{"id":13647,"date":"2017-11-07T11:00:15","date_gmt":"2017-11-07T10:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.stadtsprachen.de\/text\/noch-ist-kreuzberg-nicht-verloren-2\/"},"modified":"2020-11-29T14:54:17","modified_gmt":"2020-11-29T13:54:17","slug":"noch-ist-kreuzberg-nicht-verloren-2","status":"publish","type":"stsp_text","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/en\/text\/noch-ist-kreuzberg-nicht-verloren-2\/","title":{"rendered":"Noch ist Kreuzberg nicht verloren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prolog<\/strong><\/p>\n<p>\u201eNoch ist Polen nicht verloren\u201c &#8211; wer kennt nicht diese erste Zeile aus der polnischen Nationalhymne? Sie verweist auf den jahrhundertelangen polnischen Freiheitskampf und wird im Laufe der Zeit zum gefl\u00fcgelten Wort. Der Spruch \u201eNoch ist Kreuzberg nicht verloren\u201c muss sich dagegen seinen Platz im allgemeinen Sprachgebrauch noch erk\u00e4mpfen\u2026 Der Stadtteil Kreuzberg steht hier als gesellschaftliches und k\u00fcnstlerisches Experimentierfeld f\u00fcr die ganze Stadt Berlin. Aufgenommen in den Rhythmus der polnischen Nationalhymne verweist er auf die jahrhundertlange Pr\u00e4senz der polnischen Menschen in der Spreestadt. Der polnische Freiheitsmythos und der multikulturelle Mythos Berlin werden in der Liedzeile rhythmisch und semantisch miteinander verbunden und in wechselseitige Beziehung gesetzt: Die lange Tradition der Kulturstadt Berlin wird von polnischen Sehns\u00fcchten, Sichtweisen und Stilformen entscheidend mitgepr\u00e4gt, und die hier lebenden Polen verstehen sich schon l\u00e4ngst als \u201eWir, Berliner\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<br \/>\nNoch ist Kreuzberg nicht verloren, solange die Polen hier leben\u2026<\/p>\n<p>Doch warum sind die Polen \u00fcberhaupt nach Berlin ausgewandert?<br \/>\nDie Geschichte beginnt im 18. Jahrhundert, als Polen, durch Preu\u00dfen, \u00d6sterreich und Russland geteilt, seine staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t verliert und von der Landkarte f\u00fcr 123 Jahre ausradiert wird, und geht \u00fcber das traumatische Jahrhundert der beiden totalit\u00e4ren Systeme bis in die heutige Zeit, in der das Verlassen der Heimat vielleicht nicht mehr so dramatisch wie fr\u00fcher erfolgt, wenn auch nicht bar aller Not. Das Spektrum reicht von rettendem Exil \u00fcber versklavende Verbannung bis zu hoffnungsvoller Auswanderung, es umfasst Jahrhunderte der erzwungenen, freiwilligen oder scheinbar freiwilligen Emigration, denn immer geht es um pers\u00f6nliche und politische Freiheit; auch der Wunsch \u201esein Brot zu verdienen\u201c ist letztlich der Wunsch nach einem w\u00fcrdigen Leben, frei von Existenzn\u00f6ten.\u00a0\u00a0 Nach den aktuellen statistischen Daten leben ca. 20 Millionen Polen und Menschen mit polnischen Wurzeln au\u00dferhalb Polens, in Deutschland sind es ca. 2 Millionen, in Berlin ca. 100.000.<\/p>\n<p>Es ist ein besonderes Merkmal der polnischen Kultur und Literatur, dass sie zum gro\u00dfen Teil im Exil entstanden ist. Die wichtigsten Werke der polnischen Literatur haben im 19. Jahrhundert die Emigranten geschrieben: Mickiewicz, S\u0142owacki, Norwid. Die Literatur wurde zu einem geistigen Territorium, zu einem imagin\u00e4ren Mittelpunkt, von dem aus die Polen ihre Identit\u00e4t und ihr Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl herleiten. Welchen Platz nimmt Berlin in dieser Konstellation ein? Ist sie eine Metropole des Exils, vergleichbar mit Paris, London und New York?<\/p>\n<p>Heute leben an der Spree polnische Migranten, die zu verschiedenen Zeiten und aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nach Berlin gekommen sind. W\u00e4hrend die \u00e4ltere Generation sich weiterhin dem Ethos einer Exilgemeinschaft (\u201ePolonia\u201c) verpflichtet f\u00fchlt, die polnischen \u201eStrebermigranten\u201c (Emilia Smechowski)<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> in der deutschen Gesellschaft unsichtbar bleiben<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, ist es f\u00fcr die j\u00fcngeren Eingewanderten heute selbstverst\u00e4ndlich, als Polin oder Pole den deutschen Alltag zu leben. Aber so zahlreich, vielschichtig und mannigfaltig die polnische Community in Berlin auch ist, sie bildet kein \u201eLittle Poland\u201c. Polnische Kultur wird nicht in abgetrennten Bezirken gepflegt, sondern durchdringt und bereichert das kulturelle Leben Berlins. Wie faszinierend und inspirierend diese osmotische Beziehung ist, l\u00e4sst sich an unz\u00e4hligen Orten Berlins sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Doch vorher m\u00f6chte ich ein paar Vorgeschichten dieser Osmose erz\u00e4hlen, einen Blick also werfen ins Berliner Zimmer im Haus der polnischen Literatur.<\/p>\n<p><strong>\u201eF\u00fcr eure und unsere Freiheit\u201c<br \/>\n<\/strong>Im Jahr 1828, als noch kein Berlin-Warszawa-Express die deutsche und die polnische Metropole miteinander verband, reiste der junge Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin mit einer Postkutsche aus Warschau in die preu\u00dfische Hauptstadt. Er flanierte durch die Stra\u00dfen, besuchte Opernauff\u00fchrungen und gab eigene Konzerte. \u00dcber seine Eindr\u00fccke schreibt er in einem Brief an die Familie: &#8220;Meine Meinung \u00fcber Berlin: Es ist zu gro\u00df f\u00fcr die Deutschen. Es k\u00f6nnte ohne weiteres noch mal so viele Einwohner fassen.