{"id":26411,"date":"2026-06-18T14:45:00","date_gmt":"2026-06-18T12:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/stadtsprachen.de\/en\/?post_type=stsp_text&#038;p=26411"},"modified":"2026-06-18T18:08:43","modified_gmt":"2026-06-18T16:08:43","slug":"persisches-kosmopolis-kultur-und-zivilisation-jenseits-von-nation-und-religion","status":"publish","type":"stsp_text","link":"https:\/\/stadtsprachen.de\/en\/text\/persisches-kosmopolis-kultur-und-zivilisation-jenseits-von-nation-und-religion\/","title":{"rendered":"Persisches Kosmopolis: Kultur und Zivilisation jenseits von Nation und Religion"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem frischen und vom lauwarmen Regen begleiteten Fr\u00fchlingstag erschien in Kalkutta der Region <strong>Bengal<\/strong> von Hindostan<sup>1<\/sup> (British Raj, sp\u00e4ter zu \u201eIndia\u201c umgetauft), genauer am 18. April 1822, zum ersten Mal eine Zeitung in persischer Sprache. Zum ersten Mal \u00fcberhaupt im gesamten Persischen Kosmopolis. Der Herausgeber war Raja Rammohun Roy, die Zeitung wurde mit dem Namen Mirat-ul-Akhbar<sup>2<\/sup> getauft. Einmal pro Woche, freitags, informierte diese erste persischsprachige Zeitung der Welt die Leserschaft. Raja Rammohun Roy war der Gr\u00fcnder des Brahmo Samaj, einer Reformbewegung, deren transformativer, modernisierender Einfluss sich in vielen Bereichen der Politik, der \u00f6ffentlichen Verwaltung und Bildung zeigte und ihn post hoc zum \u201eVater der indischen Renaissance\u201c machte. In einer der ersten Ausgaben wurde \u00fcber den 102 Jahre zuvor gestorbenen namhaften und damals einen mythischen Ruf genie\u00dfenden Dichter-Mystiker Mirz\u0101 \u02bfAbdul Q\u0101dir \u2018B\u012bdil\u2019 berichtet und \u00fcber die Geheimnisse seiner obskuren und so transparenten Welten der Einbildung in seiner singul\u00e4ren Poesie. Die persische Poesie, jene manifeste und solide Grundlage des Geistes und der Subjektivit\u00e4t der \u201epersophonen Welt\u201c<sup>3<\/sup> , fand Ende des 18. Jahrhunderts mit Bidel den Erneuerer in Hindostan, und nicht in Tehran, Herat, Bochara, Esfahan oder Kabol<sup>4<\/sup>. <strong>Bidel<\/strong> stammte aus dem tschaghataischen <strong>Berlas<\/strong>-Stamm, dessen Vorfahren aus Mittelasien<sup>5<\/sup> (Zentralasien) stammten und von <strong>Badakhshan<\/strong><sup>6<\/sup> nach Hindostan emigriert waren. Bidils Poetik verwandelte die persische Sprache tiefgreifend und damit die persische Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem frischen und vom Schnee begleiteten Wintertag er\u00f6ffnete in Sarajevo auf dem <strong>Balkan<\/strong> eine Ausstellung zum Gedenken an Maulana Jalaledin Balkhi, als Rumi bekannt, mit Werken bedeutender K\u00fcnstler aus Sarajevo<sup>7<\/sup>. Sie erinnert an den gro\u00dfen Philosophen, Mystiker, Dichter, Gelehrten, Theologen und Sufi-Lehrer Jalaludin Balkhi Rumi<sup>8<\/sup> und war Teil der Veranstaltung \u201eShebi-Arus\u201c, die seinem 750. Todestag gewidmet war. So wie Balkhi \/ Rumi, ein Gigant der persischen Poetik im 13. Jahrhundert, im <strong>Balkan<\/strong> seit Jahrhunderten gelesen und verstanden wird, werden es auch andere, wie Hafez, Saadi und Ferdausi. Die persischsprachige Poesie im Balkan, geschrieben von den lokalen, autochthonen Dichtern, ist wenig erforscht. Frau Dr. Sabaheta Ga\u010danin<sup>9<\/sup> von der Universit\u00e4t Sarajevo geh\u00f6rt zu den herausragenden Forscherinnen