selbst als junger Autor in den Samisdats des DDR-Untergrunds dar\u00fcber. Die konkrete Idee zu einem deutsch-polnischen Literaturfestival hatte ich zum ersten Mal im Jahr 2004 als Programmkurator f\u00fcr die \u201eSpecials\u201c des <em>internationalen literaturfestivals berlin<\/em> (ilb): Damals konnte ich das Festival \u00fcberzeugen, nicht nur G\u00e4ste von au\u00dferhalb einzuladen, sondern auch all die interessanten, polnisch schreibenden Autoren, die wir hier in Berlin hatten, einmal zu pr\u00e4sentieren. Mit dem polnischen Literaturverein <em>WIR<\/em> um die Berliner Schriftstellerin <a href=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/author\/ewa-maria-slaska\/\">Ewa Maria Slaska<\/a> fand ich damals die passenden Partner daf\u00fcr und wir organisierten (mit ihr als Programmkuratorin) gemeinsam zum ersten Mal f\u00fcr ein Wochenende das deutsch-polnische Literaturfest \u201eBerli\u0144ska Polska\u201c &#8211; \u00a0das allseits gro\u00dfen Anklang fand. Und dazu f\u00fchrte, dass ich seither mit zahlreichen Freunden immer wieder deutsch-polnische Literaturprojekte organisiere.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr Projekte waren bzw. sind das?<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13354 alignright\" src=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/grenzbaeume.png\" alt=\"\" width=\"157\" height=\"190\" \/>Mit unserem Verein, der <em>Berliner Literarische Aktion e.V.<\/em>, veranstalteten wir &#8211; neben etlichen kleineren bilingualen Lesungen und Aktionen &#8211; u.a. 2007 im Ballhaus Ost den allerersten Berliner <em>Polen Slam<\/em>, 2016 beim <em>Stadtsprachen Festival<\/em> die <em>Berlinska Literatura<\/em> im PANDA Theater oder auch polnische Panels beim Symposium <em>OSTPOL Berlin<\/em> im Herbst 2017 im LCB sowie auch die bilingualen <em>Wahlverwandtschaften<\/em> 2018 \u2013 um nur einige repr\u00e4sentative Beispiele zu nennen. Bei all diesen Aktionen waren zumeist Ewa Maria Slaska und ihr literarischer Freundeskreis (anfangs der Literaturverein <em>WIR<\/em>, sp\u00e4ter auch <em>St\u00e4dtepartner Stettin e.V.<\/em>) unsere wichtigsten Partner. F\u00fcr einige Jahre war \u00fcbrigens auch der polnische Fotograf Krzysztof Czarski Mitarbeiter unseres Teams. Seit drei Jahren nun arbeiten wir eng mit den <em>Osteuropatagen Berlin<\/em> und deren Team zusammen und gestalten u.a. deren \u00dcbersetzerwerkstatt mit. Aber auch mit dem polnischen Kulturzentrum und zahlreichen Berliner Autorinnen wie Dorota Danielewicz, Brygida Helbig oder Emilia Smechowski u.v.a.m. arbeiteten wir seit vielen Jahren immer wieder freundschaftlich zusammen.<\/p>\n<p><strong>Wie kam es nun zu dem aktuellen deutsch-polnischen Literaturforum? <\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer 2019 fragten mich die oben erw\u00e4hnte Ewa Maria Slaska bei einem unserer laufenden Arbeitstreffen, ob unser Verein sich vorstellen k\u00f6nnte, mit ihr und einer befreundeten Autorin (Magdalena Parys, die ich damals nicht kannte) ein deutsch-polnisches Literaturfestival in Berlin zu organisieren, weil sie daf\u00fcr zwar Ideen h\u00e4tten, aber nicht w\u00fcssten, wie man so etwas organisieren, finanzieren und umsetzen k\u00f6nnte und ihnen auch die erfahrenen Mitarbeiter f\u00fcr ein solches Vorhaben fehlten. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-15187 alignleft\" src=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/OSTPOL_0015-500x325.jpg\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/OSTPOL_0015-500x325.jpg 500w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/OSTPOL_0015-768x499.jpg 768w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/OSTPOL_0015.