{"id":14811,"date":"2021-03-02T11:20:47","date_gmt":"2021-03-02T10:20:47","guid":{"rendered":"https:\/\/magazin.stadtsprachen.de\/en\/?post_type=stsp_text&#038;p=14811"},"modified":"2021-03-17T12:22:00","modified_gmt":"2021-03-17T11:22:00","slug":"spurensuche-nahostberlin","status":"publish","type":"stsp_text","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/en\/text\/spurensuche-nahostberlin\/","title":{"rendered":"Spurensuche \u201eNahostBerlin\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Keynote zu &#8220;Parataxe Symposium VII = NahostBerlin \u2013 die literarische Middle East Union!&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Auf die Wortsch\u00f6pfung \u201eNahostBerlin\u201c stie\u00df ich erstmals vor drei Jahren in Ronen Steinkes Buch \u201eDer Muslim und die J\u00fcdin\u201c (2017)<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup>[i]<\/sup><\/a>. Darin erz\u00e4hlt der Journalist und Autor die eindrucksvolle Geschichte des \u00e4gyptischen Arztes Mohamed Helmy, der die J\u00fcdin Anna Boros vor der Deportation im nationalsozialistischen Deutschland rettete. Neugierig machte mich, wie die religi\u00f6se Zuschreibung des Retters nicht nur im Titel, sondern in der Gesamterz\u00e4hlung als bedeutsames Merkmal hervorgehoben, ja Helmys Berliner Alltag, sein Arbeitsleben und couragiertes Handeln auf diesen Aspekt seiner Identit\u00e4t hin fokussiert wurde. Die r\u00fcckwirkende Etikettierung dieses Protagonisten \u2014 \u00e4gyptisch, arabisch, muslimisch \u2014 kann, wie ich finde, nicht ohne den aktuellen gesellschaftspolitischen Kontext verstanden werden, unter dessen Licht der Plot \u2014 der Muslim rettet die J\u00fcdin \u2014 mit der subtilen Vorstellung eines im Grunde ungew\u00f6hnlichen Szenarios spielt. Die Erz\u00e4hlung eines Arabers\/Muslim, der einer J\u00fcdin das Leben rettet, erscheint gerade angesichts des gegenw\u00e4rtigen Diskurses \u00fcber einen vermeintlich \u201eimportierten Antisemitismus\u201c, bei dem die Anderen zum Sinnbild der Gefahr konstruiert werden, umso heldenhafter. Sie kommt in anderen Worten nicht ohne einen Hauch von Exotik aus. So bettet auch Steinke das Geschehen in ein gr\u00f6\u00dferes Spektakel ein, als das die Pr\u00e4senz und das Leben der \u201eFremden\u201c aus dem Nahen Osten in Berlin bereits vor \u00fcber hundert Jahren empfunden wurden. Mit dem Begriff \u201eNahostBerlin\u201c erinnert Steinke daran, dass Araber*innen und Muslim*innen lange vor den Anwerbeabkommen der 60er Jahre in Deutschland lebten, unter ihnen nicht wenige Studierende und antikoloniale Denker, aber auch Gelehrte, \u00c4rzte und Kunstschaffende. \u201eNahostBerlin\u201c Anfang des 20.Jahrhunderts steht ganz im Zeichen einer vermeintlich zum Anfassen nahen Differenz, wie sie \u00fcbrigens auch ohne das Anh\u00e4ngsel \u201eBerlin\u201c bereits im vagen Begriff des Nahen Ostens anklingt, der Nationen und Gesellschaften ihrer Unterschiede und Spezifika zum Trotz in eine \u201aorientalische Masse\u2018 k\u00fcnstlich zusammenlegt. Denn wem sonst soll der Osten nah sein, wenn nicht Europa und damit auch Deutschland, aus dessen Zentren der Rest der Welt im Au\u00dfen beobachtet, markiert und bewertet wird. Kein anderer wusste das besser als Edward W. Said. In seiner fulminanten Kritik des europ\u00e4ischen Orientalismus erkl\u00e4rt der amerikanisch-pal\u00e4stinensische Denker: \u201eWer \u00fcber den Orient schreibt, muss ihm gegen\u00fcber Stellung beziehen, das hei\u00dft, im Text einen bestimmten narrativen Ton anschlagen, klar erkennbare Strukturen aufbauen und passende Bilder, Themen und Motive ausw\u00e4hlen &#8211; um den Leser zu erreichen und sich des Orients so zu bem\u00e4chtigen, dass er letzten Endes f\u00fcr ihn oder in seinem Namen sprechen kann.