&#8221;<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<br \/>\n<\/a>Nur wenige Jahre nach Chopins Besuch in Berlin wird der Novemberaufstand 1830\/1831 in Kongresspolen gegen den russischen Zaren und f\u00fcr die Befreiung Polens, \u201ef\u00fcr eure und unsere Freiheit\u201c, \u00a0niedergeschlagen; zehntausende polnische Freiheitsk\u00e4mpfer fliehen w\u00e4hrend dieser <em>Grande Emigration <\/em>und durchqueren Deutschland, wo sie mit solidarischen Hilfsaktionen und begeisterten \u201ePolenliedern\u201c empfangen werden, in Richtung Belgien, Schweiz, Gro\u00dfbritannien, Italien und vor allem Frankreich, wo sich \u00fcbrigens au\u00dfer dem polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz auch Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin niederl\u00e4sst. Auch in Berlin werden Polenlieder gesungen, eine besondere Bedeutung gewinnen dabei Liedzeilen etwa von Karl von Holtei, in denen das Bild vom Kampf Davids gegen Goliath heraufbeschworen wird.<br \/>\nDie b\u00fcrgerliche deutsche \u00d6ffentlichkeit sah im Freiheitskampf der Polen gegen die russischen Unterdr\u00fccker auch ihren eigenen Kampf um einen freiheitlichen deutschen Nationalstaat, sie deutete es als ein Signal f\u00fcr eine Demokratisierung ganz Europas. Die \u201ePolenbegeisterung\u201c lie\u00df in den deutschen L\u00e4ndern in der Zeit nach den Ereignissen in der Frankfurter Nationalversammlung (1848) schnell nach, im Namen der Einheit des eigenen Volkes\u00a0 wurde die Assimilation der polnischsprachigen Bev\u00f6lkerung schlie\u00dflich zur Staatsraison des Kaiserreichs. Die Hauptstadt der preu\u00dfischen Milit\u00e4rmonarchie wurde aus der polnischen Perspektive zum Zentrum einer feindlichen Macht, von der aus die Zwangsgermanisierung und der Kulturkampf gegen die polnische Bev\u00f6lkerung gef\u00fchrt wurden. Kein Wunder, dass Berlin nur sporadisch, auf Durchreise von polnischen Schriftstellern besucht wird.<\/p>\n<p><strong>\u201e\u2026 eine verborgene Tapetent\u00fcr\u2026\u201c<br \/>\n<\/strong>Mit der beginnenden Industrialisierung und einer massenhaften Zuwanderung von polnischen Arbeitern Ende des 19. Jahrhunderts wird Berlin \u201edie gr\u00f6\u00dfte polnische Stadt in Preu\u00dfen\u201c. \u00a0F\u00fcr die schnell wachsende Bev\u00f6lkerung werden tiefgestaffelte Mietskasernen mit ihren endlosen Innenhoffluchten errichtet. Gerade in der Zeit entsteht der dunkelste Raum der Mietkasernenwohnung &#8211; das Berliner Zimmer.<br \/>\nIn diese \u201eHerberge der Finsternis, der stickigen Luft und des sich darin behaglich f\u00fchlenden Berliner Philistertums\u201c (Friedrich Engels) schlug <strong>Stanis\u0142aw Przybyszewski<\/strong><a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><strong>[5]<\/strong><\/a> wie ein \u201eMeteor\u201c hinein, \u201eder f\u00fcr einen Augenblick aufleuchtet\u201c. \u201eDer geniale Pole\u201c kommt 1889 nach Berlin und pr\u00e4gt nicht nur das Leben der Berliner Boh\u00e8me ma\u00dfgeblich, sondern beeinflusst auch die deutsche Literatur der Jahrhundertwende wie kaum ein anderer. Im Lokal \u201eWeinhandel und Probierstube\u201c, das unter dem Namen \u201eZum schwarzen Ferkel\u201c in die Berliner Chroniken eingeht, treffen europ\u00e4ische \u201eRauschk\u00fcnstler\u201c zun\u00e4chst um August Strindberg zusammen, doch bald w\u00e4hlen sie Stanis\u0142aw Przybyszewski zu ihrem Meister und Anf\u00fchrer. \u201eStachu machte uns eine T\u00fcr auf (\u2026) eine verborgene Tapetent\u00fcr, von der man nicht wusste, ob sie ins Chaos oder in eine bewohnbare Landschaft oder nur in einen mit Mixturen gef\u00fcllten Wandschrank f\u00fchrte\u201c, schreibt Julius Meier-Graefe. Obwohl Przybyszewski selbst in seinen eigenen literarischen Widerspr\u00fcchen gefangen bleibt, zeigt er f\u00fcr andere neue Wege auf: Anscheinend unbewusst entwickelt er Stilelemente, die f\u00fcr sp\u00e4tere Generationen pr\u00e4gend werden (expressive Metaphorik etwa oder eine Erz\u00e4hltechnik, die den inneren Monolog vorwegnimmt). Um \u201eStachu\u201c gruppieren sich K\u00fcnstler und Literaten wie u.a. Paul Scheerbart, Ola Hansson, Gustav Vigeland, Julius Bierbaum, Franz Servaes und Peter Hille. Besondere Freundschaften pers\u00f6nlicher und k\u00fcnstlerischer Art verbinden ihn mit Strindberg (gruselig nachzulesen in seinem Pariser Roman \u201eInferno\u201c, 1897), Richard Dehmel, der Przybyszewskis erstes, \u00f6ffentlich vieldiskutiertes lyrisches Prosast\u00fcck \u201eTotenmesse\u201c (1893) lektoriert; mit Edvard Munch, in dem Przybyszewski einen herausragenden K\u00fcnstler erkennt und ihm einen enthusiastischen kunstkritischen Essay \u201ePsychischer Naturalismus\u201c (1894) widmet, der zur Initialz\u00fcndung f\u00fcr Munchs beginnende Karriere wird. Munch fertigt wiederum nicht nur mehrere Portr\u00e4ts des Dichters an, sondern erh\u00e4lt auch Impulse von Przybyszewskis Kunstauffassung. Theodor Fontane beschreibt ihn als einen sprachgewaltigen Erneuerer der deutschen Sprache, wie es ihn nach Nietzsche nicht gegeben habe. In Berlin begr\u00fcndet er zusammen mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Julius_Bierbaum\">Otto Julius Bierbaum<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julius_Meier-Graefe\">Julius Meier-Graefe<\/a> die Kunst- und Literaturzeitschrift \u201ePAN\u201c, ver\u00f6ffentlicht in Karl Kraus\u2018 \u201cDie Fackel\u201d und in der \u201cFreien B\u00fchne\u201d. Przybyszewski, die \u201ewohl faszinierendste Figur des deutschen Fin de si\u00e8cle\u201c (Jens Malte Fischer), wird auch pr\u00e4gend f\u00fcr die polnische Literatur und Kunst der Jahrhundertwende. 