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 246px) 100vw, 246px\" \/>Damals sagte ich spontan und gerne zu, mit der Begr\u00fcndung, dass wir daf\u00fcr alle Voraussetzungen und auf lange Sicht ohnehin genau so etwas geplant h\u00e4tten &#8211; und die Berliner Literarische Aktion e.V. sich freuen w\u00fcrde, wenn das gemeinsam mit zwei kompetenten polnischen Autorinnen als Programmkuratoren realisiert werden k\u00f6nnte. Auf der Grundlage von Programmentw\u00fcrfen der beiden Autorinnen, f\u00fcr die sie inhaltlich freie Hand hatten, schrieben wir als Verein daraufhin ein Gesamtkonzept f\u00fcr ein solches deutsch-polnisches Literaturfestival, in dem die beiden Impulsgeberinnen als federf\u00fchrende Programmkuratorinnen vorgesehen waren, und beantragten es in einem aufw\u00e4ndigen Verfahren. Da wir bei den F\u00f6rderinstitutionen seit Jahren als erfahrene Veranstalter von internationalen Literaturprojekten bekannt sind, fanden wir deren Vertrauen und die Jury des Hauptstadtkulturfonds bewilligte zu unserer Freude eine F\u00f6rderung des Festivals f\u00fcr das Jahr 2020.<\/p>\n<p><strong>Wie ging es dann weiter? <\/strong><\/p>\n<p>Leider hatte jedoch nicht nur \u201eCorona\u201c unserem urspr\u00fcnglich geplanten Projekt einige H\u00fcrden in den Weg gelegt. Zu unserem erstaunten Bedauern wollten Anfang 2020 zun\u00e4chst die beiden polnischen Autorinnen die geplante Zusammenarbeit als Programmkuratorinnen nicht aufnehmen, als es darum ging, das bis dahin komplett einvernehmlich geplante, und auf deren Impuls hin beantragte Projekt nun auch praktisch umzusetzen. Eine Begr\u00fcndung wurde uns niemals mitgeteilt, allerdings erschienen sie schon nicht mehr zu der gemeinsam anberaumten Beratung \u00fcber die genaue Aufgabenverteilung und Vertr\u00e4ge. Wir k\u00f6nnen nur vermuten, dass sie mit den Bedingungen, die an ein \u00f6ffentlich gef\u00f6rdertes, nicht-kommerzielles Projekt durch die Geldgeber nun mal rechtlich gekn\u00fcpft sind, nicht einverstanden waren. Aber gut, es ist ihr Recht, eine Aufgabe nicht anzunehmen, wenn man sich ihr nicht gewachsen f\u00fchlt. So standen wir allerdings pl\u00f6tzlich mit einem komplett geplanten und finanzierten Festival und ohne Kuratorinnen da. Das stellte uns vor die Herausforderung, dieses Projekt mit anderen geeigneten Partnern und einem neuen Konzept fortzusetzen oder die Idee eines deutsch-polnischen Literaturfestivals ganz aufzugeben \u2026 Wir berieten uns daraufhin also wiederum mit etlichen geeigneten Pers\u00f6nlichkeiten der deutsch-polnischen Literaturszene und pr\u00fcften deren Ratschl\u00e4ge und Konzeptideen, bevor wir im April 2020 zu unserer Freude die in Deutschland wie in Polen gleicherma\u00dfen bekannte und erfolgreiche, zweisprachige Berliner Autorin <a href=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/author\/dorota-danielewicz\/\">Dorota Danielewicz<\/a> als Programmkuratorin im Gespann mit der renommierten Journalistin und Autorin Ewa Wanat als hervorragend geeignete Arbeitspartnerinnen f\u00fcr unser langgeplantes Festival gewinnen konnten.<\/p>\n<p><strong>Was macht nun die Idee von <em>UNRAST Berlin \u2013 das deutsch-polnische Literaturfor<\/em>um aus?<\/strong><\/p>\n<p>Dorota Danielewicz legte auf unsere Einladung hin ein inhaltlich recht ungew\u00f6hnliches, aber auch \u00fcberraschend passendes, neues Konzept f\u00fcr das Festival vor: Das in Polen sehr popul\u00e4re und einflussreiche Genre der Reportageb\u00fccher im Geiste des gro\u00dfen polnischen \u201ecreative nonfiction\u201c-Autors Ryszard Kapu\u015bci\u0144ski &#8211; das so in Deutschland kaum bekannt ist &#8211; bildet mit seinen aktuellen Themen und den stilistisch wie thematisch vielf\u00e4ltigen K\u00f6pfen und Stimmen eine hervorragende Grundlage f\u00fcr ein literarisch-diskursives Literaturfestival zwischen Deutschland und Polen, wie wir es in diesen bewegten Zeiten wirklich auch dringend brauchen. Weswegen der f\u00f6rdernde Hauptstadtkulturfonds dieses neue Konzept auch umgehend zulie\u00df und damit das Projekt trotz des zwischenzeitlichen Tiefschlags durch den Ausstieg der beiden Impulsgeberinnen gerettet war. Zugleich erlaubt Dorota Danielewicz&#8217; neues Konzept, Aspekte des polnischen wie des Berliner Literaturlebens zu entdecken und miteinander in Kontakt zu bringen. Ich empfehle allen Interessierten, sich \u00fcber die Details und die literarisch hochkar\u00e4tigen G\u00e4ste unseres Projektes unbedingt auf der zugeh\u00f6rigen Homepage zu informieren: <a href=\"http:\/\/www.unrast-berlin.