\u201c<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a> Die \u201eOrientalisierung des Orients\u201c, also seine Erfindung in europ\u00e4ischer Literatur, Wissenschaft und Politik, darauf will Said hinaus, ist auf den Gebrauch tradierter Bilder angewiesen, ja auf eine ganz bestimmte Art des Sprechens und Schreibens, um die Anderen zum Leben zu erwecken und dem Begehren eines \u201ewestlichen\u201c Publikums vorzuf\u00fchren. Das Wort \u201eOrient\u201c verr\u00e4t weniger \u00fcber die Region als vielmehr \u00fcber die Vorstellungskraft der Betrachtenden. Es ist Projektionsfl\u00e4che von Sehns\u00fcchten, \u00c4ngsten und Fantasien, Abbild einer imaginierten Geografie, der zufolge Kultur, Religion und Raum eine jeweils in sich geschlossene Einheit bilden. Jene symbolischen Koordinaten, auf die Said aufmerksam macht, der narrative Ton, die Strukturen, Bilder und Themen, die dem Orient das diskursive Fundament in Europa stellen, pr\u00e4gen gleichsam die \u00f6ffentliche Wahrnehmung \u00fcber das Sprechen und Schreiben derjenigen, die aus dem Nahen Osten einwanderten genauso wie das ihrer Nachkommen. Nicht ohne Grund \u00fcbt der Schriftsteller Deniz Utlu Kritik an einer \u201eMigrantenliteratur\u201c, sie existiere schlichtweg nicht. Er schreibt: \u201eKeine literarische Str\u00f6mung l\u00e4sst sich allein \u00fcber die Herkunft oder scheinbare Herkunft oder zugeschriebene Herkunft der Autoren definieren. Migrationsliteratur ist eine Perspektive auf Literatur, die nicht am Text ansetzt, sondern an einer Vorstellung von Gesellschaft.\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\"><sup>[iii]<\/sup><\/a> Die T\u00fccken einer herkunftsfokussierten Lesart, die den Blick auf andere literarische Aspekte und Fragestellungen verschlie\u00dfen kann, treten aktuell nicht zuletzt im Kontext von Flucht und Asyl in Erscheinung, wenn das Autor*innendasein auf ein Gefl\u00fcchtetendasein reduziert wird. Die Schriftstellerin Rasha Abbas hat die voyeuristischen Bed\u00fcrfnisse nach dem Schrecken von Vertreibung und Krieg, die mitunter den Blick auf das literarisch k\u00fcnstlerische Talent versperren k\u00f6nnen, in einer brillanten Satire entlarvt<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\"><sup>[iv]<\/sup><\/a>. In \u201eDie Erfindung der deutschen Grammatik\u201c bem\u00fcht sich ihre Protagonistin vergeblich, einen Verleger von ihrem Romanmanuskript zu \u00fcberzeugen, in dem mit sexuellen und religi\u00f6sen Tabus gebrochen wird und vulg\u00e4re Fl\u00fcche auf den Propheten geschimpft werden \u2013 doch das scheint nicht zu gen\u00fcgen. \u201eK\u00f6nnten Sie f\u00fcr uns etwas Gewaltt\u00e4tiges schreiben?\u201c lautet der Vorschlag ihres Gegen\u00fcbers, der sich nach einer Erz\u00e4hlung \u00fcber eine kriegstraumatisierte Gefl\u00fcchtete sehnt, bestenfalls in einer Liebesbeziehung mit einem IS-K\u00e4mpfer. Nat\u00fcrlich k\u00f6nne sie das, etwas mehr Gewalt in die Geschichte einweben, antwortet die Schriftstellerin und bietet kannibalistische und nekrophile Szenarien an und zieht damit die verlegerische Beratung bewusst immer weiter ins L\u00e4cherliche. Zum Ende hin spitzt sich die Situation zu, die Protagonistin schlie\u00dft die B\u00fcrot\u00fcr ab, zieht sich Handschuhe \u00fcber und droht damit, die herbeigesehnte Gewalt auf den Verleger praktisch umzukehren. Mit ihrer Erz\u00e4hlung zeigt Abbas auf sarkastische Weise, dass die Schwierigkeiten und H\u00fcrden im Betrieb nicht erst nach der Ver\u00f6ffentlichung beginnen, sondern bereits zuvor, wenn das literarische Schaffen der Anderen erst gar nicht rezipiert, geschweige denn als echte und gute Literatur gew\u00fcrdigt wird. Und das nicht erst seit gestern. \u00dcber 46 Jahre nachdem Aras \u00d6ren sein Langpoem \u201eWas will Niyazi in der Naunynstra\u00dfe?