auf diesem attraktiven Feld. Thomas Ruttig beschreibt eine Reise in Sarajevo wie folgt: \u201eam linken Ufer der Miljacka \u2026 befindet sich die Careva D\u017eamija, die Kaisermoschee, \u2026 Grab von Had\u017ei Hafiz Halid [Khaled], dessen kniehohe Marmorumrandung \u2013 zu meiner \u00dcberraschung \u2013 eine persische Inschrift tr\u00e4gt \u2026 Die Sprache, die die Osmanen damals bei einem Gro\u00dfteil ihrer offiziellen Angelegenheiten verwendeten, war jedoch Persisch. Persisch wurde verwendet, weil die Osmanen die Erben der Seldschuken waren. Diese t\u00fcrkische Stammeskoalition aus Zentralasien hatte Chorasan in der ersten H\u00e4lfte des Jahrhunderts erobert und dort die persische Sprache <em>\u00fcbernommen<\/em>, die von einer sesshaften, teils gut gebildeten iranischen Bev\u00f6lkerung gesprochen wurde. Von dort aus verbreiteten sie die Praxis, persischsprachige Gelehrte zu besch\u00e4ftigen, in andere Teile des Reiches, darunter auch nach Anatolien, das sie auf ihrem Weg nach Westen eroberten und das als Sultanat von Rum (1037\u20131194) bekannt wurde. Laut E. J. W. Gibb war Persisch die Sprache des Hofes, w\u00e4hrend persische Literatur und Kultur vorherrschten. Der persische Einfluss auf das t\u00fcrkische Geistesleben verst\u00e4rkte sich im 13. Jahrhundert noch, als viele Gelehrte, Schriftsteller und Dichter aus Persien auf der Flucht vor den Mongolen in das Seldschukenreich kamen. Die Osmanen, die Nachfolger der Seldschuken, <em>\u00fcbernahmen<\/em> die persische Kultur \u2026 So f\u00f6rderten sie die persische Literatur f\u00fcnfeinhalb Jahrhunderte lang und dehnten den Gebrauch der persischen Sprache auf die Gebiete des Balkans aus, die sie ab Mitte des 15. Jahrhunderts eroberten. Dem \u00d6sterreicher Bert Fragner zufolge, einem f\u00fchrenden Iranisten, erreichte die persischsprachige Welt vom 14. bis zum 18. und 19. Jahrhundert einen \u201aoptimalen Zustand (\u2026) in einer relativ konstanten r\u00e4umlichen Dimension \u2018 \u2013 n\u00e4mlich vom Balkan bis nach Zentralasien und Indien.\u201c<sup>10<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An einem frischen und vom hei\u00dfen Wind geplagten Sommertag traf ich in <strong>Bochara<\/strong> in Zentralasien im Jahr 2024 einen ber\u00fcchtigten Kalligraphen, der mir beschrieb, wie er und seine Studenten in einem Ort, der den kulturgeographischen Nucleus der Renaissance der neupersischen Sprache im 9. Jahrhundert bildet, n\u00e4mlich Bochara, unter Druck arbeiten. Die meisten Menschen sprechen in Bochara Persisch, ein Dialekt vokal\u00e4sthetisch h\u00f6chster Provenienz, und Tschagatai\u00d6sbekisch. Die nationalistische Regierung schr\u00e4nkt die Optionen der Anwendung des Persischen in \u00f6ffentlichen, offiziellen Anstalten und Institutionen ein. Er w\u00fcrde die auferlegten Hindernisse umgehen, indem er mit den Studenten ausschlie\u00dflich persische Poesie, klassische und neuartige, f\u00fcr kalligraphische \u00dcbungen anwendet. Da es \u201eimmer schon\u201c so war. Sollten Kontrolleure auftauchen, wird ihnen mitgeteilt, dass es sich um \u201ereligi\u00f6se Texte aus dem Quran\u201c handeln w\u00fcrde, so wird man in Ruhe gelassen. Die Diskrepanz und die satiretechnisch perfekte Umgehungstaktik des Meisters bestehen darin, dass die Kontrolleure nur kyrillische Schrift lesen k\u00f6nnen, da in der Sowjetunion die persische Schrift sp\u00e4testens ab 1938, mit Stalins Massenmord in Zentralasien, verschwand. Gerade an dem Ort, an dem das Neupersische im 9. Jahrhundert Form annahm. Die Trag\u00f6die erscheint bisweilen als Satire.