1898 zieht er nach Krakau, wo er die Redaktion der Zeitschrift \u201c<em>\u017b<\/em>ycie\u201d (Leben) \u00fcbernimmt, die bald als das bedeutendste polnische Journal f\u00fcr Kunst und Literatur gilt. Sein 1899 dort ver\u00f6ffentlichter Essay <em>Confiteor <\/em>wird zum Manifest der polnischen Moderne (\u201eJunges Polen\u201c). Nach 1918, als Polen die Unabh\u00e4ngigkeit wiedererlangt, hilft er, den jungen polnischen Staat aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>Im Salon der Avantgarde<br \/>\n<\/strong>Das polnische Berliner Zimmer, befreit vom schweren Gr\u00fcnderzeitmobiliar, bleibt weiterhin ein Treffpunkt der k\u00fcnstlerischen Avantgarde und eine Schmiede von k\u00fcnstlerischen Ideen und Programmen. Der Gastgeber hei\u00dft <strong>Stanis\u0142aw Kubicki<\/strong> &#8211; Lyriker, Kunsttheoretiker und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Malerei\">Maler<\/a>, der zahlreiche gemeinsame Ausstellungen und Aktionen deutscher und polnischer Expressionisten initiierte. Zu seinen G\u00e4sten geh\u00f6ren u.a. Jerzy Hulewicz, Schriftsteller und Grafiker, mit dem er die polnische expressionistische K\u00fcnstlervereinigung \u201eBunt\u201c (Revolte) 1918 in Pozna\u0144 gr\u00fcndete; Franz Pfemfert, Herausgeber der Berliner Kunstzeitschrift \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Aktion\">Die Aktion<\/a>\u201c; Herwarth Walden, Galerist und Verleger von \u201eDer Sturm\u201c; der \u201eDadasoph\u201c Raoul Hausmann und der \u201eOberdada\u201c Johannes Baader; der Dichter und Anarchist Erich M\u00fchsam.<br \/>\nStanis\u0142aw Kubickis Leben und Wirken steht in Berlin f\u00fcr die Geschichte des Verschwindens. In den 1930er gab es in Berlin eine von den Nationalsozialisten strategisch-propagandistisch motivierte F\u00f6rderung polnischer Kultur, doch gleichzeitig wurde die Stadt zum Gef\u00e4ngnis und zum Friedhof f\u00fcr Tausende polnischer Menschen, K\u00fcnstler, Zwangsarbeiter. 1933 zerst\u00f6rten SA-M\u00e4nner bei mehreren Hausdurchsuchungen Werke von Kubicki und seinen K\u00fcnstlerfreunden. 1934 fl\u00fcchtete er nach Polen, wo er sich w\u00e4hrend der deutschen Besatzung der Widerstandsbewegung anschloss. Im Juni 1941 wird Stanislaw Kubicki in Warschau durch die Gestapo verhaftet und wenig sp\u00e4ter (1942) ermordet.<br \/>\nSeit 2011 erinnerte ein Stolperstein in der Hufeisensiedlung in Berlin-Britz an Stanis\u0142aw Kubicki. Erinnerte \u2013 denn erst vor wenigen Wochen wurde der Gedenkstein von Unbekannten gestohlen\u2026<\/p>\n<p><strong>Von Wohnh\u00fclsen und Giftschr\u00e4nken<br \/>\n<\/strong>In der Zeit unmittelbar nach 1945 ist das polnische Berliner Zimmer ein zur\u00fcckgebliebener und leerer Raum, eine unbewohnte K\u00e4ltezone.<\/p>\n<p>Die geografische Lage, 80 km von der polnischen Grenze entfernt, und die politische Sonderstellung West-Berlins machen die Stadt in der Nachkriegszeit (1950-1980) zu einem \u201eOst-West-Bahnhof\u201c, zur Zwischenstation f\u00fcr die polnischen Intellektuellen und K\u00fcnstler auf ihrem Weg nach Frankreich, England und Nordamerika, den eigentlichen polnischen Exilzentren. Im Berliner Zimmer wohnen sie nicht, allenfalls werden sie in diesem Durchgangszimmer vor\u00fcbergehend untergebracht.<\/p>\n<p>Doch im M\u00e4rz 1959 ist <em>Der Spiegel <\/em>alarmiert: \u201eWo immer der zu pl\u00f6tzlichem Weltruhm gelangte Autor sich aufh\u00e4lt, in Polen oder in Westeuropa, schafft er Bewegung.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> <em>Die Rede ist von <strong>Marek H\u0142asko<\/strong>, <\/em>der in dem Transitraum West-Berlin politisches Asyl erhalten hatte. 1958 wird seine Erz\u00e4hlung \u201eDer achte Tag der Woche\u201c (\u201e\u00d3smy dzie\u0144 tygodnia\u201c, 1954)<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> in einer deutsch-polnischen Produktion verfilmt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Der als \u201eJames Dean der Warschauer Hinterh\u00f6fe\u201c und als das \u201eLiteraturidol der polnischen Nachkriegszeit\u201c gefeierte Autor erregte mit seinen Erz\u00e4hlungen gro\u00dfes Aufsehen. Die jungen Polen erkannten sich in der auch sprachlich hart und rau vermittelten Erfahrung wieder und verst\u00e4ndigten sich, wie mit einem Kassiber, mit Zitaten aus seinen B\u00fcchern, die im Pariser Exilverlag Instytut Literacki erchienen und in Polen bis in die 1980er Jahre auf dem Index standen. 1958 von der Staatsmacht ins Exil gezwungen, irrt H\u0142asko als <em>enfant terrible<\/em> durch die westliche Welt, f\u00fchrt ein exzessives, &#8220;atemloses Leben&#8221; in Berlin, M\u00fcnchen, Paris, Israel, Sizilien oder in Hollywood. 1969 stirbt er an einer \u00dcberdosis Alkohol und Schlaftabletten in Wiesbaden. In seinen autobiografischen Aufzeichnungen \u201eDie sch\u00f6nen Zwanzigj\u00e4hrigen\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> (\u201ePi\u0119kni dwudziestoletni\u201c, 1966), wo H\u0142asko eine zornige Bilanz \u00fcber seine Irrfahrt durch die westliche Welt zieht, findet sich auch folgende Passage:<\/p>\n<p>\u201eIch hatte es in Deutschland nicht leicht, als ich einmal um Asyl gebeten und alle Untersuchungen hinter mir hatte. (\u2026) w\u00e4hrend des Krieges hatte ich keine Angst vor den Deutschen gehabt (\u2026); wirklich zu f\u00fcrchten begann ich mich, als ich eine Weile dort lebte, und als ich sah wie sie lebten: friedlich, gem\u00fctlich und still.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Das Unheimliche an dem so harmonisch und arkadisch wirkenden Berlin der Nachkriegszeit nimmt <strong>Witold Gombrowicz<\/strong> (1904-1967) beinahe seismographisch wahr. 1963 verl\u00e4sst der Autor nach 23 Jahren sein argentinisches Exil und kommt als einer der ersten Stipendiaten der Ford Foundation f\u00fcr ein Jahr in &#8220;dieses Glitzerding West-Berlin, letzte Koketterie des luxuri\u00f6sen Europa&#8221;.