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Issue 15

stadtsprachen magazin (2020)

Editorial

„Language is a virus“ erkannte William S. Burroughs bereits 1962 (in seiner bahnbrechenden Roman The Ticket That Exploded). Berlin ist voll von solchen Viren: Sie wimmeln und vermischen sich, dass es eine Freude ist. Berlin kommt klar mit den Viren, Berlin liebt die Viren, sie gehören dazu. Sogar mit Corona kommen wir klar. In über hundertzwanzig Sprachen wird in dieser Stadt tagtäglich Literatur geschrieben und wir versuchen wie immer, einiges von den interessantesten Stimmen und Texten herauszufinden und sichtbar zu machen. Viren hin oder her, Schwierigkeiten und Regeln her oder hin – geschrieben wird immer, geträumt wird immer, immer gibt es Neues zu entdecken. Poesie brauchen wir immer, Experimente brauchen wir immer, Denkstoff kann es nie genug geben. Die stadtsprachen kennen deshalb keine Pause und die 15. Ausgabe unseres Magazins kommt fast parallel zum 15. Geburtstag der Berliner Literarischen Aktion übrigens, die dieses Magazin herausgibt zum Herbstbeginn als ein Vorgeschmack auf die neue Webseite, die wir zu diesem vielsprachigen Projekt bis Ende dieses Jahres insgesamt neu gestaltet online stellen werden.
Noch gibt es viel Stoff zum Lesen, das wird bei Literatur auch nie anders sein, aber schon mischt sich ein musikalisches Lyrikvideo darunter, demnächst wird es mehr davon geben sowie auch Audios und verwandte digitale Formate … Das hat nichts mit der „Digitalwerdung“ des stadtsprachen magazins durch Corona zu tun, denn das stadtsprachen magazin war von Beginn an total digital und bringt dergleichen beileibe nicht zum ersten Mal. Doch schon im letzten Jahr hatten wir den Plan gefasst, das Jahr 2020 dazu zu nutzen, unser digitales Magazin peu a peu umzustrukturieren, neue Formen und eben auch eine neue Webseite dafür zu bauen und digital deutlicher mit unserer zugehörigen Live-Veranstaltungsreihe PARATAXE und ihren digitalen Ablegern zu verschmelzen.
Die Beiträge von 20 Autor*innen und 11 Übersetzer*innen auf Französisch, Spanisch, Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Niederländisch, Türkisch, Tschechisch und Russisch (nicht selten in mehreren Versionen lesbar) für diese Ausgabe sind auffallend sinnlich: Offenbar reizen die virusbedingten Restriktionen der letzten Monate die Sinne, laden zu Gedankenspielen, bei denen es auf das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und Eintauchen ankommt. Sensation nennt man auf Französisch solch sinnliche Empfindung. Offenbar reizen die viralen Restriktionen dazu, weiterzudenken, darüber hinauszudenken, genauer hinzufühlen, ganz egal in welcher Sprache. Kommt ins Offene, Freunde!

Martin Jankowski
Herausgeber

 

Inhalt

Sharon Dodua Otoo: The Unpublished Interview

Dora Kaprálová: Ostrov ohraničených možností

Cécile Calla: La culotte oubliée

Douglas Pompeu: um idioma que sirva de início

Dilek Mayatürk: İğne ile İplik

Ekaterina Sadur: Langsam verdichten sich die Dämmerung und der Himmel über Berlin

Synke Köhler: chunking express

Jordan Lee Schnee: The High Andes

Jota Ramos: Elástico

Ozan Zakariya Keskinkılıç: biber salçası gibi

Philothée Gaymard: Monumentale

Ilia Ryvkin: До яблоневого цвета

Ryan Ruby: Two or three photographs of Sophia Schliemann

Aurélie Maurin: Ballade en rêve

Mara Mahía: Fake Johny

Diana Plaza Ortiz: Puente

Lars Jongeblod: Immerse

Stéphanie Lux: Mues

Jacques Schmitz: Tongtaal, ruw

Carla Bessa: Aí eu fiquei sem esse filho

 

PS:
Friedrich Hölderlin (17701843)
Der Gang aufs Land. An Landauer

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute
Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
Trüb ists heut, es schlummern die Gäng’ und die Gassen und fast will
Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.
Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer
Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.
Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen,
Wenn ers weigert und doch gönnet den Kindern zuletzt.

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