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">***<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Orte, von <strong>Bengal<\/strong> bis <strong>Balkan<\/strong>, von <strong>Bochara<\/strong> bis <strong>Badakschan<\/strong>, konstituieren ma\u00dfgebend unsere Imagination um das singul\u00e4re Ph\u00e4nomen des \u201ePersischen Kosmopolis\u201c vor dem Hintergrund einer zivilisationstheoretischen Neueinsch\u00e4tzung. Alle Orte liegen au\u00dferhalb dessen, was das alte, sedierte und m\u00fcde Europa in seinem historischen Ged\u00e4chtnis als \u201ePersia\u201c (Persien, Perse) markiert hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir wissen heute Genaueres \u00fcber die Ausdehnung der persischen Poesie und Adab am \u00f6stlichenUfer des Golfs von Bengalen, von Myanmar bis Malaysia und, \u00fcberraschenderweise jenseits davon, ganz fern in s\u00fcdlichen Ostasien<sup>11<\/sup>. Wir wissen heute, dass osmanische Sultane wie Mehmet II., der Eroberer (Regierungszeit 1444\u20131481) mit Pseudonym Avni, Selim I. (Regierungszeit 1512\u20131520), mit Pseudonym Muhibbi, und Sultan S\u00fcleyman, der Pr\u00e4chtige (1520\u20131566), die in der H\u00f6he ihrer faktischen milit\u00e4rischen, administrativen, tiefenr\u00e4umlichen und \u00f6konomischen Macht, Poetik betrieben, zwar als Muttersprache das sch\u00f6ne osmanische Anatolisch-T\u00fcrkisch sprachen, aber dennoch auf Persisch dichteten<sup>12<\/sup>. Persische Poetik verband m\u00e4chtigste Sultane mit der Transzendenz der Geschichte und dem Wesen der Sprache<sup>13<\/sup>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Persische Kosmopolis<\/strong> ist ein neuartiges <strong>Konzept<\/strong> eines tiefendimensionierten, r\u00e4umlich und zeitlich wahrlich weitl\u00e4ufigen, transnationalen, transregionalen, heterogenen und polyphonen Kulturenamalgam, also Zivilisation, jenseits vom Nationalismus des 20. Jahrhunderts, jenseits der Ethnizit\u00e4t und des Tribalismus des 21. Jahrhunderts und jenseits von prim\u00e4ren Muttersprachen. Es dehnte sich zwischen dem 9. und 19. Jahrhundert vom <strong>Balkan bis nach Bengalen<\/strong> und von St\u00e4dten Zentralasiens bis zum \u201ewarmen Wasser\u201c des Indischen Ozeans. Es war zu keiner Zeit und ist auch heute keine ethnische oder gar nationale Identit\u00e4t oder deren Extrapolation. Es gibt auch keinen irreversiblen und irreduziblen alleinigen Bezug zum heutigen Land \u201eIran\u201c als einer politischjuristischen Entit\u00e4t mit genau markierten, international legitimierten Grenzen. Es ist vorerst ein Konzept. Die Rede ist von einer kulturellen immensen Geographie, in der Persisch \u00fcber ein Jahrtausend lang als Lingua franca, verbindend und n\u00e4herbringend, der Hochkultur und B\u00fcrokratie diente, vor allem unter der Herrschaft nicht-iranischer Dynastien wie der origin\u00e4r t\u00fcrksprachigen gro\u00dfen Dynastien der Ghaznaviden, Timuriden, Osmanen, Safaviden, timuridischen Moghulen. Persisch erzeugte eine zivilisatorische Fauna und Flora an den H\u00f6fen und Akademien, in Bibliotheken, Gerichten, Sufi-H\u00e4usern und anderen Labyrinthen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Persische Kosmopolis<\/strong> als Konzept repr\u00e4sentiert ein integriertes System \u00e4sthetischer, k\u00fcnstlerischer, poetischer, moralischer Regelhaftigkeiten \u2013 vorwiegend vermittelt durch die <em>persische Sprache<\/em> \u2013, die von verschiedenen Bev\u00f6lkerungsgruppen der immens weiten Regionen unabh\u00e4ngig von und trotz ihrer ethnischen, sprachlichen oder religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit <em>\u00fcbernommen<\/em> und nachgeahmt wurden. Diese Forschung ist eindeutig. Der Begriff \u201ePersisches Kosmopolis\u201c dient haupts\u00e4chlich dazu, zivilisationstheoretisch und grundkonzeptuell zwischen dem unmittelbaren, friedlichen, \u00f6ffnenden, lebendigen und nachhaltigen kulturellen Einfluss der persischen Sprache, Adab, \u00c4sthetik, Kunst und Poetik und dem strengen religi\u00f6sen Einfluss des arabischen Islam zu unterscheiden. Die Menschen im Persischen Kosmopolis waren nicht zwangsl\u00e4ufig ethnisch homogen, sondern das Gegenteil, damals wie heute ist das Ethnische in diesem Konzept irrelevant. Marshall Hodgson verwendete den Begriff \u201epersianate\u201c<sup>14<\/sup>, um Kulturen zu beschreiben, die selbst nicht prim\u00e4r kern-iranisch waren, aber \u201estark von der persischen Sprache oder Kultur beeinflusst\u201c wurden, wie etwa die Osmanen und die Elite Hindostans (Indiens). Neuere Studien (z. B. \u201eMana Kia\u201c, \u201ePersianate Selves\u201c) stellen vormoderne nationalistische Interpretationen in Frage und konzentrieren sich stattdessen darauf, wie \u201ePersianat\u201c ein \u201eGef\u00fcge aus Verbindungen, Identit\u00e4ten und gemeinsamen Empfindungen\u201c darstellte und <strong>kein abgegrenztes Territorium<\/strong>. In diesem Zusammenhang betont sie Adab. Adab ist ein zentraler Begriff und bezeichnet angemessene <strong>\u00e4sthetische<\/strong> Normen und <strong>ethische<\/strong> Formen des Verhaltens, Denkens und Sprechens. W\u00e4hrend Arabisch die Sprache strenger theologischer Studien blieb, entwickelte sich Persisch zur Sprache der \u201eh\u00f6fischen Kultur\u201c, der Mystiker und Dichter, der Musik und Mu\u00dfe. Und genauso wichtig ist selbstverst\u00e4ndlich das Sch\u0101hn\u0101ma (K\u00f6nigsepos) von Ferdowsi<sup>15<\/sup>, es ist ein Schl\u00fcsseltext einer mythisch transzendentalen Historie und eine wahre Geschichte der Ereignisse, in drei Dekaden verfasst und dem t\u00fcrkischsprachigen K\u00f6nig Mahmoud Ghaznavi vorgestellt. 60.000 Verse Epik, 1000 Jahre vor heute, ein Grundtext der humanen Zivilisation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich dem von Sheldon Pollock vorgeschlagenen Modell der \u201eSanskrit-Kosmopolis\u201c ist das Persische Kosmopolis ein \u201eortloser\u201c, weiter, grenzloser Kulturraum, in dem Persisch die Sprache der Elite in Verwaltung, Literatur und Kommunikation war und Adab, \u00c4sthetik, Kunst, Architektur und vor allem und ma\u00dfgeblich die Poetik entscheidend und pr\u00e4gend f\u00fcr die Relationen, Netzwerke und Konstitutionen der jeweiligen St\u00e4dte, \u201eL\u00e4nder\u201c, Sultanate und K\u00f6nigreiche. Das Persische Kosmopolis umfasste in historischer Ausdehnung seit dem Jahr 1000 in Westasien Anatolien (Reiche der Seldschuken\/Osmanen), die erweiterte Geographie von Iran, Khorasan, Zentralasien (Reiche der Samaniden\/Timuriden), den Kaukasus und ma\u00dfgeblich und signifikant den indischen Subkontinent (Sultanat von Delhi, Timuridische Mogul-K\u00f6nigreich) mit wissenschaftlich nachweislichen Ausdehnungen