<\/p>\n<p>Gombrowicz wohnt zun\u00e4chst im G\u00e4stestudio der Akademie der K\u00fcnste im neu erbauten Hansaviertel, wo er auch eine andere Stipendiatin, Ingeborg Bachmann, kennenlernt. Beide beziehen sich sp\u00e4ter in ihren Texten auf ihre Zeit in Berlin, Bachmann in einem fragmentarischen Essay (\u201eWitold Gombrowicz\u201c, 1964) und Gombrowicz in seinem \u201eTagebuch\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>, wo er sein Leben im Exil und seine eigenen Fremdheitserfahrungen, auch die Monate in Berlin verarbeitet. Dabei lockt er den Leser nicht mit intimen Bekenntnissen, sondern zieht ihn in den Boxring seiner intellektuellen Rauflust. \u201eIch bin das Aspirin, das Kr\u00e4mpfe l\u00f6st\u201c \u2013 verspricht er. Sp\u00e4ter bezieht er eine Wohnung in der Bartningallee im Hansaviertel, die Wohnung liegt im 15. Stock; aus dieser Vogelperspektive kann er nach Westen und nach Osten gleicherma\u00dfen schauen. Ein Spaziergang im Tiergarten wird f\u00fcr ihn zur existenziellen Erfahrung: Intensiv nimmt er Ger\u00fcche wahr, die ihn ins Polen seiner Kindheit und Jugend zur\u00fcckversetzen und den nahenden Tod ahnen lassen. \u201eDer Kreis hat sich geschlossen\u2026 im Tiergarten (\u2026) erfuhr ich den Tod direkt \u2013 und seither weicht er mir nicht von der Seite.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> In Berlin wird er krank, liegt zwei Monate im Krankenhaus, drei Jahre sp\u00e4ter stirbt Gombrowicz in Vence (Frankreich).<\/p>\n<p>Die geteilte Stadt, zwei Jahre nach dem Mauerbau, wirkt auf ihn \u201egutm\u00fctig\u201c, erotisch inspirierend (wie man seinem intimen \u201eKronos\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> inzwischen entnehmen kann) und zugleich \u201ed\u00e4monisch\u201c, \u201eals w\u00fcsche sich Berlin, wie Lady Macbeth, unerm\u00fcdlich die H\u00e4nde\u2026\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<br \/>\n<\/a>Als Pole f\u00fchlt Gombrowicz, wie er den Deutschen \u201eauf dem Gewissen lastet\u201c, schaut unter die \u201eglitzernde\u201c Oberfl\u00e4che der Stadt hinab in versch\u00fcttete Leichenkeller, \u201esp\u00fcrt die herumgeisternde Vergangenheit auf\u201c (Rudolf Hartung, SZ, 29.\/30.1.1966), von der die Arbeitseifer und Gesch\u00e4ftigkeit ablenken sollten, und spricht das kollektive Verdr\u00e4ngen und Vergessen der NS-Vergangenheit an. Damit nimmt er ein bis dahin tabuisiertes Thema vorweg, das aber schon bald die \u00f6ffentliche Diskussion in der Bundesrepublik bestimmen soll. Fast zeitgleich mit dem Aufenthalt Gombrowiczs in Berlin beginnen die Auschwitzprozesse. 1967 erscheint Alexander und Margarete Mitscherlichs sozialpsychologische Studie \u201eDie Unf\u00e4higkeit zu trauern\u201d<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a>, ein Schl\u00fcsseltext zur kollektiven Verdr\u00e4ngung der NS-Vergangenheit (\u201eautistische Haltung\u201d) und der damit zusammenh\u00e4ngenden psychischen Verfassung (\u201eauffallende Gef\u00fchlsstarre\u201d) der westdeutschen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Auf seine Zeitgenossen in Berlin wirkt Gombrowicz exzentrisch, bizarr, theatralisch. Das Caf\u00e9 Zuntz am Kurf\u00fcrstendamm, in dem Gombrowicz ein K\u00fcnstlercaf\u00e9 mit einer \u201egeistigen Gemeinschaft\u201c von Literaten einrichten wollte, wird zum Schauplatz von nicht nur sprachlich bedingten Missverst\u00e4ndnissen. G\u00fcnter Grass und Uwe Johnson besuchen das Caf\u00e9; w\u00e4hrend Gombrowicz vor allem philosophische Fragen diskutieren will, auf Franz\u00f6sisch, interessieren sich seine deutschen Kollegen mehr f\u00fcr handwerkliche Themen. F\u00fcr Peter Weiss ist Gombrowicz zwar \u201eeindringlichste Erfahrung\u201c<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>, doch sein \u201eKonzept eines Literatencaf\u00e9s, das Bed\u00fcrfnis nach Vereinsleben, Diskussion statt Aus\u00fcbung des Berufs\u201c habe nicht mehr gestimmt, urteilt Uwe Johnson.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Walter H\u00f6llerer spricht von \u201eargentinischer Rhetorik\u201c und auch davon, dass Gombrowicz\u2018 Sprachverhalten \u201edie Berliner Sitten\u201c st\u00f6rte. Der polnische \u201eExot\u201c sieht die Ursache der gescheiterten Kommunikation dagegen in einer \u201eSkepsis gegen\u00fcber jedem unmittelbaren Kontakt\u201c bei den Deutschen, darin, \u201edass sie im Allgemeinen nicht sehr gesellig sind, sie haben kein Bed\u00fcrfnis nach Meinungsaustausch, \u00fcberhaupt den Austausch von irgendetwas (\u2026). Wohl traf sich ihr Blick, immer aber auf etwas, niemals versank daher der Blick im anderen.\u201c <a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Gombrowiczs \u201eAspirin\u201c im Giftschrank des Berliner Zimmers ist ohne Verfallsdatum, es wirkt zuverl\u00e4ssig krampfl\u00f6send, wenn er uns allen empfiehlt:<\/p>\n<p>\u201eWenn ihr \u00fcber euch selbst lachen, euch an euch selbst am\u00fcsieren und freuen k\u00f6nnt, auch wenn ihr in der schlimmsten Klemme steckt, dann werdet ihr erl\u00f6st sein.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Seit den 1960er Jahren lebt West-Berlin vom \u201eAuftrag der Frontstadt und von der Ehre, das Schaufenster der Freiheit und freien Marktwirtschaft zu sein\u201c (Klaus Hartung), es gewinnt aber zunehmend auch den Ruf einer historisch vielschichtigen und modernen Stadt mit gro\u00dfen Freir\u00e4umen. Diese Insel der Freiheit im sozialistischen Meer und mit einem besonderen Klima \u00fcbte auf polnische Intellektuelle Anziehungskr\u00e4fte aus. Der Magnetismus wirkt nicht zuletzt vom Ort dieser Veranstaltung, dem Literarischen Colloquium Berlin, wo sich die Cr\u00e8me der polnischen Literatur in den sechziger Jahren trifft.