\u201c ver\u00f6ffentlichte, holte der Verbrecher Verlag erst k\u00fcrzlich seine Poesie mit einer Neuauflage der \u201eBerliner Trilogie\u201c zur\u00fcck in die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit, und damit auch die Geschichten und Lebensrealit\u00e4ten sogenannter Gastarbeiter*innen. Dass \u00d6ren so lange \u00fcbersehen wurde, noch immer zu vielen im Land unbekannt ist, und von anderen nicht als deutscher Autor anerkannt und zur Angelegenheit der Turkologie erkl\u00e4rt wird, sagt viel \u00fcber das umk\u00e4mpfte Terrain der deutschsprachigen Literaturlandschaft aus. Auch die zweite und dritte Generation klagt fehlende Repr\u00e4sentation im literarischen Betrieb an und erk\u00e4mpft sich Diskursr\u00e4ume. Unter ihnen findet sich Yasemin Alt\u0131nay, Gr\u00fcnderin von \u201eLiterarische Diverse\u201c, einem Magazin f\u00fcr mehr junge Vielfalt in der Literatur, oder auch Nadire Y. Biskin. In ihrer Kurzgeschichte \u201eBorderline\u201c, erschienen in der Anthologie \u201eFlexen. Fl\u00e2neusen* schreiben St\u00e4dte\u201c (2019) l\u00e4dt uns die Autorin auf einen alternativen Spaziergang in Wedding ein, durch koloniale Stra\u00dfennamen, vorbei an Kasinos, Moscheen, Baklava-L\u00e4den und dem beliebten Fastfood-Lokal Risa-Chicken, \u201eder KFC \u00e1 la halal\u201c<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\"><sup>[v]<\/sup><\/a>. Es ist ein Flexen quer durch das Stigma der \u201eParallelgesellschaft\u201c, ein flanierender Blick aus den Augen jener, die wie in \u00d6rens Kreuzberg an den Rand der Normalit\u00e4t und Zugeh\u00f6rigkeit verdr\u00e4ngt werden. Gleiches trifft auf einige U-Bahn-Haltestellen der Linie 8\u00a0 Neuk\u00f6lln zu. inAusgerechnet hier, in dem vielfach als \u201eNo-go-Area\u201c bezeichneten Bezirk, trifft man den israelischen Dichter Mati Shemoelof. Er z\u00e4hlt zu den f\u00fchrenden Stimmen der Mizrachi-Bewegung, jener arabischer J\u00fcd*innen, die in ihrer Antwort auf den von europ\u00e4ischen (aschkenasischen) J\u00fcd*innen dominierten Kulturraum Israels eine k\u00fcnstlerische Gegenkultur entwerfen. F\u00fcr Shemoelof selbst ist es \u201eeine Art dritter Weg der Poesie\u201c<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\"><sup>[vi]<\/sup><\/a>, mit er der das Stigma \u00fcberwindet und unter anderem verdr\u00e4ngte Familienerinnerungen aus Bagdad ins Zentrum r\u00fcckt. Der Wortstamm \u201eMizrach\u201c bedeutet aus dem Hebr\u00e4ischen \u00fcbersetzt \u201eOsten\u201c. Dieser zum Nahen Osten des Aschkenasischen gemachte Lyriker verwandelt sich mit seinem Umzug nach Berlin zum \u201eJuden Dichtar\u201c. In seinem gleichnamigen Gedicht schreibt Shemoelof: \u201ewarum kain viele hebre\u2019isch in dein stadt,\/ aber so viele andre immigrant\/ ish wais,\/ ish wais,\/ und jets, jeden Tag ish frage, das immer fragen,\/ und du sagst, bitte, wir kann tanzen, und nish vargessen\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\"><sup>[vii]<\/sup><\/a>. Folgt man der Einsch\u00e4tzung des \u00dcbersetzers und Literaturwissenschaftlers Jan K\u00fchnes, erinnert das Gedicht, das auf Deutsch gedacht und in hebr\u00e4ischen Buchstaben niedergeschrieben wurde, an die Entstehung des Jiddischen und verweise im Unterschied zu bisherigen Arbeiten des Mizrachipoeten auf \u201edie Geschichte und das Trauma der europ\u00e4ischen Judenheit\u201c<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\"><sup>[viii]<\/sup><\/a>. Das