bis tief nach S\u00fcdostasien. Allein die Sph\u00e4ren in Zentralasien und Westasien w\u00fcrden mehr als 12 Millionen Quadratkilometer umfassen, w\u00e4re Raum wichtig. Was nicht der Fall ist, wir sprechen \u00fcber den Geist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In <strong>konzeptioneller und zivilisationstheoretischer<\/strong> Hinsicht ist wichtig anzumerken, dass das Neupersische keiner bestimmten Religion zugeordnet war. Dadurch konnte es sich zu einer \u201eneutralen\u201c, verbindenden, transregionalen angesehenen Sprache entwickeln, die von Buddhisten, Muslimen, Hindus, Christen und Juden <strong>gleicherma\u00dfen<\/strong> verwendet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebenfalls wichtig in <strong>konzeptioneller und zivilisationstheoretischer<\/strong> Hinsicht ist die Tatsache jener genuin <strong>altgriechischen Konnotation<\/strong> von Kosmopolis. Der griechische Begriff der Kosmopolis (abgeleitet von kosmos, \u201eWelt\u201c, und polis, \u201eStadt\u201c) bezeichnet die Idee, ein \u201eWeltb\u00fcrger\u201c (kosmopolit\u00eas) zu sein und die traditionelle Loyalit\u00e4t zu einem lokalen Staat (dort zum Stadtstaat) zu <strong>\u00fcberwinden<\/strong>. Er steht f\u00fcr einen Wandel von einer lokal einengenden psychopolitischen Identit\u00e4t hin zu einer <strong>umfassenderen, philosophischen<\/strong> und ethischen <strong>Identifikation<\/strong> mit der gesamten Menschheit, die in der Idee einer <strong>universellen Gemeinschaft<\/strong><sup>16<\/sup> wurzelt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept, das ich vorschlage, ist genuin deterritorialisiert, geographisch offen, radikal entkernt von jeglichen 20.-Jahrhundert-Nationalismen und 21.-Jahrhundert-Tribalismen, hoch\u00e4sthetisch, wahrlich naiv, grunds\u00e4tzlich musikalisch, verbindend und inklusiv, polyphon und heteroglotisch. Jeder Satz ein firmes Gedicht, deklamiert vielleicht in Bengalen oder im Balkan, vielleicht in Bochara oder Badakhshan, und nat\u00fcrlich in unserem eigenen liebgewonnenen Mikrokosmos: <strong>Berlin<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1<\/strong> \u0647\u0646\u062f\u0648\u0633\u062a\u0627\u0646, \u0939\u093f\u0928\u094d\u0926\u0941\u0938\u094d\u0924\u093e\u0928 die Bezeichnung f\u00fcr das heutige Indien w\u00e4hrend des zweiten Millenniums, sp\u00e4testens seit 1021.<br>Hindostan (f\u00e4lschlicherweise Hindustan mit <strong>u<\/strong>) leitet sich vom persischen Wort Hind\u016b \u0647\u0646\u062f\u0648 ab, welches aus dem Sanskritwort Sindhu (was \u201eIndus-Fluss\u201c bedeutet) her geleitet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2<\/strong> \u0645\u0631\u0622\u062a\u0627\u0627\u0644\u062e\u0628\u0627\u0631, zu Deutsch: Nachrichtenspiegel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3<\/strong> Ein Terminus von Bernd Fragner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>4<\/strong> Die lateinische Schreibweise folgt mit Absicht nicht dem eurozentristischen Model der Transkription. Ich folge, mit solider Begr\u00fcndung, dem nat\u00fcrlichen Laut und Expression der persischen Sprache in ihrer hochliterarischen Formatierung. Zum Beispiel: Bochara \u0628\u062e\u0627\u0631\u0627 wird traditionell, also eurozentristisch, Bukhara aufgeschrieben, es ist inkorrekt. Sowie auch Kabol \u06a9\u0627\u0628\u0644 in der Regel mit <strong>U<\/strong> also Kab<strong>u<\/strong>l verschriftlicht