<br \/>\nWalter H\u00f6llerer l\u00e4dt gleich 1963 Witold Gombrowicz als Gast in seine erste Schreibwerkstatt \u201eProsaschreiben\u201c ein. Wie Gombrowiczs \u201eAspirin\u201c wirkt, ist im literarischen Portr\u00e4t \u201eDie zweite Schuld\u201c<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> eines prominenten Werkstattteilnehmers, Hubert Fichte, unterhaltsam zu nachzulesen.<\/p>\n<p>Freundschaftliche Beziehungen zu Walter H\u00f6llerer pflegt <strong>Witold Wirpsza<\/strong> (1918-1985). Der polnische Dichter und \u00dcbersetzer ist 1967\/1968 Gast des Berliner K\u00fcnstlerprogramms des DAAD. Nach dem Erscheinen seines Essays \u201ePole, wer bist du?\u201c erh\u00e4lt er in Polen f\u00fcr diese \u201epolenfresserische Schm\u00e4hschrift\u201c, wie es in der offiziellen Presse hei\u00dft, Publikationsverbot und emigriert 1972 nach West-Berlin, wo er zu einem bedeutenden Vermittler zwischen der polnischen und der deutschen Kultur wird. Er ist jemand, f\u00fcr den nicht das \u201eElend des Exils\u201c im Vordergrund steht, sondern der \u201eGlanz des Exils\u201c, das hei\u00dft die Freiheit, die dichterische Freiheit, die Lust an Sprachexperiment und \u201eMehrdeutigkeiten aus Neigung zu Missverst\u00e4ndnissen\u201c.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Er genie\u00dft auch den Ruf einer grauen Eminenz des polnischen Exils einer Schl\u00fcsselfigur in der oppositionellen Literaturszene Polens. Zusammen mit seiner Frau Maria Kurecka (1920-1989) f\u00fchrt er \u00fcber viele Jahre einen Salon in seiner Moabiter Wohnung (Alt-Moabit 21), im Duett \u00fcbersetzen sie zahlreiche Werke deutschsprachiger Literatur, u.a. Hermann Broch, Thomas Mann, Hermann Hesse.<\/p>\n<p>Fr\u00fch w\u00fcrdigt man im LCB <strong>Tadeusz R\u00f3\u017cewicz<\/strong> (1921-2014) und <strong>Zbigniew Herbert<\/strong> (1924-1998) als die gro\u00dfen Dichter der europ\u00e4ischen Moderne. In der Veranstaltung \u201eEin Gedicht und sein Autor\u201c (1966\/67) lesen sie zusammen mit ihrem \u00dcbersetzer Karl Dedecius, der 1959 mit einer Anthologie polnischer Gedichte \u201eLektion der Stille\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> die \u201ePolnische Welle\u201c auf dem westdeutschen Buchmarkt ausl\u00f6ste. \u201ePolen war das einzige Land hinter dem Eisernen Vorhang, das uns best\u00e4ndig und zuverl\u00e4ssig mit neuen Dichtern und originellen Ansichten \u00fcber die Notwendigkeit der Poesie \u00fcberraschte\u201c.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> \u201eUnser Lehrer R\u00f3\u017cewicz\u201c (Michael Kr\u00fcger) und Herberts empathische und gedankenklare Poesie wirkten auf die deutsche Lyrik der Nachkriegszeit revolutionierend. \u201eDiese Lyrik ist von europ\u00e4ischem Rang\u201c, sie lehrt uns zu \u201ebegreifen, dass es noch immer eine gemeinsame europ\u00e4ische Stimme gibt: die Stimme des Menschen\u201c \u2013 lauten einige Kritikerstimmen.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a><\/p>\n<p>Der \u201eeigent\u00fcmlichste und auff\u00e4lligste\u201c (Michael Kr\u00fcger) unter den vielen interessanten Polen, die in den 1960er Jahren \u201ezu unserer Verwunderung nach Deutschland kamen\u201c war <strong>Zbigniew Herbert<\/strong>.<br \/>\nIn keine andere Sprache wurde Herbert so umfangreich \u00fcbersetzt wie ins Deutsche. West-Berlin wird seine Lieblingsstadt. In dieser widerspr\u00fcchlichen Gro\u00dfstadt, dieser Mischung aus Metropole und Kurort, und umgeben von einer Mauer, die von innen viel harmloser aussah als von au\u00dfen, f\u00fchlt er sich gesch\u00fctzt vor den \u201eBarbaren\u201c, die erscheinen \u201eum die Aorta zu kappen\u201c (\u201eBabylon\u201c). Sein Lieblingsort sind die Museen in Dahlem, wo er zahllose Stunden mit einem Skizzenblock in der Hand verbringt. Ein einzelnes Bild, ein Gegenstand, eine konkrete Linie oder Farbe sind f\u00fcr ihn Ausgangspunkt f\u00fcr eine z\u00e4rtliche und empathische Betrachtung menschlicher Grunderfahrungen. Wenn man Zbigniew Herbert nicht in einer Gem\u00e4ldegalerie begegnet, so findet man ihn sicherlich an seinem anderen Lieblingsplatz: am ge\u00f6ffneten Fenster im Berliner Zimmer, einen Kiesel \u201eals Gesch\u00f6pf vollkommen \u201c und \u201egenau erf\u00fcllt \/ vom steinernen Sinn\u201c betrachtend.<br \/>\nWie viele Dichter seiner Generation, trug auch er schwer an der \u201eNarbe\u201c<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> der traumatischen Kriegserfahrung. In einem sp\u00e4ten Gedicht \u201eAn Michael Kr\u00fcger\u201c (1991) finden sich folgende vom verzeihenden Sinn erf\u00fcllte Zeilen:<\/p>\n<p>\u201eSchlie\u00dflich habe ich euch liebgewonnen meine Todfeinde \/ erblich wie Krankheit Armut schlechte Wirbels\u00e4ule \/ der Weg von Gr\u00e4bern ins Bierhaus war lang \/ ich habe dich liebgewonnen Michael (\u2026) \/ vielleicht ist alles was geschehen ist \/ zwischen uns \/ eine Meteorologie des Herzens \/ aber es brauchte Mut \/ denkst Du nicht Michael \/ um sich zu einer Geste aufzuraffen \/ einer halben K\u00f6rperdrehung \/ sich in die Augen zu sehen.