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Issue no. 11

stadtsprachen magazin (2019)

Editorial

Über 100 Sprachen werden in Berlin derzeit gesprochen – und geschrieben.  Die Anziehungskraft Berlins als Literaturstadt ist ungebrochen, allein der kleine Berlin Writing Prize für englischsprachige Kurzprosa erhielt in diesem Sommer weit über 300 Einsendungen aus aller Welt, mehr als 200 anderssprachige Berliner Autor*innen bewarben sich für das anspruchsvolle Schriftstellerstipendium des Senats für „nichtdeutsche Literatur“ aus Berlin. Es gibt in dieser Stadt neben deutschen und englischsprachigen Literaturmagazinen literarische Zeitschriften auf Spanisch und Portugiesisch, Russisch und Französisch und eine wachsende Zahl anderssprachiger Kleinverlage – Berlin ist auch 2019 ein wahres Babylon der Literatur, Tendenz steigend. In dieses Gewimmel von Sprachen, Literaturen und Stimmen tauchen wir vom stadtsprachen magazin seit mehr als drei Jahren auf der Suche nach neuen Gesichtern und interessanten Texten.
Vor mehr als hundert Jahren träumten die Menschen davon, das Sprachgewirr zu überwinden und eine einfache, weltweite Sprache zu etablieren. Die bekannteste Plansprache mit simpler Struktur und Anleihen aus vielen Weltsprachen war das Esperanto. Der Esperanto-Erfinder Ludwik Lejzer Zamenhof wuchs in der (heute polnischen, damals im Russischen Reich liegenden) Stadt Białystok auf. Wegen des Kulturgemischs aus Polen, Litauern und Deutschen kam ihm bereits in seiner Schulzeit Ende des 19. Jahrhunderts der Gedanke, dass eine neutrale Sprache helfen könnte, Ghettobildung und Rassismus zu verhindern – und dass sie letztlich auch der Schlüssel zum Weltfrieden sein könnte. In der vorliegenden Ausgabe heben wir nun mit dem Vermächtnis des Esperantisten Manfredo Ratislavo einen ganz besonderen Schatz: Er hat sich bis zu seinem Tod im Juni 2018 intensiv der Übersetzung deutscher Poesie ins Esperanto verschrieben. Wir stellen sein außergewöhnliches Lyrik-Archiv poezio.net mit einer Einführung durch seinen in Berlin lebenden Sohn Max-Gerd Retzlaff vor und möchten damit zugleich an den Traum von der einen weltweit gemeinsamen Sprache erinnern. Zudem würdigen wir hier die leidenschaftliche Arbeit eines Übersetzers, der wie viele seiner Zunft zumeist im Schatten des Literaturbetriebs arbeitete. Die literarischen Übersetzer*innen Berlins werden mit ihrer unermüdlichen, schöpferischen Arbeit auch 2019 noch viel zu wenig beachtet und gewürdigt; dieser Umstand wird uns im kommenden Herbst beschäftigen.
Gerade auch dank der vielen großartigen Übersetzer*innen empfinden wir die babylonische Vielsprachigkeit Berlins heute als eine Bereicherung, die unsere Gegenwartsliteratur in allen Farben funkeln lässt:  21 Autor*innen (7 Männer, 14 Frauen), 11 Übersetzer*innen und 11 Sprachen (darunter Esperanto) wirken am stadtsprachen magazin #11 mit – ein verlockender Pool neuester literarischer Entdeckungen.

Für die Redaktion (mit Joey Bahlsen, Birger Hoyer und Lea-Liane Winkler),
Martin Jankowski (Herausgeber)

 

Inhalt

Donna Stonecipher: Die Ruinen der Nostalgie 52

Ron Segal: Die Stimme

Max-Gert Retzlaff: Manfred Retzlaff

Federico Federici: Schneesamen

Henry Lyonga: Recipes that teach & Lessons learned

Chun Shu: kindergarten

Lars Jongeblod: Stars

Laurence Ermacova: Solo Album

Megan Voysey: Lateral lines

Esther Andradi: Drei Verräterinnen

Gabriel Don: Manche Leute

Dmitri Dragilew: Gedichte

Nora Amin: البداية الأولى

Greg Nissan: Tour meets at the Moabitian Riviera

Elsye Suquilanda: Augenringe von Saturn

Donna Stonecipher: Die Ruinen der Nostalgie 26

Valeska Brinkmann: Ein Fenster in Berlin

Eve Richens: Tics

Dasom Yang: Genetisch Gesprochen 1

Zehava Khalfa: Owls

Idra Novey: Dein Gruß, Welt

Inna Krasnoper: ди-wait-стой-s[t]ay

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