mag stimmen, aber Shemoelofs Verwandlung verstehe ich zugleich als ein eindr\u00fcckliches Beispiel daf\u00fcr, wie eine gesellschaftspolitische Anrede aufgegriffen und umgearbeitet werden kann, um die \u00fcbliche Wahrnehmung zu irritieren. Der Name \u201ejuden dichtar\u201c formuliert zwar ebenso Erwartungen an das J\u00fcdischsein, er verweist auf ein mehrheitsdeutsches Begehrens nach einem bestimmten aschkenasischen Judentum, darauf, wie in Deutschland das J\u00fcdische insgesamt auf ein sprachliches, thematisches und historisches Korsett eingeschn\u00fcrt wird, sodass es im Grunde f\u00fcr andere Formen des J\u00fcdischseins, darunter auch das Mizrachische, umso schwieriger wird, Geh\u00f6r zu finden. Doch genau das gelingt Shemoelof, indem er h\u00f6chstwahrscheinlich zum Erstauen so mancher Leser*innen andere Lebenswelten unter den Namen des \u201eJuden Dichtars\u201c einf\u00fchrt. Im selben Gedicht schreibt er: \u201eish bin ain lachmann, ish bin schlecht juden, immigrant, von irak,\/ ish bin juden, und ish bin arabisch.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\"><sup>[ix]<\/sup><\/a> Der Name \u201eJuden Dichtar\u201c f\u00fchrt ins \u00f6ffentliche Leben ein, er verleiht der literarischen Existenz ein vorgegebenes Vokabular und bietet doch die M\u00f6glichkeit k\u00fcnstlerischer Intervention. Eine solche trat auch vor \u00fcber hundert Jahren in jenem \u201eNahostBerlin\u201c in Erscheinung, die Steinke zum Ausgangspunkt seines Buches nahm. Bereits im damaligen \u201eNahostBerlin\u201c griffen deutsche J\u00fcd*innen in ihrem literarischen Schaffen auf die Orient-Schablone zur\u00fcck, um die ambivalente Selbstverortung zwischen einer Sehnsucht nach dem biblischen Erbe im Nahen Osten und der Fremdmarkierung als \u201edeutschredende Orientalen\u201c, wie es in der antisemitischen Rede Treitschkes hie\u00df, als ewige Andere in Europa zum Ausdruck zu bringen. \u201eIch bin in Theben (\u00c4gypten) geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland. Ich ging bis 11 Jahre zur Schule, wurde Robinson, lebte f\u00fcnf Jahre im Morgenlande, und seitdem vegetiere ich\u201c<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\"><sup>[x]<\/sup><\/a>, so stellt sich Else Lasker-Sch\u00fcler 1920 in Kurt Pinthus Anthologie \u201eMenschheitsd\u00e4mmerung\u201c vor. Das sprachliche Kost\u00fcm hat sich Lasker-Sch\u00fcler mit weiten \u201eorientalischen\u201c Hosen und dem passenden Schmuck \u00fcber den eigenen K\u00f6rper geworfen und so ihre Kunstfigur \u201eJusuf, den Prinzen von Theben\u201c zum Leben erweckt. Auch Lew Nussimbaum (1905-1942), ein in Baku geborener j\u00fcdischer Schriftsteller, der sich Essad Bey nannte. Auch er soll in Berliner Caf\u00e9s am Kurf\u00fcrstendamm in Turban, Pluderhosen und Ohrringen Lesungen gegeben haben.<\/p>\n<p>Meine eingangs formulierte Skepsis, was eine Bezeichnung wie \u201eNahostBerlin\u201c betrifft, weicht einer Neugier f\u00fcr den performativen, k\u00fcnstlerisch-literarischen Handlungsspielraum, den sich \u201eorientalische\u201c Autor*innen in Reaktion auf den hegemonialen Diskurs \u00fcber sie gestalten. Auch sie k\u00f6nnen Stellung gegen\u00fcber dem Orientbild nehmen und auf die Regeln des Diskurses f\u00fcr einen anderen Zweck zur\u00fcckgreifen. Um die Leser*innenschaft zu erreichen und sich Geh\u00f6r zu verschaffen, k\u00f6nnen sie \u2014 um Saids Worte f\u00fcr den vorliegenden Fall umzukehren \u2014 einen ganz bestimmten narrativen Ton anschlagen, eben jene Bilder, Themen und Motive ausw\u00e4hlen, und sie dann transformieren, verkomplizieren, anreichern und dehnen, vielleicht sogar ins L\u00e4cherliche ziehen, sodass