\u201c<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>Die polnische Welle der 1960er Jahre war sicher keine Massenbewegung, doch zum ersten Mal wurde die polnische Literatur intensiv vom westdeutschen Publikum wahrgenommen und hochgesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Auch die <strong>DDR <\/strong>erlebt in den 1970er Jahren ihre \u201ePolenwelle\u201c. Ohne Zweifel ist dies dem Ost-Berliner Lyriker und Aphoristiker <strong>Henryk Bereska<\/strong> (1926-2005) zu verdanken, dem neben Karl Dedecius wichtigsten \u00dcbersetzer polnischer Literatur ins Deutsche. &#8220;Ich wurde F\u00e4hrmann, \u00fcbertrug kostbare Fracht&#8221; beschreibt er einmal seine \u00dcbersetzungsarbeit. Zu dieser Fracht geh\u00f6ren unz\u00e4hlige polnische Autoren darunter R\u00f3\u017cewicz und Herbert, Wis\u0142awa Szymborska, Stanis\u0142aw Wyspia\u0144ski, S\u0142awomir Mro\u017cek und Adam Zagajewski.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr den DDR-Leser war die polnische Literatur mehr als nur \u00e4sthetischer Genuss (\u2026) er fand hier eine radikal andere Sicht auf die Wirklichkeit.\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>Die geistige Vorbereitung einer Demokratiebewegung in der DDR erh\u00e4lt entscheidende Impulse durch die Aneignung der polnischen Literatur und den Austausch mit der polnischen Opposition.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a><\/p>\n<p>Im allgemeinen Bewusstsein der Polen existiert Ost-Berlin freilich nur schemenhaft, es ist ein grauer Fleck, eine Art \u00dcbergangsgebiet zwischen der Volksrepublik Polen und West-Berlin, \u201eeine Schleuse, deren Mechanismen jeder erfahren hatte, der mit dem Zug hierher kam\u201c, erinnert sich <strong>Leszek Szaruga<\/strong>, Lyriker und \u00dcbersetzer, der f\u00fcr seine oppositionelle T\u00e4tigkeit eine Zeitlang inhaftiert wurde und seine Eltern &#8211; Witold Wirpsza und Maria Kurecka \u2013 f\u00fcr ein paar Stunden in Ost-Berlin sehen konnte. In das \u201eechte\u201c Berlin kann er erst Mitte der 1970er Jahre kommen.<\/p>\n<p>Als \u201eein singul\u00e4res Naturph\u00e4nomen\u201c (Szaruga) inmitten des totalit\u00e4r beherrschten Raumes wird die \u201eInsel der Freiheit\u201c von der Aura einer vielsprachigen, weltoffenen und kulturellen Metropole umgeben, die eine starke Anziehungskraft auf die zahlreichen polnischen K\u00fcnstler und Intellektuelle aus\u00fcbt, die in den 1960er und 1970er Jahren zu West-Berliner Insulanern werden.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p><strong>Berliner Matratzenlager<br \/>\n<\/strong>In den 1980er Jahren, in der Zeit der <em>Solidarno\u015b\u0107<\/em>&#8211; Bewegung, des Kriegsrechts, der schweren politischen und wirtschaftlichen Krise kommt es zum gro\u00dfen Wanderungsstrom von polnischen Emigranten, Fl\u00fcchtlingen, Sp\u00e4taussiedlern. 900.000 Menschen verlassen Polen in dieser Zeit, 200.000 kommen nach Deutschland, 30.000 davon bleiben in West-Berlin. In kurzer Zeit entwickelt sich die Mauerstadt neben Paris und London zum wichtigsten politischen und kulturellen Zentrum der Exilpolen in Europa. Den beiden Metropolen hat Berlin die N\u00e4he zur Heimat, die einfache Anreise, einen einmonatigen visumfreien Aufenthalt und g\u00fcnstige Lebenshaltungskosten voraus. Hier entstehen gesellschaftspolitische Organisationen im Umfeld von <em>Solidarno\u015b\u0107<\/em>, kulturelle Initiativen, Theater (Teatr Kreatur von Andrzej Woron), Verlage (\u201eArchipelag\u201c), eine polnische Buchhandlung von Wojtek Drozdek, es erscheinen Exilzeitschriften (\u201ePogl\u0105d\u201c)\u2026<\/p>\n<p>In dieser Zeit kommen nach West-Berlin auch: <strong>Ewa Maria Slaska, Brygida Helbig, Dorota Danielewicz, Emilia Smechowski.<\/strong><\/p>\n<p>Ewa Maria Slaska gr\u00fcndete die zweisprachige Zeitschrift WIR (1994), mit dem Fokus auf die deutsch-polnische kulturelle Zugeh\u00f6rigkeit, auf den literarischen Dialog zwischen den beiden L\u00e4ndern und auch auf Grenz\u00fcberschreitungen zwischen der Literatur und anderen K\u00fcnsten.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<br \/>\n<\/a>Dorota Danielewicz, dank der die polnische Literatur in Berlin in \u00f6ffentlichen Veranstaltungen wahrgenommen wurde (unvergesslich der Abend mit Czes\u0142aw Mi\u0142osz am 1.6.2000 im LCB!), ist ein &#8220;Reisef\u00fchrer&#8221; durch die Seele Berlins zu verdanken: Eine poetische und pers\u00f6nliche Liebeserkl\u00e4rung an Berlin: \u201eAn den B\u00e4umen reifen allm\u00e4hlich \u00c4pfel, und das Gras w\u00e4chst schnell und ger\u00e4uschlos. In solchen Augenblicken \u00fcberkommt mich ein wohliges Gef\u00fchl von Ruhe und Geborgenheit, dann sp\u00fcre ich in meinem Herzen, dass die Stadt sich endlich von all dem erholt, was das 20. Jahrhundert ihr angetan hat.\u201c<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<br \/>\n<\/a>Brygida Helbig, die literarische Grenzg\u00e4ngerin, mit Bindungen zu verschiedenen Orten, Genres und Literaturen, und vermutlich einer transportf\u00e4higen Identit\u00e4t, sie kennt sich im Grenzland aus und sie kennt auch alle \u201eEngel und Schweine. In Berlin!\u201c<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a>\u2026<br \/>\nUnd schlie\u00dflich Emilia Smechowski, die es in \u201eWir Strebermigranten\u201c fasste: \u201eAls Migranten sieht man uns kaum. Jedenfalls diejenigen nicht, die in den 80er und 90er Jahren kamen \u2013 und das sind mit Abstand die meisten. Wir sind unsichtbar. Wir sind quasi gar nicht mehr da, so gut gliedern wir uns ein. Wie Cham\u00e4leons haben wir gelernt, uns in der deutschen Gesellschaft zu verstecken.\u201c<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wohngemeinschaft<br \/>\n<\/strong>Nach 1989 ist es die Baustelle, das Experimentierfeld, die Leerstelle Berlin, die vor allem junge Menschen aus Polen an die Spree zieht.