wird, was ebenfalls inkorrekt ist. Die tradierten eurozentristischen Modi, die den hiesigen kolonialen \u201eGewohnheiten\u201c entsprechen, werden weder akzeptiert noch respektiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>5<\/strong> Harun Badakhshi, 2024<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>6<\/strong> \u0628\u062f\u062e\u0634\u0627\u0646<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>7<\/strong> Sarajevo Times, 23 Dezember 2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>8<\/strong> \u0631\u0648\u0645\u06cc \u0648 \u0645\u0648\u0627\u0644\u0646\u0627 \u060c\u0645\u0648\u0644\u0648\u06cc \u0628\u0647 \u0646\u0627\u0645\u062f\u0627\u0631,\u0628\u0644\u062e\u06cc \u0645\u062d\u0645\u062f \u062c\u0627\u0644\u0644\u0627\u0644\u062f\u06cc\u0646 . Geboren in Balkh \u0628\u0644\u062e in 1207 und gestorben in Qunya \u0642\u0648\u0646\u06cc\u0647 in 1273. Siehe auch Rumi Eintrag in ncyclopaedia Iranica: https:\/\/www.iranicaonline.org\/articles\/rumi-philosophy\/ oder in Encyclopaedia Britannica: https:\/\/www.britannica.com\/biography\/Rumi . Deutschlandfunk, 7.10.2015. Emin Lilic (2006), Reading Rumi. Rumi in Sarajevo The Mevlevi Tradition in the Balkans. BABAG\u00c2N BOOKS. Ibn Sina Nau\u010dnoistra\u017eiva\u010dki institut, Sarajevo. Poetical World of Jalaluddin Rumi.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>9<\/strong> Sabaheta Ga\u010danin, University of Sarajevo, Oriental Institute, Scientific advisor \/ Nau\u010dni savjetnik. Profil in Academia:<br>https:\/\/unsa-ba.academia.edu\/SabahetaGacanin. Werk: The Persian Divan by Ahmad Khatem Aqovalizade. 2011. Verlag Peter Lang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>10<\/strong> Thomas Ruttig (2016) What Links Sarajevo to Kabul? Impressions from the western end of the Persianate world. Online: https:\/\/www.afghanistan-analysts.org\/en\/reports\/context-culture\/from-kabul-to-sarajevo-kabul-impressions-fromthe-western-end-of-the-persianate-world\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>11<\/strong> Tom\u00e1\u0161 Petr\u016f (2016) &#8220;Lands below the Winds&#8221; as Part of the Persian Cosmopolis: An Inquiry into Linguistic and Cultural Borrowings from the Persianate societies in the Malay World. Moussons Recherche en sciences humaines sur l\u2019Asie du Sud-Est. Moussons n\u00b0 27, 2016-1, 147-161. Majid Daneshgar (2021), Persianate Aspects of the Malay-Indonesian World: Rare Manuscripts. Publication of British Institute of Persian Studies (BIPS). https:\/\/www.bips.ac.uk\/recording\/rare-manuscripts\/. Majid Daneshgar (2023), Translating Persian Tafsir in Aceh: The Oldest Malay \u201cStory of Joseph\u201d at Cambridge University Library. Publication of Cambridge University Library Special Collections. https:\/\/specialcollections-blog.lib.cam.ac.uk\/?p=26005 . Jennifer W. Nourse (2013) The meaning of dukun and allure of Sufi healers: How Persian cosmopolitans transformed Malay-Indonesian history. Journal of Southeast Asian Studies. Vol. 44, No. 3 (October 2013), pp. 400-422 (23 pages). Published By: Cambridge University Press. Claude Guillot (2020) Persia and the Malay World Commercial and Intellectual Exchanges. STUDIA ISLAMIKA 27(3).