sie letzten Endes f\u00fcr sich selbst sprechen k\u00f6nnen. Ein solches Unterfangen steht unter dem Vorzeichen identit\u00e4tspolitischer Gegennarrative, die sich das Ziel setzen, Fremdgemachte zu erm\u00e4chtigen. Das Projekt eines \u201eliterarischen Nahen Ostens in Berlin\u201c, wie es das Kollektiv \u201eAnu \u05d0\u05e0\u05d5 \u0646\u062d\u0646: Jews and Arabs Writing in Berlin\u201c umrei\u00dft, kn\u00fcpft schlussendlich an das gesellschaftspolitische Spannungsfeld an, in dem sich die Anderen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur zu verwirklichen versuchen. \u201eNahostBerlin\u201c kann unter emanzipatorischen Gesichtspunkten einen Ort literarischer Gegenkultur darstellen, wenn dem \u00f6ffentlichen Begehren nach Norm und Homogenit\u00e4t eine Absage erteilt, bestehende Regelsysteme irritiert und den Fremdbildern \u00fcber den \u201eNahen Osten\u201c und die ihm zugeteilten Menschen alternative Selbstentw\u00fcrfe entgegengehalten werden. Um durch dieses Territorium navigieren zu k\u00f6nnen, muss man die Beschaffenheit des Raumes stets neu auf seine M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen hin befragen. Das Prinzip k\u00f6nnte lauten: Grenzen abtasten, verschieben und strecken, Namen neu verlegen, sprachlich nachjustieren, Widerspr\u00fcche wecken und im richtigen Moment die Ausfahrt nehmen, um sich in \u201eNahostBerlin\u201c nicht zu verlieren.<\/p>\n<p>\u2014\u2014<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\"><sup>[i]<\/sup><\/a> Ronen Steinke (2017): Der Muslim und die J\u00fcdin. M\u00fcnchen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\"><sup>[ii]<\/sup><\/a> Edward W. Said (2017[1978]): Orientalismus. Frankfurt a.M., S.31.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\"><sup>[iii]<\/sup><\/a> Deniz Utlu: Die Sprache des Archivs. in: Unterhaltungen deutscher Eingewanderten, https:\/\/www.dichterlesen.net\/unterhaltungen-deutscher-eingewanderten\/<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\"><sup>[iv]<\/sup><\/a> Rasha Abbas (2016): Die Erfindung der deutschen Grammatik. Orlando Verlag.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\"><sup>[v]<\/sup><\/a> Nadire Y. Biskin (2019): Borderline. In: \u00d6zlem \u00d6zg\u00fcl D\u00fcndar et al. (Hrsg.): FLEXEN.FL\u00c2NEUSEN* SCHREIBEN ST\u00c4DTE, S.38.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\"><sup>[vi]<\/sup><\/a> Mati Shemoelof (2019): Das ist kein Zitat, das ist ein Brandmal an meinem Hals. in: Bagdad. Haifa. Berlin. Aphorisma Verlag, S.69.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\"><sup>[vii]<\/sup><\/a> Mati Shemoelof (2019): ich bin juden dichtar. in: Bagdad. Haifa. Berlin. Aphorisma Verlag, S.9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\"><sup>[viii]<\/sup><\/a> Jan K\u00fchne (2020): Vom Misrachpoet zum <em>Juden Dichtar<\/em>. in: Jalta. Ausgabe 7: \u00dcbersetzbarkeit. S.57.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\"><sup>[ix]<\/sup><\/a> Mati Shemoelof (2019): ich bin juden dichtar. in: Bagdad. Haifa. Berlin. Aphorisma Verlag, S.9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\"><sup>[x]<\/sup><\/a> zit. nach Margarete Kupper (1966) in: Friedhelm, Kemp (Hrsg.): Else Lasker-Sch\u00fcler. S\u00e4mtliche Gedichte. M\u00fcnchen, S.291.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keynote zu &#8220;Parataxe Symposium VII = NahostBerlin \u2013 die literarische Middle East Union!&#8221; Auf die Wortsch\u00f6pfung \u201eNahostBerlin\u201c stie\u00df ich erstmals vor drei Jahren in Ronen Steinkes Buch \u201eDer Muslim und die J\u00fcdin\u201c (2017)[i]. 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