\u00a0 Viele polnische K\u00fcnstler und Schriftsteller (Artur Szlosarek, Krzysztof Niewrz\u0119da, Radka Franczak) w\u00e4hlen den Lebensmittelpunkt Berlin, das \u201ezu einer Art nat\u00fcrlichem Erg\u00e4nzungsraum f\u00fcr die Republik Polen\u201c (Peter Oliver L\u00f6w), zu \u201eNied\u017awiadek\u201c wird. Literarische Imagination und sozialpolitische Tr\u00e4ume brauchen leere R\u00e4ume, und so entsteht im frisch renovierten polnischen Berliner Zimmer eine Wohngemeinschaft von unterschiedlichsten Subkulturen, vielf\u00e4ltigen Lebensformen und mehrdimensionalen Identit\u00e4ten. Olga Tokarczuk &#8211; sie verbrachte das Jahr 2001 als Gast des DAAD in Berlin \u2013 hat das in einem Essay<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> sehr sch\u00f6n gefasst. W\u00e4hrend Gombrowicz f\u00fcr den abgewandten Blick der Berliner noch unsichtbar bleibt, kn\u00fcpft Tokarczuk f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Blick \u201eMiniaturfreundschaften\u201c:<\/p>\n<p>\u201e(\u2026) die Menschen hier lie\u00dfen ihre Blicke auch l\u00e4nger aufeinander ruhen als irgendwo anders. (\u2026) Sie schauten mit Interesse und oft l\u00e4chelten sie gleich danach, als h\u00e4tten sie sich selbst beim kindlichen Begaffen ertappt. (\u2026) Uns interessieren doch die Anderen, und solange sie uns interessieren, solange bilden wir eine Gesellschaft\u2026 Berlin ist zivilisiert \u2013 wenn man unter diesem Wort das versteht, was es tats\u00e4chlich bedeutet: Verb\u00fcrgerlichung; sie fu\u00dft auf ununterbrochener Kommunikation, auf Wechselbeziehungen und gegenseitiger Beeinflussung. Die einfachen Zuordnungen verschmelzen, man setzt sie in Anf\u00fchrungszeichen und gibt sie einer weichen kaffeehausartigen Dekonstruktion preis. (\u2026) heute ist das ein viel bedeutender Ort als London oder Dublin, sogar als Warschau, denn Berlin ist heimisch und mond\u00e4n zugleich. Gem\u00fctlich und weltst\u00e4dtisch. Definiert und offen.\u201c<\/p>\n<p>Der Text ist 15 Jahre alt \u2013 und gilt wohl auch f\u00fcr diesen Moment.<\/p>\n<p>Wir, die polnischen Berliner, leben hier in einer vertrauten Grundstruktur, die wir mit anderen Menschen teilen, in der wir uns heimisch f\u00fchlen. Berlin ist f\u00fcr die meisten keine vor\u00fcbergehende Unterkunft mehr, sondern eine \u201everschobene Heimat\u201c (Przemys\u0142aw Czapli\u0144ski)<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a>, eine Sph\u00e4re von Begegnungen, gemeinsam geteilten Erfahrungen, Geschichten und Alltag. Keine Entfremdung, sondern ein innerer Ort von Geborgenheit, Verbundenheit, Sinn, Bed\u00fcrfnis \u2013 es f\u00fchlt sich wie Zuhause an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> So der Titel der Ausstellung \u00fcber die Geschichte der polnisch-deutschen Nachbarschaft, die 2009 vom Zentrum f\u00fcr Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit dem St\u00e4dtischen Museum Berlin und dem Nationalmuseum in Pozna\u0144 vorbereitet wurde (http:\/\/www.wirberliner.de\/index.php?p=page1&amp;lang=de).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Emilia Smechowski, \u201eWir Strebermigranten\u201c, Hanser Berlin, Berlin 2017<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Peter Oliver Loews Buch weist auch auf diese \u201eUnsichtbarkeit\u201c hin: \u201eWir Unsichtbaren. Geschichte der Polen in Deutschland\u201c, Verlag C. H. Beck, M\u00fcnchen 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ma\u0142gorzata Quinkenstein, Robert Traba (Hg.), \u201ePolnisches Berlin. Stadtf\u00fchrer\u201c, Ferdinand Sch\u00f6ningh Verlag, Paderborn 2016, S. 79<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Die neunb\u00e4ndige Werkausgabe im Igel Verlag: http:\/\/www.igelverlag.com\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-42624777.html<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Auf Deutsch: Marek H\u0142asko, \u201eDer achte Tag der Woche und andere Erz\u00e4hlungen\u201c, \u00fcbers. von Vera Cerny, Hans Goerke und Maryla Reifenberg, Kiepenheuer und Witsch, K\u00f6ln 1958<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Der Film, in der Regie von Aleksander Ford und mit Starbesetzung \u2013 Zbyszek Cybulski und Sonja Ziemann, wird von Artur \u201eAtze\u201c Brauner produziert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Auf Deutsch: Marek H\u0142asko, \u201eDie sch\u00f6nen Zwanzigj\u00e4hrigen\u201c, \u00fcbers. von Roswitha Matwin-Buschmann, Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2000<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ebenda, S. 206<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Witold Gombrowicz,\u201eDziennik 1953-1956, Instytut Literacki, Pary\u017c <a href=\"https:\/\/pl.wikipedia.org\/wiki\/1957\">1957<\/a>; \u201eDziennik 1957-1961\u201d, Instytut Literacki, Pary\u017c <a href=\"https:\/\/pl.wikipedia.org\/wiki\/1962\">1962<\/a>; Dziennik 1961-1966, Instytut Literacki, Pary\u017c <a href=\"https:\/\/pl.wikipedia.org\/wiki\/1966\">1966<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Witold Gombrowicz, \u201eTagebuch 1953-1969\u201c, \u00fcbers. von Olaf K\u00fchl, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 842<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Witold Gombrowicz, \u201eKronos\u201c, Wydawnictwo Literackie, Krak\u00f3w 2013; W.G., \u201eKronos. Intimes Tagebuch\u201d, \u00fcbers. Olaf K\u00fchl, Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 2015<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Witold Gombrowicz, \u201eTagebuch 1953-1969\u201c, \u00fcbers. von Olaf K\u00fchl, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 854<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Alexander