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>12<\/strong> Murat Umut Inan (2017) Rethinking the Ottoman Imitation of Persian Poetry. Iranian Studies Volume 50, 2017 &#8211; Issue 5<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>13<\/strong> Martin Heidegger, Vorlesung \u201eWesen der Sprache\u201c, Gesammelte Werke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>14<\/strong> Hodgson, M (1974) The Venture of Islam<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>15<\/strong> \u0634\u0627\u0647 \u0646\u0627\u0645\u0647 \u0641\u0631\u062f\u0648\u0633\u06cc<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>16<\/strong> Kosmopolitismus, abgeleitet vom altgriechischen Wort f\u00fcr \u201eWeltb\u00fcrgerschaft\u201c, bietet eine <strong>radikale Alternative<\/strong> zum <strong>Nationalismus<\/strong> und fordert den Einzelnen auf, sich als <strong>Teil einer Gemeinschaft<\/strong> zu begreifen, die <strong>\u00fcber nationale und sprachliche Grenzen hinausgeht<\/strong>. Bekanntlich fand er w\u00e4hrend der Aufkl\u00e4rung in der Gelehrtenrepublik seinen Ausdruck. Seine Weiterentwicklung umfasste im 19. Jahrhundert schwierige Allianzen mit der Idee des Imperialismus, mit den Experimenten der internationalen Avantgarde und modernistischen Kreise sowie mit dem Ph\u00e4nomen der Globalisierung im 20. Jahrhundert. Durch diese und weitere kulturelle Entwicklungen hat der Kosmopolitismus neue Wege des Schreibens, Lesens, \u00dcbersetzens und Verbreitens von Texten hervorgebracht; diese Prozesse wiederum haben zu einem neuen Verst\u00e4ndnis von individueller und nationaler Identit\u00e4t, <strong>neuen Formen der Ethik<\/strong> und neuen Konfigurationen \u00e4sthetischen und politischen Engagements gef\u00fchrt. Von Kant bis Derrida wurde der Kosmopolitismus im Laufe der Geschichte stets als <strong>F\u00f6rderer von Frieden und Kommunikation \u00fcber Grenzen hinweg<\/strong> betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen:<br><\/strong>Eaton, R. (2021). &#8220;The Persian Cosmopolis&#8221;. Oxford Research Encyclopedia of Asian History.<br>Pollock, S. (2006). The Language of the Gods in the World of Men: Sanskrit, Culture, and Power in Premodern India.<br>Green, N. (Ed.). (2019). The Persianate World: Rethinking a Shared Sphere.<br>Amanat, A., &amp; Ashraf, A. (Eds.). (2018). The Persianate World: Rethinking a Shared Sphere.<br>Kia, Mana. Persianate Selves: Memories of Place and Origin Before Nationalism. Stanford University Press, 2020. (Provides in-depth analysis of pre-modern Persianate identity and adab).<br>Fragner, Bert G. Die &#8220;Persophonie&#8221;: Regionalit\u00e4t, Identit\u00e4t und Sprachkontakt in der Geschichte Asiens. Berlin: Das<br>Arabische Buch, 1999. (Key European scholar on &#8220;Persophonie&#8221; and language contact).<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vortr\u00e4ge, \u00dcbersetzungen und Texte von PD Dr. habil. Harun Badakhshi<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Copyrights f\u00fcr den Text, das Konzept und die kontextuellen Grundbegriffe wie \u201ePersian Cosmopolis\u201c und das \u201ePersische Kosmopolis\u201c: \u00a9 2026. Dr. Harun Badakhshi. Alle Rechte vorbehalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An einem frischen und vom lauwarmen Regen begleiteten Fr\u00fchlingstag erschien in Kalkutta der Region Bengal von Hindostan1 (British Raj, sp\u00e4ter zu \u201eIndia\u201c umgetauft), genauer am 18. April 1822, zum ersten Mal eine Zeitung in persischer Sprache. Zum ersten Mal \u00fcberhaupt im gesamten Persischen Kosmopolis. 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