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>www.unrast-berlin.de<\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>Wie aber wird dieses Literaturforum nun unter \u201eCorona-Bedingungen\u201c m\u00f6glich sein?\u00a0\u00a0 \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Alle unsere literarischen G\u00e4ste haben ihre pers\u00f6nliche Teilnahme am Projekt auch unter den derzeitigen Bedingungen zugesagt, nur eine \u00e4ltere Gastautorin wird wohl aufs Reisen verzichten und per Bildschirm zugeschaltet werden. Die Er\u00f6ffnung mit Andrzej Stasiuk und Navid Kermani jedenfalls wird uns den Raum f\u00fcr einen sehr heutigen, viert\u00e4gigen literarischen Diskurs er\u00f6ffnen \u2026 Nat\u00fcrlich planen wie ebenso wie unserer Partner von der Kulturbrauerei und dem Hotel Kastanienhof etc., dass organisat<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15188 alignright\" src=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Maschinenhaus-c-berliner-literarische-aktion-500x375.jpg\" alt=\"\" width=\"283\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Maschinenhaus-c-berliner-literarische-aktion-500x375.jpg 500w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Maschinenhaus-c-berliner-literarische-aktion-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Maschinenhaus-c-berliner-literarische-aktion-768x576.jpg 768w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Maschinenhaus-c-berliner-literarische-aktion-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/Maschinenhaus-c-berliner-literarische-aktion-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 283px) 100vw, 283px\" \/>orisch alles unter strikter Einhaltung der gebotenen Hygieneregeln realisiert wird. \u00a0Aber wir hoffen auch, dass Ende Januar eventuell schon wieder Publikum zugelassen wird und wir unsere Lesungen und Panels zumindest als Hybridveranstaltungen d.h. halb\u00f6ffentlich realisieren k\u00f6nnen. Doch auch wenn das nicht m\u00f6glich wird, haben wir vor, das gesamte, von unseren Kuratorinnen hervorragend vorbereitete Programm wie geplant zu realisieren \u2013 \u201ecoronafalls\u201c als Live-Stream, mit Videos, Podcast und mit Manuskripten aus dem Internet zum Nachlesen f\u00fcr alle!<\/p>\n<p><strong>Ist ein solches deutsch-polnisches Literaturforum in Zeiten von Corona nicht eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz im Gegenteil! Corona und die damit verbunden gesellschaftlichen und auch kulturellen Schwierigkeiten verbinden unsere beiden Nachbarl\u00e4nder doch eher noch mehr, denn weder die Literatur noch das Virus machen vor L\u00e4ndergrenzen halt. Jedenfalls haben wir bereits etliche \u00dcbersetzungen f\u00fcr die Veranstaltungen von <em>UNRAST Berlin<\/em> in Auftrag gegeben, damit wir alle das reichhaltige polnischsprachige Berliner Literaturleben ebenso wie die derzeit unglaublich dynamische polnische Gegenwartsliteratur bald gemeinsam in angemessener Weise entdecken und diskutieren k\u00f6nnen\u2026 Und in den sozialen Medien diesseits und jenseits der Oder beginnen bereits die Diskussionen \u00fcber unser bilinguales Forum und seine Themen.<\/p>\n<p><em>(c) stadtsprachen magazin \/ Berlin, 20. November 2020 <\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/unrast-berlin.de\/de\/zuhause\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-14768\" src=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/unrast-logo-blaurahmen-500x389.png\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/unrast-logo-blaurahmen-500x389.png 500w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/unrast-logo-blaurahmen-1024x798.png 1024w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/unrast-logo-blaurahmen-768x598.png 768w, https:\/\/stadtsprachen.de\/wp-content\/uploads\/2020\/12\/unrast-logo-blaurahmen.png 1113w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>UNRAST Berlin \u2013 die Hintergr\u00fcnde Ein Gespr\u00e4ch mit dem Projektleiter Martin Jankowski, Autor und Leiter der Berliner Literarischen Aktion e.V. und Herausgeber des stadtsprachen magazins Wie kam es zu der Idee eines deutsch-polnischen Literaturfestivals? 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