und Margarete <em>Mitscherlich<\/em><em>, <\/em>\u201eDie Unf\u00e4higkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens\u201c, Piper Verlag, M\u00fcnchen 1967<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Peter Weiss, \u201eDie Notizb\u00fccher. Kritische Gesamtausgabe. CD ROM\u201c, hrsg. von J\u00fcrgen Schutte in Zusammenarbeit mit Wiebke Amthor und Jenny Willner, Directmedia Publishing, Berlin 2006, Notizbuch 4, 4.10.1963-31.12.63, I. Band, 1982<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Uwe Johnson, Portr\u00e4ts und Erinnerungen, hrsg. von Eberhard Fahlke, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, S. 24<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Witold Gombrowicz, \u201eTagebuch 1953-1969\u201c, \u00fcbers. von Olaf K\u00fchl, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2004, S. 874<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Witold Gombrowicz, \u201eTrans-Atlantik\u201c, in: Gesammelte Werke, hrsg. von Rolf Fieguth und Fritz Arnold, Bd. 2, Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 1988, S. 180<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Hubert Fichte, \u201eDie zweite Schuld. Glossen. Die Geschichte der Empfindlichkeit\u201c, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Witold Wirpsza, \u201eDrei Berliner Gedichte\u201c, LCB-Editionen Nr. 42, Berlin 1976, S. 49<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> \u201eLektion der Stille. Neue polnische Lyrik\u201c, ausgew\u00e4hlt und \u00fcbertragen von Karl Dedecius, Carl Hanser Verlag, M\u00fcnchen 1959<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Zbigniew Herbert, \u201eGesammelte Gedichte\u201c, hrsg. von Ryszard Krynicki, mit einem Nachwort von Michael Kr\u00fcger, \u00fcbers. von H. Bereska, K. Dedecius, R. Schmidgall, K. Staemmler, O. J. Tauschinski, S. 642<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Karl Dedecius, \u201e\u00dcberall ist Polen. Zur polnischen Literatur der Gegenwart\u201c, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1974, S. 86 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> In Witold Wirpszas Gedicht \u201eSchwierigkeiten\u201c (1984) hei\u00dft es: \u201eEs barst mir das Herz, aber zerbrochen ist es nicht, nur eine Narbe blieb.\/ Vielleicht tragen andere schwer an einer Narbe, ich jedoch nicht.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Zbigniew Herbert, \u201eGesammelte Gedichte\u201c, hrsg. von Ryszard Krynicki, mit einem Nachwort von Michael Kr\u00fcger, \u00fcbers. von H. Bereska, K. Dedecius, R. Schmidgall, K. Staemmler, O. J. Tauschinski, S. 629 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Andreas Lawaty, \u201eChance zur Verst\u00e4ndigung. Die Geschichte der deutsch-polnischen Kulturbeziehungen\u201c, in: Ann\u00e4herungen \u2013 Zbli\u017cenia. Deutsche und Polen 1945\u20131995, hrsg. von Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, D\u00fcsseldorf 1996, S. 135<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Als Beispiel: Der B\u00fcrgerrechtler und Friedensaktivist Ludwik Mehlhorn (1950-2011) pflegte intensiven Kontakt zu polnischen Dissidenten in Polen und war Mitbegr\u00fcnder der B\u00fcrgerbewegung <em>Demokratie Jetzt.<\/em> Als Autodidakt eignete er sich die polnische Sprache an, \u00fcbersetzte und kommentierte Dokumente der demokratischen Opposition, Texte des Soziologen Jan Strzelecki, Essays und Gedichte von Jan J\u00f3zef Lipski, Czes\u0142aw Mi\u0142osz und Adam Zagajewski. Als Redakteur und Mitherausgeber von Untergrundzeitschriften (z. B. Almanach \u201eOder\u201c) spielte er f\u00fcr zahlreiche Oppositionskreise, darunter die Initiative Frieden und Menschenrechte, eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Zum Beispiel als G\u00e4ste des DAAD-K\u00fcnstlerprogramms: Stanis\u0142aw Lem, Witold Wirpsza, Tadeusz R\u00f3\u017cewicz, S\u0142awomir Mro\u017cek, Zbigniew Herbert, Kazimierz Brandys, Wiktor Woroszylski, Adam Zagajewski, Ryszard Krynicki, Ryszard Kapu\u015bci\u0144ski, Ewa Lipska&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> http:\/\/porta-polonica.de\/de\/node\/208<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Dorota Danielewicz, \u201eBerlin. Przewodnik po duszy miasta\u201c, W.A.B., Warszawa 2013; D.D., \u201eAuf der Such nach der Seele Berlins\u201d, \u00fcbers. von Arkadiusz Szczepa\u0144ski, Europa-Verlag, Berlin, M\u00fcnchen, Wien, Z\u00fcrich 2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Brygida Helbig, \u201eAnio\u0142y i \u015bwinie. W Berlinie!\u201d, Wydawnictwo Forma, Szczecin 2005; B. H., \u201eEngel und Schweine\u201c, \u00fcbers. von Lothar Quinkenstein, freiraum-verlag, Greifswald 2016<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Emilia Smechowski, \u201eWir Strebermigranten\u201c, Hanser Berlin, Berlin 2017, S. 11<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Olga Tokarczuk, \u201eDrei Gr\u00fcnde, warum ich Berlin mag\u201c, in: DIALOG. Deutsch-Polnisches Magazin, Nr. 85-86 (2008-2009), S. 21 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Przemys\u0142aw Czapli\u0144ski, \u201ePoruszona mapa. Wyobra\u017ania geograficzno-kulturowa polskiej literatury prze\u0142omu XX i XXI wieku\u201d, Wydawnictwo Literackie, Krak\u00f3w 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prolog \u201eNoch ist Polen nicht verloren\u201c &#8211; wer kennt nicht diese erste Zeile aus der polnischen Nationalhymne? Sie verweist auf den jahrhundertelangen polnischen Freiheitskampf und wird im Laufe der Zeit zum gefl\u00fcgelten Wort. 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